Fallbeispiel: Business Apps von CheckMobile transformieren Einzelhandelslogistik bei Tchibo

Der Handel in Deutschland steht vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen, von deren Bewältigung der Erfolg und zunehmend auch die Existenz zahlreicher Unternehmen – insbesondere kleiner und mittelständischer Betriebe – abhängen. Externe Faktoren, die auf nahe und mittlere Sicht eine adäquate Anpassung der bisher üblichen Supply-Chain-Prozesse im Handel erforderlich machen, sind beispielsweise

  • veränderte Kundenanforderungen durch den demographischen Wandel beziehungsweise den Alterungsprozess der Gesellschaft
  • eine verstärkte Bedeutung des städtischen Lebensraums
  • stark wachsende Forderungen nach Regionalität, Nachhaltigkeit, Gesundheit und fairem Handel
  • der Trend zu individualisierten Produkten
  • die steigende Attraktivität des Online-Handels
  • komplexe Anforderungen von Multichannel- und Crosschannelkonzepten
  • die weitere Globalisierung der Handelsströme mit weltweiter Verfügbarkeit aller Warengruppen sowie
  • politische und rechtliche Eingriffe in den Markt wie Emissionshandel, Vorschriften zum Product-Labelling, Verkehrsregulierung (Umweltzonen, Schranken für Innenstadtbelieferung etc.) oder Recycling. 

Erwartete Sendungsvolumina der KEP-Dienstleister 2012 bis 2017 (Quelle: Statista, BIEK, KE-Consult)

Insbesondere die Belieferung des stationären Handels in der Fläche bis hin zur letzten Meile steht nach Ansicht der meisten Experten vor fundamentalen Umbrüchen vor allem bei verschiedenen Aspekten von Transport, Lagermanagement und Distributionslogistik. Sich teilweise widersprechende Kundenforderungen – etwa gleichzeitig nach Individualisierung der Produkte (= Kleinserien) und ihrer jederzeitigen Verfügbarkeit (größere Volumina für die Bevorratung mit Sicherheitsbeständen) – erfordern innovative Servicekonzepte zur Schaffung maximaler Flexibilität und Effizienz in der Logistik.

IT als Innovationstreiber

Nicht für alle, aber doch für viele Ansätze zu einer zukunftsorientierten Logistikstrategie des Handels ist die moderne Informations- und Kommunikationstechnologie ein unverzichtbarer Innovationstreiber. Zu verdanken ist dies der im letzten Jahrzehnt vorangetriebenen Zusammenführung von Technologien wie mobilen Endgeräten, insbesondere Smartphones und Tablet-PCs mit zugehörigen Business Applikationen, dem Cloud Computing und leistungsfähigen Big-Data-Lösungen. Sie erlaubt es, die gesamte Wertschöpfungskette ohne Prozessbrüche zu automatisieren, bis hin zur komplett digitalisierten Lieferkette.

Der prinzipielle Vorteil für alle Logistikprozesse, die einen schnellen Daten- und Informationsaustausch erforderlich machen – beispielsweise Rückmeldeprozesse bei der Transportverfolgung oder Datenbankaktualisierung in Echtzeit –, liegt auf der Hand: Logistikmitarbeiter (auch solche mit geringerer Qualifikation) können Daten aufnehmen, mit entsprechenden Download-fähigen Apps analysieren, aktualisieren, mit Datenbanken kommunizieren sowie Daten in der Cloud für andere Kollegen und Mitarbeiter bereitstellen, auf die diese ebenfalls per Smartphone & Co. zugreifen können.

Konkretes Beispiel: Modernste Lösungen etwa für Multichannel-Logistik ermöglichen eine zentrale Stammdatenverwaltung für alle Kanäle und mobile Prozessgestaltung von Kommissionierung, Transportsteuerung, Verkaufsprozesssteuerung am POS, Vertriebskanal-spezifische Sortimentsteuerung, Retourenmanagement und Rücknahmelogistik. All dies verdankt sich der Integration von Datenbanken, mobilen Business-Apps, Smartphone-Technologie und der ständigen Datenverfügbarkeit über die Cloud.

 Prozesssoftware als App

Entscheidender Vorteil dabei ist, dass die Prozesssoftware nicht mehr in Form großer Pakete in der IT-Abteilung der Logistikunternehmen liegen muss, sondern als besonders einfach zu bedienende App über das Internet genutzt werden kann. Entsprechende Lösungen hierzu erlauben eine schnelle Anpassung der Apps an neue Situationen, ohne dass der Nutzer dabei nennenswerten eigenen Programmieraufwand erbringen muss. Wo bisher beispielsweise zahllose Daten von Filialen gesammelt, per PC ins Rechenzentrum übermittelt, analysiert und wieder an die Peripheriegeräte gesendet werden mussten, lassen sich alle Prozesse nun zusammenführen und ohne Umwege direkt in der Cloud abwickeln. Dies begünstigt besonders kleinere Unternehmen, die kaum über nennenswerte IT-Infrastruktur und -kompetenz verfügen.

