Snapchat für Unternehmen: Auf gelbe Geister hat die Welt gewartet

0

Es ist die kurze Widerspiegelung der Geschichte von Snapchat und des Umgangs mit der „neuen“ Social-Media-Plattform. Seit dem Herbst 2015 findet die Plattform auch im deutschsprachigen Raum immer mehr Aufmerksamkeit. Der Auslöser dafür war ohne Frage der Snapchat-Filter mit dem regenbogen-kotzenden-Einhorn. Unzählbar viele Userbilder, die diesen Filter zeigen, waren im Netz zu finden und schnell wurde klar: WIR BRAUCHEN DAS AUCH! Somit erhoben sich die Stimmen für einen unbedingten Einsatz der Plattform immer lauter. Wie Helene Fischer sagen würde: es ist ein „Phänomen“. Keine andere soziale Plattform wurde jemals so schnell eingesetzt und intensiv besprochen wie Snap.

Snapchat für Unternehmen. Seriously?

Die Skepsis gegenüber Snapchat setzte im selben Moment ein wie der Hype um die Kreativ-Plattform (so bezeichnet sich das Unternehmen übrigens selbst – „Wir sind kein weiterer Social-Media-Kanal sondern eine Kreativ-Plattform“, so der CSO von Snapchat, Imran Khan auf der dmexco 2016 in Köln).

Aber ist Snapchat wirklich für Unternehmen geeignet? Wieso eigentlich nicht?! Denn vor allem in Zeiten der Digitalisierung können es sich Unternehmen in der Kommunikation nicht leisten, hinten nach zu sein und etwas zu verpassen. Dass hinter der Plattform mehr als nur kotzende Regenbögen steckt, hat man wohl in der Aufklärungsphase verpasst zu erwähnen. Aber weshalb bietet sich diese Plattform so perfekt dafür an, dem eigenen Unternehmen ein Gesicht zu verpassen und einen Charakter für den User zu vermitteln – sich quasi greifbar machen als Unternehmen?

Unternehmensimage kommunizieren (nicht) authentisch

Snapchat ist eine der interessantesten und wertvollsten Plattformen für Unternehmen, die man seit langem gesehen hat. Sie ist auch authentischer als alle anderen Mitstreiter-Plattformen, welche es zurzeit in dem großen Social Media Zirkus gibt. Snapstorms (Stories auf Snapchat) geschehen nämlich im HIER und JETZT. Genau so wie Kunden und Stakeholder von Unternehmen und Marken im HIER und JETZT leben.

Mit der App kann man Momentaufnahmen in Form von Videos oder Bildern schaffen und entweder in seinen eigenen Snapstorm posten oder direkt an Freunde oder Follower senden. Diese Anreihung von endlos kreativem Bild- und Videocontent ergibt im Endeffekt eine Geschichte, welche aus max. 10 Sekunden Kurz-Videos und / oder Bildern besteht. Der Haken an der Sache, nach maximal 24 Stunden ist alles weg.

Content wird gelöscht und ist nicht mehr öffentlich auffindbar, so behauptet es zumindest der Hersteller (Autorenbemerkung). Ephemeral Communication ist das Wort, nachdem viele gesucht haben um die Kommunikationsweise der Plattform zu erklären. Follower sollen das Unternehmen doch kennen lernen können ... Aber wie funktioniert das, wenn Bilder oder Videos nur maximal 24 Stunden ersichtlich sind?

Ziel jeder Kommunikationsstrategie – vor allem jeder Social Media Aktivität von Unternehmen sollte es sein, Lesern bzw. Followern das Gefühl zu geben, das Unternehmen zu kennen. Über den Charakter des Unternehmens Bescheid zu wissen und sich direkt angesprochen zu fühlen. Eine virtuelle Beziehung zu dem Unternehmen aufzubauen – denn der wichtigste Faktor für Unternehmen sind die Kunden!

Dafür gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie Interaktion mit dem Follower entstehen kann. Viele Brands füllen ihre Social Media Kanäle mit Produktfotos oder aktuell passenden Umständen in Verbindung mit Produktfotos (Weihnachten, Ostern, etc.). Ein ständiger egozentrischer Trip und „the best of“ aus der Kategorie „Tunnelblick“ der Unternehmen strömen auch heute noch in die Timelines der User, und das jeden Tag. Aber hat sich schon jemals ein Unternehmen ernsthaft die Frage gestellt, ob Kunden diese Informationen auch genau so sehen möchten bzw. welchen Mehrwert diese Einwegs-Kommunikation eigentlich hat? Richtig ... Keinen. So zu sagen eine Copy & Paste Kultur der Kommunikation, welche keinerlei Impact auf Endkunden zeigt.

