Umfrage: Was halten Experten von alternativen Paymentmethoden?

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ECM: Zunächst einmal zur Klärung der Begrifflichkeiten: Was verstehen Sie unter alternativen Paymentmethoden?

Sascha Breite (Six Payment Services): Darunter verstehen sich alle anderen Zahlungssysteme neben den klassischen Kartenzahlungen (Kredit- oder Debitkarte). Typischerweise sind dies kontobasierende Zahlverfahren sowie weitere Methoden, die auf Karten- und Kontoverfahren aufsetzen. In diese Kategorie fallen beispielsweise Twint, PayPal, Skrill, Amazon Payments oder e-Money Systeme wie die deutsche Geldkarte. Aber auch Kauf auf Rechnung oder die Abwicklung von Kleinstbeträgen über die Telefonrechnung gehören dazu.

 Sascha Breite ist Head Future Payments bei SIX Payment Services.

 

 

 

Aus Konsumentensicht spielt neben dem eigentlichen Zahlverfahren der Brand eine wichtige Rolle. Bezahlt man nun mit Apple Pay oder mit einer digitalen MasterCard bzw. Visa Karte? Insofern kann Apple Pay als „Zahlungsmethode“ verstanden werden obwohl es sich nur um eine andere Form der Kartenzahlung handelt. Das trifft auch auf die boon App von Wirecard zu, die nichts anderes ist als eine Prepaid Kreditkarte auf dem Smartphone.  Neben dem Brand empfinden Konsumenten ein geändertes Zahlverhalten oftmals als „Alternative“.

So erleben viele Karteninhaber eine „tap and go“ Zahlung mit der kontaktlosen Karte als neue Erfahrung und damit als weitere Zahlungsalternative.Darüber hinaus sind im Laufe der Zeit verschiedene Zahlungssysteme im Markt lanciert worden, die auf dem Smartphone aufsetzen. Die meisten sind jedoch nach wenigen Jahren wieder verschwunden. Jüngste Beispiele aus Deutschland sind mpass (gegründet von T-Mobile, Vodafone und Telefonica) oder Yapital (Tochtergesellschaft im Otto-Konzern), die allesamt eingestellt wurden.
 
Mirko Hüllemann (Heidelpay): Als alternative Payment-Methoden bezeichnen wir im E-Commerce klassischerweise diejenigen Zahlungsmittel, die als Alternative zur Kreditkarte bzw. zu kartenbasierten Zahlungsverfahren eingesetzt werden. Hierzu zählen in der Regel länderspezifische und vor allem lokal sehr häufig genutzte Verfahren, beispielsweise SOFORT Überweisung in Deutschland oder auch iDEAL in den Niederlanden.
 
Bernhard Linemayr (Payolution): Alternative Paymentmethoden sind meiner Meinung nach ziemlich klar definiert, zum Beispiel definiert Wikipedia APMs als Zahlungsmethoden, die als Alternative zu Kreditkarten verwendet werden. Dabei handelt es sich um einen angloamerikanischen Begriff, der davon ausgeht, dass Kreditkarten das dominante Zahlungsmittel sind. In der D-A-CH-Region ist es quantitativ gesehen umgekehrt, denn hier sind Rechnung und ELV die dominanten Zahlungsmethoden (zum Beispiel EHI Retail Institute, ibi research, Internet World Business) und Karten eher die „alternativen“.

Wenn man genau hinsieht, ist APM recht generisch ausgedrückt und meint schlichtweg „die anderen“. Das bedeutet aber keineswegs, dass diese „anderen“ irgendetwas miteinander gemein haben außer dass es sich nicht um Kreditkarten handelt.Aus diesem Grund würde ich eine sinnvollere Unterscheidung in thematische und manchmal auch überlappende Gruppen wie Karten, garantierte Zahlungsmittel, „pay later“- Lösungen, gebrandete bzw. White Label-Lösungen, Digital Wallets, Überweisungsverfahren, etc. bevorzugen.
 
