Darum sollten Onlinehändler Instagram und Pinterest im Blick behalten

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Vielmehr geht es bei Social Media im Onlinehandel nicht direkt ums Verkaufen, sondern um den Aufbau von Bekanntheit und Reichweite (wie überall) sowie um das Locken neuer Kunden in den Shop. Ich nenne dies „Appetit machen“.

Onlinehändler sollten also die Social-Media-Kanäle dazu nutzen, um die Besucher dort zu informieren. etwa über neue Trends oder neue Produkte, und sie so in den Shop leiten. Nun unterliegt die Social-Media-Welt einem stetigen Wandel. Vor einigen Jahren gab es nur Facebook, Youtube oder Twitter, doch immer wieder kommen neue Trend-Plattformen wie Pinterest, Instagram oder – ganz neu – Snapchat dazu. Besonders die auf Bilder und Videos basierenden Plattformen erleben aktuell in Deutschland einen riesengroßen Hype. Während Facebook und Twitter mit stagnierenden oder gar sinkenden Nutzerzahlen zu kämpfen haben, verzeichnen Plattformen wie Youtube oder die genannten Pinterest, Instagram und Snapchat monatlich riesige Wachstumszahlen bei den Nutzern.

Instagram beispielsweise hat aktuell rund 500 Millionen aktive Nutzer weltweit (Deutschland 9 Millionen) und damit die Nutzerzahl in den letzten zwei Jahren verdoppelt (Quelle allfacebook.com). Pinterest hat nach Unternehmensangaben zwar nur 100 Millionen Nutzer, diese Zahl habe sich in den vergangenen 18 Monaten allerdings verdoppelt.  Und Snapchat, der Überflieger, hatte Ende 2015 110 Millionen täglich aktive Nutzer, die zusammengenommen auf zehn Milliarden Video-Views pro Tag kommen. Innerhalb eines Jahres hat sich die Nutzerzahl damit verdoppelt.

Ein Geschenk für den Onlinehandel

Für den Onlinehandel sind solche auf Bilder und Videos basierenden Plattformen ein Geschenk des Himmels. Sie verbinden die klassischen Social-Media-Elemente wie die Teilen- und Bewerten-Funktion (zum Beispiel: „Gefällt mir“) mit visuellen Darstellungen und verzichten fast komplett auf Text. Und wie alle wissen, erkennt und verarbeitet das Gehirn visuelle Reize (Bilder und Symbole) sehr viel schneller als textbasierte Informationen.

Alles, was der Onlinehändler also tun muss, besteht darin, seine Produkte in Instagram und Pinterest zu präsentieren, die Käufer zu begeistern und in den Shop zum Kauf zu locken. Ganz einfach. – Leider nicht. Man muss schon wissen, wie die Plattformen funktionieren und ihre Eigenheiten sowie die Verhaltensweisen und Vorlieben der Nutzer dort kennen. Denn die sind durchaus unterschiedlich.

Pinterest – virtuelle Foto-Pinnwände

Hinter Pinterest steht die Idee, sich gemeinsam über verschiedene Hobbys, Interessen und Einkaufstipps mithilfe virtueller Pinnwände auszutauschen. Jeder Nutzer kann sich Pinnwände nach seinen Wünschen und Interessen anlegen, dort eigene Bilder und Videos hochladen und den anderen Pinterest-Nutzern weltweit präsentieren. Die anderen Nutzer können diese Fotos wiederum an ihre eigenen Pinnwände pinnen (Merken-Funktion), mit „Gefällt mir“ bewerten, kommentieren oder per Chat an andere Nutzer senden. Durch das Pinnen an die eigene Pinnwand wird das Foto der gesamten eigenen Gefolgschaft eines Nutzers gezeigt.

Zudem besteht wie bei allen Social-Media-Plattformen die Möglichkeit, anderen Pinterest-Nutzern zu folgen und deren Pins dauerhaft zu abonnieren. Dieses System aus Followern und Followings (den Nutzern, denen ich folge) kennen wir von Twitter.

Bei Pinterest gibt es private und Unternehmens-Profile, beide sind in der Nutzung kostenlos.  Für Onlinehändler sind die Unternehmen-Profile die erste Wahl. Besonders interessant für Unternehmen ist die Tatsache, dass bei jedem Foto die Original-URL beigefügt und bei jedem Re-Pin mittransportiert wird. So ist stets sichergestellt, dass – egal wohin sich das Bild oder Video verbreitet – die Quelle, zum Beispiel die eigene Webseite, mitgeliefert wird.

Eine weitere sehr beliebte Funktion ist das „Pinnen“ aus dem Browser heraus. Nutzer, die ein Plug-In in ihrem Browser installiert haben, können beliebige Bilder aus beliebigen Webseiten heraus direkt auf ihre eigene Pinnwand heften.

Pinterest – bei Käufern sehr beliebt

Laut mehrerer Studien ist Pinterest bei Online-Käufern sehr beliebt. So ermittelte Millward Brown Digital im Jahr 2015, dass 93 Prozent der Pinterest-Nutzer in den USA das Netzwerk zur Kaufplanung verwenden. Der überwiegende Teil der Nutzerschaft ist hier übrigens weiblich.

Die einen besuchen direkt die virtuellen Pinnwände des Händlers ihrer Wahl und informieren sich über aktuelle Angebote wie in einem Schaufenster, die anderen werden bei ihren Streifzügen durch die Pinnwände der Pinterest-Welt durch aktuelle Produktbilder inspiriert und zum Spontankauf angeregt.

Pinterest selbst hat seine Relevanz für den E-Commerce durchaus erkannt und bietet den Onlinehändlern einige Zusatzfunktionen an, die die Conversion-Rate durchaus steigern.  Die sogenannten „Rich Pins“ sind in Deutschland bereits verfügbar.  „Rich Pins“ sind Pins, die über zusätzliche Informationen direkt auf dem Pin verfügen. Es gibt sechs Arten von Rich Pins, nämlich Apps, Filme, Rezepte, Artikel, Produkte und Orte. Produkt-Pins enthalten etwa Echtzeit-Preisangaben und Informationen zur Verfügbarkeit sowie darüber, wo man das jeweilige Produkt kaufen kann.

In den USA werden zudem sogenannte „Buyable Pins“ getestet, die einen Kauf direkt aus der App heraus ermöglichen, ohne Pinterest verlassen zu müssen. Der Dienst ist laut Pinterest zunächst auf Apple-Geräten nutzbar, der Kauf wird über Apple Pay abgewickelt und erfolgt direkt über den entsprechenden Händler. Große Warenhäuser wie Macy's, Nordstrom und Neiman Marcus setzen den Dienst bereits ein. Wann der „Kaufen"-Button nach Europa und Deutschland kommt, ist noch nicht klar. Zudem testet Pinterest einen eigenen Einkaufskorb, in dem Artikel verschiedener Anbieter abgelegt werden können.

Die aktuellen Entwicklungen bei Pinterest zeigen, dass die Plattform eine immer größer werdende Relevanz für den E-Commerce bekommen wird.  Händler, die auf Pinterest aktiv werden wollen, sollten jedoch folgendes beachten:

  • -Für eine gute Präsenz auf Pinterest sollten Händler den Nutzern zunächst eigenes pin-fähiges Material bereitstellen. Da die Bilder bewusst geteilt und verbreitet werden sollen, sollten Sie unbedingt im Besitz der Nutzungs- oder Urheberrechte sein.
  • -Damit die Kunden und Besucher des Onlineshops dort Produktbilder selbst pinnen können, sollten auch im Shop originelle, hochwertige Bilder bereitgestellt werden. Durch das eigene Pinnen wird dann auch die Webadresse des Shops verbreitet.
  • -Integrieren Sie einen Teilen-Button innerhalb des Onlineshops, um Nutzer dort zum Verbreiten der Bilder zu animieren.
  • -Pinnen Sie selbst keine fremden Bilder in ihrem Corporate Account. Das gibt Probleme mit dem Urheberrecht.
  • -Denken Sie über den Einsatz von Rich-Pins nach.
  • -Hashtags werden bei allen Social-Media-Plattformen immer bedeutsamer. Die richtige Verwendung von Hashtags erhöht die Auffindbarkeit deutlich. Achten Sie bei jedem Pin auf die passenden Hashtags.

 Instagram: Für experimentierfreudige Onlinehändler

Die mittlerweile unangefochtene Nummer eins unter den Foto-Sharing-Plattformen ist Instagram. Seitdem Facebook den Anbieter übernommen hat, verzeichnet Instagram ein ungebremstes Wachstum – sowohl der Nutzerzahlen als auch der Umsätze. Instagram hat im Vergleich zu Pinterest einige gravierende Unterschiede:

