Geld per E-Mail versenden: Wird Google Wallet zum neuen Vorbild für Mobile Payment?

 Die Idee, Geld per E-Mail zu versenden, ist nicht neu. Neben der Bank of America, JPMorgan Chase und Wells Fargo hat auch Google versucht, eine solche Lösung zu etablieren. Bereits 2013 wurde Google Wallet in den E-Mail-Dienst Gmail integriert. Nutzer in den USA konnten so einfach Geld per Anhang versenden. Jetzt ist Google Wallet auch für iOS erhältlich. Diese Neuerung lässt verschiedene Fragen aufkommen: Gelingt Google nun der Durchbruch bei dem sogenannten Peer-to-Peer-Payment? Welche Folgen hat diese Entwicklung für den europäischen Markt? Wie wird sich eine solche Lösung auf das Bezahlverhalten der Kunden auswirken?

  

Sascha Breite (im Bild), Head Future Payments des Zahlungsspezialisten SIX Payment Services, macht einen Reality Check.

Ende September hat Google bekannt gegeben, dass eine neue und vereinfachte Version von Google Wallet erhältlich ist. Die größte Neuerung ist dabei die Verfügbarkeit für iOS-Nutzer, womit sich Google eine größere Gruppe potenzieller Anwender erschließt. Bisher ist die App knapp 500.000 mal installiert worden. Mit der App können kostenlos Geldbeträge per E-Mail an jedermann versendet werden. Potenzielle Empfänger übertragen den Betrag auf eine Google Wallet-Karte, mit der sie in Geschäften bargeldlos bezahlen können. Die Peer-to-Peer-Funktion wird weiterhin nur in den USA verfügbar sein. Doch auch wenn sich der amerikanische und der europäische Online- und Mobile-Payment Markt unterscheiden, lassen sich erste Erkenntnisse aus der Einführung von Google Wallet in den USA ziehen. Sascha Breite geht der Frage auf den Grund, welches Potenzial der Dienst in Europa hat.

Eine große Herausforderung für Google ist die Gewinnung von neuen Nutzern. Gmail gilt als guter Ansatz, doch laut Google stammen derzeit nur 4,1 Prozent der Nutzer aus Deutschland. Das deutet darauf hin, dass auch ein großer Player wie Google es nicht einfach haben wird, eine Lösung auf dem europäischen Markt zu etablieren. Denn Peer-to-Peer-Zahlungen sind derzeit auch in Europa im Trend und bieten demjenigen hohe Erfolgschancen, der mit Benutzerfreundlichkeit punkten kann. Aber reicht ein bekannter Name für eine gute Ausgangsposition aus?

Bezahlen mit persönlichen Daten

Das Thema Daten ist nach dem Entscheid des Europäischen Gerichtshofes zum Safe Harbour Abkommen wieder in aller Munde. Je höher der Wert der gesammelten Kundeninformationen ist, desto mehr kann ein Unternehmen dafür verlangen. Das dürfte für Google mit ein Grund für die Neuauflage der Payment-App gewesen sein, um zusätzliche Daten rund um Kauf- und Zahlungsverhalten zu gewinnen. Wie viele neue Informationen Google letztendlich gewinnen kann hängt davon ab, wie viele Konsumenten bereit sind, für Einfachheit und Komfort mit persönlichen Daten zu bezahlen. Das Unternehmen weiß, dass es einmal mehr zeigen muss, dass es private Daten respektiert.

Gesetzgebung und Cyber-Kriminalität

Es ist eine Sache, als Nutzer seine Suchdaten in die Hände von Google zu geben. Es ist eine andere Sache, Google auch sein Geld anzuvertrauen. An dieser Stelle kommen rechtliche Aspekte mit ins Spiel: Was geschieht, wenn ein Anwender sein Geld zurückverlangt, weil eine Transaktion fehlerhaft war und der im Ausland sitzende Dienstleister sich auf die landesspezifischen Gesetze beruft?

Wenn ein Dienst mit Einfachheit punkten kann, dann nicht selten auf Kosten der Sicherheit. Kürzlich hat Samsung Pay Schlagzeilen gemacht, da chinesische Hacker in das Netzwerk von LoopPay eingedrungen sind – einem Startup, das Samsung im Februar 2015 übernommen und in seine mobilen Bezahldienste integriert hat. Auch wenn der Angriff nicht die Sicherheit von Samsung Pay beeinträchtigte, so verunsicherte er doch bestehende Nutzer und schreckt möglicherweise neue davon ab, daran teilzunehmen. Die Abwicklung von monetären Transaktionen lockt nicht bloß Nutzer sondern auch Cyber-Kriminelle an, doch wird Google sicherlich alles tun, um einen Sicherheitsvorfall zu vermeiden.

Die Wettbewerber

Google kämpft an mehreren Fronten um ein Stück vom Payment-Kuchen. Dabei adressiert Google Wallet in erster Linie den Geldtransfer zwischen Privatpersonen und steht damit in engem Wettbewerb zu PayPal, Facebook, Visas Personal Payments und MasterCards MoneySend. Zudem haben weitere Händler und Finanzinstitute das Thema auf dem Schirm.

Es müssen also mehrere Variablen zusammenspielen, damit der Durchbruch eines Players gelingt. Dazu gehört auch das richtige Timing. Google scheint mit der Veröffentlichung von Google Wallet für iOS einen guten Zeitpunkt gewählt zu haben, da in den USA sowohl der Black Friday als auch das Weihnachtsgeschäft vor der Tür stehen. Google Wallet könnte so schneller Nutzer gewinnen und eine insgesamt breitere Akzeptanz ermöglichen.

Auch in Europa kann der Durchbruch von Mobile Payment gelingen. Der Geldtransfer mittels P2P-Zahlungen ist dabei nur einer von verschiedenen Anwendungsfällen, die Verbraucher künftig nutzen würden. Initiativen wie die von Google fördern die Entwicklung des elektronischen Zahlungsverkehrs und zeigen, wie auch Europäer in Zukunft mit ihrem Geld umgehen könnten. Bislang ist Google Wallet in Deutschland nicht weit verbreitet, da sich der Dienst noch nicht mit einem deutschen Konto verknüpfen lässt und nur eine geringe Anzahl von Debitkarten akzeptiert werden. Ob Anpassungen und stetige Weiterentwicklung für Google ausreichend sind, um an die Spitze der Payment-Player zu gelangen, ist offen. Die neue Version von Google Wallet im schlichten Design und mit übersichtlicher Benutzeroberfläche erhöht aber auf jeden Fall die Wahrscheinlichkeit.

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