In die richtige Richtung: So klappt es mit Mobile Payment

Ein Händler (stationär und online) interessiert sich dafür, Mobile Payment einzusetzen. Was sollten die ersten drei Schritte für ihn sein?

Christian von Hammel-Bonten (Wirecard): Händler, die ihren Kunden die Möglichkeit geben möchten, mit dem Handy zu bezahlen, sollten zuerst das Gespräch mit einem Zahlungsdienstleister suchen. In einem persönlichen Gespräch beraten diese Kunden, welche Art von Mobile Payment sich am besten eignet. Und natürlich hängt es auch davon ab, wie schnell der Händler Mobile Payment anbieten möchte. Am einfachsten ist es für den stationären Händler, wenn er seinen Kunden die kontaktlose Bezahlung über NFC-fähige Smartphones oder mit einem NFC-Sticker anbietet. Dafür ist lediglich ein NFC-fähiges Kassenterminal nötig, das von nahezu allen Netzbetreibern in Deutschland angeboten wird. Bei neuen Geräten ist die Ausrüstung mit NFC bereits Standard. Damit kann der Händler sofort kontaktlose Bezahlungen mittels Plastikkarte mit NFC-Chip, NFC-Stickern oder direkt mit dem NFC-fähigen Handy akzeptieren. Eine weitere Möglichkeit, insbesondere für Cross-Channel-Händler, ist die Bezahlung über eine mobile Applikation. Der Stammkunde zahlt somit online mittels In-App-Payment, da er beispielsweise seine Kreditkartendaten dauerhaft zur Zahlung hinterlegt und danach nur noch per „one click“ bezahlt. Diese Form kann dann online genutzt werden, aber auch in Verbindung mit einem QR-Code zur Bezahlung am PoS.

Jan Kanieß (Payone): Jeder Händler sollte sich im ersten Schritt selbst fragen, was er persönlich unter Mobile Payment versteht und welche der verschiedenen Lösungen und Technologien am besten zu seinem Geschäftsmodell passt. Warum will er als Händler Mobile Payment anbieten und was sind seine Erwartungen? Ist Mobile Payment für seine Zielgruppe interessant, nutzen seine Kunden schon diese Zahlungsoption? Bietet er damit einen echten Mehrwert in seinem Geschäftsmodell? Wenn er diese Fragen zufriedenstellend beantworten kann, muss er im zweiten Schritt klären, welche Lösung und Technologie er einsetzen will, die am besten zu seinem Geschäftsmodell passen.  Will er eine reine Zahlungsabwicklung oder auch ergänzende Werbemaßnahmen wie Promotions, mobile Produktinformationen usw. nutzen? Die gebotenen Möglichkeiten sind groß und unterscheiden sich stark innerhalb der angebotenen Lösungen.

Lena Hackelöer (Klarna): Der erste Schritt sollte daher eine mobil optimierte Website sein, denn ein auf dem Smartphone schwer zu navigierender Shop setzt auch dem besten mobilen Payment Grenzen. Als nächstes stellt sich die Frage nach dem richtigen Payment-Mix für Kunden, die mobil einkaufen. Hier ist eine breite Auswahl wichtig. Grundsätzlich gilt aber: Zahlungsarten, die lange Dateneingaben erfordern – wie etwa Kreditkartennummern – führen eher zum Kaufabbruch. Beliebter sind dagegen Zahlungsarten, für die Kunden nur ihnen bekannte Daten, wie Adresse und Geburtsdatum, benötigen. Zusätzlich sollte sich ein Händler noch fragen: Welche Zahlungsmethoden erfahren bei Kunden bereits eine breite Akzeptanz? Es kommen fast täglich neue Zahlungsarten auf den Markt. Jedoch zeigt die Erfahrung, dass Zahlungsarten, die Kunden schon vom Desktop-Einkauf her kennen, sich gerade bei Neukunden größerer Akzeptanz erfreuen.