Holger Seidenschwarz (ibi): Wenn man den Begriff etwas enger fasst und auf die Abwicklung im Hintergrund eingeht, sind alle Bezahlmethoden, die auf einer Überweisung, einer Lastschrift oder einer Kreditkartenzahlung aufsetzen, alternative Payment-Methoden. Dies ist übrigens auch die Definition der BaFin. So gesehen wären auch PayPal oder SOFORT Überweisung „alternativ“. Da diese Verfahren aber allgemein im Markt bekannt sind, würden wir heute vor allem Bezahlverfahren, die auf Blockchain basieren (wie Bitcoin), oder Nischenanwendungen wie barzahlen.de als alternative Payment-Methoden bezeichnen. Auch Verfahren mit einer (noch) geringen Verbreitung – wie paydirekt – sollte man dazuzählen.
Die Trennung zwischen E-Payment und M-Payment ist sowieso nicht klar zu definieren. Deswegen existieren auch beim Bezahlen an der Ladenkasse alternative Methoden. Ob man dazu jetzt in Deutschland noch nicht so verbreitete Verfahren wie Apple Pay oder Samsung Pay dazuzählen soll, ist schwierig.
 
Nelson Holzner (BillPay): Letztlich handelt es sich um sämtliche Bezahlmethoden, die nicht über klassische Methoden wie Kreditkarten abgewickelt werden. In der gängigen Praxis werden als alternative Paymentmethoden-Anbieter Unternehmen bezeichnet, die eigene Technologien entwickeln, um digitale Zahlungen so komfortabel wie möglich für Händler und Kunden abzuwickeln. Fokus ist meist das e-Commerce.
 
Ralf Gladis (Computop): Kredit- und Debit-Karten funktionieren fast überall auf der Welt auch im E-Commerce. PayPal hat sich ebenfalls zu einer gängigen Zahlart weltweit entwickelt. Konsumenten in Großbritannien und den USA beschränken sich weitgehend auf diese etablierten Zahlarten. In Europa, Asien und Lateinamerika sind alternative Zahlarten sehr beliebt. Dazu gehören zum Beispiel Online-Überweisungen von Bank zu Bank, E-Wallets wie PayPal oder MasterPass und Barzahlen.de. In Deutschland, Österreich und den Niederlanden sind Rechnungskauf und Lastschriften beliebt, aber für den Rest der Welt sind das alternative lokale Zahlarten.

Ralf Gladis verantwortet als Gründer und Geschäftsführer die internationale Expansion sowie die strategische Ausrichtung von Computop.


ECM: Wofür lassen sich diese am besten einsetzen?
 


Bernhard Linemayr (Payolution): Aus unserer Erfahrung fallen großteils die regionalen “Musts” in das Einsatzgebiet der APM: Jeder Händler, der einen Markt sinnvoll bedienen will, muss die regionalen und kulturellen Aspekte im Payment berücksichtigen. Tut er das nicht, wirkt sich das negativ auf die Conversion aus, da die Kunden den Kaufprozess in letzter Sekunde doch noch abbrechen. Denn die Kunden haben eine ganz massive Erwartungshaltung und Präferenz hinsichtlich Zahlungsoptionen, wenn sie durch den Checkout gehen.

Die Verletzung solcher Hygienefaktoren ist eine herbe Enttäuschung und führt dann eben häufig zum Abbruch im Kaufprozess auf der Zielgeraden. Hier sind Alternative Paymentmethoden keine exotischen Randerscheinungen, sondern kritische Must-haves, die die Konsumenten schlicht erwarten, weil sie entweder regional dominieren oder in der Branche oder dem Kundensegment das Bezahlinstrument der Wahl sind. Zum Beispiel ist der Kauf auf Rechnung in Österreich die Bezahlmethode Nummer eins, in Deutschland wiederum die Kauf auf Rechnung und ELV, iDeal in den Niederlanden, P24 in Polen, die carte bleue in Frankreich, Interac in Canada, etc.

