Agentur- oder Technologieanbieter: „Best of Breed“ oder „Best of Suite“?

Die Qual der Wahl – wie oft wird dieses altväterliche Sprichwort zitiert, wenn die Sprache auf die ausufernden Auswahlmöglichkeiten der Konsumenten im World Wide Web kommt. Doch nicht nur diese, auch Onlinehändler stehen vor einem Potpourri an Auswahlmöglichkeiten, wenn es um Betrieb, Service und Support ihrer Shops geht. Und wer kann ihnen besser unter die Arme greifen? Eine E-Commerce-Agentur wirbt oft damit, dass sie mit fundierter Expertise darauf spezialisiert sei, leistungsfähige Shopsysteme aufzusetzen. Die Digitalisierung oder Migration von Katalogdaten gehört dabei meist ebenso zum Service wie umfassende strategische Beratung, die Entwicklung von Marketing-Konzepten und Mitarbeiterschulungen am CMS.

E-Commerce-Technologieanbieter wiederum versuchen, damit zu überzeugen, dass sie mit einem interdisziplinären Team Händler als zuverlässiger Lösungspartner begleiten und dazu ein smartes Gesamtpaket aus Beratung, Software, Design, Integration und Begeisterung als schlüsselfertige Lösung für den Online-Handel liefern. Verwirrt? Die Unterschiede liegen, wie so oft, im Detail.

 

(Bildquelle: Statista 2015)

 

Die Unterschiede liegen im Detail

Das Abrechnungsmodell: Hilfreich ist beispielsweise ein Blick auf das zugrunde liegende Abrechnungsmodell. Wo Agenturen und Systemhäuser ihr Geld vorrangig über die Abrechnung von Personentagen verdienen, tut dies ein Technologieanbieter meist kundenumsatzabhängig. Je erfolgreicher der Kunde, umso erfolgreicher läuft es auch für den Technologieanbieter. Wobei man hier aber auch hinzufügen sollte, dass sich der Software-Markt in diesem Geschäftssegment in den letzten Jahren generell weg von Individual- hin zu Standardlösungen mit Ökosystem entwickelt hat. Infolgedessen wird sich das Agentur-/Systemhausgeschäft in der Zukunft vermutlich folgerichtig weg vom auf Individualisierung angelegten Personentag- hin zum „pay-per-use“-basierten Modell wandeln, bei dem der Kunde ausschließlich die Leistung zahlt, die er auch nutzt.

Das Geschäftsmodell: Auch das Geschäftsmodell des Händlers spielt eine Rolle. Stark individualisierte Agentur-/Systemhauslösungen werden auch in Zukunft ihre volle Berechtigung insbesondere im High-End-Bereich und in wenig standardisierbaren Geschäftsfeldern behalten. Technologische Lösungsanbieter hingegen werden eher weiter an Bedeutung in den standardisierbaren Geschäftsfeldern gewinnen.

Der Vorteil hierbei: es lassen sich leichter funktionelle Verbesserungen in regelmäßigen, kurzzyklischen Updates bereitstellen, die mit der monatlichen On-Demand-Fee abgegolten sind. Für Händler entfallen so beispielsweise Anschaffungs- und Lizenzierungskosten für Software und die damit verbundene Kapitalbindung und Softwarepflege. Ein Unternehmen verfügt damit permanent über eine Systemlandschaft, die State-of-the-Art ist, ohne die damit in der Vergangenheit einhergehenden Kosten- und Geschäftsrisiken in Kauf nehmen zu müssen – hat aber auch meist wenig Chancen, eine ganz individuell zugeschnittene Lösung zu besitzen.

Fazit

Auch wenn der Onlinehandel per se weiterwachsen wird – auch der Wettbewerb unter Onlinehändlern wird weiter steigen. Ein Händler sollte sich bei der Entscheidung zwischen Agentur oder Technologiedienstleister daher überlegen, was für seinen Shop entscheidender ist: Individuelle Konfigurierbarkeit oder On-Demand-Skalierbarkeit.


Autor: Robert Hein is Mitbegründer und Geschäftsführer der 004 Beratungs- und Dienstleistungs GmbH, einem Full-Service-E- Commerce-Dienstleister. Vor 004 war Robert Hein Mitbegründer und Geschäftsführer von electronica24, das in Deutschland zu den ersten Online-Elektronik-Einzelhändlern zählt. 004 bietet bereits seit 12 Jahren einen bewährten B2C-E-Commerce-Public-Cloud-Service an und ist, obwohl das Unternehmen auch die branchenspezifische Vorkonfiguration der zugrunde liegenden Microsoft-Dynamics-NAV-Lösung übernimmt und selbstverständlich auch Kunden-Screen-Designs in ihr proprietäres Frontend implementiert, daher keinesfalls mit einem Systemhaus oder einer Agentur zu verwechseln. Kernkompetenz von 004 war, ist und wird in Zukunft die Softwareentwicklung und deren Betrieb bleiben.

(jm)

 

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