Der Weg ins eigene Mobile Payment

Schon während eines Musikkonzerts will ein Besucher das T-Shirt zur gerade neu entdeckten Lieblingsband schnell online kaufen – anstatt sich am Merchandise-Stand anzustellen. Ein Spaziergänger sieht am Straßenrand Werbung für das Reiseziel seiner Träume – der Groschen ist gefallen, er möchte seinen Wunschtrip umgehend buchen. Ein Zugfahrgast sieht das modische Accessoire eines Mitreisenden, ist begeistert – und will das gleiche Produkt sofort bestellen.

Gelegenheit macht Umsatz. In diesen Situationen muss der Kunde im Interesse von Online-Händlern die Möglichkeit haben, seinem Impuls nachzugehen und sofort das zu kaufen, was er will. Die technische Infrastruktur ist vorhanden: LTE und eine zunehmende Verbreitung von WLAN-Hotspots, moderne Smartphones und Tablets ermöglichen den mobilen Einkauf von nahezu jedem Ort auf der Welt.

Verbraucher wollen unterwegs online einkaufen

Laut Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) wurden im Jahr 2014 zwar fast 42 Milliarden Euro im Online-Handel umgesetzt. Im Vergleich zum vorangegangenen Jahr entspricht das einem Wachstum von rund sieben Prozent – deutlich mehr als im gesamten Einzelhandel. Doch sind Verbraucher denn auch schon bereit, Mobile Commerce zu nutzen? Die Antwort: Sie tun es bereits. Der Umsatzanteil, den das mobile Internet im Online-Handel zu verantworten hat, kletterte im letzten Jahr von 10 auf 17 Prozent, was einem Wert von 8,5 Milliarden Euro entspricht.

Andere Studien bestätigen diesen Trend. So hatte der bevh bereits im Frühjahr 2014 Ergebnisse einer Befragung zum Themenfeld „Mobiler Einkauf und Bezahlung mit dem Smartphone und Tablet“ im interaktiven Handel vorgestellt. Kernergebnis auch hier: Die Nutzung von Smartphones und Tablets für die Online-Einkaufstour nahm gegenüber den Vorjahresergebnissen deutlich zu. 57 Prozent aller Besitzer nutzen ihre Geräte auch zum Shoppen. 2011 waren es lediglich 23 Prozent.

Eine internationale Untersuchung im Auftrag von deals.com ergab sogar, dass der M-Commerce-Umsatz in Deutschland im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 131 Prozent gewachsen ist. Die beauftragten Forscher vom Center of Retail Research gehen davon aus, dass sich der Mobile-Umsatz im laufenden Jahr verdoppeln wird.

 Mobile Shop-Anwendungen gefragt

Die passenden Technologien für Mobile Commerce existieren. Die Bereitschaft der Kunden ist gegeben. Nun sind die Händler gefragt.

Unternehmen, die bereits konventionelle Online-Shops betreiben, sollten spätestens jetzt aktiv werden und auf Mobile Commerce setzen. Die Entwicklung eigener mobiler Shop-Anwendungen oder Webseiten im so genannten „Responsive Web Design“ ist dafür unerlässlich.

Responsive Web Design ermöglicht die optimale Darstellung von Webseiten auf jedem Endgerät – unabhängig von dessen spezifischen Eigenschaften wie Betriebssystem oder Bildschirmgröße. Dieses „reaktionsfähige Webdesign“ macht seinem Namen alle Ehre. Denn Inhalte, Navigationselemente und Strukturen von Webseiten sind nach diesem Prinzip nicht starr programmiert, sondern reagieren dynamisch auf die Anforderungen des jeweiligen Endgeräts.

Der einfache Grund für den zusätzlichen Aufwand: Handys und Tablets haben in der Regel eine geringere Auflösung. Die Darstellung und Bedienung „normaler“ Online-Shops ist auf den kleinen Bildschirmen zumeist sehr schwierig. Von Einkaufserlebnis keine Spur. Deshalb gilt der Grundsatz „Design to Mobile“.

Zahlverfahren mitplanen für weniger Kaufabbrüche

Auch wenn sich Design und Bedienung von Online-Shops am heimischen Rechner und auf dem Handy unterscheiden, erwartet der Kunde von beiden Plattformen vor allem eines: ein bequemes und sicheres Einkaufserlebnis. Und das ergibt sich nicht nur aus der Produktauswahl und der Funktionalität des Web-Shops, sondern hängt auch sehr stark mit einer unkomplizierten Zahlungsabwicklung zusammen. Was im „klassischen“ Online-Handel gilt, ist bei seiner mobilen Version sogar noch wichtiger: Denn gerade unterwegs auf der Straße, im fahrenden Zug oder auf einem Konzert muss die Zahlung besonders schnell und komfortabel sein.

Händler, die ihren Kunden den Einkauf über das mobile Internet ermöglichen wollen, sollten ihr Augenmerk deshalb bereits frühzeitig auf die Integration passender Zahlverfahren lenken. Dabei gilt: je mehr Möglichkeiten zur Zahlung, desto besser. Denn die allermeisten Kunden brechen den Online-Kaufprozess vorzeitig ab, wenn sie ihre bevorzugte Methode nicht finden. Doch welche Zahlungsarten sind die beliebtesten? Antwort: Alle. Je nach Art der Ware, Höhe des Kaufbetrages und Region favorisieren Käufer ganz unterschiedliche Methoden – von der sehr beliebten Kreditkarte von MasterCard, Visa & Co. über die elektronische Lastschrift bis hin zum reinen Online-Zahlverfahren wie beispielsweise PayPal oder sofortüberweisung.de.

