„Eine regionale Cloud schafft Vertrauen im Mittelstand“

Mit Susan J. Volkmann, Director Cloud Computing für Deutschland, Österreich und die Schweiz (DACH) bei IBM Deutschland, sprachen wir über das Cloud-Portfolio und aktuelle Markttrends.

Susan J. Volkmann, Director Cloud Computing für DACH, IBM Deutschland

digitalbusiness CLOUD: Cloud Computing hat sich von einem kurzlebigen Hype-Thema zu einem allumfassenden IT-Konzept für Unternehmen jeder Größe und Branche entwickelt. IBM hat sein „ISmartCloud“-Portfolio zuletzt stark ausgebaut. Könnten Sie einen Überblick über die verfügbaren Lösungen und Services geben?

Susan J. Volkmann: Bevor ich zu unserem Portfolio komme, lassen Sie mich einen Schritt zurückgehen – denn vor der Entscheidung für eine konkrete Cloud-Lösung steht die Cloud-Strategie. Cloud-Lösungen entstehen ja nicht als Inseln, sie sind vielmehr immer in die IT und Geschäftsprozesse eines Unternehmens eingebunden. IBM und auch unsere Business Partner der City Cloud respektive regionalen Mittelstands-Cloud bieten herstellerunabhängige Beratung darüber an, welche Cloud-Strategie, welches Cloud-Modell oder welche Sicherheitsstrategie die beste für das Unternehmen ist.

Mit unserem IBM-SmartCloud-Portfolio wollen wir Unternehmen Technologien und Services offerieren, die sie für eine bestimmte Aufgabe und ihren individuellen Bedarf benötigen. Das reicht von Cloud-enabled Hardwarekomponenten und Automationstechnologie über die Bereitstellung von Rechenkapazitäten bis hin zu kompletten Geschäftsprozessen. Entsprechend umfassend ist unser Angebot, das allein für die Fachbereiche über 100 Cloud-Lösungen einschließt.

Unternehmen können sich aus drei Profilen bedienen: Unter „IBM SmartCloud Foundation“ haben wir Enablement-Technologien für die Umsetzung und das Management von Private und Hybride Cloud-Services gebündelt. „IBM SmartCloud Services“ sind Dienstleistungen, die über eine sichere und skalierbare Cloud-Services-Plattform erbracht werden, in Deutschland beispielsweise aus Ehningen bei Stuttgart. „IBM SmartCloud Solutions“ umfasst die Bereitstellung von vorkonfigurierten SaaS-Lösungen und Geschäftsprozessen, beispielsweise Kreditkartenabrechnungs-Services oder eine SEPA-Testing-Lösung. 

digitalbusiness CLOUD: Ihrer Meinung nach bietet Cloud Computing für jeden etwas. Können Sie hierfür praktische Beispiele nennen?

Volkmann: Wir unterstützen beispielweise highQ-Computerlösungen. Der Dienstleister bietet schwerpunktmäßig dem öffentlichen Personennahverkehr E-Ticketing-Lösungen als SaaS-Komplettsystem an, die auf der IBM SmartCloud in Ehningen zuverlässig und extrem skalierbar laufen. Zudem unterstützen wir mit unseren Cloud-Lösungen neue Geschäftsmodelle: So nutzt TPVision, die die Entwicklung von Philips SmartTV verantworten, IBM Cloud-Services auf einer Pay-per-use-Basis. SmartTV-Nutzer erhalten darüber Zugang zu Internet-Services und anderen interaktiven Unterhaltungsdiensten. Es gibt noch weitere Beispiele von unseren Partnern im Mittelstand, auf die Martina Fiddrich eingeht.

digitalbusiness CLOUD: Wo liegen Ihrer Meinung nach noch die größten Hemmnisse oder Hürden für die Umsetzung einer Cloud-basierten IT?

