Auch Kleinvieh macht Mist: Umsatz machen mit Micropayments

ECM: Bei geringwertigen Gütern stellt die Wirtschaftlichkeit der Bezahlung ein zentrales Problem dar: Herkömmliche Verfahren, wie Kreditkartenzahlung oder die Lastschrift sind ungeeignet, da hier die Kosten für die Zahlungsabwicklung oftmals den Warenwert übersteigen. Die Ausweichstrategie vieler Anbieter, ein weitgehend kostenloses Angebot durch Werbung zu finanzieren, ist vielfach nicht zielführend. Erstens wird die steigende Zahlungsbereitschaft der Kunden für (geringwertige) digitale Güter und Dienstleistungen hierdurch nicht abgeschöpft, und zweitens stehen den weitestgehend fixen Einnahmen durch die Werbung eventuell schwer kalkulierbare Ausgaben durch den Traffic, den die Nachfrager verursachen, gegenüber. Zu welcher Strategie raten Sie Händlern, die geringwertige Güte verkaufen wollen?

Dr. Gerrit Seidel (Sofort AG): Meist werden im Micro-Payment-Bereich vor allem Dokumente, Software oder Zugänge freigeschaltet, wie beispielsweise im Gaming&Gambling-Sektor. In diesen Segmenten werden meist geringe Beträge gehandelt. Deshalb gelten hier zwei zentrale Anforderungen an ein Bezahlverfahren: Schnelligkeit und Kosteneffizienz. Die Echtzeitbenachrichtigung über die sichere Zahlung des Käufers ist für Anbieter zur umgehenden Freischaltung des Services oder der Dienstleistung notwendig. Daneben ist die „Wirtschaftlichkeit“ eines Bezahlverfahrens im Micro-Payment von erheblicher Bedeutung. Händler sollten bei der Auswahl des Bezahlverfahrens deshalb auf die Gesamtkosten eines Zahlverfahrens achten, auf die so genannten Total Cost of Payment. Diese umfassen nicht nur die meist bekannten Transaktionskosten, sondern zum Beispiel auch die Ausfallkosten, die Aufschaltkosten sowie weitere Prozesskosten. Meist sind im Micro-Payment-Bereich deshalb „reine“ Internet-Bezahlverfahren im Vorteil, da die Payment-Kosten niedrig und die Zahlungssicherheit hoch sind.

Frank Breuss (PPRO): Beim Micropayment scheinen sich hierbei derzeit zwei Strategien durchzusetzen: Bei der einen wird zunächst ein größeres Guthaben aufgeladen und dann in mehreren Teilkäufen aufgebraucht (beispielsweise Stored Value-Guthaben bei iTunes oder Punkte-Pakete bei BrowserGames). Bei der anderen Strategie werden die Kosten vom Händler direkt auf den User übertragen, beispielsweise bei Zahlungen, die über das Smartphone abgewickelt werden, oder bei „PayPay MicroPayment” und anderen Wallet-Produkten. Speziell in den USA werden gerade viele neuartige Zahlungsmittel für Micropayment entwickelt. Es wird sich zeigen, inwieweit diese Produkte sich auch in Europa durchsetzen. Zwischenzeitlich bleibt den Händlern nur die Wahl zwischen herkömmlichen Zahlungsmethoden. Dabei sind vor allem die besonders schnellen und einfachen Zahlarten relevant, denn der Nutzer entscheidet sich bei Micropayments nur selten für komplexe Zahlmethoden.

Achim Himmelreich, Partner bei Mücke, Sturm & Company: Gerade im Paid Content Bereich ist Micropayment unerlässlich. Zum einen bietet der Payment-Markt Anbieter, die sich auf effizientes und Schlankes Bezahlen spezialisiert haben, zBsp Flattr. Zum anderen gibt es aber auch auf Händlerseite Ansätze um Micropayment zu begegnen: Das kann Prepaid, Abo, oder ein sogenanntes Billing-Inkasso-Systeme sein. Letzteres bedeutet, dass mehrere Zahlungen zu einer „größeren“, wirtschaftlichen Transaktion allokiert werden. Wir raten Händlern ihre Kunden zum „richtigen“ Bezahlmodell zu motivieren: Im Digital Goods Segment ist das Abo-Modell die wohl beste Lösung aus Händlersicht da es gleichzeitig die Kundenbindung erhöht. Prepaid-Ansatz, zB in Form eines Guthabenkontos, erhöht die Liquidität des Händlers.