 Bezahlverfahren bequem im Paket einbauen

Die gute Nachricht: Die allermeisten gängigen Shopsoftwares bieten entsprechende Schnittstellen, um Zahlverfahren einfach zu integrieren. Selbst dann bliebe aber immer noch der Aufwand, die Methoden zunächst auszuwählen und dann einzeln einzubauen. Am bequemsten sind für Händler deshalb Paketlösungen von Anbietern wie ConCardis. Sie enthalten für eine ganze Reihe von Bezahlverfahren eine passende Software, die bereits mehrere Payment-Lösungen an Bord hat. So ermöglicht beispielsweise die ConCardis PayEngine mit mehr als 30 Online- und Kartenzahlungsmöglichkeiten deren technische Einbindung in vorhandene Shop-Systeme in nur einem Schritt. Zusätzlich steht mit der ConCardis PayEngine for Apps eine Bezahllösung für die einfache Integration in mobile Shop-Anwendungen zur Verfügung.

 Online-Händler können mit Paketlösungen also ganz einfach eine umfassende und zukunftssichere Zahlungsabwicklung integrieren – und zwar unabhängig davon, ob sie eine mobile Shop-Applikation, einen klassischen Web-Shop oder beides anbieten. Was den Händlern bleibt, ist mehr wertvolle Zeit für den Aufbau, die Pflege und Vermarktung der Verkaufsplattform an sich.

Payment als Weg in die Realität?

Das stetige E- und M-Commerce-Wachstum geht zu Lasten stationärer Händler – und zwar jeder Größe. Und dennoch: Die Lust am Laden ist auf beiden Seiten des Verkaufstresens immer noch vorhanden. Bei vielen Online-Händlern dürfte sie sogar wachsen. Denn sie merken, dass es vielen ihrer Kunden eben nicht mehr reicht, nur ein Bild des Artikels zu sehen. Sie wollen vielmehr anfassen und ausprobieren.

Multi-Channel, also die Nutzung mehrerer Vertriebskanäle, ist längst kein Geheimtipp mehr. Vielmehr ist die Rede von Omni-Channel, Cross-Channel, „No-Line“- oder „Everywhere“-Commerce. Hinter diesen Begriffen verbirgt sich die Grundidee einer Struktur, in der möglichst nicht nur alle verfügbaren Vertriebskanäle integriert, sondern auch noch miteinander verbunden sind. Der Kunde soll orts-, zeit- und geräteunabhängig immer das optimale Einkaufserlebnis haben.

Mobile-Payment-Lösungen erleichtern es Online-Händlern, dauerhaft oder nur für kurze Zeit („Pop-up-Stores“) Ladengeschäfte zu eröffnen. Denn immer mehr Zahlverfahren, die heute bereits im mobilen E-Commerce („Remote-Szenario“) zum Einsatz kommen, werden dank mobiler Technologie in Zukunft auch vermehrt im stationären Handel („Proximity-Szenario“) genutzt werden. Teilweise trifft das heute bereits zu: Bargeldlose Zahlungen via Kredit- und Debitkarte sind beim Online-Shopping selbstverständlich und dienen auch bei anderen Zahlverfahren als Referenzkonto. Das macht Digital Wallets wie Apple Pay schon heute und MasterPass von MasterCard oder V.me von Visa in Zukunft zum wichtigen Bindeglied zwischen On- und Offline-Welt. Omni-Commerce dank Omni-Payments also.

Autor: Rainer Sureth (im Bild) ist seit 2003 Mitglied der Geschäftsführung von ConCardis und für die Bereiche Marketing und Vertrieb verantwortlich. Er hat gemeinsam mit seinen Teams den Ausbau der Vertriebsaktivitäten in der gesamten D-A-CH-Region maßgeblich vorangetrieben und das Geschäft stark ausgebaut. Am 1. Januar 2014 hat Sureth den Vorsitz der Geschäftsführung übernommen und behält gleichzeitig seinen bisherigen Aufgabenbereich bei. Dabei fokussiert er sich auf die Erweiterung und Stärkung sämtlicher Vertriebseinheiten und forciert die Internationalisierung des Unternehmens. Zudem ist Rainer Sureth wie bisher für den weiteren Ausbau des Netzbetriebs verantwortlich. Rainer Sureth ist stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats des Vereins VISA Deutschland e.V. und Mitglied des Vereins V PAY Deutschland. Er studierte  BWL an der Universität Hamburg und war dann zunächst im Versicherungsbereich tätig. Ab 1979 arbeitete er für die Commerzbank Frankfurt, wo er in den folgenden Jahren das Firmenkunden- und das Privatkundengeschäft in mehreren Filialen leitete. 1989 wechselte er in die Commerzbank-Zentrale und war als Bereichsleiter im zentralen Geschäftsfeld „Private Kunden“ für den Zahlungsverkehr, das Kartengeschäft und das Einlagengeschäft verantwortlich.

Dieser Beitrag erschien erstmals im e-commerce Magazin 04/2015

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