Volkmann: Vorbehalte technischer Art betreffen häufig Fragen zum Service Level Agreement, zur Integration verschiedener Cloud-Services oder auch Sourcing-Typen. Dazu kommen Themen wie Compliance, Datenschutz und Datensicherheit, die gerade auch den Mittelstand bewegen. Als ein Grundproblem sehe ich, dass Unternehmen die verschiedenen Cloud-Modelle wie Private, Public und Hybride Cloud über einen Kamm scheren. Das ist falsch, denn das Thema Datensicherheit stellt sich bei einer Private-Cloud-Umgebung völlig anders dar als bei einer Public Cloud. Wir und unsere Mitbewerber klären hier intensiv auf, was sich auch positiv auswirkt. So nutzen heute laut der aktuellen IDC-Studie „Cloud Computing in Deutschland 2013“ (siehe auch Seite 8 bis 9, Anm. der Red.) bereits 55 Prozent der befragten Unternehmen Cloud-Services – mit steigender Tendenz.

digitalbusiness CLOUD: Wie gehen Sie dabei vor, die Vertraulichkeit der geschäftsrelevanten Unternehmensdaten bei Ihren Cloud-Lösungen zu gewährleisten? Lassen sich Cloud-Dienste überhaut mit den hohen Anforderungen an Datensicherheit und Datenschutz vereinbaren?

Volkmann: Wir empfehlen unseren Kunden, ihre Daten und Anwendungsfälle zu klassifizieren und auf dieser Basis zu entscheiden, welches Cloud-Modell wo am besten zum Einsatz kommt. So können nicht geschäftskritische Daten wie etwa E-Mail-Verkehr häufig in die Cloud ausgelagert werden und unternehmenskritische Daten wie Entwicklungspläne bleiben im Unternehmen.

Was Datenschutz und Datensicherheit angeht, plädiere ich sehr für mehr Sachlichkeit in der Diskussion. Das sind kein Selbstläufer! Jedes Unternehmen braucht seine eigene Cloud-Sicherheitsstrategie, bei der berücksichtigt wird, wie die Cloud genutzt wird und welche Zugriffsmodelle geeignet sind. Beim Cloud Computing macht das Modell den Unterschied. Bei Private Clouds können die Sicherheitsstandards individuell festgelegt werden, vergleichbar mit der üblichen Absicherung von IT-Infrastrukturen. Bei der Public Cloud muss genau hingeschaut werden, ob der Provider den individuellen Datenschutzanforderungen gerecht wird. IBM zum Beispiel betreibt eine B2B-Public-Cloud, bei der die Kunden wählen können, aus welchem Rechenzentrum sie ihre Cloud-Services beziehen wollen. Auch die Cloud-Dienstleistungen unserer Partner im Rahmen der regionalen Mittelstands-Cloud kommen aus deutschen Rechenzentren.

digitalbusiness CLOUD: Wie sieht das Zusammenspiel derd Cloud mit den drei anderen Megatrends Social Collaboration, Big Data und Mobile Computing aus? Was müssen Anwender bei einer Verknüpfung beachten?

Volkmann: Cloud Computing wird von diesen Megatrends mit getrieben und treibt sie wiederum selbst. Nehmen Sie das Beispiel Big Data: Immer mehr Daten aus unterschiedlichsten Quellen geben Auskunft über Kundenwünsche oder -erfahrungen. Unternehmen wollen diese möglichst schnell auswerten und direkt in Innovationen sowie Produkt- und Marktentwicklungen einfließen lassen – mit Cloud-Services geht das schneller als bisher und Unternehmen können so die Time to Market und Time to Value verkürzen. Allen Trends ist eigen, dass es um Schnelligkeit, Agilität und eine hohe Dynamik geht. Cloud Computing ist die ideale, manchmal die einzig sinnvolle technologische Basis, um dies zu erreichen.

Wir beobachten seit einiger Zeit, dass IT-Entscheidungen zunehmend von den Fachabteilungen getroffen werden, nicht mehr nur vom CIO oder IT-Leiter. Gemeinsam mit den Fachabteilungen muss erarbeitet werden, wo und wie Mehrwerte und Vorteile durch Cloud-Computing-Ansätze gehoben werden können. Dazu muss auch die Verzahnung zwischen Business und IT enger werden.