Manchmal werden Alternative Paymentmethoden auch als Fallback eingesetzt: Beispielsweise wenn andere Optionen für den Kunden nicht in Frage kommen oder für neue Länder, die erfolgreich erschlossen werden sollen.APMs werden häufig über einen PSP angeschlossen, das ist praktisch und spart Aufwand, da der PSP die Zahlarten bereits gebündelt anbietet (sowohl technisch als auch organisatorisch oder sogar vertraglich).Die Conclusio: Es gibt zahlreiche Bezahlmethoden, aber auch etliche Studien, aus denen sich herauslesen lässt, welcher Markt wie bedient werden möchte.
 
Holger Seidenschwarz (ibi): Vor allem im E-Commerce sind die alternativen Bezahlverfahren für Nischenanwendungen oft eine durchaus interessante Möglichkeit, seinen Kunden zusätzliche Bezahlformen anzubieten. Sei es z. B. per Bitcoin, barzahlen.de oder auch vorausbezahlte Systeme wie die paysafecard.
 
Ralf Gladis (Computop): Alternative Zahlarten sind beliebt, weil sie konkrete Probleme des Konsumenten lösen. Wer tippt schon gerne eine 16stellige Kartennummer plus Ablaufdatum und Kartenprüfnummer auf seinem Smartphone ein? Die Nutzung eines Wallets zum Beispiel von PayPal, MasterPass oder Alipay bietet dem Kunden größeren Komfort. Wer Datenmissbrauch fürchtet und deshalb seine Kartendaten nicht im Internet einsetzt, wird sich eher für eine Online-Überweisung über seine Bank entscheiden. Und wer bei einem unbekannten Händler bestellt, freut sich über einen Kauf auf Rechnung.

Jedem Kunden seine präferierte Zahlart anzubieten, ist für den Händler zwar nicht leicht, aber der Aufwand wird mit hohen Konversionsraten belohnt. Jede Zahlart funktioniert etwas anders. Deshalb lohnt es sich, einen Zahlungsdienstleister einzusetzen, der die Schnittstellen vereinheitlicht und alle seine Zahlungsdaten zentral verwaltet. Die alternativen Zahlarten lösen auch Probleme des Händlers, zum Beispiel durch schnellere Geldtransfers und Zahlungsgarantien, die sein Risiko reduzieren. Eine klare Zuordnung von alternativen Zahlarten zu Branchen oder Einsatzgebieten gibt es zwar nicht. Aber aus den Handelsprozessen ergeben sich Anforderungen, die nicht jede Zahlart erfüllen kann: Online-Überweisungen wie giropay oder iDEAL unterstützen nur selten eine Gutschriften für die Rückabwicklung. Das ist für viele Händler mit großer Retourenquote ein Ausschlusskriterium für solche Zahlarten.
 
Mirko Hüllemann (Heidelpay): Diese Zahlungsverfahren sind teilweise speziell für den elektronischen Zahlungsverkehr entwickelt und sollen eine einfache und sichere Alternative zur Kreditkarte darstellen. Es gilt allerdings zu beachten, dass diese jeweils nur für einen begrenzten Markt Gültigkeit besitzen.  Aus dem klassischen E-Commerce sind die APMs nicht wegzudenken. Gerade weil die Zahlung über diese Methoden einfacher und komfortabler durchgeführt werden kann als bei kartenbasierten Methoden, finden APMs aber auch häufig Verwendung in APPs/mobilen Anwendungen, um die Usability zu verbessern. Gerade in diesem Umfeld werden die APMs auch in Zukunft noch eine sehr wichtige Rolle spielen.
 
