Das Social im SEO: Die Bedeutung von Google+, Facebook & Co. für das Ranking

Was ist denn nun dran am Thema? Wie beeinflussen soziale Netzwerke die Ranking-Algorithmen der großen Suchmaschinen? Einen Schritt vorher könnte man fragen: Haben soziale Netzwerke überhaupt einen Einfluss auf die Suchergebnisse von Google & Co.? Im täglichen Agenturgeschäft erleben wir, wie die „Social-SEO“-Debatte von Kunden und Branchenkollegen ganz unterschiedlich wahrgenommen wird: Mit Euphorie und Verwunderung, aber auch Ablehnung und Unsicherheit. Selten war sich die SEO-Branche so uneinig über eine Entwicklung.

Widmen wir uns zuallererst einer Frage: Warum sollte eine Suchmaschine wie Google die Daten aus sozialen Netzwerken wie Google+, Facebook, Twitter, Pinterest oder Klout in die Berechnung seines Algorithmus einfließen lassen? Welche Vorteile entstehen daraus? Hier hilft es, noch einmal daran zu erinnern, wie eine Suchmaschine funktioniert.

Im ersten Schritt werden die Daten einer Webseite in einen Index aufgenommen. Anschließend werden sie über die im Text beziehungsweise Quellcode enthaltenen Keywords verschiedenen Themenbereichen zugeordnet. Danach gilt es für Google & Co., die Reihenfolge aus beispielsweise etwa 120.000.000 Seiten, die das Keyword „Schuhe“ beinhalten, zu bestimmen. Bis zur Social-Debatte hat der Backlink als wichtigster Offpage-Faktor darüber entschieden, ob eine Seite in die Top 3 kommt oder ihr Dasein unter ferner liefen fristet. Die Formulierung des letzten Satzes impliziert, dass im Offpage-Bereich heute auch andere Metriken zählen. Wir werden später überprüfen, inwieweit das nachweisbar ist.

 

Suchmaschinen wie Google betrachten Backlinks als Empfehlungen

 

Suchmaschinen wie Google betrachten Backlinks als Empfehlungen. Das Prinzip ist sehr einfach: Umso mehr (Quantität) hochwertige (Qualität) Empfehlungen, desto besser. Die meisten Webseitenbetreiber haben mittlerweile verstanden, dass es nicht nur auf die reine Anzahl an Links ankommt. Viel wichtiger ist die Qualität der verlinkenden Webseite. Ein Link ist nur dann ein guter Link, wenn die verlinkende Webseite selbst oft empfohlen wurde.

Hier kommen soziale Signale ins Spiel. Facebook Shares, Plus ones, Likes und Pins sind im Grunde genommen nichts anderes als Empfehlungen. In den letzten Jahren konnte man gut beobachten, dass die Bereitschaft, eine andere Webseite zu verlinken, stark abgenommen hat. Im gleichen Maße steigt die Aktivität in sozialen Netzwerken – interessante Inhalte werden heute dort mehr als je zuvor geteilt und diskutiert. Facebook & Co. durchdringen mittlerweile die gesamte Gesellschaft, die Nutzungsintensität sozialer Netzwerke steigt stark an – bei Jung und Alt. Alles deutet darauf hin, dass das Pendel sich in Zukunft weiter in Richtung soziale Netzwerke verlagern wird. Google kann sich dieser Datenquelle nicht verschließen. Die Suchmaschinenbetreiber müssen langfristig die Daten aus den Netzwerken integrieren.

Müssen sie wirklich? Google hat laut aktuellen Studien beträchtliche Marktanteile. In Deutschland mehr als 90 Prozent, in anderen europäischen Ländern sieht es ähnlich aus. Weit abgeschlagen folgt Microsofts Bing. Branchenbeobachter weisen gerne auf die schlechte Qualität der Suchergebnisse von Bing hin. Warum sollte Google seinen Algorithmus grundlegend ändern, wenn die Konkurrenz auch „ohne Mühe“ auf Distanz gehalten werden kann?

 

Signale im Algorithmus

 

Gehen wir davon aus, dass Google soziale Signale in seinen Algorithmus einfließen lassen möchte. Oberste Voraussetzung ist ein entsprechender Datenraum. Google braucht zum einen Zugang zu den Daten der Netzwerke. Das Auslesen von quantitativen Daten bildet hier aber nur die Basis. Ähnlich wie bei den Links kann die nackte Anzahl an Likes, Shares, Tweets usw. nie entscheidend für ein gutes Ranking sein. Das System ließe sich viel zu einfach manipulieren. Google braucht also zusätzlich Informationen mit Tiefgang. Wer hat diese URL geshared? Ist es eine Person, die selbst eine fachliche Instanz in diesem Gebiet ist? Ist es eine Person, die viele Freunde hat, die fachliche Instanzen in diesem Gebiet sind? Dieses Prinzip kann man weiter denken: Im Grunde genommen geht es darum, nicht nur die Interaktion zu messen, sondern den Stellenwert der Person im Social Graph.

 

An welche Netzwerke kommt Google ran?

