Allianzen im E-Commerce

Ob „allied“ oder „united“ – gemeinsam zum Ziel im E-Commerce heißt die Devise? Ist das nun ein neuer Trend, ist es ein aufflackerndes Strohfeuer – Erinnerungen an den Dotcom-Hype um die Jahrtausendwende werden gar bei manchen wach –, oder kommt auch der E-Commerce in der Wirklichkeit an? Falls diese Entwicklung bislang an Ihnen vorbeigegangen sein sollte: es geht um Folgendes: Immer mehr E-Commerce-Unternehmen schließen sich zusammen, um gemeinsam besser am Markt operieren zu können, um Synergien zu nutzen. Das ist nicht wirklich neu und es ist bestimmt kein Strohfeuer. Es ist irgendwie logisch. Mit anderen Worten: Die Branche konsolidiert sich und wird „erwachsen“. Im Prinzip sind diese Allianzen doch auch nichts anderes als das, was andere Branchen schon seit vielen Jahren erfolgreich vorexerziert haben. Stichwort „Schlüsselfertiges Bauen“ etwa: Der ambitionierte Bauherr beauftragt den Bauträger seines Vertrauens in der Hoffnung, dass dieser dann die Subunternehmen und Einzelgewerke zur Arbeit anhält, die Qualität garantiert und mehr oder weniger pünktlich fertig wird. In der Regel sind dann ja auch alle Beteiligten zufrieden: Der Kunde hat einen Ansprechpartner, die Gewerke sind eingespielt und alle zusammen machen einen guten Schnitt. Auch in der Automobilindustrie oder bei traditionellen Handelsketten verhält es sich ähnlich. Die Situation am Markt wird nicht einfacher und deshalb versuchen sich eben die einzelnen, eher spezialisierten und kleinen Anbieter und Zulieferer zu einem Gesamtservice zusammenzuschließen. Alles in der nicht unberechtigten Hoffnung, als Full-Service-Anbieter wettbewerbsfähiger zu sein. So weit, so gut. Auch und gerade im E-Commerce gelten die Gesetze des Marktes und die Unternehmen sollten auf die Organisationsform achten. So halte ich etwa die Gründung als Verein für nicht optimal. Dem Kunden geht es doch um eine rechtsfähige Organisation. Das ist ihm genauso wichtig wie eine vertrauenswürdige Hilfe bei der Entscheidungsfindung. Und, last but not least, geht es dem Kunden darum, nur noch einen vertraglichen Ansprechpartner zu haben. Das klingt eigentlich alles ganz simpel. Doch so einfach ist es nicht, denn um wirklichen Erfolg zu haben, spielt jetzt der Aufbau einer Marke eine wichtige Rolle. Und hier sind wir wieder bei der Automobilindustrie. Auch wenn die heutigen Automarken ihre Fertigungstiefe auf eine große Zahl von Zulieferern verlagert haben und oft „nur noch“ alles zusammenschrauben, interessiert die Kunden dieser Umstand – wenn überhaupt – nur am Rande. Sie kaufen nur die starke, die renommierte Marke und sind sogar bereit, dafür etwas mehr Geld auszugeben. Nun bin ich darauf gespannt, ob und welchem Konsortium es zuerst gelingt, zur Marke zu werden. Das Konsolidierungsspiel um die besten Allianzen im E-Commerce-Markt ist in vollem Gange.

Autor: Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer ist Direktor des Institute of Electronic Business und Professor für Electronic Business/Marketing an der UdK Berlin sowie Direktor des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft. Außerdem ist er wissenschaftlicher Direktor bei der Unternehmensberatung iDeers Consulting.

Die Allianzen im Überblick

United E-Commerce

Unter dem Dach von United E-Commerce e.V. kooperieren verschiedene auf E-Commerce-Dienstleistungen spezialisierte Unternehmen, um gemeinsam hochwertigen Full-Service für E-Commerce anzubieten. Als agiles Netzwerk von Partnerunternehmen bietet United E-Commerce ab sofort das gesamte Leistungsspektrum im E-Commerce – von Analytics bis Zahlungssysteme. Kunden profitieren dabei von der erprobten Kooperation der Partner miteinander und erhalten unkompliziert und passgenau an ihren Bedürfnissen orientierte Hilfe von Experten. Partner von United E-Commerce sind Econda, eResult, Host Europe, netz98 new media, Omikron Data Quality (FACT-Finder), Payone, Performance Media Deutschland, rankingCHECK, Res Media – Kanzlei für IT- und Medienrecht und Gewerblichen Rechtsschutz, SC-Networks (Evalanche) und Shopgate. United E-Commerce arbeitet unter anderem über den Magento-Gold-Partner netz98 eng mit Magento (ein eBay Unternehmen) zusammen.

Kontakt: www.united-ecommerce.de

Choice in E-Commerce

Choice in E-Commerce ist eine im April 2013 von Oliver Prothmann gegründete Initiative von Online-Händlern. Seit zwei Jahren beobachten Prothmann und viele Mitglieder der Händler-Community mit wachsender Sorge die negativen Auswirkungen von Plattformverboten, die besonders kleine und mittelgroße Verkäufer treffen. Das Ergebnis war der Start der Initiative Choice in E-Commerce mit einem Workshop im April 2013. Im Folgenden wurde nach Unterstützern gesucht; den Anfang machte der BVOH (Bundesverband Onlinehandel). Mit vielen weiteren Unternehmen, Marktplätzen und Verbänden ist Choice in E-Commerce in Kontakt. Choice in E-Commerce hat eine Petition gestartet, die sich dafür einsetzt, dass alle Händler – besonders kleine und mittelgroße – von politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen profitieren, in denen Plattformverbote nicht toleriert werden.

Kontakt: www.choice-in-ecommerce.org

Allied Commerce

Allied Commerce ist eine langfristig angelegte Kooperation von acht Unternehmen, die ihren Kunden garantiert, alle Bereiche des E-Commerce auf höchstem Niveau abzudecken. Unter dem Gütesiegel „Allied Commerce“ agieren die hochspezialisierten und seit Jahren auf dem Markt etablierten Unternehmen Addressdoctor, Econda, FACT-Finder, Heidelpay, Hellman, Inxmail, jankowfsky und profihost gemeinsam, um ihren Kunden eine perfekte „Alles-aus-einer-Hand“-Lösung zu bieten.

Kontakt: http://www.allied-commerce.com/

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