José Martinez-Benavente (SagePay): Am Anfang steht ganz klar die Analyse, denn insbesondere im stationären Bereich gibt es derzeit noch keine Standards. Händler müssen also genau überprüfen, welches System ihre Anforderungen am besten erfüllt und welche Lösung sowohl für ihr Produkt als auch für ihre Zielgruppe die passende ist. Auf vier konkurrierende Ansätze für Mobile Payment möchte ich kurz eingehen – von denen sich aber bislang keiner etablieren konnte. Bei mobilen NFC-Lösungen wie zum Beispiel mPass unterstützen sowohl das Kassenterminal als auch das Smartphone die Near Field Communication Technology. Käufer halten ihr NFC-fähiges Handy ans Lesegerät und die Zahlung wird ausgelöst. Erst ab einem gewissen Betrag (mPass beispielsweise ab 25 Euro) ist eine PIN-Eingabe zur Autorisierung der Transaktion erforderlich. Manche Anbieter bieten sogar die Option, dass der Händler – auf sein Risiko hin – das Limit einer Autorisierung bis zu einer bestimmten Grenze selbst bestimmen kann. Die Zahlungsabwicklung über die NFC-Technologie  wirft insgesamt immer wieder Sicherheitsfragen auf Verbraucherseite auf. Als Händler muss man sich darüber im Klaren sein, dass längst nicht alle Smartphones NFC-fähig sind und zahlreiche Anbieter wie zum Beispiel Apple eigene Lösungen entwickeln. Um in einem Online-Shop mit mPass zu bezahlen, müssen Verbraucher ihre Handynummer und ihre Mpass-PIN eingeben. Anschließend wird die benötigte TAN per SMS versendet. Mit Eingabe der TAN schließt der Kunde die Bezahlung ab. Viele Kunden sehen das als umständlich an. Zweitens gibt es das kontaktlose Bezahlen per Chipkarte, wie es beispielsweise PayPass von MasterCard, payWave von Visa und girogo bieten. Auch hier benötigt der Händler ein entsprechendes Lesegerät, um diese Zahlungen abzuwickeln. Dritter Ansatz sind mobile Payment-Dongles, die etwa auf das Smartphone aufgesteckt werden: von Square oder iZettle als Hardware-Erweiterung für Android und iOS-Geräte. Wegen der einfachen Handhabung und nicht zuletzt der überschaubareren Kosten ist diese Option insbesondere bei fahrenden Händlern zum Beispiel auf Märkten oder Veranstaltungen und bei Handwerkern beliebt. Die Frage der Sicherheit bei der PIN-Eingabe einer Girocard-Transaktion wirft allerdings weitere Fragen auf, da diese auf einer Handyoberfläche rechtlich nicht zulässig ist. Manche Unternehmen trennen deshalb das Terminal (Handy) vom PIN-Eingabegerät und verbinden beide Geräte via Bluetooth. Immer mehr Händler setzen im stationären Bereich auf Apps, über die beispielsweise QR-Codes oder Bezahl-IDs generiert werden, die dann am Kassenbereich gescannt beziehungsweise eingetippt werden. Der Vorteil besteht hier darin, dass viele Apps sowohl für Android als auch iOS verfügbar sind. Für das Online-Shopping über mobile Geräte wie Tablets oder Smartphone gilt: Händler sollten genau wissen, ob Kunden den Webshop tatsächlich über mobile Endgeräte betreten – und vor allem über welche Geräte. Dann kommen nämlich wieder Apps ins Spiel, die jedoch ihren Preis haben. Aber auch wenn der Anteil an Besuchern über mobile Endgeräte bei manchem Händler vielleicht noch gering ist, so sollte die Seite wenigstens über ein mobiles Design verfügen.