Mit Martina Fiddrich, Leiterin des Geschäftsbereichs Mittelstand und Partnership Solution Center für DACH bei IBM Deutschland, sprachen wir über die „Regionale Mittelstands-Cloud“ als Nachfolger der City Cloud.

Martina Fiddrich, Leiterin Geschäftsbereich Mittelstand und Partnership Solution Center für DACH, IBM Deutschland

digitalbusiness CLOUD: Die vor über einem Jahr gestartete City-Cloud-Initiative erfreut sich großer Beliebtheit bei den Business-Partnern. Inzwischen haben sich der Initiative schon mehr 50 IBM-Business-Partner angeschlossen. Welche Bestandteile beinhaltet das neue Konzept der „regionalen Mittelstands-Cloud“?

Martina Fiddrich: Die City Cloud ist in erster Linie ein Angebot unserer Geschäftspartner mit einem klaren regionalen Fokus. Hintergrund ist, dass gerade kleine und mittelständische Unternehmen einen IT-Partner in ihrer Nähe suchen, mit dem sie nachhaltig zusammenarbeiten können. Das positive Feedback bestätigt, dass eine regionale Cloud gerade im Mittelstand Vertrauen schafft und bestehende Vorbehalte gegen Cloud Computing entkräftet, wie Susan Volkmann sie beschrieben hat. Aufgrund dieser Entwicklung und der stetig wachsenden Vielfalt der Angebote nennen wir die City Cloud ab sofort Regionale Mittelstands-Cloud, was die Zielgruppe, die Reichweiten und den Kern der Angebote treffender bezeichnet.

Welche Cloud-Services der jeweilige Partner anbietet und wie er diese in den Mittelstandsmarkt trägt, bleibt ihm überlassen. Wir beobachten am Markt, dass IaaS-Angebote vorherrschen. So lagert beispielsweise die Brabus GmbH ihre IT-Infrastruktur für die externe Kommunikation in die regionale Cloud des Business-Partners Black Point Arts aus. So erschließt sich der auf Fahrzeug-Tuning spezialisierte Mittelständler flexiblen Zugriff auf IT-Ressourcen. Damit kann Brabus auch das zu erwartende Datenwachstum – insbesondere, wenn es um Bilder und Videos für die Webseite oder den Car Configurator geht – zeitnah und bedarfsorientiert abdecken. Aber auch Platform as a Service und Software as a Service werden zunehmend von unseren Partnern bedient, bei Business Process as a Service gibt es hingegen erst wenige Partnerangebote. 

digitalbusiness CLOUD: Sie nannten die Lösungsbereiche IaaS, PaaS, SaaS sowie BPaaS. An welche Anwender beziehungsweise Anwendungsbereiche richten sich diese?

Martina Fiddrich: Sie richten sich grundsätzlich an Unternehmen jeder Größe, immer in Abhängigkeit von der IT-Strategie und damit integriert in die Cloud-Strategie des Unternehmens. Während IaaS- und PaaS-Angebot in erster Linie auf IT-Abteilungen abzielen, finden SaaS- und BPaaS-Angebote zunehmend Interesse in den Fachabteilungen.

digitalbusiness CLOUD: Wie geht ein mittelständisches Unternehmen vor, das seine IT-Infrastruktur und einen Teil seiner Anwendungen in die Cloud verlagern möchte?

Martina Fiddrich: Wie bei jedem IT-Projekt wird sich der Mittelständler an den IT-Partner wenden, mit dem er zusammenarbeitet. Mit ihm sollte er dann die Problemstellung und mögliche Lösungsstrategien diskutieren. Unternehmen müssen dann gemeinsam mit ihrem Partner klären, welche Art von Sourcing für welchen Zweck die beste Lösung ist. Eine weitere Entscheidung betrifft die Art, wie Cloud Services erbracht werden: Aus einer Public Cloud heraus oder mittels einer Private Cloud. Nicht jeder Prozess ist dazu geeignet, durch Cloud Services unterstützt zu werden. Hier sehe ich keinen wesentlichen Unterschied zu Großunternehmen.

digitalbusiness CLOUD: Ist ein einzelner Partner Mittelstands-Cloud in der Lage, sämtliche Dienste bereitzustellen? Oder bezieht ein Kunde die Leistungen von mehreren Business-Partnern? Welche Rolle übernimmt IBM dabei?

