Alternative Payment-Varianten im Faktencheck

Satte 16,3 Prozent mehr B2C-Umsatz im gesamteuropäischen Raum – so stark wuchs der E-Commerce allein von 2012 auf 2013 an. Fast die Hälfte der insgesamt 363,1 Milliarden Euro wurde dabei in Westeuropa erwirtschaftet. Der Ausblick bleibt vielversprechend. So geht eMarketer in einer jüngst vorgestellten Markteinschätzung davon aus, dass der B2C-E-Commerce-Umsatz in Europa von 2013 bis 2018 um fast zwei Drittel auf rund eine halbe Billion Euro anwachsen wird.

Allein im deutschen Markt mit seinen etwa 63,9 Millionen Online-Shoppern wird im selben Zeitraum eine Verdopplung des Umsatzvolumens auf mehr als 100 Milliarden Euro erwartet. Eindrucksvolle Umsatzahlen und hohe Steigerungsraten verdeutlichen: E-Commerce wird ein immer lukrativeres Geschäft. Das hat auch eine Vielzahl verschiedener Payment-Anbieter erkannt, die inzwischen um die Gunst von Händlern und Endkunden buhlen.

Dynamisches Wachstum beim Online-Payment

Das Manager Magazin hat jüngst den Anteil verschiedener Zahlinstrumente an Umsätzen in Deutschland von 2008 und 2014 verglichen. Deutsche zahlen immer noch bevorzugt bar, demnach sind Barzahlung, Girocard und Überweisung noch immer die beliebtesten Verfahren. Aber auch wenn PayPal und Co. noch kein Massenphänomen sind, bei den Online-Zahlungsarten geht es schon lange nicht mehr ohne sie. Bei der Betrachtung der Zahlungsverfahren in Onlineshops liegen Wallets (87,2  Prozent) und Kreditkarten (85,5  Prozent) an der Spitze, gefolgt von den klassischen Zahlungsverfahren (82,9  Prozent). PayPal konnte im Vergleich zum Vorjahr seine Reichweite weiter ausbauen und liegt nun bei 87,2 Prozent (Vorjahr: 82,3  Prozent). Auch der Kauf auf Rechnung mit 64,1 Prozent (Vorjahr: 55,5  Prozent) sowie Onlinebanking mit 56,8 Prozent (Vorjahr: 52,1  Prozent) werden bei Betreibern von Onlineshops immer beliebter.

Onlineshops bieten inzwischen fast immer mehrere Zahlungsverfahren an, denn die Bezahlseiten sind die kritischste Stelle beim Online-Einkauf und damit der wichtigste Hebel für eine bessere Conversion-Rate. Knapp 80 Prozent der Online-Shopper bestätigten in Umfragen, dass sie einen Einkauf abbrechen, wenn ihr bevorzugtes Bezahlverfahren nicht angeboten wird.

 Elektronische Wallet-Lösungen auf dem Vormarsch

In Deutschland gibt es aktuell und in absehbarer Zukunft eine klare Marktdominanz dreier Zahlungsarten: Zahlung per Rechnung, Lastschrift und PayPal. Die E-Wallet PayPal kommt auf einen Anteil von 19,9 Prozent am Gesamtumsatz im Onlinehandel, obwohl diese Zahlungsart erst seit 2004 auf dem Markt ist. Dennoch bleibt die Zahlung per Rechnung mit stabilen 25 Prozent an der Spitze der Umsatzanteile. Die Lastschrift kommt mit 19,3 Prozent auf den dritten Platz und konnte um fast vier Prozent seit 2012 zulegen.