Hans-Peter Weber (Secupay): „Das Grundproblem, weshalb sich im Micropayment-Bereich eine Zahlung per Kreditkarte oder per Lastschrift für den Händler nicht rechnet, begründet sich in den Transaktionskosten, die für jede einzelne Transaktion oft höher liegen als der Wert des Produktes oder der Dienstleistung selbst. Die optimale Strategie besteht also darin, einzelne Transaktionsgebühren entweder zu reduzieren oder gleich vollständig zu vermeiden. Eine Lösung hierfür ist zum Beispiel die Integration einer Zahlmöglichkeit über eine Prepaid-Karte in den Check-Out-Prozess. Eine solche Prepaid-Karte, die auf einem E-Geld-Konto basiert, steht dem Verbraucher für seine Online-Einkäufe in virtueller Form zur Verfügung, für die Einkäufe im stationären Handel ist eine physische Karte und eine App für das Smartphone verfügbar. Der Verbraucher zahlt einen beliebigen Betrag auf seine Prepaid-Karte ein und kann diesen dann bei allen angeschlossenen Händlern einsetzen. Für den Händler selbst ergibt sich daraus ein erheblich reduzierter Aufwand, da alle Transaktionen, die über die Bezahloption „Prepaid-Karte“ abgewickelt werden, in Summe und nur einmal im Monat abgerechnet werden. Bei der secucard-Prepaid-Karte entfallen dadurch bspw. jegliche Transaktionsgebühren und es fällt für den Händler nur noch eine umsatzabhängige monatliche Gebühr an.“       

Peiam Arad (Chase Paymentech): Der Aussage, Kreditkartenzahlungen seien für Micropayments nicht geeignet, kann ich nicht zustimmen. Es ist wichtig, dass Händler die verschiedenen Modelle zur Bearbeitung von Micropayments mit Kreditkarten unterscheiden können. Das klassische Modell, auch Pay-as-you-go genannt, ist sicherlich nicht für Micropayments geeignet, da Transaktionsgebühren nicht geringer werden und der Wert einiger Zahlungen nicht in Relation zu den Kosten steht. Es gibt allerdings zwei andere Modelle, die sich hierzu sehr gut eignen. Einerseits kann man ein Prepay-Modell benutzen, bei dem der Kunde den Händler autorisiert, einen bestimmten Betrag seiner Kreditkarte zu belasten und in eine virtuelle Währung umzuwandeln. Einige Beispiele hierfür sind „Facebook-Credits“ und „Skype-Credits“. Ein anderes weit verbreitetes Modell ist das Postpay-Modell. Hierbei summieren Händler die einzelnen Micropayments, bis ein gewisser Mindestbetrag erreicht oder eine bestimmte Zeit ohne weitere Transaktionen vergangen ist. Die jeweiligen Einkäufe können dann als Gesamtbetrag belastet werden. Beispiele hierfür sind der Mp3 Store von Amazon oder iTunes.

Bernhard Linemayr (Payolution): Gerade im Bereich Mircropayment braucht es aus Konsumentensicht eine Bezahloption die so unkompliziert wie möglich ist, denn die Bereitschaft, Zeit für die Zahlung zu investieren sinkt direkt proportional zum Warenwert. Ideal eignen sich also Kauf auf Rechnung, Monatsrechnungsmodelle und digitale Wallets, da weder zusätzliche Daten noch aufwändige Prozesse nötig sind. Als Händler gilt es insbesondere auf ein volumensbasiertes Preismodell zu setzen, das keine fixen Transaktionskosten beinhaltet. Behält man Kundenbedürfnisse im Fokus und setzt auf das richtige Preismodell, stimmt auch die Conversion im Mobile-Bereich.

