Fallbeispiel: Springer-VDI-Verlag läutet Digitale Transformation ein

Seit einigen Monaten können die Leser des Springer-VDI-Verlags ausgewählte Fachzeitschriften auch in digitalen Formaten abonnieren. In einem gemeinsamen Projekt mit dem E-Business-Spezialisten Arithnea setzte der Verlag die Digitalisierung der Titel erfolgreich um. Zu den größten Herausforderungen zählte dabei die Anbindung der neuen Digitalisierungsplattform an das zeitgleich implementierte neue Redaktionssystem des Verlags.

Der Springer-VDI-Verlag in Düsseldorf befindet sich  - wie alle Verlage derzeit - mitten in einem Paradigmenwechsel. "Die Anzeigenerlöse und die Abonnentenzahlen bei den Printerzeugnissen nehmen branchenweit ab. Das ist ja kein Geheimnis", sagt Christian W. Scheyko, Geschäftsführer des Springer-VDI-Verlags. "Deshalb stehen wir vor der Aufgabe, diese Rückgänge durch eine Monetarisierung der digitalen Angebote zu kompensieren. Die erfolgreiche digitale Transformation der Verlagsbranche wird am Ende des Tages über ihre Zukunftsfähigkeit entscheiden." Bislang bot der Springer-VDI-Verlag seine elf Fachtitel aus den Bereichen Bau, Konstruktion, Produktion, Technische Sicherheit, Logistik, Energie und Umwelt ausschließlich in Printform an. In einem gemeinsamen Projekt mit dem E-Business-Spezialisten Arithnea hat er nun die sechs zielgruppenstärksten Objekte digitalisiert: VDI-Z Integrierte Produktion, Konstruktion, das Energiefachmagazin BWK, Logistik für Unternehmen, HLH und das UmweltMagazin.

"Die erfolgreiche digitale Transformation der Verlagsbranche wird am Ende des Tages über ihre Zukunftsfähigkeit entscheiden", so Christian W. Scheyko, Geschäftsführer Springer-VDI-Verlag (Quelle: Springer-VDI-Verlag).

Dazu hat der Springer-VDI-Verlag für jeden der sechs Titel eine eigene Website geschaffen und bietet den Lesern dort die Wahl zwischen unterschiedlichen digitalen Formaten. In einer klassischen Ansicht können sie die Zeitschriften im Internet-Browser als E-Paper abrufen, die exakt wie die jeweiligen Printausgaben aussehen und sich am Bildschirm bequem per Mausklick umblättern lassen. Eine zweite Variante ist die moderne Ansicht, in der die Inhalte der Printausgaben wie bei einer normalen Website aufbereitet sind und um tagesaktuelle Branchennews und Veranstaltungshinweise ergänzt werden. Die Nutzer haben jederzeit die Möglichkeit, zwischen den beiden Ansichten hin- und herzuwechseln und landen dabei jeweils immer bei denselben Inhalten. So können sie in der modernen Ansicht exakt dort weiterlesen, wo sie die klassische Version verlassen haben. Ein drittes digitales Format sind mobile Apps, die es den Nutzern ermöglichen, die E-Paper-Ausgaben der Zeitschriften auch auf ihren Smartphones und Tablets zu lesen. Neben dem Zugang zu den aktuellen redaktionellen Inhalten bieten die digitalen Formate außerdem auch Zugriff auf weiterführende Inhalte wie einem Archiv der zehn letzten Jahrgänge oder einem Sach- und Autorenregister.

Die neuen digitalen Formate vermarktet der Verlag in verschiedenen Modellen

Die neuen digitalen Formate vermarktet der Verlag in verschiedenen Modellen. So können beispielsweise Leser, die keine Printzeitschrift abonniert haben, die digitalen Angebote zunächst im Zuge einer dreimonatigen Testphase kostenlos lesen und dann bei Interesse ein reines Digital-Abonnement abschließen. Bereits bestehende Printabonnenten haben die Möglichkeit, ein digitales Zusatzpaket zum Vorzugspreis zu buchen. Die Abonnements sind aber nicht der einzige Weg, auf dem der Springer-VDI-Verlag seine digitalen Kanäle monetarisiert. "Es wird auf unseren Webseiten künftig auch Online-Werbung in großem Umfang geben", erläutert der Geschäftsführer. "Dabei werden wir von einem professionellen Online-Vermarkter unterstützt, der nun auch unsere Seiten mit vertreibt."

