BYOD: Rechtliche Konsequenzen für Arbeitnehmer

Ein paar Monate später geschah es: Das Smartphone – mittlerweile enthielt es neben den privaten Fotos und SMS auch Unternehmensdaten wie E-Mails, Termine und Dokumente – war verschwunden. Verloren oder gestohlen irgendwann zwischen dem Abendessen mit Freunden und dem Taxi, das ihn ein paar Cocktails später nach Hause bringen sollte.

Am Montagmorgen meldete Tobias K. den Verlust seinem Chef und der IT-Abteilung. Nun ist K.s Arbeitgeber zwar ‚nur’ ein mittelständischer Produktionsbetrieb, dennoch würde ein Einblick in die aktuellen Projekte dem Wettbewerb Wissen vermitteln, das man lieber für sich behalten hätte. Der Verlust privater Inhalte wie Fotos, E-Mails, Bankverbindungen und Zugangsdaten für Online-Shops ist mehr als ärgerlich und schwer zu beziffern. Sollten die geschäftlichen Daten jedoch in falsche Hände geraten, könnten die Folgen schwerwiegend und womöglich irreparabel sein. Wer in einem solchen, wie dem nun leider vorliegenden Fall eigentlich haftbar ist, wurde jedoch bei Eintritt in die Firma nicht besprochen.

Wem ähnliches wie Tobias K. passiert, der steht also vor einigen Fragen: Welche rechtlichen Konsequenzen ergeben sich aus dem Verlust eines privat wie geschäftlich genutzten Smartphones? Ersetzt der Arbeitgeber das Gerät? Droht eine die Entlassung oder kann der Arbeitnehmer zumindest für Konsequenzen haftbar gemacht werden?

Eine Haftung des Arbeitnehmers ist nicht völlig ausgeschlossen

„Unter Umständen schon“, sagt Carlos Drescher, Rechtsanwalt für Arbeitsrecht, aus Hamburg. „Wenn der Arbeitnehmer dienstliche Daten mit Einwilligung seines Arbeitgebers auf seinem privaten Gerät nutzt und speichert, sollte er sich unbedingt um die Vereinbarung eines Haftungsausschlusses hinsichtlich etwaiger Datenverluste und eine Versicherung seines Gerätes bemühen.  Anderenfalls droht ihm beim Verlust beispielsweise seines Smartphones einschließlich firmeneigener Daten selbst ein Schaden und überdies die Haftung gegenüber seinem Arbeitgeber. Denn eine solche Haftung ist keineswegs ausgeschlossen. Je nach Grad der Fahrlässigkeit und dem Verhältnis zwischen der Höhe des Schadens und den wirtschaftlichen Verhältnissen des Arbeitnehmers haftet dieser für Datenverluste. Handelt der Arbeitnehmer vorsätzlich oder grob fahrlässig (verstößt er schwerwiegend gegen allgemein anerkannte Sorgfaltspflichten), dann haftet er für den aus dem Datenverlust resultierenden Schaden voll. In Fällen geringerer Fahrlässigkeit (also bei „normaler“ Missachtung der üblichen Sorgfalt) erfolgt eine Quotelung der Haftung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die Haftungshöchstgrenze errechnet sich aus der Differenz des monatlichen Nettoeinkommens des Arbeitnehmers und der für ihn maßgeblichen Pfändungsfreigrenze über einen Zeitraum von fünf Jahren. Es zeigt sich also, dass die dienstliche Nutzung privater Geräte durchaus mit erheblichen Risiken behaftet sein kann.“

Auch die Firma ist in der Verantwortung

Dies betrifft natürlich nicht nur den Mitarbeiter. „BYOD birgt Risiken für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber,“ so Drescher. „Firmen müssen dem Thema Sicherheit allerdings deutlich mehr Aufmerksamkeit widmen.“