Sascha Breite (Six Payment Services): Es gibt bestimmte Gründe, warum Zahlungssysteme entwickelt wurden und sich dauerhaft erfolgreich im Markt halten.  Beispielsweise PayPal hat sehr früh den Bedarf adressiert, mit einfachsten Mitteln – nämlich der E-Mail Adresse – Geld von einer Person zu einer anderen zu übertragen. Da mittlerweile so gut wie jeder ein Smartphone besitzt hat sich hier der Bedarf gewandelt. So nutzt einfach die Handy-Nummer, um Geld an jemanden zu senden oder anzufordern.Andere Zahlungssysteme wie Skrill lösen Probleme im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr mit entsprechender Währungskonvertierung. Für Micro Payments haben sich einige Zahlverfahren durchgesetzt, die über die Telefonrechnung  abgewickelt werden.

Das Lastschriftverfahren wird besonders in Deutschland, Österreich und Holland eingesetzt.Aus Nutzersicht spielt das Vertrauen in das Zahlungssystem eine wichtige Rolle, d.h. in die Sicherheit, die Identifikation und Vertrauenswürdigkeit der beteiligten Nutzer sowie Möglichkeiten zu Reklamieren. In dieser Hinsicht haben globale Brands wie Google, Apple, Amazon oder Samsung zwar einen Wettbewerbsvorteil was die Bekanntheit betrifft, aber beim Vertrauen punkten nach wie vor die national bekannten Banken.
 
Nelson Holzner (BillPay): Alternative Paymentmethoden dienen vor allem eines: der Kundengewinnung. Das lässt sich am besten mit einem Beispiel erklären. Kunden wollen mit den ihnen vertrauten Methoden im Handel bezahlen. Daher ist es für Händler besonders wichtig, ihr Payment-Angebot auf die lokalen Kundenpräferenzen anzupassen, damit aus Besuchern zahlende Kunden werden.

Wir erleben oft internationale Händler, die ihren deutschen Webshops nur die Bezahlung per Kreditkarte und PayPal erlauben, weil das im Heimatmarkt wie etwa England prima funktioniert. Doch in Ländern wie Deutschland haben nur ca. 20-30% der Konsumenten eine Kreditkarte. Diese erfolgsverwöhnten Händler wundern sich dann über die hohen Abbruchraten in ihren deutschen Shops. Wir helfen dann diesen Händlern, ihr Bezahlangebot etwa um den Kauf auf Rechnung zu ergänzen, damit die deutschen Kunden ihre Käufe abschließen.
 

 Dr. Nelson Holzner  gründete BillPay 2009 in Berlin und leitet das Unternehmen als Chief Executive Officer.

 
 
ECM: Welche drei Varianten finden Sie am spannendsten?

 

Nelson Holzner (BillPay): Kauf auf Rechnung, weil die meisten Verbraucher in der DACH-Region ihre Ware erst sehen und fühlen wollen, bevor sie bezahlen. Die Ratenzahlungslösungen wie PayLater, weil sie als Liquiditätsmanagement-Lösung agieren. In diesem Zusammenhang arbeitet BillPay an einer Lösung, um Ratenzahlungen am POS zu ermöglichen. Das wird in Zukunft immer wichtiger werden. Drittens mobile Payment, weil bereits jetzt viele Einkäufe aus dem Smartphone oder Tablets getätigt werden.
 
Holger Seidenschwarz (ibi): Wenn man die Entwicklung betrachtet, ist es sehr spannend, zu sehen, was mit Bitcoin und der Blockchain-Technologie passiert. Auch die Weiterentwicklung von paydirekt und barzahlen.de sollte beobachtet werden. Und auch der fast unüberschaubare M-Payment-Markt ist in seiner Gesamtheit spannend. Eventuell reden wir dann bei dem ein oder anderen Verfahren bald gar nicht mehr von einem „alternativen Bezahlverfahren“...
 