Lena Hackelöer (Klarna): Natürlich muss die Transaktionsgebühr in einem sinnvollen Verhältnis zur Warenkorbhöhe stehen. Ich würde also empfehlen, beim Thema Micropayment auf einen Dienstleister zu setzen, dessen Kostenmodell pro Transaktion ohne einen fixen Anteil auskommt. Mit dem Klarna Checkout ermöglichen wir genau dies. Ein gutes Beispiel dafür, dass sich der Klarna Checkout bestens für Micropayment eignet, ist das Stockholmer Nahverkehrsgesellschaft Storstockholms Lokaltrafik (SL). SL ist in Stockholm zuständig für die U-Bahn, Stadtbahnen, Vorortzüge sowie Buslinien und hat den Klarna Checkout integriert. Das bedeutet, dass SL-Kunden ihre Tickets ganz bequem von unterwegs mit ihrem Mobilgerät kaufen und sofort via SMS erhalten. Dabei trägt der einfache Kaufprozess maßgeblich zum großen Erfolg bei. Das gilt im Übrigen grundsätzlich für den mobile Commerce - gerade im Bereich Micropayment.

ECM: Ist Risikomanagement auch im Bereich Micropayment sinnvoll und wenn ja, wie sollte das aussehen?

Lena Hackelöer (Klarna): Das Thema Risikomanagement erscheint bei einem Einkaufswert von beispielsweise zwei Euro natürlich eher unwichtig, zumindest wenn man die einzelne Transaktion betrachtet. Es wird aber dann sehr wichtig, wenn man einen Blick auf die Summe aller Transaktionen wirft. Das bedeutet, dass es für Händler sehr sinnvoll ist, auf einen Dienstleister zu setzen, der ihnen die Frage des Risikos in Gänze abnimmt. Bei Klarna ist es beispielsweise so, dass wir das komplette Kredit- und Betrugsrisiko für die Händler übernehmen.

Peiam Arad (Chase Paymentech): Risikomanagement ist in jedem Fall auch im Bereich von Micropayment sinnvoll. Die Händler sollten jedoch gewährleisten, die richtigen Payment Security- und Fraud Management Lösungen zur Verfügung zu haben, da die Betrugsformen bei Micropayments im Vergleich zu herkömmlichen Transaktionen sehr unterschiedlich sind. Die meisten Anti-Fraud Softwarelösungen erkennen die Transaktionen schlicht aufgrund ihres geringen Betrages nicht. Der Händler sollte sicherstellen, bewährte Technologien und Produkte zu benutzen, welche integraler Bestandteil der Bezahlabwicklung des Händlers sind. So können anspruchsvollere Betrugsmuster besser erkannt werden. Ein weiterer Bestandteil sollten Funktionen wie Proxy Piercing und Geolokalisierung sein, welche die Herkunft einer Transaktion in Echtzeit genau bestimmen können. Außerdem ist ein dynamisches Order Linking wichtig, welches Bestellungen anhand von betrügerischen Merkmalen genauestens analysieren kann.

Dr. Gerrit Seidel (Sofort AG): Das Risikomanagement, also die Minimierung von Zahlungsausfällen, ist natürlich gerade auch im Micro-Payment-Bereich wichtig. Allerdings frisst das Risikomanagement einen Teil der oftmals geringen Handelsspanne auf. Zielführend ist also die Entscheidung für Zahlungsmittel, die bekannt geringe Ausfallquoten haben, wie beispielsweise Direktüberweisungsverfahren.

Hans-Peter Weber (Secupay): Auch im Micropayment-Bereich ist es sinnvoll das Risikomanagement nicht völlig zu vernachlässigen, denn Kleinvieh macht ja schließlich auch Mist und auch Chargeback- und Rücklastschriftgebühren führen zu erheblichen Geld-Einbußen. Zumeist lohnt es sich für einen Micropayment-Händler jedoch nicht, im Bereich Risikomanagement selbst aktiv zu werden. Insbesondere für Kleinstbetragszahlungen ist es sinnvoll, mit einem Payment-Provider zusammenzuarbeiten, der eine Zahlungsgarantie für die verschiedenen Zahlarten gibt und in der Lage ist Transaktionen zu bündeln.

Bernhard Linemayr (Payolution): Selbstverständlich braucht man gerade in diesem Bereich einen Partner, der im Rahmen eines umfassenden Risikomanagement funktionierende und performante Risikoprüfungen anbietet, die quasi in Echtzeit Resultate liefern und eher auf Plausibilität und Identität denn auf reine Bonitätsprüfungen abstellen. Ein negatives Ergebnis bedeutet aber noch lange keinen verlorenen Kunden: Statt z.B. dem beliebten Rechnungskauf gilt es hier auch andere Bezahloptionen wie Wallets oder Prepaid-Methoden anzubieten.

Achim Himmelreich, Partner bei Mücke, Sturm & Company: Auch im Micropayment  ist Risikomanagement notwendig. Allerdings liegt der Fokus weniger auf der Bonitätskontrolle des einzelnen Kunden, sondern mehr auf das Transaktionsverhalten. Das kann zB eine auffällig hohe Transaktionsanzahl pro Zeiteinheit sein.  Kontrollsysteme hierzu gibt es für das Shopsystem oder Addonn des jeweiligen PSPs.

ECM: Nach Berechnungen von Pricewaterhousecoopers (Pwc) steigen die Erlöse der Mobile-Payment-Branche bis zum Jahr 2020 auf rund eine Milliarde Euro. Gleichzeitig wird sich der Markt konsolidieren, nur wenige Anbieter sich langfristig etablieren. Welche Fragen sollten Händler einem Anbieter stellen, um zukunftssicher zu investieren?

Peiam Arad (Chase Paymentech): Wir befinden uns nach wie vor in der Anfangsphase des mobilen Bezahlens. Daher ist es wichtig, dass der Händler frühzeitig  bei seinem Service-Provider nachfragt, ob dieser bereit ist in ihn zu investieren und neue Technologien einzuführen.

Christian von Hammel-Bonten (Wirecard): Händler sollten dem Anbieter einer Mobile Payment-Zahlungslösung fragen, ob die Lösung auf internationalen, etablierten Standards beruht oder ob es sich um eine proprietäre Lösung handelt. Es ist dann vom Händler zu entscheiden, ob er standardisierten Lösungen wie Visa payWave oder MasterCard Paypass auf Basis der NFC-Technologie oder geschlossene Lösungsansätze auf Basis von QR Codes unterstützen möchte. Die Entscheidung kann sowohl eine „und“ als auch eine „oder“ Entscheidung sein, abhängig auch von der Strategie des Händlers.

Lena Hackelöer (Klarna): Aktuell gibt es nahezu wöchentlich neue Ideen und Startups, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Zugegebenermaßen ist es da nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten. Um auf eine zukunftssichere Lösung zu setzen, sollten Händler drei Fragen im Blick behalten: Welche Lösung macht den Einkauf tatsächlich einfacher für den Käufer, bietet also eine gute User Experience? Welcher Anbieter besitzt die beste Innovationspower, um die Lösung auch zukünftig erfolgreich sein zu lassen? Wer wird mittels eines starken Händler- und Partnernetzwerkes seine Lösung jenseits von Pilotprojekten flächendeckend anbieten können? Und nicht zuletzt: Welcher Anbieter verringert auch den Verwaltungsaufwand auf Händlerseite, etwa durch möglichst wenige Ansprechpartner bei möglichst wenigen Dienstleistern in allen Ländern, in die der Händler verkauft?