 „Schön einfach“, bestätigt Toralv Dirro, EMEA Sicherheitsstratege bei McAfee Labs, „ist BYOD nur, wenn alles gut geht. Arbeitnehmer sollten sich umfassend informieren, bevor sie sich zu so einer Regelung entschließen. Ihnen muss klar sein, dass Sie sind dann zwar noch Besitzer des Telefons sind, einen Teil der Entscheidungshoheit über das Gerät jedoch abgeben müssen. Besonders die Fragen der Haftbarkeit gilt es im Vorfeld zu besprechen. Für Unternehmen gibt es zuverlässige Mobile-Device-Management-Systeme, wie z. B. McAfee Enterprise Mobility Management, die sicheren Zugang zu mobilen Anwendungen, Malware-Schutz, starke Authentifizierung und hohe Verfügbarkeit sicherstellen. Kleinere Unternehmen sind häufig nicht umfassend darüber informiert, welche Möglichkeiten sie haben und wie die Rechtslage genau aussieht. Das darf aber nicht auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen werden.“

Grundsätzliche Sicherheit des Smartphones

Smartphones sind „Geheimnisträger“ und müssen somit besonders vor fremdem Zugriff geschützt werden. Ein paar einfache Tipps von McAfee helfen, Internetkriminellen das Leben ein bisschen schwerer zu machen.

  • Der Admin liest mit: Nur ein Gerät für Beruf und Privatleben zu verwenden ist bequem. Bei den vorgeschriebenen Backups werden die privaten Daten jedoch mitgespeichert – und      liegen dann unter Umständen dem Arbeitgeber vor. Arbeitnehmer sollten sich vorab genau erkundigen, welche Daten das Unternehmen sichert.
  •  Haftbarkeit bei Verlust oder Diebstahl: Wer haftet bei Verlust oder Diebstahl für das Gerät? Wer stellt einen Ersatz und wann muss der Arbeitgeber spätestens über den Verlust informiert werden? Sicherlich möchten die Sicherheitsverantwortlichen verhindern, dass sensible Daten in die falschen Hände kommen. Programme zum auffinden, sperren und löschen gehören bereits zum Standard. Sie ermöglichen den Administratoren, Geräte aus der Ferne zu sichern. Vielen Usern ist dabei aber nicht bewusst, dass eine Löschung alle Daten  betrifft – also auch private Fotos und Kontakte.
  • Backup persönlicher Daten: Zu prüfen ist ferner, ob der Mitarbeiter ein eigenes Backup durchführen darf. Denn tut er dies, speichert er u.U. Firmendaten auf seinem privaten Rechner, was auch nicht im Sinne der Admins ist.
  • Datenrettung: Ist im Falle eines Defekts eine Datenrettung nötig, muss die Frage nach der Kostenübernahme geklärt werden. Erhält der Arbeitgeber alle geretteten Daten, können auch private darunter sein. Häufig sind Dateinamen beschädigt und alle Dateien müssen zur Bestimmung geöffnet werden. Auch in diesem Fall liest der Admin die Privatpost des Arbeitnehmers.
  • Bei Jobwechsel: Was geschieht im Falle einer Kündigung mit den Daten und dem Gerät? Sind die Daten überhaupt zu trennen, z. B. im Adressbuch und wer führt die Löschung durch?

Detailliere Absprachen bezüglich des Umgangs mit den Daten auf BYOD-Geräten sind dringend erforderlich und nicht nur im Sinne der Unternehmen – auch die Arbeitnehmer selbst sind aufgefordert, sich zu ihrem eigenen Schutz um größtmögliche Sicherheit zu bemühen.

Tobias K. hatte übrigens Glück im Unglück. Sein Smartphone war nach dem feuchtfröhlichen Abend aus der Tasche und in einen Spalt zwischen Sitz und Autotür des Taxis gerutscht, wo der Taxifahrer es zwei Tage später beim Reinigen seines Fahrzeugs fand. Unversehrt und unausgelesen.

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