Markus Solmsdorff (Expercash): Als erstes gilt es, für den Händler zu prüfen, ob seine Zielgruppe affin ist für Mobile Payment, das heißt, ob seine Zielgruppe tatsächlich Mobile Payment einsetzt. Wenn der erste Punkt bejaht wird, geht es darum festzustellen, wo die Kunden Mobile Payment Verfahren nutzen. Im stationären Shop oder nur online? Wünschenswert ist, nicht zuletzt um Zukunftssicherheit zu bieten, beide Kanäle mit ein und demselben Mobile-Payment-Verfahren zu bedienen. Und im dritten Schritt geht es darum, auszuwählen, welche Mobile-Payment-Verfahren der Händler anbieten sollte. Die passende Auswahl für den individuellen Onlineshop und die dazugehörigen stationären Filialen zu treffen, ist derzeit nicht leicht, denn es gibt heute schon eine Vielzahl mobiler Zahlungsmethoden und täglich werden es mehr. Welche der Zahlarten versprechen Investitionssicherheit? Dies ist ein ganz wesentlicher Gesichtspunkt, denn ein kanalübergreifendes Zahlungsmittel einzuführen, ist mit Aufwand verbunden: nicht nur die Technik gilt es, in bestehende Systeme zu integrieren, auch das gesamte Personal am POS will geschult werden. Diese Investition tätigt man ungern mehrfach. Daher aufgepasst: Derzeit sind oder werden in absehbarer Zeit nur wenige mobile Zahlarten Multi-Channel-fähig. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass der Kunde das Verfahren bereits kennen sollte. Denn Studien zeigen, dass Käufer heute mehr und mehr von der Vielzahl der Zahlarten überfordert sind. Aus diesen Gründen setzt man am besten auf in beiden Kanälen etablierte Verfahren. Eine gute Lösung stellt hier zum Beispiel MasterPass dar, die Digital Wallet von MasterCard, ein digitales Portemonnaie, das in Onlineshops sowohl am PC wie auch auf mobilen Endgeräten bequem funktioniert und in Zukunft auch stationär eingesetzt werden kann.

Matthias Setzer (PayPal): Ganz wichtig ist die Optimierung der Website des Händlers für mobile Geräte beziehungsweise für Mobile Shopping. Das ist die Voraussetzung dafür, dass er mit seinem Angebot erfolgreich sein kann. Darüber hinaus kommt es in jedem Fall auf Schnelligkeit und Anwenderfreundlichkeit durch einfache Prozesse an - und selbstverständlich auf Sicherheit. Schnelligkeit bedeutet zum Beispiel, dass die Registrierung sehr zügig vonstatten geht – bei PayPal ist das entsprechende Formular bereits vorausgefüllt. Die Anwenderfreundlichkeit zeigt sich vor allem beim Bestell- beziehungsweise Kauf- und Zahlvorgang. Dieser lässt sich optimieren, indem Adress- und Lieferdaten bereits im System hinterlegt sind. Sicherheit bedarf hier eigentlich keiner weiteren Erklärung: Prozesse und vor allem die Daten der Kunden müssen maximal geschützt sein. Händler, die ihren Kunden die Vorteile von des Mobile Payment zugänglich machen wollen, sollten genau diese Faktoren besonders herausstellen.

Sascha Breite (SIX Payment Services): Sofern ein Händler seinen Online-Shop fit machen möchte für Mobile Payments, sollte auch das Shop-Design entsprechend aufgesetzt sein. Die Bedienung des Shops über Mobile Devices wie Smartphones muss sehr einfach und anwenderfreundlich erfolgen können. Das trifft ebenso auf die Handhabung beim Bezahlen zu. Hier bietet in der Regel der Payment Service Provider eine vorgefertigte und auf Mobile Devices optimierte Bedienerführung an. Im physischen Shop ist als Basisausrüstung ein NFC-fähiges Zahlungsterminal am Kassenplatz einzusetzen. Der Contactless-Sticker sollte deutlich sichtbar und frei zugänglich sein. So kann der Konsument eine kontaktlose Karte oder ein NFC-fähiges Mobiltelefon zum Bezahlen einsetzen. Bislang wenig verbreitet sind reine Mobile-Payment-Anwendungen, bei denen der Kunde einen alternativen Weg zum Bezahlen verwendet anstelle der bewährten (kontaktlosen) Karte. Der Händler sollte sich darüber im Klaren sein, ob seine Kunden eine bestimmte Mobile-Payment-Lösung einsetzen möchten. Sofern dies der Fall ist, ist entweder das Zahlterminal und/oder die Kasse mit einem erweiterten Funktionsumfang auszustatten, etwa, um einen QR-Code anzeigen und den alternativen Zahlungsprozess abwickeln zu können.