 

An welche Netzwerke kommt Google ran? Es ist davon auszugehen, dass Google beim Crawlen von Webseiten auch Informationen wie die Anzahl an Likes usw. aus den Facebook-Integrationen ausliest. An strukturierte Daten jedoch kommt Google bei Facebook nicht ran. Im Sinne der strategischen Partnerschaft von Microsoft und Facebook landen diese Daten beim Konkurrenten Bing. Auch bei Twitter ist der Hahn zu. Seit Mitte 2011 schon werden keine Nachrichten aus dem Microblogging-Netzwerk bei Google integriert, entsprechende Verträge wurden nicht erneuert. SEO-Experten glauben, dass junge Dienste wie Klout oder Pinterest eine zu geringe Datenbasis haben. Sie können damit ebenfalls nicht für Ausschlag gebende Änderungen des Google-Algorithmus' herangezogen werden.

Was bleibt, ist Google+. Das noch junge soziale Netzwerk hat Google zufolge bereits mehr als 500 Millionen Nutzer. Dieses Wachstum in verhältnismäßig kurzer Zeit ist erstaunlich, muss aber auch relativiert werden: Mittlerweile wird jeder User, der sich neu für einen Google-Dienst anmeldet, automatisch Google+-Mitglied. Das enge Verzahnen von Android und dem Google-Netzwerk tut hier sein Übriges. Entscheidend ist am Ende aber nicht nur die Nutzeranzahl, sondern deren Nutzungsintensität. In diesem Punkt liegt Google+ noch weit hinter dem Konkurrenten Facebook.

Der Toolanbieter Searchmetrics hat Ende vergangenen Jahres in einer Studie herausgefunden, dass URLs mit vergleichbarem Content, die vorher Plus Ones bekommen haben, sofort indexiert werden und besser ranken als URLs mit einer vielfach höheren Anzahl an Facebook Likes. Darüber hinaus gibt es Anzeichen, dass Artikel mit Google+-Aktivität auch einen Vorteil im News-Ranking haben. Darüber hinaus fehlen eindeutige Indizien, dass soziale Signale einen wichtigen Einfluss auf die Suchmaschinen-Algorithmen haben.

Google+ kann ein wichtiger Rankingfaktor werden, insofern die User dazu bereit sind, mehr Zeit im Netzwerk zu verbringen. Benedikt Illner, Geschäftsführer der Trust Agents GmbH, formuliert es so: „Momentan ist die Reichweite von Google Plus einfach noch nicht groß genug, um ein gewichtiger Faktor zu sein. Aber der Einfluss wird in Zukunft wachsen und First Mover werden profitieren.“

Unabhängig von der Entwicklung von Plus Ones als Rankingfaktor ist es schon heute sinnvoll, Googles Author-Markup zu benutzen. Der so genannte AuthorRank ist Googles Äquivalent für das oben beschriebene „Social Ranking“. Während bei der Berechnung von PageRank und TrustRank die Domain im Vordergrund steht, ist es beim AuthorRank eine Person. Bestimmt wird er vor allem durch das Engagement-Level (Kommentare, Shares, Plus Ones), aber auch durch die Anzahl und Qualität der Plus Ones, Shares und Links, die die Inhalte des Autors bekommen.

„Für News und Content-Seiten wird Authorship weiter an Bedeutung gewinnen“, glaubt Social-SEO-Vordenker Maximilian Muhr. Auch für Online-Shops ist der Einsatz des „rel=author“-Attributs sinnvoll, jedoch nur in redaktionellen Bereichen wie Blogs und Magazinen. Eine höhere Click-Through-Rate (CTR) in den Google-Suchergebnisseiten ist bei erfolgreicher Integration des Attributs sicher.

Die Vorteile von „rel=author“ sieht Marcell Sarközy von Seodeluxe auch beim Nutzer: „Google will die Qualität der Beiträge im Web erhöhen und mehr vertrauenswürdige Inhalte generieren. Gerade für Onlineshops und kommerzielle Seiten kann es also elementar wichtig sein, professionelle und bestenfalls noch bekannte Autoren zu haben. Denn auch hier bedeutet mehr Trust durch die Autoren natürlich auch mehr gefühlte Sicherheit für die Kunden.“ Unternehmen sollten sich nicht die Gelegenheit entgehen lassen, auf Google+ eine Page zu erstellen. Google integriert schon jetzt immer häufiger Inhalte aus dem eigenen Netzwerk.

Halten Sie ein Auge auf die Entwicklung von Google+ und seiner Nutzerschaft. Das wird maßgeblich bestimmen, inwiefern Sie Ihre SEO-Strategie in Richtung Social verschieben müssen.

Autor: Thomas Gruhle ist Gründer und Geschäftsführer der Berliner SEO-Agentur Barketing, das die SEO-Strategie und Linkaufbau für Marken, Großunternehmen und TOP-100-Brands (“Best Global Brands”) verantwortet. Als SEO-Experte verfasst Gruhle Fachbeiträge und ist auf Branchen-Konferenzen als Speaker anzutreffen.

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