Diskussion: „Green logistics“ für den Onlinehandel

ECM: Je mehr Maßnahmen ein Unternehmen zur Verringerung der Umweltbelastung durch seine Produktion und zur nachhaltigen Entwicklung realisiert, desto besser ist seine wirtschaftliche Performance – so eine Studie „Excellence in Supply Chain Sustainability“ des Supply Chain Management Institute (SMI) der Wiesbadener EBS Business School. Sind das auch Ihre Erfahrungen oder ist „Green Logistics“ nur teuer und bringt nichts?

Gerd Seber: Für DPD können wir diese These eindeutig bestätigen. Bei vielen Maßnahmen gehen operative Vorteile und Umwelteffekte Hand in Hand. Wenn wir zum Beispiel Fernverkehre so optimieren können, dass dabei weniger Kilometer zurückgelegt werden, dann sind wir dadurch leistungsfähiger und schonen gleichzeitig die Umwelt. Aber eine nachhaltige Logistik darf sich nicht auf Effizienzsteigerungen begrenzen. Daher gibt es Nachhaltigkeit auch nicht zum Nulltarif. Bei DPD sind wir davon überzeugt, dass nur nachhaltiges Wirtschaften den langfristigen Erfolg sichert.

Katharina Tomoff: Nein, das ist sicher so nicht richtig. Umweltfreundlichkeit kann auch Wirtschaftlichkeit mit sich bringen, das heißt, dass Mehrkosten durch Einsparungen bei den Energiekosten kompensiert werden. Wir sind davon überzeugt, dass unsere GoGreen-Aktivitäten wichtiger Bestandteil unseres nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolgs sind. Deshalb haben wir es 2008 in unsere Geschäftsstrategie integriert. Da für unser Geschäft wichtige Ressourcen, wie zum Beispiel Öl, endlich sind, ist es in unserem Sinne, diese so effizient wie möglich einzusetzen und Alternativen zu testen. Das bedeutet zum Beispiel, in neue Antriebe und Fahrzeuge zu investieren, die weniger Treibstoff verbrauchen. Das gleiche gilt für unsere Energiekonzepte. In der Momentaufnahme ist das natürlich eine Investition, aber diese Maßnahmen sparen langfristig auch Kosten ein. Durch das in unser Finanzsystem integrierte Carbon Accounting können wir den Zusammenhang zwischen Verbrauch und Umweltbelastung herstellen und die Auswirkung unserer Reduktionsmaßnahmen, zum Beispiel einer Netzwerkoptimierung oder eines Fahrertrainings, verfolgen. Dadurch verringern wir die Kosten in unserem Betrieb und die Belastung für die Umwelt. Für unser selbstgesetztes Ziel, bis 2020 die CO2-Effizienz der eigenen Aktivitäten und die der Subunternehmer um 30 Prozent zu steigern, konnten wir bereits einen ersten Etappenerfolg verbuchen. Wir haben unser Zwischenziel – die Verbesserung unserer eigenen CO2-Effizienz um 10 Prozent bis 2012 – bereits ein Jahr früher als gesetzt, erreicht. Die Maßnahmen, die dahinter stehen, sind vielfältig: wir investieren in alternative Technologien wie energiesparende Belüftungen, grünen Strom oder alternative Fahrzeuge mit Hybrid- oder Elektromotoren. Und wir überprüfen kontinuierlich unsere Netzwerke und Transportmodi, um auch hier den Energieverbrauch so gering wie möglich zu halten. Ein weiteres Indiz für den Trend zu effizienten grünen Lösungen sind unsere Kunden. Wir sehen jährlich, wie die Nachfrage nach unseren grünen Services, etwa den CO2-neutralen Transportlösungen, steigt. In einer Umfrage haben außerdem über 50 Prozent der Befragten angegeben, dass sie eine grüne Transportlösung einer Standardlösung vorziehen und auch bereit sind, einen Aufschlag dafür zu bezahlen.

ECM: Der zunehmende Onlinehandel arbeitet eigentlich „für“ das Transportgewerbe. Doch gleichzeitig fordern Konsumenten auch mehr und mehr einen CO2-reduzierten beziehungsweise klimaneutralen Transport. Wie gehen Sie mit diesem Anspruch um? Ist dies für Sie auch ein Argument, um Onlinehändler von sich zu überzeugen? Oder wird es das künftig sein?