App und Cloud statt Rechenzentrum

Wie sich derartige Lösungen in der Praxis darstellen, zeigt das Beispiel Tchibo. Das Unternehmen setzt seit 2014 auf eine Cloud-Lösung des Anbieters CheckMobile, um die Logistikpartner bei der Abwicklung ihrer Dienstleistungen zu unterstützen. Marc-Stephan Heinsen (im Bild), Director Supply Chain Management & Logistics bei Tchibo in Hamburg, erläutert die Motivation für diese Entscheidung: „Wir arbeiten mit einer Vielzahl von lokalen Dienstleistern zusammen, insbesondere bei der lokalen Distribution und auf der letzten Meile. In diesem Unternehmenssegment finden wir zahlreiche Logistikfirmen, die über so gut wie keine eigene IT-Infrastruktur verfügen. Das LKW-Management findet dort ohne moderne IT-Unterstützung statt, was die Erfüllung unserer Anforderungen an Flexibilität, Servicequalität und Kundenfreundlichkeit enorm erschwert.“

Viele Prozesse, die die Distribution für Tchibo erforderlich macht, sind durch Echtzeitkommunikation und schnellen Datenaustausch gekennzeichnet, wie Marc-Stephan Heinsen betont: „An vielen Stellen der Prozesskette sind ständig Rückmeldungen aller Art gefragt, beispielsweise bei der Warenverfolgung, wenn Waren verladen wurden, eingetroffen sind oder übergeben wurden, bei der Erfassung und Prozessierung von Retouren, der Abwicklung von Bezahlvorgängen und so weiter.“ Hinzu kommen zahlreiche andere Prozesse, die ohne IT nur umständlich, zeitaufwändig und ineffizient ablaufen würden, etwa der Ausdruck korrekt ausgeführter Belege oder die Übermittlung von Updates an das Backoffice.

Die CheckMobile-Lösung gestattet es, über eine mobile App Daten in die Cloud auszulagern, wo sie allen beteiligten Mitarbeitern jederzeit über mobile Endgeräte oder Terminals zur Verfügung stehen. Konkret sieht dies so aus: Tchibo schickt beispielsweise Auftragsdaten an CheckMobile in Hamburg, wo sie in der Cloud bereit gehalten werden. Jeder Mitarbeiter, etwa der LKW-Fahrer eines Logistikdienstleisters, kann dort zu jeder Zeit und von jedem Standort aus per App Daten abrufen oder einspeisen. Eigene IT-Infrastruktur, die Problematik unterschiedlicher Betriebssysteme in den Unternehmen sowie mangelnde Schnittstellen und Ähnliches fallen durch die Nutzung der Cloud weg. Das spart viel Zeit und Geld, und es senkt die Fehlerquote.

Agilität in der Cloud

Neben der radikal vereinfachten Prozesssteuerung bringt die Lösung weitere wichtige Vorteile für Handels- und Logistikunternehmen: Updates und Änderungen lassen sich schnell erstellen und ausrollen. Gerade bei der zunehmenden Komplexität der Lieferprozesse durch individuelle Anforderungen, Sortiment- und Verpackungswechsel oder andere Faktoren, die Anpassungen nötig machen, ist die Fähigkeit der Technologie, Änderungen auf sehr einfache Weise zu implementieren und dem Nutzer zur Verfügung zu stellen, von großem Nutzen. Ohne sie wären zeitaufwändige Programmierarbeiten und teure IT-Projekte unumgänglich, und das Rollout würde sich viel umständlicher gestalten.

Nach mehr als einem Jahr Erfahrung äußert sich Tchibo-Manager Marc-Stephan Heinsen sehr zufrieden mit der Cloud-Lösung: „Wir können jetzt Dienstleister ohne sorgenvollen Blick auf den Stand ihrer IT beauftragen. Service-Unternehmen mit einer unseren Anforderungen entsprechenden IT-Abteilung wären da meist wesentlich teurer. Änderungen in den Prozessen wären dann Projekte von mehreren Monaten, wo die Implementierung einer CheckMobile-Lösung nur einen Zeitraum von Wochen in Anspruch nimmt. Derzeit verfügen 12 Umschlagpunkte unserer Partner über die Anbindung an die CheckMobile-Cloud, und unsere Erfahrungen sind durchgehend positiv.“

Auf Grund der agilen Cloud-Technologie mit ihrer schnellen und einfachen Adaptierbarkeit an neue Situationen und Anforderungen ist es für Tchibo jetzt auch wesentlich einfacher, Dienstleister zu wechseln oder neue an Bord zu nehmen. Die Integration in das vorhandene Partnernetz erfordert keine umständlichen IT-Prozesse, sondern lediglich die Eingliederung in die „Cloud-Gemeinde“ des Unternehmens.

Lgistikexperte Marc-Stephan Heinsen sieht für Cloud-Lösungen dieser Art eine glänzende Zukunft voraus: „Sie eignen sich für alle Aspekte der dezentralen Services, für überall dort, wo Menschen in großer Zahl in der Fläche aktiv sind, Monteure, Service-Techniker, Außendienstler, Einzelhändler und so weiter. Für sie geht das Zeitalter von PC und Server endgültig zu Ende.“

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