GfK-Konsumklimastudie Herbst 2015: Konsumoptimismus lässt nach

Der Dämpfer der Verbraucherstimmung im August dieses Jahres war offensichtlich keine Eintagsfliege. Auch in diesem Monat müssen die drei Indikatoren Anschaffungsneigung, Einkommens- und Konjunkturerwartung Einbußen hinnehmen. Die Konjunkturerwartung verliert dabei am stärksten. Angesichts weltwirtschaftlicher Risiken, zahlreicher Krisenherde sowie des zuletzt stark angestiegenen und weitgehend unkontrollierten Zustroms an Flüchtlingen nehmen bei den Bürgern offenbar die Zweifel hinsichtlich der weiteren konjunkturellen Entwicklung zu.

Konjunktursorgen werden größer

Die Konjunkturerwartungen der Deutschen befinden sich weiter auf Talfahrt. Der Indikator sinkt im September zum vierten Mal in Folge. Dabei ist das Minus mit 10,2 Punkten deutlich ausgeprägter als im August (-1,8 Punkte). Mit einem Wert von 6,4 Punkten liegt der Konjunkturindikator aber noch immer knapp über seinem Vorjahresniveau von 4,4 Zählern.

Die Konjunktursorgen der Verbraucher sind damit spürbar gewachsen. Dies liegt sicherlich kaum an den nach wie vor sehr guten inländischen Rahmenbedingungen, wie Beschäftigung, Einkommen und Inflation. Vielmehr ist das internationale Fahrwasser zuletzt deutlich unruhiger geworden. Konjunkturell schwächelnde Schwellenländer wie China, Brasilien oder auch Russland dürften künftig die Exportaussichten deutscher Unternehmen beeinträchtigen.

Zudem zeigen offenbar die internationalen Krisenherde im Nahen Osten, der Ukraine, aber auch die bestehenden Sanktionen für Russland ihre Wirkung. Hinzu kommt der in den letzten Wochen stark gestiegene Zustrom an Flüchtlingen nach Europa – und hier insbesondere nach Deutschland. Hält dieser Zustrom in dieser Größenordnung an, wovon derzeit auszugehen ist, dürfte dies die Bevölkerung in Bezug auf ihre Konjunkturerwartungen negativ beeinflussen. Dies zeigt sich auch daran, dass in den letzten beiden Monaten die Anzahl der Bundesbürger, die eine steigende Arbeitslosigkeit in Deutschland erwarten, deutlich zugenommen hat.

Einkommenserwartung im Sog sinkender Konjunkturaussichten

Die Deutschen schätzen zum zweiten Mal in Folge ihre Einkommensaussichten weniger optimistisch ein als im Vormonat. Gründe dafür sind zum einen die eingetrübten Konjunkturaussichten. Zum anderen erwarten die Verbraucher, dass aufgrund des großen Flüchtlingszustroms die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten steigen wird. Der Indikator Einkommenserwartung verliert im September um 5,8 Punkte und steht aktuell bei 47,7 Zählern. Im August betrug der Rückgang 5,1 Zähler. Dennoch liegt der Indikator nach wie vor auf einem überaus hohen Niveau. Auch im Vergleich zum Vorjahr steht immer noch ein Plus von 4,3 Punkten zu Buche.

Schwächere wirtschaftliche Aussichten sowie die Sorge vor einer Eintrübung am Arbeitsmarkt hinterlassen offenbar nun auch beim Einkommensindikator erste Spuren. Trotz exzellenter Arbeitsmarktzahlen, einer sehr guten Einkommensentwicklung bei einer kaum vorhandenen Inflation geraten die Einkommensaussichten nun auch in den Sog der internationalen Krisen. Ob sich der Abwärtstrend fortsetzen wird, hängt vermutlich in erster Linie davon ab, wie die Politik mit den internationalen Krisen und vor allem dem Flüchtlingszustrom nach Deutschland in den nächsten Wochen und Monaten umgeht.

Anschaffungsneigung: vierter moderater Rückgang in Folge

Der Eintrübung der Konjunkturaussichten kann sich auch die Anschaffungsneigung nicht entziehen. Der Indikator verliert im September 1,6 Punkte und geht auf 50,4 Zähler zurück. Der Rückgang fällt sehr moderat aus. Das Niveau bleibt dennoch überaus hoch. Obwohl es der vierte Rückgang in Folge ist, verzeichnet der Indikator gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres noch immer ein Plus von 7,9 Punkten.