Katharina Tomoff: Ich sehe hier keinen zwingenden Widerspruch. Die Bündelung von Transporten ist eine Effizienzsteigerung per se im Vergleich zu vielen Einzelwegen, um einen Einkauf zu tätigen. Wenn Sie die CO2-Bilanz unserer Logistik zur Zustellung eines Pakets mit dem Weg des Kunden zum Geschäft vergleichen, schneidet letzteres nur mit dem Fahrrad/zu Fuß besser ab. Selbst eine kurze Fahrt des Kunden mit seinem PKW zum Einkaufscenter verursacht mehr CO2, als ein Paket mit DHL quer durch die Welt zu verschicken. Neben unseren stetigen Verringerungsmaßnahmen für CO2 bieten wir unseren Kunden auch an, ihre Waren CO2-neutral zu verschicken. Die Zahl unserer CO2-neutralen Sendungen ist jedes Jahr gestiegen und im letzten Jahr haben wir rund 1,86 Milliarden GOGREEN-Sendungen transportiert. In Deutschland werden Pakete seit letztem Jahr grundsätzlich ohne Aufschlag über unseren GOGREEN Service verschickt. Wir bieten diesen Service mittlerweile in rund 50 Ländern weltweit an und werden auch hier kontinuierlich weitermachen. Unser Service ist also verfügbar und nun liegt es an den Kunden, sich dafür zu entscheiden und die Versender zu bestärken, dieses Angebot an sie weiterzugeben. Ich glaube, dass es für viele große Onlinehändler früher oder später ein zusätzliches Kundenargument sein wird, ihre Waren umweltfreundlich zu verschicken.

Gerd Seber: DPD transportiert seit Juli dieses Jahres sämtliche Pakete klimaneutral – egal ob geschäftlich oder privat, national oder international, groß oder klein. Das ist bei uns kein zusätzlicher Service, sondern gehört ganz einfach dazu. Daher bezahlen unsere Kunden dafür auch keinen Cent extra. Und das ist natürlich auch ein gutes Verkaufsargument – nicht nur für DPD, sondern auch für den Onlinehändler. 

ECM: Viele Transportunternehmen punkten mit Zusatzservices wie Lagerung und Konfektionierung für Onlinehändler. Doch große Lagerräumlichkeiten und Logistikplattformen benötigen meist große Mengen Energie. Wie versuchen Sie hier, die Kosten in den Griff zu bekommen?

Katharina Tomoff: Unsere Maßnahmen, Energie einzusparen, umfassen auch unsere Lagerhäuser. In Deutschland nutzen wir Ökostrom, in verschiedenen Ländern auch Solarenergie und die Beleuchtung wird sukzessive auf effizienteste Beleuchtung umgestellt. Die Kombination aus einem sinnvollen Lagermanagement mit möglichst schnellem Umschlag und einem sinnvollen Energiekonzept erlaubt es uns, die Kosten und die Umweltbelastung so gering wie möglich zu halten.

Gerd Seber: DPD hat in diesem Frühjahr für 20 Millionen Euro ein neues Logistikzentrum in Nürnberg in Betrieb genommen. Dieser Neubau hat auch in Sachen Energieeffizienz Vorbildcharakter. Dank einer Geothermieanlage sparen wir uns etwa den Verbrauch fossiler Energie fürs Wärmen und Kühlen. Und über Lichtbänder und komplett verglaste Giebel kommt viel echtes Licht in die Halle. Kunstlicht kommt nur noch dort zum Einsatz, wo es unbedingt benötigt wird. Dafür sorgt ein intelligentes, ereignisorientiertes Beleuchtungssystem.

ECM: In letzter Zeit gingen durch die Boulevardpresse öfters Berichte über die schlechte Bezahlung bei Paketdienstleistern. Gab es hier schon Nachfragen seitens der Onlinehändler? Wie gehen Sie mit dem Thema um?

Gerd Seber: PD stand zwar nicht im Fokus der Berichterstattung, aber der ein oder andere Kunde hat in den letzten Wochen durchaus sehr konkret nachgefragt, zu welchen Bedingungen die DPD Zusteller arbeiten. Diese Gelegenheit nutzen wir auch gerne und erklären, wie die Paketzustellung bei DPD funktioniert. Dabei machen wir auch unmissverständlich klar: Die Zusteller von DPD verrichten eine extrem wichtige Arbeit. Und dafür müssen sie auch fair entlohnt werden.

 

Die Interviewpartner:

Katharina Tomoff, Vice President GoGreen, Deutsche Post DHL

Gerd Seber, Sustainable Development Manager bei der DPD GeoPost (Deutschland)

 

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