Auf die Verpackung kommt es an

Dr. Ole Nordhoff (DHL): Gute Versandverpackungen schützen nicht nur die bestellten Waren, sondern  runden auch das Einkaufserlebnis des Kunden ab. Im besten Fall bestätigen sie noch einmal das Leistungsversprechen und den positiven Eindruck des Webshops. Eine gute Verpackung bietet dabei so viel Schutz wie nötig bei so wenig Verpackungsmaterial wie möglich. Zu große Verpackungen und überflüssiges Füllmaterial wirken unprofessionell und erhöhen die Kosten unnötig. Zudem verärgert der hohe Entsorgungsaufwand den Kunden. Eine perfekte Verpackung im Onlinehandel erfüllt gleich zwei wesentliche Ziele: sie repräsentiert die Marke des Absenders und schützt zugleich den wertvollen Inhalt vor den Belastungen, denen ein Paket auf seiner Reise zum Empfänger ausgesetzt ist. Wir erkennen hier insbesondere einen Trend, der sich vor allem im Bereich des Elektronikversands immer weiter durchzusetzen scheint: Produktverpackungen werden zu Versandverpackungen. Dabei wird die Produktverpackung so gestaltet, dass sie nur noch mit den Versandinformationen (Label) ausgestattet werden muss und damit bereits versandfertig ist. Dies bietet für Kunden und Versender gleichermaßen Vorteile. Es wird weniger Verpackungsmaterial produziert und später entsorgt. Zudem wird die Komplexität im Fulfillment verringert.

DHL Paket beschäftigt Kartonageexperten und Verpackungsingenieure, die sich tagtäglich mit der „perfekten Verpackung“ befassen. Neben der Entwicklung innovativer Kartonagen bietet DHL seinen Geschäftskunden eine professionelle Verpackungsprüfung: vom kurzen Verpackungscheck bis zur ausführlichen Laboruntersuchung mit anschließender Haftungszusage ist alles möglich.

Dieter Urbanke (Hermes Fulfilment): Ob Karton oder Tüte – die Verpackung ist ein wesentliches Instrument, um die Marke zu stärken. Online-Händler sind deshalb gut beraten, auf der Verpackung ihre Marke entsprechend in Szene zu setzen. Generell gilt: Je hochwertiger das Produkt, desto hochwertiger sollte die Verpackung sein. Mit dem Aushändigen der Sendung durch den Zusteller tritt der Händler mit dem Endkunden indirekt in Kontakt. Deshalb sollte das Öffnen beim Besteller ein positives Einkaufserlebnis auslösen. Dazu trägt nicht nur eine ansprechende Aufmachung des Pakets, sondern beispielsweise auch die Platzierung von Rechnung und Retourenschein bei. Diese notwendigen Unterlagen sollten nicht das Erste sein, was der Kunde beim Öffnen der Sendung sieht.

Marcus Gropp (Fiege): Wir führen mit unseren Kunden intensive Gespräche und sprechen verschiedene Verpackungskonzepte durch. Je nach Produkt (ob zum Beispiel Gläser, Fashionartikel oder Möbel) sehen die Lösungen sehr unterschiedlich aus. Dabei profitieren wir von unserer langjährigen Erfahrung aus Projekten als Logistikdienstleister sowohl für den Versand- wie auch stationären Einzelhandel. Diese Erfahrungen werten wir aus und entwickeln erste Lösungsansätze. Allgemeine Tipps sind hier nur der Anfang. Denn auch die Frage der Verpackung erfordert sehr individuelle Lösungen. Die Verpackung (sowohl Kartonage als auch Füllmaterial) sollte natürlich zweckmäßig, einfach zu handhaben, umweltfreundlich und kostengünstig sein. Je nach Zielgruppe und Güterart darf sie aber auch besonders und etwas luxuriöser sein. Die Verpackung sollte das Selbstverständnis und das Markenversprechen des Händlers oder Herstellers an den Kunden transportieren und unterstützen. Deshalb sollten Onlinehändler dieses Thema durchaus ernstnehmen. Diese Individualität muss allerdings auch zu den Prozessen der Carrier passen, um reibungslose Abläufe in der Zustellung zu gewährleisten und zu verhindern, dass die gewählte Verpackung auf dem Transportweg Schaden nimmt und beim Endkunden für Unmut sorgt. Deshalb führen wir Tests mit den verschiedenen Carriern durch, um die beste Lösung zu ermitteln. Entscheidend ist eine sinnvolle Kombination aus Karton und Füllmaterial. Durch einen fortlaufenden Optimierungsprozess wird über die Zeit so ein nachhaltiges Verpackungskonzept etabliert, das zu den Wünschen des Händlers und den Erwartungen der Endkunden passt.