Neben rückläufigen Konjunktur- und Einkommenserwartungen dürfte auch der Anstieg der Sparneigung in diesem Monat für die moderaten Einbußen der Konsumneigung verantwortlich sein. Dennoch zeigt ein Niveau von über 50 Punkten, dass die Konsumfreude nach wie vor sehr ausgeprägt ist. Dies belegen auch die Daten zur Entwicklung des Einzelhandels in diesem Jahr, auf den etwa ein Drittel des gesamten privaten Konsums entfällt. Nach den ersten vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die realen Einzelhandelsumsätze im Juli um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für die ersten sieben Monate dieses Jahres ergibt sich somit ein reales Plus von 2,6 Prozent.

Konsumklima geht zurück

Für Oktober 2015 prognostiziert der Gesamtindikator 9,6 Punkte nach 9,9 Zählern im September. Dies ist der zweite Rückgang in Folge. Dennoch weist der Indikator nach wie vor ein sehr gutes Niveau auf. Betrachtet man die überaus erfreuliche Entwicklung des Einzelhandels, so kann man davon ausgehen, dass der Konsum insgesamt auch weiterhin eine wichtige Stütze der Konjunktur in diesem Jahr sein wird.

Inwieweit der starke Zustrom von Flüchtlingen die Binnenkonjunktur beeinflussen wird, bleibt derzeit noch abzuwarten. Auf der einen Seite nimmt die Zahl der Nachfrager von Gütern und Dienstleistungen zu. Dies hätte positive Impulse für den Konsum. Sollten allerdings auf der anderen Seite die Bundesbürger durch den starken Zustrom von Flüchtlingen verunsichert werden und, ob berechtigt oder unberechtigt, um ihre Arbeitsplätze fürchten, würde dies negativ auf den Konsum wirken und damit etwaige Zuwächse wieder ausgleichen.

Zur Studie

Die Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie „GfK-Konsumklima MAXX“ und basieren auf monatlich rund 2.000 Verbraucherinterviews, die im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt werden. In diesem Report werden die Indikatoren grafisch aufbereitet, prognostiziert und ausführlich kommentiert. Darüber hinaus finden sich darin auch Informationen über die Ausgabevorhaben der Verbraucher für 20 Bereiche der Gebrauchsgüter-, Verbrauchsgüter- und Dienstleistungsmärkte. Die GfK-Konsumklimastudie wird seit 1980 durchgeführt.

Das Konsumklima bezieht explizit auf die gesamten privaten Konsumausgaben. Der Einzelhandel macht jedoch – je nach Abgrenzung – lediglich etwa 30 Prozent der privaten Konsumausgaben aus. Der Rest sind Dienstleistungen, Reisen, Miete, Gesundheitsdienstleistungen sowie der gesamte Wellness-Bereich.

GfK prognostiziert für das Jahr 2015 einen Anstieg des privaten Konsums von 1,5 Prozent. Auch hierbei geht es nicht um die Einzelhandelsumsätze, sondern um die gesamten Konsumausgaben der Verbraucher. Im vergangenen Jahr prognostizierte GfK ebenfalls einen Anstieg des privaten Konsums um 1,5 Prozent. Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist der private Konsum im Jahr 2014 real um 1,2 Prozent gestiegen.

Die Anschaffungsneigung ist – wie alle anderen Indikatoren auch – ein Stimmungsindikator. Sie fragt, ob die Verbraucher es derzeit für ratsam halten, größere Anschaffungen zu tätigen. Selbst wenn sie dies mit „Ja“ beantworten, müssen noch zwei weitere Voraussetzungen für einen Kauf vorhanden sein: Der Verbraucher muss das nötige Geld für eine solche größere Anschaffung besitzen und auch eine Notwendigkeit für diese Anschaffung sehen. Zudem handelt es sich hier tatsächlich ausschließlich um langlebige Gebrauchsgüter, die auch ein größeres Budget erfordern.

Die Ergebnisse der Stimmungsbefragung stammen aus monatlich durchgeführten persönlichen Interviews bei etwa 2.000 Personen, die repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland sind. Dieses Befragungsinstrument unterliegt ständigen Qualitätskontrollen, vor allem auch im Hinblick auf seine Repräsentativität. Die ausgesprochen hohe Qualität dieser Erhebung zeigt sich auch daran, dass sie für Umfragen im Bereich der empirischen Rechtsforschung (z.B. Verwechslungsgefahr von Produkten) verwendet und anerkannt ist. Das heißt, die Ergebnisse haben Gutachterqualität und müssen jeweils vor Gericht standhalten.

0
RSS Feed

Neuen Kommentar schreiben

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags