Interview mit Dr. Wladimir Klitschko: "So gelingt Challenge Management"

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 ECM: 2007 haben Sie zusammen mit Ihrem Bruder Vitali die Klitschko Management Gruppe gegründet, eine Agentur, die sich unter anderem auf Brand Management spezialisiert hat. Wieso Brand Management und was können Sie hier konkret anbieten?

Dr. Wladimir Klitschko :Die Welt wird immer schneller, immer vielfältiger. Aufgrund von Digitalisierung und Globalisierung sind wir so vielen unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt, dass es wichtig ist, eine Wiedererkennbarkeit zu schaffen. Zudem sorgen Marken für Vertrauen, was in unseren Zeiten ein hohes Gut ist. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass Marken – vor allem Persönlichkeitsmarken, um die es uns hauptsächlich geht – authentisch sein müssen.

Es hilft nichts, wenn Ihnen eine Agentur sagt: „Da draußen kommt gerade das und das an. Lass uns Dich da positionieren.“ Das mag anfangs gutgehen, nachhaltig erfolgreich kann das nicht sein. Wir verfolgen das Prinzip eines nachhaltigen Markenaufbaus und dazu gehört, dass Marken aus der Person heraus entwickelt werden, angeschaut wird, wer steckt eigentlich dahinter, wer ist diese Person, was kann sie, was und wohin will sie, was zeichnet sie aus.

Und damit sind wir auch schon mitten drin im Selbstmanagement… Ich kann mit fester Überzeugung sagen, dass überall, wo die Marke Klitschko drauf steht, Brain und Power, das wofür ich stehe, auch drin ist.

ECM: Kürzlich haben Sie eine Kooperation mit der Telekom bekanntgegeben: Sie wollen den Mittelstand gemeinsam fit machen für die Herausforderungen der Digitalisierung. Wie passt das dazu?

Dr. Wladimir Klitschko: Im Selbst- und Challenge Management vermitteln wir Methoden und Wege, Menschen auf die Herausforderungen der digitalen und globalisierten Welt vorzubereiten. Wie beschrieben, ist der Aufbau einer Persönlichkeitsmarke beziehungsweise,  sich Gedanken darüber zu machen, wer man eigentlich ist und was man darstellen möchte, ein Teil des Selbstmanagements.

In unserer Kooperation mit der Telekom geht es uns darum, mittelständischen Unternehmen klarzumachen: Sie sind die bewegende Kraft. Es kommt niemand und digitalisiert Sie. Sie müssen das selbst tun. Sie müssen diesen Schritt gehen, auch wenn Sie Angst haben. Angst ist gut, weil sie uns wachhält, nur feige dürfen Sie nicht sein. Wer den Schritt in die Digitalisierung nicht wagt, wird früher oder später von seinen Mitbewerbern überholt  – auch wenn er jetzt noch nicht das Gefühl hat. Der digitale Sturm fegt über alle Branchen und alle Unternehmen hinweg.

Wichtig ist dabei der beidseitige Dialog. Anbieter und Nutzer können viel voneinander lernen. Jeder Nutzer von Digitalisierung sollte sich nicht nur fragen, was die Digitalisierung für ihn tun kann, sondern auch, was er für die Digitalisierung tun kann. Und der Anbieter sollte gut zuhören und Anregungen aufnehmen. Es ist ein Geben und Nehmen. Zudem müssen wir darauf achten, dass gerade der Mittelstand trotz Digitalisierung menschlich und persönlich bleibt.

ECM: Während die Telekom mit ihrem Portfolio an digitalen Lösungen und Beratung rund um die digitale Transformation zur Partnerschaft beiträgt, wollen Sie Ihre Methoden aus dem Challenge Management einfließen lassen. Wie kam es, dass Sie sich auf Challenge Management spezialisiert haben?

Dr. Wladimir Klitschko : Ich habe Challenge Management initiiert, weil ich meine Erfahrungen aus über einem Vierteljahrhundert Leistungssport ins berufliche und persönliche Umfeld transferiert habe und diese weitergeben will.

Ich habe im Sport Methoden für Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination und Konzentration entwickelt, die in der Geschäftswelt genauso funktionieren. Transferiert in die Wirtschaftswelt, sprechen wir über Durchhaltevermögen, Flexibilität, Fokussierung und Strukturierung. Das durchweg positive Feedback auf den Weiterbildungsstudiengang im vergangenen Jahr zeigt, dass unsere Teilnehmer genau dies mitgenommen haben – inklusive einer gehörigen Portion Motivation und dem Wissen, dass sie ihren Erfolg selbst in der Hand haben.

ECM: Ihr  Challenge-Management-Know-how haben Sie am Institut für Customer Insight der Universität St. Gallen in den Aufbau des Weiterbildungsstudiengangs CAS Change&Innovation Management eingebracht. Der Studiengang lehrt Grundlagen des Selbst- und Challenge Managements. „Sie sind die bewegende Kraft“ lautet das Credo. Worauf konkret will der Studiengang vorbereiten?

Dr. Wladimir Klitschko : Er verändert die Haltung der Teilnehmer, sodass sie sich ihren Herausforderungen aktiv stellen. Und noch einen Schritt davor: Sie erkennen ihre Herausforderungen frühzeitig und haben so einen Zeitvorsprung. Wir geben ihnen eine proaktive Einstellung mit und Methoden und Wege, nachhaltig erfolgreich zu agieren.

ECM:  Warum wird Challenge Management in Zukunft für Mitarbeiter und Unternehmen wichtiger werden?

Dr. Wladimir Klitschko : Wir stehen täglich vor einer Vielzahl von Herausforderungen, sowohl beruflich als auch persönlich. Schon längst geht es nicht mehr nur um reine Change-Prozesse. Eine Anpassung einzelner Ablauf- oder Organisationsvorgänge reicht nicht mehr aus.

Viel eher ist eine permanente und proaktive Bewusstseins- und Verhaltensänderung vonnöten. Wer nachhaltig erfolgreich sein will, muss sich auf diesen Paradigmen-Wechsel einlassen: Die nächste Herausforderung erkennen, sie aktiv angehen können und wollen. Herzlich willkommen im Challenge Management!

ECM: Können Sie uns Ihren „Trick“ verraten, wie Sie sich selber immer wieder neu motivieren?

Dr. Wladimir Klitschko : Ich habe eine Methode, um meine Ziele zu erreichen. Die ist einfach, dafür umso wirksamer. Es sind fünf Schritte: Als erstes müssen Sie Ihr Ziel definieren. Viele Menschen haben kein klar formuliertes Ziel. Nur wer ein Ziel hat, kann auch in die richtige Richtung laufen. Als nächstes müssen Sie sich bewusst machen, welche Konsequenzen es hat, wenn Sie das Ziel nicht angehen oder es nicht erreichen.

Als dritten Schritt stellen Sie sich bildlich vor, wie es ist, das Ziel zu erreichen. Was tun Sie? Wie feiern Sie es? Welches Gefühl ist das? Danach suchen Sie sich Weggefährten. Finden Sie Verbündete, um Ihr Ziel zu erreichen. Das können auch Konkurrenten sein, auch die können Sie verbessern. Und zu guter Letzt: Werden Sie besessen von Ihrem Ziel. Wenn Sie sich an diese fünf Schritte halten, werden Sie Ihr Ziel erreichen.

ECM:  Profiboxer, Unternehmer, Universitätsdozent – was dürfen wir als nächstes von Ihnen erwarten?

Dr. Wladimir Klitschko : Ich bin ja noch jung und habe viele Pläne. Sportlich kann ich es kaum erwarten, endlich wieder in den Ring zu steigen. Und dann bereite ich weiterhin meine Karriere nach der Karriere vor, entwickle Ideen, Konzepte und Angebote, mit denen ich meine Erfahrungen weitergebe. Es wird ein spannendes Jahr 2017.


 Dr. Wladimir Klitschko hat Sportwissenschaften studiert und 2001 erfolgreich seine Promotion an der Universität in Kiew abgelegt. Bereits 1996 gewann er die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Atlanta. Im Anschluss wurde er Profiboxer und bestritt seitdem 66 Kämpfe, 64 davon gewann er. 2003 machte er sich gemeinsam mit seinem Bruder Vitali erstmals selbstständig und gründete den Boxstall K2 Promotions. 2005 folgten die Klitschko Foundation, 2007 die Klitschko Management Gruppe mit ihrem langjährigen Manager und Geschäftsführer Bernd Bönte.

Seit Anfang des Jahres bietet Dr. Wladimir Klitschko mit dem Institut für Customer Insight der Universität St. Gallen den Weiterbildungsstudiengang „CAS Change&Innovation Management“ an, der Grundlagen des Selbst- und Challenge Managements vermittelt. Der Erfolg des ersten Durchlaufs führte zu einer Vertiefung der Kooperation und der Gründung des Kompetenzzentrums für Intrapreneurship . Seine Karriere nach der Karriere bewog ihn in diesem Jahr dazu, die Klitschko Ventures GmbH zu gründen, die sich um die Positionierung der Marke Klitschko, die strategische Beratung aller Unternehmen und Submarken sowie das Development New Business kümmern wird.

(jm)

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