bevh-Studie zur Wirtschaftslage im B2B-Versandhandel: Unternehmen trotzen herausforderndem Wirtschaftsumfeld

 Der Index der Geschäftslage, ermittelt aus positiven und negativen Beurteilungen, hat sich im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht verschlechtert (von 50,4 auf 46,0 Punkte), liegt aber immer noch über dem langjährigen Durchschnitt. So haben etwas weniger Unternehmen die aktuelle Geschäftslage mit gut oder sehr gut bewertet, aber auch die negativen Einschätzungen gingen leicht zurück. Die Zahl der Unternehmen, die mit der Geschäftslage im letzten Jahr unzufrieden waren, verharrt unverändert auf dem niedrigen Niveau von unter 3 Prozent. Die konjunkturelle Dynamik scheint besonders bei größeren Unternehmen hoch zu sein: Knapp drei Viertel der B2B-Versender mit mehr als 100 Mitarbeitern vergeben die Noten gut oder sehr gut. Bei den kleinen Unternehmen stellt sich die Stimmung etwas verhaltener dar.

 Beim Blick in die Zukunft zeigt sich knapp die Hälfte der befragten Unternehmen zuversichtlich, wenn auch etwas weniger optimistisch als im Vorjahr (45,1 Prozent, nach 52,0 Prozent in 2013). Allerdings ist auch der Anteil der Unternehmen, die der Entwicklung für 2015 pessimistisch entgegen sehen, auf 4,8 Prozent angestiegen (2013: 1,6 Prozent).

 Der Vorstand von Creditreform, Siebo Woydt, sieht den B2B-Versandhandel weiter auf Expansionskurs: „Die Umfrageergebnisse zeigen, dass sich die B2B-Versandhandelsunternehmen dem Cocktail aus schlechten Nachrichten in 2014 weitgehend entziehen konnten. Zudem stehen die Zeichen für die nächsten Monate weiter auf Wachstum.“ Gleichzeitig betont Woydt, dass die Umfrage, die Ende letzten Jahres durchgeführt wurde, noch im Licht der Abwärtsspirale aus Stimmung und Prognosen zu stehen scheint. „Wenn man die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Frühindikatoren der letzten beiden Monate betrachtet, ergibt sich der Eindruck, dass die aktuelle konjunkturelle Entwicklung in den Äußerungen der befragten B2B-Versender noch nicht eingepreist sein könnte“, so Woydt.

 Auftragslage besser als 2013

 Die Auftragslage der B2B-Versender zum Befragungszeitpunkt (Ende November 2014) lässt keine Rückschlüsse auf schlechte Stimmung zu: 45,2 Prozent der Befragten berichten von volleren Auftragsbüchern als im Vorjahreszeitraum, knapp 22 Prozent haben einen Rückgang zu beklagen und etwa 31 Prozent sehen keine nennenswerte Veränderung. Damit ist der Auftragssaldo im Vorjahresvergleich von plus 20,7 Punkten auf 23,4 Punkte gestiegen. Auch der Umsatzsaldo zeigt eine erfreuliche Tendenz: Nachdem der Saldo aus positiven und negativen Umsatzmeldungen in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen war, konnte 2014 wieder ein Anstieg beobachtet werden. Für 2015 rechnen allerdings etwas mehr Unternehmen als in der Vorjahresbefragung mit einem Rückgang von Aufträgen und Umsatz - der Anteil der Pessimisten stieg von 9,1 auf knapp 14 Prozent. Trotz dieser leichten Eintrübung blicken die B2B-Versandhändler immer noch zuversichtlich auf die kommenden Monate. Fast jedes zweite Unternehmen (46,8 Prozent) erwartet, 2015 ein Umsatzplus realisieren zu können.

 „Die Branche wird sich auch in diesem Jahr mit einem stetig verändernden Geschäftsumfeld auseinandersetzen müssen. Die verbreitete Nutzung von Plattformen, eine immer öfter online beginnende Customer Journey und die zunehmend bessere Vergleichbarkeit einzelner Anbieter durch den Kunden mit den entsprechenden Konsequenzen sind nur einige der anstehenden Herausforderungen. Die aktuellen Studienergebnisse zeigen, dass sich die Unternehmen bereits gut auf das veränderte Wettbewerbsumfeld eingestellt haben“, bewertet bevh-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer die veröffentlichten Zahlen.

 Günstige Beschäftigungssituation im B2B-Versandhandel

 Indessen lässt sich die günstige Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes auch in den Beschäftigungszahlen der B2B-Versender ablesen. So hat 2014 mehr als jedes fünfte befragte Unternehmen seinen Personalbestand aufgestockt, nur jedes zehnte hat ihn verkleinert. Und auch in Zukunft ist der Arbeitsplatz in der Branche sicher – drei Viertel der Befragten kalkulieren für 2015 mit einem unveränderten Personalstock und jeder Sechste will sogar neue Mitarbeiter einstellen.

 Internationalisierung schon weit fortgeschritten

 Schwerpunktmäßig wurden in der Studie die Auslandsaktivitäten der Unternehmen untersucht. Dabei zeigt die Befragung, dass grenzüberschreitende Handelsbeziehungen für die Unternehmen des B2B-Versandhandels Normalität sind. So sind gut drei Viertel der Befragten auf ausländischen Märkten aktiv, wobei die Quote bei mittelgroßen und großen Unternehmen mit fast 90 Prozent besonders hoch ist. Aber auch bei den kleinen Versendern mit bis zu 20 Mitarbeitern exportieren etwa 75 Prozent ins Ausland. Dabei sind erwartungsgemäß westeuropäische Länder das dominierende Ausfuhrziel. Die enge Verflechtung der Gütermärkte, eine gemeinsame Währung sowie vergleichbare Kundenpräferenzen dürften hierfür maßgeblich sein. Der Trend für die Zukunft zeigt jedoch, dass diese Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist: Die Hälfte der derzeit aktiven Exporteure plant eine Ausweitung der internationalen Verkäufe.

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