Alter schützt vor Investitionen nicht

Trotz Konjunktur und Niedrigzinsen investieren Unternehmen in Deutschland kaum. Aber warum? Gerne wird der demographische Wandel herangezogen: Verantwortlich seien ältere Unternehmer, die kein Interesse mehr an Investitionen hätten, da es ihrem Unternehmen ja gut ginge. Diese Annahme ist – wie Studien zeigen – zwar nicht ganz falsch. Sie ist aber nur die eine Seite der Medaille, betont Prof. Lucas F. Flöther (im Bild), ein Insolvenzverwalter und Sanierungsexperten.

Auf der anderen Seite gibt es nämlich auch viele ältere Unternehmer, die gerne investieren würden, von den Banken aber keine entsprechenden Kredite mehr erhalten. „Das Geld für Investitionen kommt nicht in den Unternehmen an“, beschreibt Flöther die aktuelle Situation. „Sie könnten gar nicht von den Niedrigzinsen profitieren.“ Es herrscht also derzeit zwar eine Liquiditätsschwemme im Finanzmarkt, aber ein Liquiditätsengpass bei vielen Unternehmen.

Dass beide Szenarien betroffene Unternehmen schnell in eine existenzbedrohende Krise führen können, sieht Flöther regelmäßig in seiner täglichen Praxis. Wie aber sollen Unternehmen – gerade solche mit älteren Inhabern, Gesellschaftern oder Geschäftsführern –, das Thema Investitionen richtig angehen? Dabei sollte weniger das Alter des Unternehmers im Mittelpunkt stehen, als vielmehr das Produkt und das Wohl seines Unternehmens. 

 Rücklagen bilden und für Investitionen einsetzen

Zunächst einmal, so Flöther, sollten Investitionen grundsätzlich immer einer klaren Strategie folgen: „Nur weil gerade Geld da ist, heißt das nicht, dass es auch Sinn macht, dieses wieder direkt zu investieren.“ Auf der anderen Seite dürfe sich ein Unternehmer aber auch nicht generell vor Investitionen verschließen, nur weil es dem Unternehmen gerade gut geht. Daher rät Flöther, in wirtschaftlich „guten Zeiten“ kontinuierlich Rücklagen zu bilden und diese dann auch gezielt für Investitionen einzusetzen. So ist das Unternehmen nicht oder nur zum Teil auf Kredite angewiesen; es läuft aber auch nicht Gefahr, sofort in eine Schieflage zu geraten, wenn eine Investition nötig wird. „Vorhandene Rücklagen nehmen gerade älteren Unternehmern die Angst vor Investitionen“, stellt Flöther fest.

Das Motto „Der gute Unternehmer ist auch ein vorsichtiger Kaufmann“, ist laut Flöther also erst einmal richtig. Aber diese Vorsicht, die vermehrt ältere Unternehmer zeigen, darf nicht zu Stagnation und Verweigerung führen. „Investitionen sind in allen Unternehmen notwendig – früher oder später. Produkte und Märkte wandeln sich genauso wie die beteiligten Personen.“ Diesem Wandel kann oftmals nur durch Investitionen oder Innovationen begegnet werden. Ein Produkt, das die letzten dreißig Jahre gut funktioniert hat und erfolgreich war, kann nächstes Jahr schon überholt und damit unverkäuflich sein.

Keine Verkrustung zulassen

Das bedeutet auch, nicht nur im Hier – oder gar in der Vergangenheit – denken, sondern den Blick in die Zukunft zu richten. Welche Herausforderungen kommen die nächsten Monate und Jahre auf die Branche zu? Bin ich mit meinem Produkt unter den neuen Rahmenbedingungen weiterhin konkurrenzfähig? „Sollte die zweite Frage nicht mit einem klaren ‚Ja‘ beantwortet werden können, gilt es, das Produkt oder das Unternehmen neu auszurichten“, rät Flöther. Dabei dürfe auch nicht vor möglichen Investitionen zurückgeschreckt werden. Grundsätzlich gelte: „Immer am Ball bleiben“, also Produkte und Leistungen regelmäßig hinterfragen und bei Bedarf investieren.

Dazu zählt auch: Offenheit für Neues. Gerade ältere Unternehmer tun sich oft schwer loszulassen oder Tipps von außen anzunehmen. Dies führt schnell dazu, dass die eingefahrenen Denkweisen gar nicht mehr in Frage gestellt werden und eine Art Verkrustung einsetzt. Flöther dazu: „Unterschiedliche Denkweisen in einem Unternehmen sind für den Unternehmenserfolg aber unverzichtbar. Gerade Außenstehende haben oft einen ganz anderen Blick auf die Dinge und bringen neue Ideen ein, wie das Unternehmen erfolgreich weiterentwickelt werden kann.“ Diese neuen Ansätze führen immer wieder zu hilfreichen Investitionen für die Zukunft.  

Nachfolge rechtzeitig regeln

In diesem Zusammenhang ist es naturgemäß besonders wichtig, sich rechtzeitig um die Unternehmensnachfolge zu kümmern. „Ein Thema, das von älteren Firmenchefs gerne verdrängt wird“, so Flöther. „Obwohl eine Unternehmensübergabe mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann.“ Oftmals schadet der Firmenchef seinem Unternehmen dadurch mehr als es nutzt, wenn er das Ruder so lang wie möglich in der Hand behält und nur wenig Zeit für eine spätere Übergabe vorhanden ist. Ein guter Nachfolger, der eine Zeit gemeinsam mit dem bisherigen Chef die Geschäfte lenkt, ist laut Flöther dagegen die beste Variante. „Oftmals brennt der Neue darauf, dass Unternehmen weiterzuentwickeln und ist daher eher bereit, Investitionen zu tätigen.“ Zumal der meist jüngere Nachfolger bei der Aufnahme eines erforderlichen Kredits sicher bessere Karten hat. Kreditinstitute drängen im Rahmen ihrer Risikobeurteilung in der Regel auf Klarheit bei der Unternehmensnachfolge.

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