Neue Maßstäbe: Mobile Payment mit Apple Pay

Deutschland liegt mit Großbritannien und Frankreich unter den „Big Three“ der E-Commerce-Märkte in Europa, die alleine 61 Prozent des europäischen Gesamtumsatzes ausmachen. Dabei hat Deutschland rein mengenmäßig mit 63,9 Millionen Online-Shoppern das größte Potenzial. Und ein Viertel der Einkäufe in Deutschland erfolgt mittlerweile über mobile Endgeräte und die Zahl steigt rasant. Einige Zahlungsverfahren sind so ausgereift, dass von lästigem Zahleneintippen keine Rede mehr sein kann. Diese Lösungen sind nahtlos in den Checkout integriert und lassen sich einfach bedienen. Denn im Mobile Commerce werden nur die Zahlungsverfahren erfolgreich sein, die sich auf die User Experience des Kunden konzentrieren. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind die großen amerikanischen Player wie Apple und Google, die nun eigene Zahlungsarten international ausrollen. Das hat eine spürbare zusätzliche Bewegung in den Markt für Online-Payment-Lösungen gebracht. Eine wichtige Rolle dürfte gerade das extrem einfache und sichere Apple Pay spielen. Wie schon in anderen Feldern könnte die Popularität des iPhone in Verbindung mit Apple Pay dem Bezahlen mit dem Smartphone zum Durchbruch verhelfen. Viele Analysten rechnen damit, dass es sich als Standard durchsetzen könnte. Aber: Die Erfordernis, eine Kreditkarte für Apple Pay hinterlegen zu müssen, könnte hierzulande problematisch werden.

 Im Blickfeld: Zahlung über Facebook

Ein großes Potenzial bietet auch Facebook, da dieses Zahlungssystem auf eine sehr große Plattform aufsetzt und damit sehr viele Nutzer erreichen kann. Derzeit wird das Payment über Facebook erst in einzelnen Test-Städten in den USA genutzt und ermöglicht bisher nur das Überweisen von Geld an Freunde. Eine Händlereinbindung ist aktuell noch nicht verfügbar, wird aber mit Sicherheit später nachfolgen. Auch hier gilt die Binsenweisheit: über den Erfolg entscheiden die Kosten für den Händler und die Akzeptanz beim Endkunden.

 Bitcoins im Abseits

Ein Wort zu Bitcoins im deutschen Markt: Die wohl bekannteste Kryptowährung ist zwar seit 2009 im Umlauf, die Akzeptanz in Online-Shops ist aber noch recht verhalten. Dies dürfte an der Zurückhaltung der Konsumenten liegen, da Bitcoins in der Vergangenheit mit großen Kursschwankungen zu kämpfen hatten. Aufgrund dieser Unsicherheit denken Online-Händler bei der Frage nach weiteren Bezahlverfahren zumeist eher an renommierte, Onlinebanking-basierte Verfahren wie Sofortüberweisung oder giropay.

Cross-Channel-Payment: Weitere neue Bezahlarten stellen sich dem Wettbewerb

In Zukunft werden auch Cross-Channel-Payment-Lösungen eine wichtigere Rolle spielen. Diese bieten dem unterstützenden Händler interessante Wege zur Kundeneinbindung – von POS über E-Commerce (Internetshops), Rechnungskauf oder mobile von App zu App. Zwei relativ neue Akteure in diesem Markt des Online-Payments sind Yapital und Barzahlen, die beide einen spannenden Usecase bieten.

 Konsolidierung im Online-Payment

Händler, die ihren Kunden zwischen drei und fünf verschiedene Bezahlverfahren zur Auswahl stellen, minimieren das Risiko eines Kaufabbruchs deutlich. Mit durchschnittlich fünf angebotenen Zahlverfahren zeichnet sich mittlerweile eine Konsolidierung ab. Darüber hinaus belegen diverse Studien, dass Online-Shopper flexibler geworden sind, sprich dass im Vergleich zu 2013 mehr Kunden problemlos auf alternative Payment-Optionen ausweichen, wenn ihr Lieblings-Zahlverfahren nicht angeboten wird. Dennoch treten immer neue Angebote hinzu – und damit die „Qual der Wahl“. Dabei gilt es, die richtige Auswahl für das jeweilige Produktportfolio zu finden.