Sascha Breite (Six Payment Services): Für mich als Privatperson steht die Einfachheit in der Bedienung und die Sicherheit am oberster Stelle. Am Kassenplatz ist für mich klar meine kontaktlose Kreditkarte der beste Weg, um schnell und einfach zu bezahlen. Besonders bei Kleinbeträgen, da auch keine PIN Eingabe oder Unterschrift notwendig ist.  Im Internet nutze ich verschiedene Verfahren, je nach Händlerpräferenz. I.d.R. ist dies die Kreditkarte oder PayPal, da ich im Fall der Fälle eine Rückbelastung durchführen kann.

Auf meinem Smartphone zahle ich zumeist mit PayPal zusammen mit Touch ID bei Online- oder In-App Einkäufen.  Am spannendsten sehe ich allerdings der Entwicklung Twint entgegen, da hier alle drei Bereiche – Online Handel, Kassenplatz und Mobile – künftig in einem ganzheitlichen Konzept bedient werden sollen. Davon träumt PayPal schon lange, mit Twint kann dieser Traum zumindest in der Schweiz Wirklichkeit werden.
 
Ralf Gladis (Computop): Die Entwicklung der E-Wallets ist besonders spannend, weil sie im E-Commerce, auf dem Smartphone und am POS-Terminal an der Kasse eingesetzt werden können. PayPal schafft es seit Jahren nicht, sein Wallet an die Kassen zu bringen. MasterCard transformiert seine Plastikkarten in die digitale Welt seines MasterPass-Wallet. Und Apple Pay, Google und Samsung gehen mit ihren Bezahllösungen vorne weg. Wie das ausgehen wird, lässt sich seriös erst in zwei Jahren vorhersagen.

Auch der Verkauf über eigene Apps ist ein großes Zukunftsthema für den Handel. Das funktioniert nur mit mobil optimierten Zahlarten. Die technische Integration ist schwierig. Computop stellt seinen Kunden dafür ein Mobile Paygate SDK zur Verfügung, damit die App-Entwickler weniger Arbeit haben und beim Zahlungsverkehr keine Zeit verlieren. Schon heute kommen ein Drittel aller Zahlungen über mobile Geräte. Wer das Rennen beim Mobile Payment gewinnen wird, ist auch eine spannende Frage.

 Bernhard Linemayr ist bereits seit Gründung von payolution 2011 maßgeblich an der strategischen und operativen Ausrichtung des White Label-Experten für Zahlungsmethoden im Online-Handel beteiligt.
 
 

Bernhard Linemayr (Payolution): Die spannendsten APMs sind in meinen Augen alle Pay Later-Varianten bzw. garantierte Zahlungsmittel wie Kauf auf Rechnung, Ratenzahlung, Monatsrechnung oder ELV, weil sie durch minimales Risiko auf Endkundenseite eine maximale Conversion ermöglichen, höhere behaltene Warenkörbe triggern, das Risiko für den Händler eliminieren und dessen Liquidität sichern. Weiters sind Digital Wallets, wie sie auch in der Paysafe Group angeboten werden, eine spannende Variante.

Das sind die Bankkonten der Zukunft, denn sie ermöglichen Features, Geschwindigkeiten und Komfort (P2P Transfer, rasche und billige internationale Zahlungen, etc.). Das alles werden Banken wohl auch künftig nicht in dieser Form bieten können. Und zu guter Letzt sind Blockchain-Verfahren oder verteilte Entscheidungsfindungsalgorithmen interessant, um Transaktionen zu autorisieren und zu garantieren, denn sie betreten verhältnismäßig neues technologisches und konzeptionelles Terrain.
 
Mirko Hüllemann (Heidelpay): Flexibilität und Geschwindigkeit, mit der über Wallets Zahlungen abgebildet werden können, sind extrem spannend – auch für den POS, der gerade erst die Nutzung von APM's entdeckt. Daneben sind die Online-Transfer-Verfahren sehr interessant. Auch hier bieten die Anbieter sehr komfortable und sichere Verfahren, die eine schnelle und bequeme Zahlung zulassen. Auch das Lastschriftverfahren könnte sich dank SEPA über die Grenzen Deutschlands hinaus etablieren.


