Andreas Wiebe von Swisscows im Interview: Google gegen Verlage – oder doch anderswo Geld verdienen?

„Die VG Media Presseverleger sehen sich angesichts der überwältigenden Marktmacht von Google zu diesem außergewöhnlichen Schritt gezwungen." – so heißt es in einer Stellungnahme der VG Media im Streit um das Leistungsschutzrecht mit Google. Weiterhin wird also die Suchmaschine von den Inhalten der Verlage profitieren – doch weder Verlag noch Autor der Texte wird an den Einnahmen durch Werbung auf der Google-Plattform beteiligt. Das möchte Swisscows, die alternative Suchmaschine des Schweizer Unternehmens Hulbee, anders machen. Hier wäre die Bereitschaft da, den Content der Verlage auch entsprechend zu vergüten. Wir befragen dazu den CEO von Hulbee Andreas Wiebe (im Bild).

ECM: Die deutschen Verlage liegen im dauerhaften Streit mit Google. Sie haben ein komplett neues Modell einer Vergütung zwischen Suchmaschine und Verlag angeboten. Wie stellen Sie sich diese Maßnahme vor?

Andreas Wiebe: Ich kenne die Verlagswelt sehr gut und war sehr enttäuscht, dass die Verlage schlussendlich nachgegeben haben. Das halte ich für einen eklatanten Fehler. Google wird jetzt noch mehr seine Dominanz positionieren und auch mutiger auftreten können. Das Monopol ist gefestigt, und nicht zu schwächen, wie es scheint. Dabei lebt doch Google von frischen und aktuellen Inhalten aus den Verlagen – denn Google schafft keinen Content selber, sondern verwaltet nur den Zugang dazu. Verlage haben daher eigentlich eine machtvolle Verhandlungsposition – sind sich aber dieser Schwäche an Google nicht bewusst. Google ist nicht so unbesiegbar, wie die Welt es sich vorstellt – der Markt ist groß, schnelllebig: Was gestern im Internet noch ein Erfolg war, ist heute vergessen. Google ist ein innovatives Unternehmen und ich habe Respekt davor, jedoch sollten die Verlage einen Rat bei Suchmaschinen-Spezialisten suchen und nicht intern bei Menschen, die sich hier ohne Fachwissen nur Sorgen machen, was passieren könnte. Der User entscheidet, und wird immer die Suchmaschine nutzen, die frisch ist. Wir bieten einen möglichen Weg für die Verlage, in der Schweiz und Deutschland sind wir bereits in der Vorbereitung, unser Konzept umzusetzen. Mit uns als alternativer Suchmaschine würden Verlage profitieren und am Gewinn beteiligt werden.

ECM: Das Internet ist für Verlage ein rutschiges Pflaster. Der Versuch, Content gegen Geld zu verkaufen, scheitert allzu oft. Wie wollen Sie diese Situation lösen?

Andreas Wiebe: Diese Ausgangslage lässt sich in einem Punkt nicht lösen: User werden kaum heute beginnen, global für Inhalte zu zahlen. Online-Berichterstattung hinter einer Paywall ist meist nicht erfolgreich, während kostenfreie Angebote über hohe Besucherströme verfügen. Hier ist nur eine Kombination aus allen Faktoren ertragreich. Zum einen die Kombination mit der Suchmaschine, die Inhalte strukturiert und für den Nutzer findet und auch vorschlägt. Diese semantische Technologie verwendet Swisscows – weit fortschrittlicher als andere Suchmaschinen, zudem wird im kommenden Jahr unser eigener Index live gehen. Damit sind wir komplett unabhängig. Hier muss also zwischen den Einnahmen, die wir verzeichnen durch Werbeangebote, und den Content-Providern, die unsere Inhalte frisch halten, ein Share sein. Dann können Verlage weiter auch die eigenen Plattformen für Werbeangebote wie native Advertising nutzen. Das ist ein wesentlicher Trend, der auch in DACH für hohe Klickraten sorgen wird. Ein Viral ist meist auch ein Werbeinhalt, der geteilt wird. Das ist zeitgemäß und wird als Enabler für die redaktionellen Inhalte dienen. Dann können Printangebote reduziert werden, oder flexible Abo-Modelle gebucht werden, auch Print-on-Demand ist denkbar.

ECM: Wie wird sich der Suchmaschinenmarkt in den kommenden Jahren entwickeln?

Andreas Wiebe: Eine Suchmaschine wird weiter an Intelligenz zulegen und das Internet nach Themen und Begriffen öffnen. Zusätzlich wird die Suchmaschine die Ergebnisse so analysieren, dass man in einer zusammengefassten Form echte Antworten auf die Fragen bekommt. Sprachein- und Ausgabe ist wichtig, um die mobile Nutzung zu vereinfachen. Die Suchmaschine wird inhaltliche Informationen aus referenzierenden Seiten auswerten und darstellen können, die Quellseite kann weiter auch einzeln besucht werden. Damit werden Suchmaschinen – nicht nur unsere – deutlich mehr zu Antwortmaschinen.

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