Schnittstelle klassifiziert Inhalte aus dem Redaktionssystem

Technisch realisiert wurden die digitalen Angebote von Arithnea auf Basis des quelloffenen Content Management Systems (CMS) eZ Publish und mit Hilfe des Open-Source-PHP-Frameworks Symfony2, das eine hohe Performance der Webseiten gewährleistet. Dabei schufen die Experten des E-Business-Spezialisten eine mandantenfähige Plattform: Die sechs Fachtitel werden anhand derselben zentralen Prinzipien gesteuert, ihre spezifischen Daten und Objekte aber völlig unabhängig voneinander vorgehalten. Das ermöglicht nicht nur eine effiziente Installation und Pflege des Systems, sondern erlaubt es dem Verlag auch, die Plattform einfacher auszubauen, falls er in Zukunft weitere Zeitschriften digitalisieren möchte.

Zu den wichtigsten Meilensteinen des Projekts zählte die Anbindung des neuen Redaktionssystems des Springer-VDI-Verlags an das CMS. In diesem System erstellen die Redakteure ihre Artikel, und von dort werden sie zur Herstellung der Printausgabe in ein Produktionssystem exportiert. Um die Artikel zukünftig auch in den digitalen Formaten präsentieren zu können, schuf Arithnea eine Schnittstelle vom Redaktionssystem zu eZ Publish. Die große Herausforderung dabei war die Aufbereitung der Inhalte aus dem Redaktionssystem für die moderne Ansicht, die strukturiert ist wie eine normale Website. Da das E-Paper genauso aussieht wie die Printversion, können die Artikel für dieses Format einfach automatisch an ein spezielles E-Paper-Tool übertragen und von diesem als blätterbares PDF dargestellt werden. Für die moderne Ansicht dagegen müssen die Inhalte aus dem Redaktionssystem neu strukturiert und als digitaler Content optimiert werden. Deshalb konzipierte Arithnea die Schnittstelle so, dass das System den importieren Content klassifiziert und ihn so der Navigation der Website automatisch zuordnen kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt dabei war die Anforderung, dass die Inhalte auf den Webseiten Suchmaschinen-optimiert angezeigt werden. Dazu stellte Arithnea unter anderem sicher, dass das System beim Import die Titel der Artikel in die richtigen Tags setzt oder die Texte um unnötige Codes und Informationen, die das Redaktionssystem automatisch mitliefert, bereinigt. Vor der Veröffentlichung auf den Webseiten haben die Redakteure außerdem die Möglichkeit, die Artikel noch zu bearbeiten und zu ergänzen. So können sie diese nicht nur weiter für Suchmaschinen optimieren, sondern auch mit weiterführenden Inhalten wie Links, Videos oder zusätzlichen Bildern anreichern.

Sehr professionelle und fundierte Projektarbeit

Ähnlich anspruchsvoll war die Abbildung der Abonnenten-Modelle, die teilweise mit unterschiedlichen Zugriffsrechten einhergehen. So erhalten beispielsweise Abonnenten ohne Digital-Abonnement einen eingeschränkten Zugang, solche mit Digital-Abonnement einen Vollzugriff. Dazu gleicht das CMS die Einloggdaten der Webseiten-Besucher mit Informationen aus dem CRM-System (Customer Relationship Management) des Verlags wie Abonnenten- und Mitgliedsnummern ab und ermittelt so deren Zugriffsrechte. Auf diese Weise kann es auch erkennen, ob ein Abonnement ausgelaufen ist, und das entsprechende Online-Konto automatisch sperren.
Auch wenn Geschäftsführer Scheyko nicht in die tägliche Projektarbeit involviert war, so war er doch bei der Abstimmung der Meilensteine immer mit an Bord. "Die Projektarbeit mit Arithnea war sehr professionell und sehr fundiert", so sein Fazit. Zustande gekommen war die Zusammenarbeit auf Empfehlung des VDI Verlags, bei dem sich Arithnea als strategischer Partner im digitalen Business bereits in mehreren Online-Projekten bewähren konnte. Und das tat das Unternehmen auch dieses Mal.

(jm)

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