  • -Keine Unternehmenskonten: Anders als Pinterest sind bei Instagram alle Konten privat. Instagram hat (noch) keine eigenen Unternehmenskonten. Unternehmen sind dennoch willkommen, spülen sie doch Millionen in die Kassen von Instagram/Facebook durch Werbung. Als Onlinehändler legt man sich also ein normales Profil an, wählt den passenden Profilnamen und vergesse nicht den Link zum Impressum. Laut eigner Aussagen plant Instagram eigene Unternehmenskonten mit besonderen Funktionen, der Zeitpunkt ist jedoch völlig offen.
  • -Kein klickbarer Link möglich: Anders als bei Pinterest können in den Beiträgen keine klickbaren Links integriert werden. Links lassen sich als Text einbauen. Das verhindert einen direkten Klick zum Shop – ein Nachteil für Onlinehändler.
  • -Instagram ist eine mobile App: Anders als Pinterest ist Instagram nur mobil als App voll nutzbar. Die Idee hinter Instagram ist auch ein wenig anders. Die Nutzer wollen unterwegs ihre Schnappschüsse ihren Freunden präsentieren. Die Webversion ist lediglich zum Ansehen, „Gefällt-mir“-Markieren und Kommentieren der Bilder geeignet. Hochladen kann man leider nichts.

Instagram und Pinterest

Funktionell ist Instagram der Plattform Pinterest sehr ähnlich. Auch bei Instagram lädt der Nutzer Bilder und Videos in sein Profil, gibt einen kurzen Text und passende Hashtags dazu an. Abonnenten des Profils bekommen die Bilder in ihren Streams zu sehen und können „Gefällt mir“ klicken und kommentieren. Die Teilen-Funktion, also das Weiterleiten ins eigene Profil, gibt es bei Instagram offiziell nicht. Bei Instagram spielen die Hashtags eine elementare Rolle. Viele Nutzer suchen nach Themen über die Schlüsselwörter und stöbern dann in anderen Profilen. Gut gewählte Hashtags führen zu schnellem Wachstum der Gefolgschaft.

Instagram – Der frühe Vogel fängt den Wurm

Instagram hat gegenüber anderen etablierten Social-Media-Plattformen einen riesengroßen Vorteil: die Plattform ist von vielen Branchen noch unentdeckt. Für Onlinehändler bietet Instagram eine neue Spielwiese, um Produkte „etwas anders“ zu präsentieren. Allerdings führen die Postings nicht zum Shop. Das geht nur, indem der begeisterte Nutzer die Shop-Adresse direkt eingibt.

Mit „etwas anders“ meine ich, dass reine Produktfotografien kaum Erfolge haben werden bei den Instagramern. Schaut man auf erfolgreiche Instagram-Präsenzen von Unternehmen, so erkennt man, dass diese einen eigenen Stil entwickelt haben, Geschichten mit Fotos und Kurzvideos erzählen und Stimmungen und Emotionen transportieren.

Dazu benötigt man noch nicht mal ein tieferes fotografisches Know-how. Instagram selbst bietet viele individuelle und witzige Fotofilter an. Apps von Drittanbietern erlauben es, schnell Foto-Kollagen zu erstellen oder witzige Bilder wie etwa ein altes Polaroid-Bild zu produzieren.

Anders als bei Pinterest muss man sich als Händler allerdings etwas Zeit nehmen. Es reicht eben nicht, die Fotos aus dem Shop hochzuladen. Gedankt wird der Arbeit durch eine hohe Interaktionsrate. Laut Forrester erzielten Top-Marken in Instagram pro Follower im Durchschnitt eine Interaktionsrate von 4,21 Prozent. Das Nutzer-Engagement auf Instagram ist 58-mal höher als auf Facebook und 120-mal höher als auf Twitter.

Fazit: Instagram und Pinterest für Onlineshops

Onlineshops, die in den Social Media aktiv sind, sollten vor allem Pinterest ernstnehmen. Das Netzwerk expandiert zurzeit stark und investiert viel Zeit und Geld in den Ausbau von Funktionen für den E-Commerce. Wer hier im Onlineshop und mit einer eigenen Präsenz seine Hausaufgaben macht, wird mit Referral-Traffic in der Lage sein, wirtschaftliche Vorteile über die Verbreitung der eigenen Inhalte zu erzielen. Instagram ist etwas für Kreative und experimentierfreudige Onlinehändler. Nur mit eigenen Ideen und einem eigenen Stil kann man hier neue Kundengruppen ansprechen.

Snapchat – wer wagt, gewinnt

Ein abschließendes Wort zu Snapchat. Auch wenn die App sich im Höhenflug befindet und vor allem die sehr jungen Zielgruppen anspricht, so sind die Möglichkeiten für Onlinehändler sehr begrenzt. Wer es schafft, über kurze Snaps eigene Geschichten zu den Produkten zu erzählen, kann hier punkten. Onlinehändler sollten die App zumindest nicht aus dem Auge verlieren.

Autor: Frank Bärmann ist seit vielen Jahren als Social-Media-Berater und Blogger tätig und kennt sich in der Social-Media-Welt gut aus. Er betreibt eine eigene Agentur und hat bereits zwei Bücher veröffentlicht, die sich mit den Thema Social Media beschäftigen.

(jm)

 

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