Wie steht es mit der Akzeptanz von Mobile Payment?

ECM: Im November 2014 ergab eine von TNS Emnid im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) durchgeführte repräsentative Befragung, dass drei von vier Bürgern in Deutschland Apple Pay, Google Wallet und andere mobile Bezahldienste nicht in Anspruch nehmen wollen, die Hälfte „ganz bestimmt nicht“. Das ist verwunderlich, denn die Deutschen waren dem Thema gegenüber schon einmal aufgeschlossener: 2010 fand eine repräsentative Befragung von Forsa im Auftrag des Bitkom heraus, dass sich 43 Prozent der Handybesitzer in Deutschland vorstellen konnten, mit dem Handy zu bezahlen. Woran könnte es liegen, dass sich die Deutschen wieder vom Mobile Payment abwenden?

Peiam Arad (Chase Paymentech): Die Ergebnisse der Befragung sind nicht weiter überraschend. In Deutschland existiert nach wie vor kein mobiler Bezahldienst wie beispielsweise Apple Pay, der einen erkennbaren Zusatznutzen für den Verbraucher mit sich bringt. Sobald die erste Mobile-Payment-Anwendung es schafft, den Bezahlvorgang zu vereinfachen und dem Verbraucher einen Mehrwert liefert, der nicht auf Kosten der Sicherheit geht, werden sich deutlich mehr Verbraucher mit diesem Thema auseinandersetzen.

Dr. Gerrit Seidel (Klarna/Sofort AG): Eines ist klar: Der Gedanke an bequemes Online-Shopping unterwegs reizt zunächst jeden Nutzer. Doch die Begeisterung verfliegt spätestens dann, wenn die Internetverbindung abbricht, der Einkauf zu lange dauert, zu viele Daten eingegeben werden müssen oder der Kunde – im schlimmsten Fall – Opfer eines Betruges wird. Nach einer Statista-Studie aus dem Jahr 2014 haben 23 Prozent der Befragten aus Angst um die Daten und vor Kriminellen noch nie mobil eingekauft. 10 Prozent der Probanden bezeichneten das Online-Shopping mit Tablet oder Smartphone darüber hinaus als „zu kompliziert“.

Das Design und der Aufbau vieler Online-Shopping-Portale sind zudem nicht für Smartphones oder Tablets optimiert. Viele Nutzer stehen der Eingabe sensibler Daten oder einem Passwort skeptisch gegenüber. Außerdem sind es oft zu viele Schritte bis zum endgültigen Kaufabschluss an der virtuellen Kasse. Es existiert also ein Zwiespalt: einerseits fordern die Kunden beim mobilen Online-Einkauf Sicherheit, andererseits auch Schnelligkeit und Einfachheit. Dies gilt es miteinander zu vereinen, um auf diese Weise ein optimales Einkaufserlebnis zu schaffen.

Stefan Krueger (Valuephone): Mobiles Bezahlen alleine ist kein Anwendungsfall, das wissen auch die Nutzer. Deshalb sollte man den Einkaufsprozess ganzheitlich betrachten und dem Anwender echte Mehrwerte bieten. Mobile Kundenbindung ist ein solcher Mehrwert. Wenn der Anwender Geld sparen kann, etwa durch das automatische Einlösen von Coupons, wird mobiles Bezahlen für ihn interessant.

Markus Solmsdorff (Expercash): Für die deutschen Konsumenten ist mobile Payment nach wie vor kein großes Thema, wie die aktuelle Befragung zeigt. Offensichtlich erkennen viele Konsumenten keinen Mehrwert für das Bezahlen mit dem Handy gegenüber den seit Jahrzehnten etablierten bargeldlosen Bezahlverfahren und klassischem Bargeld. Im stationären Handel scheint kein Bedarf für Mobile Payment zu bestehen, einhergehend mit einer gewissen Zurückhaltung bei den dafür erforderlichen Investitionen. Und E-Commerce-Käufe werden mit den gewohnten in Internetshops eingebundenen Internetzahlverfahren wie etwa Kreditkarte, Lastschrift oder Sofortüberweisung bezahlt, egal ob diese nun über ein mobiles Endgerät wie Handy, Tablet, Laptop oder über den PC getätigt werden. Explizites Mobile Payment ist hierfür also nicht zwingend notwendig.

ECM: Welche Mobile-Payment-Lösung hat Ihrer Meinung nach das größte Potenzial für die allgemeine Akzeptanz und weswegen?

Christian von Hammel-Bonten (Wirecard): Wir sehen großes Potenzial bei Anwendungen, die auf der Übertragungstechnologie Near Field Communication basieren. Die Infrastruktur für kontaktlose Zahlungen ist schon heute mit vielen NFC-Kassenterminals gegeben und wird den Markt weiter durchdringen. Die NFC-Technologie ist im Bereich von VISA und MasterCard der gesetzte offene Standard, der es Nutzern erlaubt, in allen Ländern dieser Welt kontaktlos zu bezahlen. Diese Ansätze zeichnen sich dadurch aus, dass sie die bereits vorhandene und etablierte Akzeptanz von VISA, MasterCard und Maestro um die kontaktlose Bezahlmöglichkeit erweitern. Ein zusätzlicher Verstärker für NFC kann auch die massentaugliche Einführung der mobilen Bezahllösung Apple Pay sein.