Der optimale Payment-Mix

PayPal, Rechnungskauf und Kreditkarte sind derzeit im Online-Handel unerlässlich. Grundsätzlich ist der optimale Payment-Mix jedoch von Händler zu Händler unterschiedlich. So bietet sich zum Beispiel bei einem großen B2C-Player für Kleidung aufgrund des Portfolios und der Zielgruppe Zahlungsverfahren wie Rechnung, Vorkasse, Kreditkarte, PayPal und Sofort Überweisung an. Im B2B-Bereich wird dagegen in der Regel über Rechnung bezahlt. Die Mischung ist auch davon abhängig, wie viel Aufwand eine Zahlungsart im Hintergrund erzeugt. Vor allem die Prozesse im Anschluss einer Zahlung – also Zahlungszuordnungen, das Erkennen von Zahlung, das Mahnwesen – stellen eine große Herausforderung dar. Eines ist sicher: Der Markt für Online-Payment-Varianten bleibt in Bewegung. Auch Banken und Payment Service Provider werden sich weiterhin auf die hohe Marktdynamik einstellen müssen.

Ebenso macht der Trend zur Internationalisierung vor dem Payment-Markt nicht Halt. Alleine in Europa schwanken die Gewohnheiten der Online-Shopper sehr stark, wenn es um Bezahlung geht: In Frankreich geht nichts ohne „Carte Bleue“, in den Niederlanden dominiert iDeal den E-Commerce, und die Briten sind Vorreiter im Bereich Mobile Payment. Zudem bedeuten die Akzeptanz nationaler Zahlungsarten, internationales Risikomanagement und technische Zahlungsabwicklung sowie die komplexen Vertragsverhandlungen mit Acquirern und Banken einen erheblichen administrativen Aufwand. Hier empfiehlt sich dem Händler ein zentraler Payment-Partner, der diese Leistungen vollständig für ihn abwickeln kann. Was den Markt vor allem auszeichnet, ist seine starke Dynamik und einhergehend mit diesem Wachstum große Potenziale für alle Beteiligten. Es wird sehr spannend, in welche Richtung sich der gesamte E-Commerce-Markt in den nächsten fünf Jahren entwickeln wird. Wie der Markt und das Nutzerverhalten dann genau aussehen, ist kaum vorherzusagen.

Autor: Seit Oktober 2011 ist John Alexander Rehmann Head of Marketing & Communication bei Payone. Der 39-jährige Marketingstratege bringt sein Wissen aus seinen langjährigen Tätigkeiten in der Banken- und Finanzbranche mit.

Dieser Beitrag erschien erstmals im e-commerce Magazin 06/2015

 

Kommentar: Den Überblick behalten: Durch e&m-Commerce können wir jederzeit und überall recherchieren und sofort kaufen. Doch der unangenehmste Teil des Einkaufs bleibt:  das Bezahlen.  Ein Grund, immer wieder neue Zahlungssysteme zu erfinden? Sie sollen den Händlern mehr Konversion, Kundenbindung,  Sicherheit und geringe Kosten bescheren. Alternative Payment-Methoden brauchen aber für den Erfolg die Akzeptanz beim Verbraucher.  Nur ein kleiner Teil sind innovationsfreudige First Mover. In der Masse sind wir unsere Routinen gewöhnt. Echte Chancen haben daher nur Systeme, die einen schnell verständlichen und leicht umzusetzenden Mehrwert für den Verbraucher haben. Ein weiterer Aspekt sollte dabei nicht unbeachtet bleiben. Das persönliche Finanzmanagement der Konsumenten, sprich den Überblick zu behalten. Verschiedene Accounts und in sich geschlossene Systeme erschweren das. Die Folgen zeigen sich dann zu den Abrechnungsterminen auf dem Gehaltskonto bei der Hausbank. Und bei der will man nicht unangenehm mit Missmanagement auffallen. (Autor: Klaus Kuhlmann ist Geschäftsführender Gesellschafter von ConKred (Forderungsmanagement). Der Handelsexperte besitzt langjährige Erfahrung im Stationär- und Versandhandel/E-Commerce, sowie als Berater und Investor bei  Startups.)