 Mirko Hüllemann verantwortet als Geschäftsführer das operative Geschäft der Heidelberger Payment GmbH, kurz: Heidelpay.

 
 
 
ECM: Und was halten Sie mittlerweile von Bitcoins?
 


Ralf Gladis (Computop): Bitcoins sind für den Händler ein tolles Zahlungsmittel, denn die Zahlung ist garantiert und risikofrei wie Bargeld. Auch ein Währungsrisiko trägt der Händler zumindest bei Computop nicht, weil das Geld in Euro, Dollar oder Pfund ausbezahlt wird. Bitcoins funktionieren weltweit, und die Kosten liegen bei niedrigen 1,5 Prozent vom Umsatz. Bankgebühren entfallen.

Aktuell ist die Zielgruppe der Bitcoin-Nutzer aber sehr exklusiv: 90% sind männlich und Technik-affin. 55 Prozent sind zwischen 19 und 34 Jahre alt. Etwa 33 Prozent sind 35 bis 54 Jahren. Zum Beispiel für Elektronik-Händler ist das eine wichtige Zielgruppe. Doch bis Bitcoins eine Massenbewegung sind, bieten nur wenige innovative Händler Bitcoins als Zahlart an, zumal die oft mangelnde Regulierung und Kriminelle an der Reputation kratzen. Das gilt aber auch für Bargeld, das sich noch großer Beliebtheit erfreut. Für den Handel sind Bitcoin-Zahlungen gut, weil sicher, günstig und international.
 
Georg Schardt (Sofort): Bitcoins werden zunehmend sicherer, so dass selbst die großen Zentralbanken mittlerweile über eine digitale Währung nachdenken. Das Verhältnis zu Bitcoins hat sich daher auch auf unserer Seite verändert. Wir denken zwar nach wie vor nicht über eine Integration nach, dennoch ist die dahinterliegende Blockchain-Technologie spannend. Transaktionen können digital abgebildet werden - ohne komplizierte Verifizierungsverfahren. Daraus ergeben sich nicht nur für den Finanzsektor viele neue Möglichkeiten, die Technologie kann vielmehr auf Vertragsabschlüsse jeder Art angewendet werden.
 
Sascha Breite (Six Payment Services): Für mich als Privatperson sind Bitcoins als Zahlungsmittel zu unpraktisch. Das betrifft das Ankaufen von Bitcoins, die hohe Volatilität, mögliche Manipulationen, usw. Für die Abwicklung von internationalen Zahlungen mag Bitcoin als Backbone für Dienstleister dagegen sehr interessant sein, aber weniger für den allgemeinen Konsumenten. Davon einmal abgesehen ist die zugrunde liegende Blockchain-Technologie sehr spannend – nicht nur für die Finanzwelt – und kann sich nachhaltig auf die gesamte Ökonomie auswirken.

Georg Schardt ist Geschäftsführer bei der Sofort GmbH.
 
 

 

Bernhard Linemayr (Payolution): Bitcoins sind von technischen Aspekt her spannend, jedoch in den klassischen Branchen praktisch irrelevant, was das Volumen betrifft. Bitcoins sind konzeptionell ansprechend und beinahe revolutionär angehaucht, aber gleichzeitig aufgrund starker Kursschwankungen, externer Attacken oder interner Unstimmigkeiten zwischen den Schlüsselfiguren in der Szene immer wieder unberechenbar.Bitcoins sind nicht nur eine alternative Zahlungsmethode, sondern eine weltweit verwendbare dezentrale, digitale Währung. Das bringt jedoch viele Herausforderungen mit sich, unter anderem das Wechselkursrisiko.
 