Unternehmen haben einen Bildungsauftrag

Ob Facebook, Twitter, Instagram oder Snapchat ... Was Unternehmen und Brands eigentlich lernen müssen ist, dass der User (im Endeffekt der direkte Kunde oder Konsument) nur an jene Unternehmen gebunden ist und das Interesse aufrecht erhält, welche einen wirklichen Mehrwert bringen. Inhalte zeigen, die wirklich interessieren und nicht nur Zeitverschwendung sind, das ist der Experten Tipp! Denn Zeit ist das kostbarste Gut der heutigen Gesellschaft. Und somit auch die Aufmerksamkeit eines Kunden oder Konsumenten in Anspruch zu nehmen, bedeutet im Endeffekt für das Unternehmen mehr Aufwand als der nachgelagerte Verkaufsmoment.

Diese Maßnahme – Aufmerksamkeit zu erregen – bedeutet aber gleichzeitig auch, dass die meiste kreative Arbeit in diesem Prozess-Stück, nämlich der Strategie, steckt. Wenn man nämlich als Marke oder Unternehmen den Kunden einmal an sich gebunden hat und die Aufmerksamkeitsspanne immer weiter erhalten kann, hat man schon gewonnen!

„Ich hab’ die Kampagne / Geschichte schon vorher gekannt. Hab’ sie auf Snapchat gesehen.“ - Nach einigen Jahren in der Werbe- und viel Zeit in der Kommunikationsbranche, darf man sich das schon auf die Fahnen schreiben. Autorin Ana-Maria ist Geschäftsführerin der Kommunikationsagentur Lieblingswort in Wien. Sie ist in den Bereichen eCommerce, Werbung und Kommunikation tätig und liebt es, sich mit kreativen Köpfen und deren Inputs zu umgeben aber noch mehr genießt sie es, solche schaffen zu dürfen und damit einen Mehrwert zu erzeugen. Was dabei raus kommt? – Muss man gesehen haben. Ihr Ziel ist es, die digitale Branche und den E-Commerce in Österreich  weiter zu bringen und zu zeigen, dass sich Unternehmen mit einer Farbpalette an Kommunikationsmittel mehr als nur auf einer Meta-Ebene befinden. Ein Bildungsauftrag so zu sagen. Eine Herzensangelegenheit eben.

 

Snapchat ist das beste Beispiel dafür, dass sich User ihre eigene Blase schaffen. Da man sich auf der Kreativ-Plattform selbst aussuchen kann, wem man folgt und nicht welche Werbung einem folgt, entscheiden sich Snapchat-User aktiv für das Folgen eines Accounts. Deshalb ist hier besondere Vorsicht geboten. Wenn ein Unternehmen es dementsprechend nicht schafft, die Brand mit allem was sie ausmacht, interessant zu transportieren, ist der „nicht mehr folgen“-Button schnell gefunden und gedrückt.

Relevanter Content steht hier im Mittelpunkt und muss so gestaltet sein, dass es den Usern und nicht nur der Marketing Abteilung gefällt. Die Kunst liegt hierbei, Content so zu gestalten, dass Unternehmenswerte und die richtige Message der Produkte oder Dienstleistungen gleichzeitig transportiert werden, aber bitte authentisch! Die Kür liegt aber darin, es in einer Art und Weise zu tun, dass es auch für den Konsumenten interessant ist und dieser gerne wieder (virtuell) vorbei schaut.

Spoilern und Fehler machen ist sexy

Snapchat ist DIE Plattform um zu spoilern. Jeder hasst es zum Beispiel, Folgen seiner Lieblingsserie, welche man selbst noch nicht gesehen hat, von anderen erzählt zu bekommen. Nun, auf Snapchat ist dies sogar eines der Erfolgsrezepte und ausdrücklich erlaubt. Fluent Content posten kann jeder, aber auf sich aufmerksam machen und kurz an-zu-teasern was in der nächsten Zeit passiert, muss gelernt sein.

Die Vorgehensweise ist einfach aber tricky zugleich. Fehler und Imperfektionismus sind ausdrücklich erlaubt, denn die Plattform ist dazu da, um Unternehmen endlich ein Gesicht zu geben und hautnah dabei zu sein. Snapchat Content zu erstellen sollte man erstmals erlernen, bevor man als Unternehmen oder Brand auf seine Kunden oder Konsumenten los geht. Deshalb ist es wichtig auch für Snapchat eine Strategie zu erstellen und sich vor allem am Anfang externe Hilfe zu holen. Dies gilt übrigens für alle Social Media Plattformen. Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Finger davon lassen und andere ihren Job machen lassen. Reputationsschäden kosten und schmerzen am Ende immer doppelt so viel.

(jm)

RSS Feed

Neuen Kommentar schreiben

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags