Keine Angst vor der Cloud-Kasse

Schöne neue Einkaufswelt: Nach Angaben der Marktforscher der GfK liegt der Umsatz des stationären deutschen Einzelhandels derzeit bei rund 412,1 Milliarden Euro. Damit Retailer in diesem hart umkämpften Markt bestehen können, müssen sie diverse Herausforderungen bewältigen: Veränderte Kundenanforderungen, neue Geräte wie Smartphone oder Tablet, und Cloud-basierte Systeme am Point of Sale (POS), also im Kassenbereich, sind nur einige Beispiele. Die Vorteile der virtuellen Kassen liegen für die meisten auf der Hand: Sie verbessern die Verkaufseffizienz und das Lagermanagement, aber auch den Kundendienst. Diese Vorteile treten vor allem dann zutage, wenn die neuen Systeme mit M-Commerce, Online- sowie Location Based Services (LBS) gekoppelt werden. Dennoch fürchten sich einige Retailer vor dem Schritt in die Wolke. Doch die Vorbehalte gegenüber Cloud-basierten POS-Lösungen sind unbegründet.

Cloud-basierte POS-Technologien sind bislang zwar noch lange nicht in allen Geschäften zu finden, jedoch steigt ihre Beliebtheit stetig. So hat eine Epson-Umfrage unter europäischen IT-Managern beispielsweise herausgefunden, dass zwar erst ein Drittel der Befragten Cloud-basierte Kassenlösungen einsetzt. Gleichzeitig planen aber 75 Prozent, diese Technologie bis 2018 einzuführen. Das ist ein starkes Signal für die Branche. Händler, die sich bereits für eine derartige Lösung entschieden haben, sind in einer guten Position: Ihr Vorsprung gibt ihnen einen Wettbewerbsvorteil für die kommenden vier Jahre an die Hand.

Es lassen sich drei Hauptaspekte identifizieren, warum einige Retailer Cloud-basierten POS-Strategien dennoch skeptisch begegnen. So können diese Bedenken entkräftet werden:

 1. Die Wolke ist erschwinglicher als viele denken

Der Kostenfaktor ist einer der wichtigsten Gründe, warum so manches Unternehmen vor dem Einsatz einer neuen Technologie zurückschreckt. Die Teilnehmer der Epson-Umfrage nennen finanzielle Bedenken als größte Hürde, wenn es um Cloud-Lösungen geht. Tatsächlich lassen sich Cloud-basierte POS-Lösungen aber zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher PC-basierter Systeme implementieren. Oftmals sind sie zudem günstiger als ein Upgrade oder eine Nachrüstung veralteter Lösungen. Die Software für derartige Kassensysteme wird in der Cloud von Software-as-a-Service (SaaS)-Providern gehostet. Sie verlangen zumeist eine moderate oder auch gar keine Implementierungsgebühr. Hinzu kommt außerdem in den meisten Fällen eine feste oder flexible monatliche Gebühr, die davon abhängt, wie der jeweilige Händler die Abwicklung von Kreditkarten plant. Günstige Cloud-Lösungen sind bereits ab rund 30 Euro zu haben. Die Implementierung oder das Upgrade herkömmlicher POS-Systeme kann ohne weiteres einige tausend Euros für Software-Lizenz, jährliche Wartungskosten und andere Faktoren wie Training oder technischer Support betragen. Bei einem Cloud-basierten System ist der SaaS-Provider für alle Wartungs- und Upgrade-Kosten verantwortlich. Die einzigen Berührungspunkte, die Angestellte und Kunden mit der Cloud haben, sind kabellose oder mobile Geräte. Nicht zu vergessen sind natürlich mögliche Kosten, die mit falsch oder mangelhaft implementierten Systemen einhergehen können, wenn diese nicht effizient einsetzbar sind. 87 Prozent der befragten Retailer in der aktuellen Erhebung haben in diesem Zusammenhang angegeben, dass die schnelle Einführung neuer Technologien einen zentralen Wettbewerbsvorteil darstelle. Allerdings setzen normalerweise lediglich 21 Prozent der Befragten neue Lösungen vor ihren Mitbewerbern ein. Die Chance, aufgrund der Einführung von Cloud-Technologien einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen, wird mit der Zeit immer geringer. Daher wird es nun Zeit zu handeln, und nicht später einem Massenphänomen zu folgen.

 2. Cloud-Systeme sind sicherer als viele denken

Es ist keinesfalls unverständlich oder gar irrational, dass sich einige Retailer um die Sicherheit der Daten sorgen, die in der Cloud gespeichert werden. Derartige Bedenken sind zumeist beeinflusst vom Wissen über Datenmissbrauchsfälle oder sogar persönliche Erfahrungen. Eine KPMG-Studie hat diesbezüglich herausgefunden, dass 75 Prozent der Datenverlustvorfälle im Handel in der ersten Jahreshälfte 2012 auf Hacking zurückzuführen waren. Eine Erhebung der Analysten von Coleman Parkes im Auftrag des Epson-Europe-Retail-Research-Programms 2013 untermauert diese Erkenntnis: 75 Prozent der befragten europäischen Retailer sorgen sich um die Sicherheit sensibler Geschäfts- und Kundendaten. Dieselbe Studie zeigt aber auch, dass die Mehrheit der Händler, die bereits Cloud-basierte POS-Systeme nutzen, deutlich weniger besorgt über Sicherheitslücken ist.

Die Realität sieht so aus: Handelsdaten sind in Cloud-basierten Systemen gut und sicher aufgehoben. Denn sie sind normalerweise auf verschlüsselten und gesicherten Servern an verschiedenen Orten gespeichert. Unternehmen, die die volle Kontrolle über ihre Daten behalten wollen, können problemlos auf eine Private-Cloud-Lösung zurückgreifen – eine Option, die in der Diskussion um Datenschutz oft vergessen wird. Herkömmliche POS-Systeme an festen Standorten in Geschäften sind deutlich verletzbarer, wenn Hacking-Vorfälle oder Systemausfälle ausgelöst durch Feuer, Überschwemmungen oder andere Störungen auftreten.

Andere Bedenken hinsichtlich der Cloud hängen zumeist mit vorherigen Erfahrungen zusammen sowie mit Vorfällen, bei denen die Kasse ausgefallen ist. 75 Prozent der von Coleman Parkes befragten Retailer haben berichtet, dass dies bei ihnen aufgrund von Problemen mit der Internetverbindung der Fall gewesen sei. Heutzutage gibt es eine Reihe von Redundanz- und Kontingenzlösungen, beispielsweise duale Internetverbindungen, lokale Serverreplikationen von Systemen oder den Stand-Alone-Betrieb von POS-Systemen. Erfahrene Lösungsanbieter können über das geeignete Maß an Redundanz für spezielle Geschäftsanforderungen beraten und zudem die Lösungen bereitstellen, die unterstützen und Abhilfe schaffen.

 3. Cloud-basierte POS-Systeme verbessern das Einkaufserlebnis stärker als viele denken 

Das Einkaufserlebnis des Kunden ist das A und O für Retailer, die den Fokus ihrer Omni-Channel-Strategie auf stationäre Geschäfte legen. Cloud-basierte Systeme, auf die via Smartphone oder Tablet zugegriffen wird, können Kunden problemlos und aktuell über Lagerkapazitäten, alternative oder zusätzliche Produkte informieren. Zugleich ermöglichen sie es, den Kundendienst zu vereinheitlichen und zu beschleunigen. Über die Hälfte der von Coleman Parkes interviewten Händler  beurteilen dies als einen geschäftskritischen Aspekt. Verkäufer und Sales-Mitarbeiter, die sich frei im Geschäft bewegen und mit dem Kunden agieren, können dieselben Geräte nutzen, um so persönliche Gespräche zu verbessern. Einige konkrete Beispiele: Sie können einen Kunden konkret beraten und ihm mitteilen, ob ein spezielles Produkt noch auf Lager oder vielleicht in anderen Filialen vorrätig ist. Sie können zudem die gewünschte Ware bestellen und liefern lassen. So vermeiden sie, dass der Kunde zur Konkurrenz geht. Derartige POS-Systeme sind auch sinnvoll, um Transaktionsdurchsätze zu optimieren sowie Schlangen vor den Kassen zu reduzieren, da Kunden beispielsweise die Möglichkeit erhalten, via Self-Scanning und Self-Check-Out zu bezahlen. Ähnlich wie die Geschwindigkeit des Kundendienstes nennen 64 Prozent der Retailer die Verkürzung von Wartezeiten als geschäftskritischen Erfolgsfaktor. Das Resultat sind ein verbesserter Service und eine ansprechendere Einkaufserfahrung für den Kunden – beides Aspekte, die den Handelsumsatz ankurbeln, den Kunden zum erneuten Einkauf bewegen und die Profitabilität verbessern.

 Fazit: Cloud-basierte POS-Lösungen bald nicht mehr wegzudenken

96 Prozent der befragten Händler haben gegenüber den Analysten von Coleman Parkes angegeben, dass die Cloud ihrer Meinung nach die wahrscheinlichste Technologie sei, um den Point of Sale zu revolutionieren. 61 Prozent glauben, dass ihr Hauptvorteil darin bestehe, die Geschäftseffizienz zu verbessern. Es ist daher schade, dass so viele Händler Cloud-Lösungen immer noch mit so vielen Vorurteilen begegnen – auch wenn die Vorteile so offensichtlich sind. Jeder Händler sollte versuchen, das Potenzial seiner eigenen Cloud-basierten POS-Lösung umfassend auszuschöpfen. Hierzu gilt es, die sehr realen und weitreichenden Vorteile mit einer umfassenden und angemessenen Kosten-Risiken-Analyse abzuwägen. Erfahrungen und die vorherigen Ausführungen haben gezeigt, dass die häufigsten Sorgen hier überbewertet sind. Der Cloud-basierte Kassenbereich wird sich in den kommenden Jahren immer mehr zur allgemeinen Technologie im Herzen einer neuen Ära des Handels entwickeln.

Autor: Andreas Unterbusch, Manager Systems Devices bei Epson Deutschland.

Dieser Beitrag erschien erstmals im e-commerce Magazin 04/2015

RSS Feed

Neuen Kommentar schreiben

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags