eSIM wird weiteren Innovationszyklus in Payments auslösen

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Auf dem diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona ging eine revolutionäre Neuerung im Mobilfunkbereich an den Start. Gemeinsam haben Mobilfunknetzbetreiber, Endgeräte- sowie SIM-Kartenhersteller eine eigene marktreife Lösung der sogenannten embedded SIM erarbeitet. Diese eSIM ist eine fest verbaute SIM-Karte, die anders als klassische SIM-Karten nicht ausgewechselt wird. Stattdessen ist jede eSIM-Karte jeweils einem Endgerät zugeordnet und dort fest integriert.

Transparenz über Tarife und Kosten

Der Nutzer hat die Möglichkeit, über das Menü den Anbieter mit ein paar Klicks zu wechseln. Eine verbesserte Transparenz über Tarife und Kosten wird von den Anbietern als zentraler Verbrauchervorteil genannt. Auch Roaming-Gebühren im Ausland könnten bald der Vergangenheit angehören. Das erste eSIM-basierte Gerät in Deutschland war im Frühjahr eine Smartwatch. Künftig wird die virtuelle SIM-Karte außerdem als fest eingebauter Bestandteil zum Standard für eine ganz neue Generation von Mobilfunk-Geräten, dies stellten die beteiligten Mobilfunkbetreiber bereits heraus.

Der neue Standard wird einen Meilenstein für die Entwicklung des sogenannten Internet of Things darstellen. Dank der fest verlöteten SIM-Karte wird es möglich sein, sämtliche Devices eines Haushalts unter einem Tarif zu nutzen. Die Digitalisierung und umfassende Vernetzung von Geräten öffnet neuen Geschäftsmodellen die Tür. In Zukunft werden wir erleben, wie Konzepte der großen Internetkonzerne auch in unseren Alltag Einzug erhalten.

Besondere Relevanz besitzt die sogenannte Pay-per-Use-Zahlung.

Bei diesem Geschäftsmodell zahlt jeder Kunde eine nutzungsspezifische Vergütung. Also nicht mehr länger einen fixen Kaufpreis, beim dem es keine Relevanz besitzt, wie intensiv und häufig das Produkt genutzt wird. Stattdessen kostet das Produkt an der Kasse zunächst nichts beziehungsweise eine geringe Freischaltgebühr. Schon heute ist dieses Modell etwa bei vielen Softwareanbietern geläufig. Prominentes Beispiel aus dem B2B-Bereich ist auch der Kompressorenhersteller Kaeser.

Anstelle von Kompressoren verkaufen die Coburger inzwischen die Dienstleistung Druckluft. Durch die einfache Vernetzung via embedded SIM-Karte wird dieses Konzept auch bei Gebrauchsgüterindustrie und den B2C-Bereich Einzug halten. Schon heute erkennt das Fraunhofer IFF den Trend hin zu einem verstärken Pay-per-Use-Einsatz. Industrieunternehmen werden ihre Produkte künftig eher vermieten und sich nur die tatsächliche Nutzung bezahlen lassen.

 

(Bildquelle: Yapital)

 

Ein Kunde wird dann beim Besuch des Baumarkts vor der Entscheidung stehen, ob er für die anstehenden Renovierungsarbeiten eine eigene Bohrmaschine erwirbt oder ob er auf ein Pay-per-Use-Modell ausweichen möchte. Hier müsste der Kunde für die Nutzungsdauer – etwa mittels eines Minutentarifs oder einer Flatrate – bezahlen. Die Bezahlung ist problemlos digital über die integrierte SIM-Karte möglich. Technisch lässt sich dieses neue Geschäftsmodell leicht implementieren. Zudem ist eine Vernetzung mit anderen Systemen auf Plattformen denkbar. Technisch steht dem neuen Abrechnungssystem nichts im Wege. Derzeit mangelt es jedoch häufig noch an der geistigen Bereitschaft, solche Systeme auch einzusetzen.

Für Hersteller sind solche Angebote dabei ökonomisch sehr interessant. Studien zeigen, dass Käufer dazu neigen, vor dem Kauf die Häufigkeit der Nutzung zu unterschätzen. Dennoch ist davon auszugehen, dass Premiumanbieter sich bei neuen Angeboten zunächst zurückhalten werden. Deutlich innovativer könnten sich stattdessen die Hersteller sogenannter Handelsmarken zeigen. Diese Produkte differenzieren sich in erster Linie über den recht niedrigen Preis und decken ein mittleres Anspruchs- und Qualitätsniveau ab. Pay-per-Use-Angebote stellen eine gute Möglichkeit dar, sich von den etablierten Markenherstellern zu differenzieren.

Insbesondere für Gelegenheitsnutzer sind solche neuen Bezahlsysteme interessant und bieten einen echten Kundennutzen. Durch genaues Abschätzen des eigenen Nutzungsbedarfs hat der Käufer die Möglichkeit, die eigenen Kosten exakt zu kalkulieren und möglichst gering zu halten. Neben der Kostenreduzierung bietet sich zudem die Möglichkeit, dass eigene Risiko stärker zu minimieren: Bei einem Defekt der Maschine erübrigt sich ein Umtausch, da eine Maschine, die nicht läuft, auch keine Kosten verursacht. Garantiefristen verlieren folglich bei Pay-per-Use-Angeboten gänzlich an Bedeutung. Das Risiko liegt nicht länger beim Kunden, sondern beim Hersteller.

Für den Käufer liegen die Vorteile also auf der Hand. Für die Anbieter stellt Pay per Use nicht nur ein differenzierendes Geschäftsmodell dar, das insbesondere für Gelegenheitsnutzer äußerst attraktiv ist. Von höchster Relevanz sind auch die erhobenen Betriebsdaten der vernetzten Produkte. Die Bedeutung der smarten Daten für Unternehmen ist unbestritten. Hersteller erhalten unter anderem wichtige Markt- und Nutzungsinformationen, die für die Geschäftsentwicklung von großem Nutzen sind. Anhand der Daten lasse sich etwa die Produktqualität verbessern oder denkbare Serviceintervalle festlegen.

Autor:  Dr. Hans-Martin Kraus ist Partner bei Capco und verantwortet als Head of Payments EMEA das grenzüberschreitende Payments-Geschäft. Capco ist ein weltweiter Anbieter von Beratungs-, Technologie-, und Transformationsdienstleistungen, die für die Finanzdienstleistungsbranche entwickelt wurden.

(jm)

 

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