Martin Meinert (Mücke, Sturm & Company): Die drei wichtigsten Schritte sind die Definition von Zielen:  Die Definitionen von Zielen ist maßgebend für den Erfolg. Ob Reduzierung der Kosten, Erhöhung des Durchsatzes an der Kasse  oder einfach nur das Erschließen neuer Kundengruppen – all diese Aspekte haben erhebliche Auswirkungen auf die Strategie. Als nächstes Analyse, Analyse, Analyse: Egal ob Kundenstruktur, Kaufverhalten, IT-Infrastruktur, oder Gegebenheiten in meinen Warenhäusern, unterschiedlichste Aspekte müssen zur Auswahl der richtigen Lösung berücksichtigt und analysiert werden. Und nicht zuletzt die Definition der Mobile-Payment-Strategie: Wie möchte ich meine Ziele umsetzen und was muss ich verändern? Die Einführung von Mobile Payment wird oftmals unterschätzt, doch hat es weitreichende Auswirkungen auf fast alle Unternehmenseinheiten. Eine gute Strategie ist unerlässlich.

Peiam Arad (Chase Paymentech Europe):  Das Thema Mobile Payment hat in den letzten zwölf Monaten viele Diskussionen und Pressemeldungen von Unternehmen hervorgerufen. Dabei bietet die Mobile-Payment-Technologie Unternehmen die Möglichkeit, neue Geschäftsfelder zu erschließen, den Umsatz zu erhöhen und die Kundenbindung zu steigern. Dennoch ist der Markt heute stark fragmentiert und die Technologie steckt allenfalls in den Kinderschuhen. Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichsten Möglichkeiten wie QR-Codes, Kundenbindungsprogramme, NFC-Technologie und Mobile Wallets. Darüber hinaus existieren in diesem Bereich etliche neue Marktteilnehmer und Start-Ups. Ein Händler muss für sich entscheiden, welches System für ihn und seine Kunden am besten funktioniert. Im ersten Schritt sollten sich Händler ein klares Bild von ihren spezifischen Bedürfnissen und Zielen machen, die sie erreichen möchten. Im Anschluss empfehlen wir ihnen, sich einen umfassenden Einblick von sämtlichen Lösungen auf dem Markt zu verschaffen um dann im dritten Schritt in eine zukunftsweisende Technologie zu investieren.

Verändert Mobile Payment das Risikomanagement und wenn ja wie?

Sascha Breite (SIX Payment Services): Definitiv, denn zum einen werden Zahlungen im Internet sicherer, etwa durch eine Wallet-basierende Authentisierung wie mit MasterPass oder V.me. Zum anderen reduzieren insbesondere Closed-Loop-Systeme verschiedener alternativer Zahlungssysteme die Betrugswahrscheinlichkeit. Allerdings stecken diese alternativen Zahlungsvarianten noch in den Kinderschuhen, vom Marktanteil einmal ganz abgesehen, so dass das Zahlungsausfallrisiko auf das gesamte Umsatzvolumen eine Händlers nicht wirklich minimiert wird.

Peiam Arad (Chase Paymentech Europe): Ja, in der Tat. Das Risiko eines spezifischen Mobile Device zu erkennen, sollte integraler Bestandteil des Fraud-Management-Systems eines Händlers sein. Mobile Händler sollten besondere Anstrengungen unternehmen, um die Identität des Kunden und des Device zu erkennen, um Betrug zu bekämpfen. Darüber hinaus sollte man in der Lage sein, betrügerische mobile Transaktionen separat von anderen Kanälen zu betrachten. Dies muss nicht ausschließlich der Betrugsbekämpfung dienen, sondern kann auch positiv zu einer höheren Warenkorbkonversion beitragen. Das stellen wir täglich durch unsere eigene Lösung „Safetech“ fest. Händler sollten offen mit ihrem Payment-Processor und anderen Händlern kommunizieren, um Betrug und Lösungen zur Prävention besser zu verstehen.

Lena Hackelöer (Klarna): Grundsätzlich bietet Mobile Payment den Vorteil, dass der Kunde von einem Gerät aus einkauft, das einzig und allein von ihm genutzt wird. Der Grund liegt auf der Hand: Smartphones sind persönliche Gegenstände, die auf einen einzelnen Kunden zurückgeführt werden können. Lokal gespeicherte Daten – beispielsweise beim Ausfüllen von Feldern im Checkout – sind zudem nur bei Verlust des Smartphones für andere zugänglich. Das bietet durchaus Vorteile. Wer hier auf einen Payment-Anbieter setzt, der diese Vorteile zu nutzen weiß, kann sich einen Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb verschaffen.

Markus Solmsdorff (Expercash): Das Risikomanagement im E-Commerce gewinnt bereits seit Jahren immer mehr an Bedeutung. Es ist anzunehmen, dass Mobile Payment auch Auswirkungen auf das Risikomanagement haben wird. Eine Veränderung wird sein, dass der Zahler über sein mobiles Gerät eindeutiger identifizierbar wird. Denn drei Aspekte müssen gewährleistet sein, damit der Käufer mit dem mobilen Endgerät zahlen kann: Er muss im Besitz des Geräts sein, er muss das Wissen um eine PIN haben, mit der der Zugang zu seinem Gerät geschützt ist und bei den neueren Geräten hilft die Biometrie zum Beispiel über Fingerprint dabei, den rechtmäßigen Besitzer eindeutig zu identifizieren. Somit wird die Anonymität beim Zahlen eines Einkaufs über das Internet teilweise aufgehoben. Hinzu kommt, dass für uns Menschen das Handy eines der persönlichsten Dinge in unserem Leben geworden ist: Unser Handy speichert so viele persönliche Informationen über unser Leben, dass wir es tunlichst nicht aus der Hand geben. Damit können neueste Technik und persönliches Verhalten dafür sorgen, dass eine unbefugte Nutzung auch beim Bezahlen immer unwahrscheinlicher wird. Risikomanagementinstrumente könnten davon profitieren. Wie sich das Risikomanagement mit Einführung von mobilen Bezahlverfahren im stationären Handel verändern wird, wird maßgeblich davon abhängen, welche Technik sich für das Bezahlen per Handy am POS durchsetzen wird. Je nach Sicherheit des verwendeten Verfahrens wie App-basiert, NFC oder Beacon, muss das Risikomanagement Sicherheitslücken ausgleichen.

Christian von Hammel-Bonten (Wirecard): Aus unserer Sicht bedeutet Mobile Payment mehr Sicherheit und Transparenz für den Endkunden und damit auch für den Händler. Bei Mobile Payment kommen – egal bei welcher Lösung – übliche Verschlüsselungstechnologien, wie sie beispielsweise bereits in EMV-Karten angewandt werden, zum Einsatz. Zahlungen über 25 Euro werden mittels PIN geschützt. Außerdem erlaubt ein Smartphone-Wallet die ständige Kontrolle der getätigten Transaktionen in Echtzeit und bietet auf diese Weise sogar noch mehr Transparenz und Überblick über den derzeitigen Kontostand.

Martin Meinert (Mücke, Sturm & Company): Mobile Payment bedeutet mehr alternative Bezahlverfahren, also auch mehr Risiko im Vergleich zu Bargeld. Jedes alternative Bezahlverfahren besitzt unterschiedliche Risikoeigenschaften, wie etwa Charge Backs oder unterschiedliche Auszahlungszeitpunkte. Einige Risiken kann man an den Payment-Dienstleister abgeben, aber das kostet natürlich Geld. Das Risikomanagement  wird mit steigendem Anteil alternativer Bezahlverfahren also zwangsläufig immer wichtiger. Zur Beherrschung der Risiken sind spezielle IT-Anwendungen, aber insbesondere prozessuale und organisatorische Veränderungen notwendig.

José Martinez-Benavente (SagePay): Mobile Transaktionen müssen zuerst einmal sicher, aber auch schnell und bequem sein, um sich durchzusetzen! Zum Beispiel dadurch, dass eine Autorisierung von kleinen Beträgen nicht mehr nötig ist. Stammkunden im Online-Shop könnte man eine Single-Click-Bezahllösung anbieten, die etablierten Sicherheitsstandards entspricht (Stichwort PCI-Standard). Dabei werden in einem sogenannten Token die Daten eines Kunden als Alias verschlüsselt und bei erneuter Anmeldung im Shop wieder abgerufen. Meine Einschätzung: Sicherheit darf niemals vernachlässigt werden, sonst ist ein neues Payment-Verfahren ganz schnell erledigt.

Jan Kanieß (Payone): Mobile Payment verändert das Risikomanagement auf verschiedene Weise. Einerseits wird die Zahlung über Zahlungsdienstleister im Mobile Payment sicherer, da bei einem Verlust des Smartphones die Zahlungsfunktion technisch geschützt ist, beispielsweise über die PIN des Smartphones oder auch Passwörter der jeweiligen Payment-Apps. Anderseits steigt mit wachsender Beliebtheit von Mobile Payment natürlich auch die Gefahr digitaler Angriffe auf die „mobile Geldbörse“. Dabei ist aber zu beachten, dass die Zahlungsdienstleister im Mobile Payment wie PayPal oder Yapital in der Regel eine Zahlungsgarantie bieten. Es liegt allerdings auch noch sehr an Händlern und Unternehmen, den Kunden über die Zahlungssicherheit im Mobile Payment weiter aufzuklären und zu Vertrauen und Akzeptanz zu schaffen.

App-basierte Payment-Lösungen des Handels, NFC- oder BLE-basierte Lösungsvarianten – was hat Ihrer Ansicht nach das meiste Potenzial?

Markus Solmsdorff (Expercash): In Deutschland ist das Sicherheitsbedürfnis der Konsumenten gerade beim Bezahlen sehr groß. Daher ist anzunehmen, dass sich App-basierte Lösungen im deutschen Handel durchsetzen werden. Denn bei App-basierten Lösungen kontrolliert der Nutzer den Bezahlvorgang. Wohingegen bei NFC- und BLE-basierten Verfahren der Zahler den Einfluss auf den Ablauf des Zahlungsvorgangs teilweise verliert, was zu erheblicher Skepsis gegenüber der Sicherheit dieser Lösungen führt. Großes Potenzial haben Lösungen etablierter Zahlungsanbieter. Diese haben durch bekannte Zahlarten bereits sowohl zu den Konsumenten als auch zum stationären und zum Online-Handel eine Vertrauensbasis aufgebaut. Zudem können sie technisch beide Kanäle anbinden, wie digitale Wallets der Kreditkartengesellschaften, zum Beispiel MasterPass von MasterCard.

Lena Hackelöer (Klarna): NFC und BLE haben das Potenzial, das Einkaufserlebnis im stationären Handel mit einigen Vorteilen des Online-Shoppings anzureichern. So können Gutscheine direkt vor Ort an Kunden übermittelt werden, wenn diese sich bereits am Regal oder im Geschäft befinden. Speziell im Bereich Payment sind bei diesen Technologien jedoch noch Investitionen in die Infrastruktur notwendig. Bei BLE-basierten Payments muss etwa der POS und der Kassenprozess entsprechend angepasst werden. Das größere Potenzial bieten kurz- bis mittelfristig sicher browserbasierte Lösungen, die unabhängig von Apps, NFC- und BLE-Technologie ohne zusätzliche Installation immer und überall genutzt werden können – sowohl von zuhause aus als auch vor Ort im stationären Handel. Gerade hier besteht noch sehr viel Aufholbedarf und Potenzial für höhere Konversionsraten, sodass sich Händler mit stationärer Präsenz zunächst darauf fokussieren.

Christian von Hammel-Bonten (Wirecard): Egal ob die Bezahlung per App, NFC oder BLE erfolgt – diese Technologien vereint ein Ziel: Dem Kunden soll das mobile Bezahlen mit dem Handy ermöglicht und erlebbar gemacht werden. Die Technologien sind komplementär zu sehen.

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die Infrastruktur für kontaktlose NFC-Bezahlungen heute schon mit vielen NFC-Kassenterminals gegeben ist und den Markt weiter durchdringt. NFC ist im Bereich von VISA und MasterCard der gesetzte offene Standard, der es Nutzern erlaubt, in allen Ländern dieser Welt kontaktlos zu bezahlen. BLE als neue Technologie ist gerade in marketinggesteuerten Ansätzen interessant, die Payment zwar mit einbeziehen, aber den Hauptfokus auf neue Kundenbindungsmöglichkeiten durch Couponing & Loyalty, als auch neue Prozesse, legen. Wir sehen somit bei NFC und BLE enorme Potenziale. Als Payment-Experte sind wir auch im Bereich Mobile Payment technologie-agnostisch und treiben den Markt mit Lösungen voran, die unseren Kunden den meisten Mehrwert bieten.

Sascha Breite (SIX Payment Services): Meiner Ansicht nach wird sich der Konsument an der Bequemlichkeit und Einfachheit orientieren. Auch wenn NFC oft kritisch gesehen wird, ist es doch die derzeit einfachste Variante, um am physischen Kassenplatz schnell und einfach zu bezahlen. Sowohl die Verbraucher als auch die Händler sind aber noch lange nicht flächendeckend mit NFC ausgestattet. Wer jedoch einmal kontaktlos bezahlt hat, lernt die Vorteile kennen und möchte künftig nicht mehr darauf verzichten. Im Internet hingegen zeichnen sich Wallet-basierte Lösungen wie MasterPass oder V.me ab, die dem Handel und dem Konsumenten einen vereinfachten Checkout-Prozess bieten. Damit entfällt die lästige Eingabe von Kartendaten, Liefer- und Rechnungsadresse oder einer Bonuspunkte-Teilnehmerkennung. Besonders für mobile Endgeräte mit kleinen Displays stellt dies eine enorme Vereinfachung dar und beschleunigt den Kaufabschluss.

Peiam Arad (Chase Paymentech Europe):  Es geht weniger um die Frage, welche Technologie das größte Potenzial hat. Vielmehr ist die Frage zu stellen, was der Endkunde erwartet und welchen Nutzen man ihm bieten kann. Gibt es keinen erkennbaren Zusatznutzen oder ein Problem, das durch den Einsatz einer neuen Technologie gelöst werden kann, wird es keinen Erfolg auf Konsumentenseite geben. Die persönlichen Erfahrungen des Kunden sind hier das Wichtigste.

José Martinez-Benavente (SagePay): Bezahlen ist Vertrauenssache und Verbraucher sind im Umgang mit Apps vertraut. Hinzu kommt, dass gut gemachte Apps die Online- und Offline-Welt gut verknüpfen und dadurch zusätzliches Potenzial bieten. Auch ist die Marke dank der App auf einem mobilen Endgerät ständig präsent. Die Entwicklung einer eigenen App ist aber oft kostenintensiv, einfache Varianten kosten schnell mal zehntausende Euro. Auch die Freigabeprozesse, um in einem App-Store gelistet zu werden, sind nicht ohne. Wer aber Entwicklungszeit und Kosten nicht scheut, ist momentan mit einer App gut beraten.

