Auslandsinkasso: andere Länder, andere Sitten

In Deutschland gibt es zertifizierte Inkassounternehmen, die von ihren Mandanten weder Mitgliedsbeiträge noch Einstell- und Bearbeitungsgebühren verlangen. Im Ausland ist dies leider meist anders. Möchten Onlinehändler sicher gehen, dass sie ein seriöses Inkassobüro mit der Einforderung ihrer Außenstände beauftragen, sollten sie sich also an ein hiesiges Inkassounternehmen wenden – das mit professionellen Partnern im Ausland zusammenarbeitet. Außerdem ist es wichtig, bei der Entscheidung für den Inkassodienstleister darauf zu achten, dass er Zahlungskonditionen anbietet, die sich für den Gläubiger rechnen. Ideal ist eine Geschäftsbeziehung auf Erfolgsprovisionsbasis: Nur im Erfolgsfall zahlt der Mandant dann eine Provision, die zwischen 25 und 40 Prozent des Forderungswerts beträgt – Beratung, Schriftverkehr und Übersetzungen inklusive. Die Höhe der Provision ist abhängig vom zu leistenden Aufwand: Übersetzungen etwa ins Chinesische oder Arabische sind kostspieliger als ins Spanische. Auch die jeweilige Gesetzeslage und die Umstände, unter denen der Inkassopartner in einem Land agiert, wirken sich auf die Höhe der Erfolgsprovision aus. Die besondere Attraktivität dieses Zahlungsmodells liegt für Gläubiger darin, dass der Inkassodienstleister im Fall eines Nichterfolgs auch nicht bezahlt werden muss. So kann sich der Shopbetreiber sicher sein, dass das Inkassobüro alle legalen Möglichkeiten ausschöpft, um eine offene Forderung einzutreiben. Die Wahrung der gesetzlichen Vorgaben hat dabei immer oberste Priorität. Werden wir Deutsche auch oft für unsere behördliche Regulierungswut belächelt, täten andere Länder doch gut daran, der eigenen Inkassobranche ähnlich strenge gesetzliche Vorgaben zu machen. Nur so lassen sich illegale Eintreibungspraktiken wirksam eindämmen.

Landesspezifische Eigenheiten beachten

Je nachdem, in welchem Land Außenstände eingefordert werden, sehen sich Inkassobüro, Gläubiger und Schuldner mit gänzlich anderen Strukturen konfrontiert. In vielen Ländern, auch bei unseren europäischen Nachbarn, gibt es keine einheitlich organisierte Inkassowirtschaft. Der Grund: Weder die Europäische Zentralbank noch die gesetzgebenden europäischen Behörden setzen in diesem Bereich klare und allgemeinverbindliche Vorgaben. Dies führt zu einer Vielfalt an landesspezifischen Regelungen und Eigenheiten, die das ausländische Inkasso aus deutscher Sicht entsprechend kompliziert und intransparent erscheinen lassen. In einigen Ländern kümmern sich etwa Rechtsanwälte um das Debitorenmanagement, oder es existiert ein ausschließlich privat organisiertes Forderungsmanagement. In wieder anderen Ländern sind Zoll oder Polizei für die Zustellung einer offiziellen Zahlungsaufforderung zuständig, das dem deutschen Mahnbescheid ähnelt. Um in diesem Dschungel aus nationalen Eigenheiten und Bestimmungen nicht den Durchblick zu verlieren, ist es für Gläubiger sehr ratsam, ein kompetentes deutsches Inkassobüro mit dem Auslandsinkasso zu beauftragen.

Individuelle Betreuung durch deutschen Ansprechpartner

Für Shopbetreiber, die bereits mit einem Inkassounternehmen zusammenarbeiten, ändert sich beim Auslandsinkasso in strategischer und kommunikativer Hinsicht nichts. Auch die gewohnte Transparenz bleibt erhalten. Händler, die mit einem deutschen Inkassodienstleiter arbeiten, können sich im Bedarfsfall auf eine kompetente und individuelle Betreuung verlassen. Bei sämtlichen Fragen rund um das Thema Inkasso steht ihnen ein deutscher Ansprechpartner zur Verfügung, der für sie nicht nur den kompletten Schriftverkehr übernimmt, sondern auch den Mahnprozess überwacht und vorantreibt – schriftlich, telefonisch oder auch mit einem offiziellen Bescheid. Dabei gilt: Je mehr Informationen über den Schuldner vorliegen, desto flexibler – und damit erfolgreicher – kann der ausländische Inkassopartner des deutschen Dienstleisters agieren.

Factoring: für Shopbetreiber wenig lukrativ

Eine zweite Möglichkeit, wie Onlinehändler ihre Liquidität sichern können, ist der Forderungskauf, das sogenannte Factoring. Darunter versteht man den vertraglich fixierten Ankauf offener Forderungen durch einen Factor, etwa durch Kredit- oder Finanzierungsinstitute. Die grundlegende Differenz zwischen Factoring und Auslandsinkasso besteht darin, dass Inkassounternehmen als Mediator agieren und Außenstände im Auftrag des Gläubigers einfordern. Der Factor hingegen kauft die Außenstände seines Mandanten auf. Im Gegenzug muss der Händler einen Abschlag von bis zu 80 Prozent des Forderungswerts als Provision an den Faktor bezahlen. Damit rechnet sich das Auslandsfactoring für Gläubiger wenig bis gar nicht. Zudem handelt es sich beim Factoring um ein Massengeschäft, weswegen ein Factor keine flexiblen Lösungen wie beispielsweise einen Vergleich anbietet. Auch hat der Gläubiger mit dem weiteren Verlauf des Mahnprozesses – auch wenn er später zum Erfolg führt – nichts mehr zu tun. Alle Zahlungen des Schuldners gehen ausschließlich an den Factor. Somit profitiert der Gläubiger in keiner Weise mehr vom Erfolg des Factors, selbst wenn es gelingen sollte, den vollen Betrag einzufordern. Trotz aller Nachteile bietet das Factoring zumindest einen wichtigen Vorteil: Der Gläubiger verfügt sofort über einen Betrag x, der seiner Liquidität nutzt.

Risiken genau abwägen

Trotz aller Möglichkeiten im internationalen Debitorenmanagement steht fest: Idealerweise lassen es E-Commerce-Betreiber erst gar nicht zu einer Situation kommen, in der sie sich an ein Inkassobüro wenden müssen. Welches Risiko der Händler beim Onlineverkauf auf sich zu nehmen bereit ist, ist stets eine individuelle Entscheidung. Wenngleich den E-Commerce immer eine Gefahr bedroht, die der stationäre Handel in dieser Form nicht kennt: Der Distanzhandelscharakter der Geschäftsbeziehung öffnet Betrügern Tür und Tor. Da kein direkter Kontakt zwischen Händler und Kunde besteht und der Einkaufsvorgang im Internet weitgehend anonym ist, werden Waren sehr viel häufiger nicht bezahlt. Onlinehändler bieten üblicherweise verschiedene Zahlungsmöglichkeiten an. So gehen sie sicher, ihre Kunden nicht zu verlieren, weil ihnen ihr präferiertes Zahlungsmittel fehlt. Diese Vielfalt mag zwar ein Wettbewerbsvorteil sein, sie erhöht aber zugleich das Risiko. Denn bei Einkäufen auf Rechnung oder Lastschrift droht Onlinehändlern immer die latente Gefahr, dass der Kunde den Rechnungsbetrag nicht bezahlt oder dass das Konto nicht gedeckt ist und es zu einer Rücklastschrift kommt. Solche Risiken umgehen E-Commerce-Betreiber, wenn sie die Zahlung insbesondere für internationale Bestellungen per Vorkasse oder Kreditkarte abwickeln – wobei selbst eine Zahlung per Kreditkarte keine hundertprozentige Sicherheit garantiert. Zudem haben viele Onlineshops bereits weltweite Paymentdienste wie etwa den Marktführer PayPal integriert – eine weitere relativ sichere Zahlungsoption. Bei der Entscheidung, welche Zahlungsoptionen ein Shopbetreiber anbieten sollte, kann auch die Beratung durch ein seriöses Inkassounternehmen sehr wertvoll sein. Als Grundsatz gilt: Wie viel Risiko man als Händler auf sich nimmt, ist stets abhängig von der Größe der Warenkörbe und der Höhe der erzielten Margen. Händler, die höhere Margen erzielen, können ein größeres Risiko eingehen, da bei einem einzelnen Zahlungsausfall der finanzielle Verlust doch überschaubar bleibt.

Weltweite Partnerschaften

Der Onlinehandel im Ausland eröffnet Shopbetreibern ein großes Potenzial, ist aber mit allen Risiken behaftet, die auch innerhalb Deutschlands bestehen. Sich an ein kompetentes, seriöses und zuverlässiges Inkassounternehmen zu wenden, das nicht nur weltweite Partnerschaften zu anderen Inkassobüros unterhält, sondern auch Mitglied im Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) ist, kommt Onlinehändlern nur zugute. Der BDIU gehört dem europäischen Inkasso-Dachverband FENCA an, der das Ziel verfolgt, an der Gestaltung der europäischen Gesetzgebung mitzuwirken. Kennt sich das Inkassobüro zudem mit den Spezifika des Onlinehandels aus und verfügt über technisches Know-how, kann es seinen Mandanten aus dem E-Commerce optimal betreuen und etwa einen Betrug auf Basis der IP-Adresse nachweisen. Mit einem seriösen Inkassounternehmen an ihrer Seite besteht für Shopbetreiber die Möglichkeit, dass sie sich mit dem Schuldner beispielsweise auf einen Vergleich, auf eine Ratenzahlung oder auch auf einen Teilverzicht einigen. Man sollte es nicht vergessen: Inkasso nutzt nicht nur dem Gläubiger. Als Mediatoren realisieren deutsche Inkassounternehmen Forderungen in Höhe von mehreren Milliarden Euro jährlich und führen sie dem Wirtschaftskreislauf wieder zu. Inkasso hilft nicht nur dem einzelnen Shopbetreiber, es leistet zugleich einen wertvollen Beitrag zur ökonomischen Stabilität der gesamten Volkswirtschaft.

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