Christian Schomann (Landbell): Die Versandverpackung einer Ware muss vor allem deren Unversehrtheit garantieren und den Qualitätsansprüchen des Kunden entsprechen. Mehr als durch eine aufwendige farbliche Aufmachung können Versandverpackungen durch eine umweltgerechte Gestaltung und unkomplizierte Entsorgung zu Hause punkten. Als Rückhol-System für Verkaufsverpackungen kümmern wir uns um Versandverpackungen unserer Kunden unter anderem aus dem Onlinehandel und erreichen damit eine ressourcenschonende Rückholung und Verwertung. 

Eine Schwachstelle vieler Onlinehändler ist das platzsparende und umweltfreundliche Verpacken. Haben Sie auch hier ein paar Tipps für Versandhändler?

Boris Winkelmann (DPD): Für die positive Bewertung eines Onlineeinkaufs ist ein gutes Versanderlebnis elementar. Neben einer bequemen und schnellen Lieferung gehört dazu auch die Verpackung. Als Paketdienst plädieren wir ganz entschieden dafür, die Verpackung so individuell wie möglich an die versendete Ware anzupassen – das spart Ressourcen und sorgt dafür, dass der Inhalt unversehrt ankommt.

Christian Schomann (Landbell): Eine platzsparende Kartonage spart Kosten beim Material, beim Versand und schlussendlich auch bei der Rückholung und Verwertung, etwa über das Duale System. Umweltgerecht ist der wesentliche Aspekt, vor allem bei den steigenden Versandvorgängen im Onlinehandel. Wir empfehlen die Verwendung von Kartonagen aus recyceltem Altpapier. Dadurch werden nicht nur weniger Rohstoffe verbraucht – der Onlinehändler kann sein ressourcenschonendes Handeln auch durch einen entsprechenden Hinweis auf der Kartonage kommunizieren. Die Polstermaterialien sollten übrigens aus nur einem Material bestehen, so dass Verbraucher sie einfach und umweltgerecht entsorgen können.

Dr. Ole Nordhoff (DHL): Die einfachste Methode für umweltfreundliches Verpacken ist, möglichst wenig Verpackungsmaterial zu nutzen. Das geht natürlich nur, wenn der gesamte Konfektionsprozess hochprofessionell und dynamisch ausgestaltet ist. Die platzsparende Verpackung, auch „Füllgradoptimierung“ genannt, wird dabei zunehmend wichtiger. Die Verpackung sollte sich grundsätzlich immer nach den zu versendenden Waren richten, um Anforderungen an Umweltverträglichkeit, Müllvermeidung, Beschädigungsfreiheit und Kundenerlebnis in ein optimales Verhältnis zu bringen. Für Onlineversender tragen Anzahl und Abmessungen der zum Transport eingesetzten Kartonagetypen in Form von Lager- und Materialkosten direkt zu den Verpackungskosten bei. Bei DHL Paket erhält der Kunde auf Wunsch alle benötigten Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette: Von einer professionellen Verkaufsplattform über sicheres Payment, zuverlässige Lagerhaltung bis hin zum schnellen Transport und transparentem Retouren-Management. Unserer Erfahrung nach unterstützt Fulfillment und Versand aus einer Hand besonders kurze Laufzeiten und reduziert Bearbeitungsfehler.

Marcus Gropp (Fiege): Allgemein sollten Händler auf flexible Kartonagen (runterschneidbar) und auf umweltfreundliches und kundenfreundliches Füllmaterial wie etwa Luftpolsterfolie achten. Diese Materialien sind sehr erfolgreich auf dem Markt. Aber auch bei „Loose-fill“-Materialien gibt es umweltfreundliche und zweckmäßige Lösungen. Hier sollten Onlinehändler mit dem Logistikdienstleister ihres Vertrauens sprechen.

Dieter Urbanke (Hermes Fulfilment): Hermes Fulfilment hat die Erfahrung gemacht, dass Endkunden heute sehr auf Umweltverträglichkeit achten. Auch die Verpackungsgröße spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die Otto Group beispielsweise hat mit Unterstützung der Hermes Fulfilment GmbH ihre Verpackungen analysieren lassen und die Größen ihrer Kartons optimiert. Sie enthalten seitdem deutlich weniger Luft. Das wiederum reduziert das Transportvolumen bei der Auslieferung um mehr als 500 Lkw-Ladungen pro Jahr. Auf diese Weise werden jährlich 170 Tonnen CO2 eingespart. Davon profitieren nicht nur die Online-Händler, sondern auch die Endkunden, die weniger Verpackungsmaterial entsorgen müssen.