Peiam Arad (Chase Paymentech): Meiner Meinung nach ist dies Apple Pay. Apple hat seine Marktkenntnis und technologische Innovationskraft genutzt, um eine neue Bezahlmethode mit erweiterten Sicherheitsmerkmalen für Händler und Verbraucher zu schaffen. In Verbindung mit der Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit der Marke Apple wird dies zu einer schnellen Akzeptanz in den teilnehmenden Märkten beitragen.

Markus Solmsdorff (Expercash): Wallet-Systeme, die auf einer existierenden Basis an Nutzern eines sicheren Zahlverfahrens aufbauen, erscheinen uns hier noch am aussichtsreichsten. Ein prominentes Beispiel ist MasterPass. Dahinter steht ein etabliertes, renommiertes Kreditkartenunternehmen mit hohem Vertrauensvorschuss und einer etablierten Basis von Playern – also Konsumenten, Issuern und Acquirern. Auf Konsumentenseite ist nur eine einmalige Anmeldung beim Issuer nötig. Von da an braucht der Kunde beim Online-Kauf keine Adressdaten mehr einzugeben und kann so den Bestellvorgang verkürzen.  Das macht MasterPass ideal für den Online-Einkauf mit Mobilgeräten – MasterPass kann gleichermaßen im stationären Handel als M-Payment eingesetzt werden. Damit ist es kanalübergreifend nutzbar. Und das werden die Multi-Channel-Händler zu schätzen wissen, so dass der überzeugte Konsument auch schnell eine Vielzahl an Akzeptanzstellen vorfinden wird.

Stefan Krueger (Valuephone): Apple Pay hat sicher Potenzial. Das liegt aber weniger an den Mehrwerten beim Bezahlen, die hat auch Apple Pay nicht, sondern vor allen in der Tatsache begründet, dass Apple Pay ohne aufwändige Registrierung kommt, da man auf die iTunes Accounts zugreift. Darüber hinaus hat das Bezahlverfahren die größten Chancen, das dem Anwender die meisten Vorteile bringt. Das sind vor allem die Lösungen, mit denen der Anwender beim Einkaufen sparen kann, indem etwa automatisch Coupons eingelöst werden können.

Dr. Gerrit Seidel (Klarna/Sofrt AGH): Ganz klar, Klarna Checkout. Denn er vereint Vielfalt, Einfachheit und Sicherheit. Erstens Vielfalt bei den Zahlungsarten: Mit Kauf auf Rechnung, Ratenkauf, Sofort-Überweisung, MasterCard, Visa und Lastschriftverfahren sind die meisten der beliebtesten Zahlungsarten enthalten. Zweitens Einfachheit beim Kaufabschluss: zwei Klicks oder weniger, wenn der Kunde zuvor bereits einmal über Klarna Checkout eingekauft hat – egal in welchem Shop. So hat jeder Kunde das positive Kauferlebnis eines Stammkunden. Drittens Sicherheit: Die Eingabe sensibler Daten entfällt. Kein Passwort, keine zusätzliche Anmeldung – das macht vor allem das Bezahlen auf mobilen Geräten einfach. Nicht zuletzt sprechen wir auch über die Akzeptanz und die Potenziale beim Händler: Sie sollten sich nicht mit Schnittstellen-Updates und der konstanten Optimierung des Checkouts beschäftigen – dies ist Aufgabe des Payment-Anbieters wie Klarna. Wir sind überzeugt davon, dass Klarna Checkout mit einem für mobile Geräte optimierten Design und mit einer sinnvollen Auswahl an Zahlungsarten optimale Voraussetzungen für eine breite Akzeptanz im Markt hat.

Im Interview:

  • Christian von Hammel-Bonten ist Executive Vice President Telecommunications beim Full Service Payment Service Provider Wirecard.
  • Peiam Arad ist Vice President Business  Development beim Full Service Payment Service Provider Chase Paymentech, einem Tochterunternehmen von JPMorgan Chase.
  • Dr. Gerrit Seidel ist Senior Vice President DACH bei Klarna und CEO der Sofort AG, Anbieter von Zahlungslösungen.
  • Stefan Krueger ist Geschäftsführer bei Valuephone, das Plattformlösungen für mobile Kundenbindung und Mobile Payment entwickelt.
  • Markus Solmsdorff ist Geschäftsführer beim Payment Service Provider Expercash, einer Tochter von DataCash Group Limited (UK), die zur MasterCard-Gruppe gehört.

Dieser Beitrag erschien erstmals im e-commerce Magazin 02/2015

  • Christian von Hammel-Bonten von Wirecard.
  • Peiam Arad von Chase Paymentech
  • Dr. Gerrit Seidel von Klarna / Sofort AG
  • Stefan Krueger von Valuephone
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