 

Kommentar:  Virtuelle Währungen sind globale Echtzeit-Zahlungsmittel: Als globaler Anbieter von innovativen Bezahllösungen hat Wirecard die aktuellen Entwicklungen bei alternativen Payment-Methoden wie virtuellen Währungen stets im Blick. Die Vorteile virtueller Währungen liegen darin, dass diese – ähnlich wie die Kreditkarte – ein globales Echtzeit-Zahlungsmittel darstellen. Händler, die diese alternativen Payment-Methoden akzeptieren, profitieren zudem von niedrigen Transaktionskosten. Dem entgegenzusetzen ist jedoch, dass der Rechtsstatus bei virtuellen Währungen noch nicht geklärt und auch somit das Thema entsprechender Regulierung aktuell noch offen ist. Weitere Risiken können beispielsweise starke Kursschwankungen zwischen einer virtuellen und einer realen Währung sein. ( Autor: Carlos Häuser, Executive Vice President Payment & Risk beim Paymet Service Provider  Wirecard)

 

Nicht der Online-Händler mit der größten Anzahl an Zahlarten macht das Rennen beim Kunden: Nicht der Online-Händler mit der größten Anzahl an Zahlarten macht das Rennen beim Kunden, sondern derjenige, der genau die Payment-Methoden anbietet, die seine Zielgruppe bevorzugt. Online-Händler sollten mit spitzer Feder kalkulieren, ob sich Payment-Exoten für sie überhaupt lohnen. Denn die Nutzungsgebühren, die der Händler an den Payment-Provider zahlt, muss der Shopbetreiber natürlich zusätzlich erwirtschaften. Hinzu kommt, dass Vertrauen einen großen Einfluss auf die Auswahl der Zahlungsmethoden hat. Das Angebot von etablierten Payment-Systemen wie Rechnungskauf, Lastschrift oder PayPal erzeugt beim Verbraucher sicherlich schneller ein Gefühl von Vertrauen als Bitcoins oder Facebook Payment. (Sebastian Baum, Leiter Marketing und PR bei TrustedShops.)

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Kommentare

Die Kundenorientierung macht den Unterschied.
Was immer und überall feststellbar ist: Es gibt sehr große Unterschiede in den Zahlungsmöglichkeiten die der Käufer möchte und denen, die der Händler bevorzugt.
Selbstverständlich möchte der Händler schnellstmöglich - am besten im Voraus - und garantiert sein Geld. Und genauso selbstverständlich möchte der Käufer erst dann zahlen, wenn er die Ware erhalten hat - und am besten erst dann, wenn er diese auch über- und geprüft hat.
Alleine daran ersieht man die Komplexität. Und den grundlegenden Faktor, warum PayPal so erfolgreich ist. Denn es bietet Vorteile für beide Seiten ohne im Gegenzug größere Nachteile mit sich zu ziehen. Und nicht zu vergessen: Der Kundenservice - der für PayPal ja beide Seiten beinhaltet. Denn Käufer und Händler sind Kunde von und für PayPal.

Nur wenn ein Zahlungsanbieter oder eine Zahlungsart diese Vorteile mit sich bringt, kann er oder es sich im Markt durchsetzen. Paydirekt wäre an sich ein solcher Kandidat, wenn stimmen würde was sie schreiben. Denn nur weil jeder deutsche Kontoinhaber potentiell auch Paydirekt-Kunde sein kann, heisst das nicht das es so ist.. denn er muss sich trotzdem noch registrieren.. und jede Bank macht es anders, eine gemeinsame Registrierungsplattform gibt es nicht, schon gar keinen gleichartigen Prozess für die Registrierung.
Und ein Händler kann sich auch nicht bei Paydirekt anmelden, sondern muss "zu seiner Bank". Hat schon ´mal jemand versucht bei seiner ländlichen Bankfiliale nach Kreditkartenakzeptanz zu fragen? Und jetzt nach Paydirekt? Das wird lustig.
(Dietmar Kuhl, Experte und Teamleiter ePayment, Worldline GmbH/Wordlline S.A.)

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