Achim Herrn Himmelreich, Partner bei Mücke, Sturm & Company: Insbesondere für  große Händler sind viele Fragen bei der Wahl des MP-Partners zu berücksichtigen, deswegen entscheiden sich auch einige für eine eigene Lösung. Kleineren Händlern bietet sich diese Möglichkeit nicht, sie sollten daher darauf achten, dass große Partner, wie zB die Otto Group bei Yapital,  hinter dem Anbieter stehen. Denn im Worst Case einer Insolvenz des MP-Anbieter können die Auszahlungen eines Abrechnungszeitraumes wegfallen.

Dr. Gerrit Seidel (Sofort AG): Für das Mobile Payment am sogenannten Point of Sale (POS) gelten die gleichen Kriterien wie für das Bezahlen im E-Commerce: Die Bezahlung muss schnell möglich sein, auf einem sicheren und vertrauensvollen Bezahlprozess basieren, einfach handhabbar sein und für den Händler relativ zu den klassischen Zahlmethoden - insbesondere dem elektronischen Lastschriftverfahren - nicht teurer sein. Falls doch, sollte es zusätzliche Mehrwerte etwa bei der Kundenbindung schaffen. Der Handel sollte sich daher nach folgenden Punkten bei den Anbietern erkundigen: Erfüllt der Anbieter alle oben genannten Kriterien in Bezug auf den Komfort und die Sicherheit der Bezahlung? Eigentlich selbstverständlich, aber in der Realität werden nur selten alle Punkte erfüllt. Oft kommt es beispielsweise zu unerwartet hohen Ausfällen, hohen Kosten bei der Kassen-System- und IT-Integration oder aber der Komfortvorteil gegenüber einer traditionellen Kartenzahlung ist für den Endkunden nicht erfüllt. Funktioniert die Bezahlung händlerunabhängig sowie bank-übergreifend? Am schlimmsten ist, wenn Kunden an der Kasse stehen bleiben, weil die eigene Bank nicht unterstützt wird. Ebenfalls von Nachteil ist, wenn der Verdacht besteht, dass Kundendaten auch Wettbewerbs-Händlern zum Vorteil gereichen könnten. Ist sichergestellt, dass das zugrundeliegende Geschäftsmodell der mobile Payment Lösung unabhängig von sich stetig wandelnden Technologietrends ist? Die Frage ob RFID, NFC etc. wird sich dabei in Zukunft ständig weiterentwickeln und verändern. Der Bedarf, an der stationären Kasse zu zahlen aber bleibt. Der Markt für Mobile Payment ist noch sehr jung und viele Anbieter, zum Teil mit Nischen-Kompetenz, sind dort unterwegs. Noch ist nicht abzusehen, welche Technologie und welche Anbieter sich durchsetzen werden, mit Sicherheit lässt sich aber prognostizieren, dass am Ende der Kunde entscheidet, welche Zahlverfahren für ihn den meisten Mehrwert bieten

Bernhard Linemayr (Payolution): Der ideale Partner ist nicht nur ganz auf E-Commerce eingestellt, sondern bietet auch ein starkes Netzwerk und finanzielle Absicherung. Ein günstiger Preis und das passende -modell sind bei weitem nicht alles: Persönliche und individuelle Betreuung, hohe Verfügbarkeit, technische Kompetenz sowie Erfahrung mit operativen Prozessen bringen auf lange Sicht weitaus mehr. Hinsichtlich Konsolidierung des Marktes ist man mit der Wahl eines white-label Partners auf der sicheren Seite, denn hier steht die eigene Marke im Vordergrund, so muss sich der Endkunde nicht plötzlich mit einer neuen Brand im Checkout auseinandersetzen.