 
Nelson Holzner (Billpay): Bitcoins und die zugrundeliegende Blockchain-Technologie bieten signifikante Vorteile in der Abwicklung von Zahlungen, insbesondere sind sie sehr sicher, extrem schnell und kostengünstig. Gerade bei internationale Zahlungen können Bitcoins sehr interessant sein: Sie können mit Bitcoins binnen weniger Sekunden auch größere Beträge praktisch kostenlos um die Welt schicken, ohne als Händler das Risiko von Charge-Backs zu haben. Das ist schon faszinierend. Leider fehlt Bitcoin aber noch die Verbreitung bei den Konsumenten. Daher wird es noch eine ganze Weile dauern, bis wir relevante Zahlungsvolumina über Bitcoin im Handel sehen.
 


 

 Holger Seidenschwarz ist Senior Consultant bei der ibi research an der Universität Regensburg GmbH.


Holger Seidenschwarz (ibi): Bitcoin ist vom dahinterliegenden System her eine sehr spannende Sache, wobei man wirklich eher die Blockchain im Gesamten sehen muss und die Geschäfts- oder Abwicklungsmodelle, die sich dadurch umsetzen lassen. Auch wenn Bitcoin funktioniert, sind wir skeptisch, ob sich dies auf breiter Basis in der jetzigen Form durchsetzt. Allerdings kann die Blockchain-Technologie in Zukunft für viele Bereiche des Lebens – auch für das Bezahlen – relevant werden.
 
Mirko Hüllemann (Heidelpay): Analog zu neu entstandenen Zahlungsverfahren aus der Vergangenheit hat auch die BitCoin vor allem ein Image-Problem, weshalb eine Nutzung der Währung durch die breite Masse nicht abzusehen ist. Die technischen Herausforderungen in Bezug auf den verwendeten Blockchain-Algorithmus stehen einer weiteren Verbreitung ebenfalls im Wege.

Grundsätzlich ist das Konzept hinter den BitCoins und vor allem das der Blockchain aber extrem interessant. Neue technische Möglichkeiten und die Weiterentwicklung der Konzepte hinter BitCoin könnten für eine stabile digitale Währung und deren weltweitem Einsatz sorgen – ob dies allerdings mit den BitCoins gelingt, ist sehr fraglich.

 
Die Expertenrunde


 Sascha Breite ist Head Future Payments bei SIX Payment Services. Das Unternehmen bietet Finanzinstituten und Händlern Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Breite betreut den Bereich seit 2012. Zuvor war er Managing Director für die deutsche Tochtergesellschaft der Schweizer SIX Card Solutions. Davor war er unter anderem für Ingenico, EPC und Siemens tätig. SIX Payment Services bietet Finanzinstituten und Händlern sichere, innovative Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Die maßgeschneiderten Lösungen umfassen die Abwicklung von nationalen und internationalen Zahlungen mit Kredit-, Debit- sowie Prepaid-Karten. Dabei stellt SIX Payment Services in der Schweiz und international sowohl die Akzeptanz wie auch die Abwicklung von kartenbasierten Zahlungen sicher und gehört als Marktführer in der Schweiz, in Österreich und in Luxemburg zu den größten europäischen Verarbeitern von Kartentransaktionen.
 
 
 Ralf Gladis verantwortet als Gründer und Geschäftsführer die internationale Expansion sowie die strategische Ausrichtung von Computop. Im Jahr 1997 gründet Gladis gemeinsam mit Frank Arnoldt das Unternehmen. Als Software-Architekt entwickelt er diePlattform Paygate, das zentrale Zahlungsverkehrs-Portal von Computop. Die Grundlagen seiner Technologie-Kompetenz erwirbt sich Gladis durch sein Studium der Wirtschaftsinformatik an der Universität in Bamberg.
 