Matthias Setzer (PayPal): Die Bluetooth-Low-Energy (BLE)-Technologie bietet eine ganze Reihe von Vorteilen wie etwa ein niedriger Energieverbrauch, die hohe Verfügbarkeit sowie die Möglichkeit, BLE auch ohne Telefonempfang oder GPS-Signal zu nutzen. Mit PayPal Beacon werden wir aber vor allem neue Einsatzmöglichkeiten erschließen, die einen klaren Mehrwert für den Kunden beinhalten. Einkaufen ohne Schlange zu stehen ist dabei sicherlich einer der wichtigsten. Das bedeutet auch, dass der Kunde gar nicht mehr mit einem Kassenterminal in Berührung kommt – und damit auch nicht mit NFC-gestützten Systemen. Das große Potenzial von BLE manifestiert sich insgesamt vor allem in dem nahtlosen Einkaufserlebnis und den Möglichkeiten für Händler, ihren Kunden ein viel persönlicheres Einkaufserlebnis als heute bieten zu können.

Martin Meinert (Mücke, Sturm & Company): Bei der Frage nach der Technologie gibt es kein Schwarz oder Weiß. Jede Technologie hat ihre spezifischen Vorteile. So hat BLE beispielsweise deutliche Vorteile im „InStore-Marketing“ aufgrund der Reichweite und dem sehr niedrigen Kontaktpreis von nur 0,12 Euro. NFC bietet dagegen an der Kasse erhebliche Sicherheitsvorteile. Das Handelsformat  spielt natürlich ebenfalls eine starke Rolle, in einem 10 Quadratmeter großen Popup-Store macht BLE beispielsweise keinen Sinn. Letztendlich ist es aus Händlersicht natürlich eine Kostenfrage, aber eine Kombination beider Technologien ist ebenfalls denkbar.

Jan Kanieß (Payone): Es ist praktisch unmöglich, hier zum heutigen Zeitpunkt eine eindeutige Prognose abzugeben, welche Lösung sich am Ende am Markt durchsetzen kann. Noch sind die Verfahren technisch am Anfang, und die Akzeptanz und Wahrnehmung gerade in Deutschland ist beim Endkunden nicht sonderlich hoch. Letztendlich entscheidet der Kunde über den Erfolg, das bedeutet, dass Mobile Payment am POS nur eine Chance hat, wenn dem Kunden ein echter Mehrwert über die Zahlung via Smartphone geboten wird. Bei NFC sieht es so aus, dass einige Hersteller diese Technologie aus Produkt-strategischen Gründen nicht einführen wollen. Und ohne native Unterstützung durch das Smartphone ergibt sich für den Benutzer auch kein Geschwindigkeitsvorteil beim Bezahlvorgang, wenn er erst das Handy entsperren muss, die richtige App suchen, die Zahlung initiieren und so weiter. Spannend an NFC ist natürlich, dass die Technologie auch sehr einfach über Karten oder Sticker genutzt werden kann und ein Smartphone keine Grundvoraussetzung ist.

BLE wiederum bietet über das Payment & Couponing hinaus Vorteile, da diese Technologie bereits beim Betreten des Kunden in den Shops zum Einsatz kommen kann und nicht erst an der Kasse. Dadurch ergeben sich gänzlich neue Möglichkeiten etwa durch das Anzeigen weiterführender Produktinformationen oder Promotion-Aktionen. Da das Smartphone beim Bezahlvorgang in der Tasche gelassen werden kann, wird hier auch ein echter Geschwindigkeits- und Komfort-Vorteil geboten. Fraglich ist allerdings die Akzeptanz beim Kunden aufgrund der vorhandenen Sicherheits- und Datenschutzbedenken.

  • Sascha Breite, Head Future Payments, SIX Payment Services (Germany)
  • Lena Hackelöer, Director Market Growth and Strategy bei Klarna
  • Matthias Setzer, Leiter Geschäftskunden DACH bei PayPal
  • Martin Meinert, Project Manager bei Mücke, Sturm & Company
  • Christian von Hammel-Bonten, EVP Telecommunications Wirecard
  • José Martinez-Benavente, Business Development Manager Germany bei Sage Pay
  • Peiam Arad, Sales Director Germany bei Chase Paymentech Europe
  • Jan Kanieß, Geschäftsführer be Payone.
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