 Hans-Peter Weber (Secupay): Auch wenn der Umsatz im Mobile Payment-Bereich definitiv in den kommenden Jahren drastisch ansteigen wird, wird die Funktion „Bezahlen“ dabei nur eine Nebenrolle spielen. Viel wichtiger und für den Handel erfolgsentscheidend wird der Aspekt „Kundenbindung“ werden. Für den Händler bedeutet das: auf Anbieter mit den richtigen Apps mit den richtigen Funktionen setzen. Eine reine Payment-Lösung wird den Durchbruch hier also nicht schaffen. Die Gewinner werden vielmehr diejenigen sein, die den Kunden am meisten Nutzwert generieren. Händler sollten sich also bei den Anbietern darüber informieren, ob neben einer reinen Bezahlfunktion auch entsprechende Mehrwerte im Marketingbereich geboten werden, welche Möglichkeiten zur Kundenbindung existieren und ob das Bezahlerlebnis für den Kunden wirklich zum „Erlebnis“ wird. Dass eine solche Lösung dann auch kanalübergreifend sowohl im Online-Shop als auch am POS gleichermaßen funktionieren muss, versteht sich dabei von selbst.

José Martinez-Benavente (Sagepay) :  Bezahlen ist Vertrauenssache. Online-Händler sollten für das mobile Einkaufen also Bezahlmethoden anbieten, zu denen ihre Kunden bereits Vertrauen haben, die vom Markt bereits akzeptiert werden. Denn wichtig ist, dass die Zahlung schnell und sicher verarbeitet wird. Ein Mix aus drei bis maximal fünf verschiedenen Bezahlverfahren bietet sich an. In den Mix gehören lokale und nationale Zahlungsarten genauso wie international anerkannte Zahlungsklassiker wie die Kreditkarte oder PayPal – idealerweise über einen Anbieter. Nur so haben Händler ihre Payment-Kosten im Griff und profitieren von einem einheitlichen Transaktions-Reporting, um auch rasch auf Marktänderungen reagieren zu können. Mobile Transaktionen müssen natürlich auch bequem sein, um sich durchzusetzen! Zum Beispiel dadurch, dass eine Autorisierung von kleinen Beträgen nicht mehr nötig ist. Stammkunden im Online-Shop könnte man eine Single-Click-Bezahllösung anbieten, die etablierten Sicherheitsstandards entspricht (Stichwort Payment Card Industry Data Security Standard, kurz: PCI DSS). Dabei werden in einem sogenannten Token die Daten eines Kunden als Alias verschlüsselt und bei erneuter Anmeldung im Shop wieder abgerufen. Die Sicherheit darf niemals vernachlässigt werden, sonst ist ein neues Payment-Verfahren ganz schnell erledigt.

Die drei wichtigsten Fragen, die Online-Händler einem Payment Provider stellen sollten, bevor sie sich für ein Mobile-Payment-System entscheiden: Erstens: Sind die Bezahlseiten für die Darstellung auf mobilen Endgeräten optimiert? Wichtig ist die Einfachheit des Bezahlprozesses. Zweitens: Welche Bezahlverfahren sollte ich anbieten? Die Antwort ist abhängig von der Kundenstruktur, z.B. wie viele Erstkäufer ein Shop hat oder wie hoch der Anteil der ausländischen Kunden ist. Drittens: Welche Kosten kommen auf mich zu? Der finanzielle Aufwand ist abhängig von der Einschätzung, ob das System je nach Wachstum skalierbar sein muss: eine App ist anfangs etwas teurer, aber dafür ein beliebtes Instrument zur Kundenbindung - ein Check-Out im Responsive Design ist meist günstiger, aber nicht so präsent auf den Displays der Kunden wie eine App.

Frank Breuss (PPRO): Im Mobile-Payment-Bereich wird sich in den nächsten Jahren herausstellen, ob sich der erwartete Trend wirklich durchsetzt. Dass sich Verbraucher verstärkt über mobile Geräte informieren, ist bereits gegeben – ob sie damit dann auch mobil zahlen wollen, wird sich erst noch zeigen. Prinzipiell werden sich meiner Meinung nach langfristig nur diejenigen Zahlarten durchsetzen, die von vorne herein für Mobile konzipiert wurden – egal ob für den Point-of-Sale oder für Online-Einkäufe. Da Mobile Payment oft stark mit Micropayment verknüpft ist, dominieren hier derzeit Wallet-Lösungen, die mit einem Guthaben aufgeladen werden und dann rasche und einfache mobile Zahlungen erlauben.

Autoren:

  • Christian von Hammel-Bonten ist Executive Vice President Sales Telcommunications bei Wirecard. Zu den wesentlichen Alleinstellungsmerkmalen, die Wirecard auszeichnen, gehören die Kombination aus Softwaretechnologie und Bankprodukten, die globale Ausrichtung der Zahlungsplattform und innovativen Lösungen, um Online-Zahlungen effizient und sicher für sein Kunden abwickeln zu können.
  • Dr. Gerrit Seidel ist seit dem 1.7.2014 bei Klarna neuer Chef für die Region Deutschland, Österreich und Schweiz (DACH). Seidel wird als „Senior Vice President DACH” für die Entwicklung der Geschäftsstrategie und das Wachstum von Klarna in der Region verantwortlich sein. Gleichzeitig bleibt er CEO der SofortT AG, einem Unternehmen der Klarna Group.
  • Lena Hackelöer ist Director Market Growth and Strategy von Klarna. Klarna wurde 2005 in Stockholm mit der Idee gegründet, das Einkaufen zu vereinfachen. Dies erreicht das Unternehmen, indem wir es den Verbrauchern ermöglichen, erst nach Warenerhalt zu bezahlen, und gleichzeitig das Kredit- und Betrugsrisiken für die Händler übernehmen.
  • Peiam Arad ist Vice President Business Development bei Chase Paymentech. Chase Paymentech bietet E-Commerce-Unternehmen weltweit Lösungen für Kreditkarten Acquiring und Payment Processing an und berät Online-Händler nachhaltig und langfristig bei Ihrem Unternehmenswachstum, dem Datenschutz, der Betrugsbekämpfung und der Wahl des optimalen Zahlungsverfahrens.
  • Bernhard Linemayr ist Prokurist bei  Payolution. Das Unternehmen bietet die abgesicherten Zahlungsmöglichkeiten "Kauf auf Rechnung" sowie "Ratenzahlung" als White-Label-Lösung für Online-Shops in der gesamten D-A-CH Region an.
  • Frank Breuss ist Director International Sales bei der PPRO Group, einem  Anbieter von integrierten Lösungen rund um internationale elektronische Bezahlprozesse. Das Unternehmen, positioniert als „Payment Professionals“, wurde 2006 von Philipp Nieland und Tobias Schreyer gegründet und hat seinen Hauptsitz in London.
  • Hans-Peter Weber ist Vorstand bei Secupay, einem seit ihrer Gründung im Jahr 2000 auf bargeldlose Zahlungsabwicklungen im Offline- und Onlinehandel spezialisiertem Unternehmen. Zu den wichtigsten Produktentwicklungen der Secupay gehört die Lastschrift mit Zahlungsgarantie für kleine und mittelständische Onlineshops sowie die zahlungsgarantierte Kreditkartenakzeptanz.
  • Achim Herrn Himmelreich ist Partner bei Mücke, Sturm & Company: Mücke, Sturm & Company (MS&C) berät ihre Klienten in allen Phasen der digitalen Transformation und blickt auf eine langjährige Erfahrung mit internetbasierten Geschäftsmodellen zurück und war ursprünglich auf die TIME Industrie fokussiert. Seit einigen Jahren unterstützt die Beratung mit ihrer Expertise auch führende Unternehmen anderer Branchen wie Energie, Automobil, Handel, Banken & Versicherungen und Gesundheit.

Dieser Beitrag erschien erstmals im e-commerce Magazin 07/2014

  • Christian v. Hammel-Bonten (Wirecard)
  • Dr. Gerrit Seidel (Sofortüberweisung.de)
  • Lena Hackelöer (Klarna)
  • Peiam Arad (Chase Paymentech)
  • Hans-Peter Weber /Secupay)
  • Achim Himmelreich (Mücke, Sturm & Company)
  • Berhard Linemayr (Payolution)
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