 
 Dr. Nelson Holzner  gründete BillPay 2009 in Berlin und leitet das Unternehmen als Chief Executive Officer. Insbesondere treibt er die Bereiche Strategie und Investor Relations voran und ist Speaker zu den Themen Digital Finance, Fintech, Startups, Entrepreneurship und Big Data. Heute ist BillPay Zahlungsanbieter für abgesicherten Rechnungskauf, Lastschrift und Ratenkauf. Vor der Gründung von BillPay war Nelson Holzner Vice President bei dem international tätigen Finanzinvestor Cerberus Capital Management mit Fokus auf den Bankensektor.Der promovierte Jurist begann seine Karriere als Anwalt im Bereich Corporate und M&A bei Freshfields Bruckhaus Deringer, einer führenden internationalen Anwaltssozietät.Dr. Nelson Holzner hat Abschlüsse in Rechtswissenschaften von der Universität Kiel sowie der University of Illinois und eine Anwaltszulassung in Deutschland und dem Staat New York/ USA.
 
Georg Schardt ist Geschäftsführer bei der Sofort GmbH. Er ist verantwortlich für die Bereiche Regulierung, Public Affairs und Bankenkoope­rationen und verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im Be­reich Ver­sandhandel. Vor seiner Tätigkeit bei SOFORT war er bei Baur Versand und Conrad Electronic beschäftigt. Dort war er zuletzt als Mit­glied der Ge­schäftslei­tung für das Endkundengeschäft verantwortlich.Mit dem Zahlungssystem SOFORT Überweisung, SOFORT Überweisung Paycode und dem Online-Verifizierungssystem SOFORT Ident bietet die SOFORT innovative Produkte für das sichere Kaufen von Waren und digitalen Gütern im Internet an. Das Unternehmen aus Gauting bei München ist Teil der Klarna Group, Zahlungsanbieter, und mit seinem Produkt SOFORT Überweisung Marktführer unter den Direktüberweisungsverfahren in Deutschland..
 
 
 Holger Seidenschwarz ist Senior Consultant bei der ibi research an der Universität Regensburg GmbH. Das Institut forscht rund um die Digitalisierung der Finanzdienstleistungen und des Handels. Es berät Kunden aus der Privatwirtschaft und dem öffentlichen Sektor. Von 2007 bis 2012 lehrte Herr Seidenschwarz als Lecturer am Institut für Controlling der Universität der Bundeswehr in München in den Bereichen Finanzierung, Unternehmensrechnung und Controlling. Zuvor war er 5 Jahre lang als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Finanzierung der Universität Regensburg beschäftigt.
 
 
Mirko Hüllemann (Jahrgang 1969) verantwortet als Geschäftsführer das operative Geschäft der Heidelberger Payment GmbH, kurz: Heidelpay. Das Unternehmen, das er 2003 gemeinsam mit Thomas Muszakiewicz gegründet hat, ist ein bankenunabhängiger Payment Service Provider, der von der BaFin als Zahlungsinstitut zertifiziert ist. Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit war Mirko Hüllemann seit 2000 für verschiedene Anbieter von Online-Zahlungsdiensten tätig: als Vertriebsleiter für die paybox Bank AG und als Geschäftsführer für die United Payment GmbH. Seine berufliche Karriere startete der Dipl.-Volkswirt 1999, nach Abschluss seines Studiums an der Universität Heidelberg, als SAP-Berater bei der cbs Corporate Business Solutions Unternehmensberatung GmbH.
 
 Bernhard Linemayr ist bereits seit Gründung von payolution 2011 maßgeblich an der strategischen und operativen Ausrichtung des White Label-Experten für Zahlungsmethoden im Online-Handel beteiligt. Zu Beginn verantwortete er unter anderem das Produktmanagement für Kauf auf Rechnung und Ratenzahlung, seit Anfang 2015 steuert er als CEO für das gesamte Unternehmen alle Schritte, um das kontinuierliche Wachstum international voranzutreiben. Dank seiner jahrelangen Erfahrung im Online Business sowie einer fundierten universitären Ausbildung am Technikum Wien konnte er payolution zu einem der erfolgreichsten Zahlungsanbieter in Europa machen. Die payolution GmbH ist der White Label-Experte für Zahlungsmethoden im Online-Handel und bietet innovative Lösungen rund um Kauf auf Rechnung, Ratenzahlung, Monatsrechnung und ELV.
 
 (jm)

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