Eine Bearingpoint-Studie besagt, dass Päckchen mit deutlich weniger Beschädigungen und Fehlpackungen  beim Konsumenten angekommen, wenn sich Onlinehändler selber um das Fulfillment kümmern. Was sagen Sie dazu?

Marcus Gropp (Fiege): Man sollte bei diesem Thema nicht vergessen, dass der Logistikdienstleister nur ein Teil der Prozesskette im Fulfillment ist. Der Transport der Ware erfolgt über eine überschaubare Anzahl Carrier, unabhängig davon, wer das Fulfillment im Lager erbringt. Ein in Eigenregie durchgeführtes Fulfillment macht an dieser Stelle also keinen Unterschied. Dies gilt es zu berücksichtigen. Wir bündeln die langjährige Erfahrung aus zahlreichen Projekten über verschiedenste Sortimente. Diesen Erfahrungsschatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Möglichkeiten und die Flexibilität unserer verschiedenen IT-geleiteten Kommissionierlösungen sind Vorteile, die wir sehr erfolgreich an unsere Kunden weitergeben. Unsere Kommissioniersysteme schließen Fehler in der Kommissionierung heute zu 99,9 Prozent aus.

Christian Schomann (Landbell): Es ist eine Frage von Machbarkeit und Kosten. Ab einer gewissen kritischen Größe muss der Onlinehändler das Fulfillment in die Hände eines Dienstleisters geben. Der Qualitätsstandard kann dabei durch regelmäßige Audits, einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess und Schulungen der Mitarbeiter des Fulfillment-Dienstleisters sichergestellt werden.

Dieter Urbanke (Hermes Fulfilment): Dieses Studienergebnis können wir so nicht bestätigen. Hermes Fulfilment kommt auf einen Erfüllungsgrad von 99,9 Prozent. Und das bei einem Volumen von bis zu 300.000 Sendungen, die wir allein in unserem Versandzentrum in Haldensleben täglich an unser Schwesterunternehmen Hermes Logistik Gruppe Deutschland übergeben. Das Fulfilment gehört im Gegensatz zur Produktentwicklung und Sortimentsfindung in der Regel nicht zur Kernkompetenz des Händlers und kann von Dienstleistern mit dem entsprechenden Know-how professioneller gemanagt werden. Tendenziell werden immer mehr Leistungen fremd vergeben, weil zunehmend Händler, die bislang nur stationär vertreten waren, den Webshop als zweites Standbein für sich entdecken, wesentliche Teile des Geschäfts aber nicht selbst übernehmen wollen oder können. Unsere Auftraggeber legen Wert auf Qualität. Wir verpflichten uns vertraglich, eine vom Händler vorgegebene Qualität einzuhalten. Auch deshalb ist es unser Anspruch, dass jede Lieferung in einwandfreiem Zustand beim Endkunden ankommt.

Im Interview:

  • Boris Winkelmann, CEO bei  DPD, das sich mit einem kartengestützten Live-Tracking und einer Zustellprognose bis auf 30 Minuten genau als Innovationsführer beim Paketversand an private Empfänger sieht.
  • Marcus Gropp, Head of Sales bei Fiege Customer Solutions & E-Commerce. Das Unternehmen  bietet die gesamten E-Commerce-Services inklusive Logistik und Retourenmanagement auf einem internationalen Level sowohl in Europa als auch für den chinesischen Markt an.
  • Dr. Ole Nordhoff, Senior Vice President Business Customers bei DHL Paket. DHL ist Teil des weltweiten Logistikkonzerns Deutsche Post DHL und besteht aus den Unternehmensbereichen DHL Paket, DHL Express, DHL Global Forwarding, Freight und DHL Supply Chain.
  • Christian Schomann, Gesamtvertriebsleiter & Prokurist bei Landbell für Rückhol-Systeme. Landbell organisiert im Auftrag von Industrie und Handel das Recycling von Verpackungen, auf denen der „Grüne Punkt“ steht. Die Hersteller dieser Verpackungen haben Lizenzgebühren für die Entsorgung entrichtet.
  • Dieter Urbanke, Vorsitzender der Geschäftsführung Hermes Fulfilment. Hermes Fulfilment entwickelt vor dem Hintergrund langjähriger Handelserfahrung effiziente, nachhaltige Full-Service E-Commerce-Lösungen.

Dieser Beitrag erschien erstmals im e-commerce Magazin 07/2014

  • Marcus Gropp (Fiege)
  • Dr. Ole Nordhoff (DHL Paket)
  • Christian Schomann (Landbell)
  • Dieter Urbanke (Hermes Fulfilment)
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