Martina Fiddrich: Alle Variationen sind denkbar. In der Regel hat das Unternehmen einen Ansprechpartner beim IT-Partner seines Vertrauens und stellt sich dann die Cloud-Dienste mit diesem zusammen. Ob ein Partner oder mehrere die Service erbringen, hängt von den jeweils angefragten Dienstleistungen und dem Portfolio des Partners ab. Bei Fragen der Verzahnung der verschiedenen Dienste miteinander oder deren Einbindung in die bestehende IT-Infrastruktur ist wiederum meist der erste Ansprechpartner gefragt. Eine andere Möglichkeit bietet beispielsweise unser Premier Business Partner NetUse mit seinem Marktplatz. Mit wenigen Mausklicks können Unternehmen über die NetUSE-Cloud-Delivery-Plattform unterschiedliche Apps wie CRM-Software, Botnetz- und Virenscanner oder auch virtuelle Server auswählen und in ihren bestehenden IT-Betrieb integrieren.

digitalbusiness CLOUD: Welche Rolle spielt die regionale Mittelstands-Cloud  innerhalb der Business PartnerWorld?

Martina Fiddrich: Wir haben die Initiative im letzten Jahr zur CeBIT 2012 in Deutschland gestartet, noch bevor es ein Programm in der PartnerWorld für Managed Service Provider (MSP) gab. Inzwischen haben wir die City Cloud zur regionalen Mittelstands-Cloud weiterentwickelt und in das MSP-PartnerWorld-Programm integriert. MSPs liefern Technologien und Dienstleistungen als „Pay-as-you-go-Modell“ und betreuen vor allem Unternehmen, die zwar die Vorteile innovativer Technologien rasch nutzen wollen, selbst aber nicht über genügend interne IT-Expertise, Ressourcen oder Zeit verfügen. Die Nachfrage nach diesen Angeboten nimmt stetig zu, bereits rund 30 Prozent aller Mittelständler wählen laut AMI Channel Partner Survey MSPs für die Beschaffung von IT-Lösungen.

digitalbusiness CLOUD: Wie unterstützt IBM ihre Business-Partner, die der Initiative beitreten wollen? Welche Standards müssen dabei erfüllt werden?

Martina Fiddrich: Partner, die Mitglied der IBM-Manager-Service-Provider-Initiative werden möchten, werden mit zahlreichen Marketing- und Vertriebsinitiativen bei ihrer Geschäftsentwicklung, dem Markenaufbau und Marktzugang unterstützt. Das Programm bietet Lösungen, um komplette Marketing-Pläne aufzusetzen und die Kommunikation über Social-Media-Kanäle effizienter zu gestalten sowie gezielter auf Kundenanforderungen abzustimmen. Darüber hinaus erhalten MSPs Zugang zu IBM-Analysefunktionen, um sowohl die Akquise von Neukunden als auch das Geschäft mit bestehenden Kunden zu fördern. Zudem bieten wir zahlreiche Co-Marketing-Aktivitäten und gemeinsame Marketing-Planungsworkshops an. Ein wesentlicher Teil der 100 Millionen US-Dollar, die IBM jährlich in das Marketing für sein globales Ökosystem investiert, stehen nun auch MSPs zur Verfügung.

digitalbusiness CLOUD: Und wie wird sich die City Cloud in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Martina Fiddrich: Marktstudien wie die erwähnte IDC-Studie bestätigen, dass Unternehmen jeder Größe zunehmend Cloud Services nutzen. Diese Dynamik sehe ich auch dadurch beschleunigt, dass immer häufiger Fachbereiche ihren Bedarf anmelden. Das wird sich in den Portfolios unserer Partner bei der regionalen Mittelstands-Cloud widerspiegeln. Grundsätzlich sehe ich einen Trend zu höherwertigen Cloud Services, die gerade den Mittelstand in seinem Streben nach Innovation und Agilität unterstützen. Cloud Computing kann genau das Potenzial enthalten, das ein Unternehmen von den Wettbewerbern differenziert.

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