"Googlen" Sie noch oder "bingen" Sie schon?

ECM: Nachdem vor drei Monaten die Beta-Phase der Suchmaschine Bing beendet wurde, hat Microsoft am 26.03. die überarbeitete Suchmaschine Bing weltweit gestartet. Das Besondere daran soll die kontextsensitive Ausrichtung sein. Was unterscheidet Bing hier genau von seinen Mitbewerbern?

Stefan Weitz: Bing ist mehr als die bekannte Websuche Bing.de: Hinter Bing verbirgt sich die Suchtechnologie von Microsoft, mit denen Anwender über unterschiedliche Plattformen und Produkte hinweg, die für sie relevanten Informationen, Inhalte und Meinungen erhalten.

So ist Bing beispielsweise kontextsensitiv ausgerichtet: Bei der Suche im Web, etwa einem Kinofilm, werden häufig Definitionen und weiterführende Informationen benötigt, auf dem Mobiltelefon hingegen könnte das Kino in der Nähe oben stehen, wo der Film gerade gezeigt wird und auf der Xbox werden Inhalte angezeigt, um den Film direkt zu kaufen oder leihen, in Windows Live hingegen die E-Mail des Freundes, mit dem sich gerade über den Film austauscht wird.

ECM: Personalisierung ist seit Jahren das große Thema, auch bei Suchanfragen. Bing hat sich hier nach eigenen Aussagen weiterentwickelt und bietet die so genannte Adaptive Search an. Was ist darunter zu verstehen?

Stefan Weitz: Adaptive Search ist eine Personalisierung, basierend auf der eigene Suchhistorie um mehrdeutliche Begriffe genauer einzuordnen. Sucht ein Nutzer z.B. nach Reifen und klickt auf die Webseite eines Reifenherstellers, so stellen wir einen Bezug zu „Auto“ her. Sucht derselbe Nutzer in seiner nächsten Suche nach „Golf“, so werden Ergebnisse des Autos höher gewichtet. Sucht der Nutzer zuvor nach „Tiger Woods“, so werden bei der Suche nach „Golf“, Ergebnisse die sich auf das Thema Golf, die Sportart, beziehen höher gewichtet.

ECM: Eine Neuerung gibt es auch bei Bing Maps. Wenn User Bilder von Lacations posten, pflegt Bing das in seine Maps ein und bietet so sehr aktuelle visuelle Informationen. Was steckt dahinter?

Stefan Weitz: Die Technologie wurde von Mircosofts Research Team entwickelt, und befindet sich um Teststadium in den USA. Bei der Funktion werden Bilder von Flickr über den Fotos von Streetside gelegt, um so aktuelleres und Fotos aus der Sicht von Millionen von Nutzern anzuzeigen. Weitere Information unter http://www.bing.com/community/site_blogs/b/search/archive/2010/02/11/spatial-search-the-next-frontier.aspx

ECM: Wohin wird sich Ihrer Ansicht nach Suche in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

Stefan Weitz: Suche ist viel mehr als die Suche nach Verweisen. Suchen ist der neue Weg des Navigierens, im Umgang mit Computern. In den kommenden Jahren werden wir eine Entwicklung im Bereich der Suchtechnologie sehen, die Nutzern hilft Aufgaben zu erledigen. Hierbei spielt die Verbindung von: Wer, Wo, Was, Wann und Womit eine wichtige Rolle. Die Herausforderung von Suchtechnolgie wird sein alle Schnittstellen miteinander zu verbinden.

ECM: Bing will natürlich auch für Werbetreibende spannend sein und hat auch sein Ad Center überarbeitet. Was sind hier die interessantesten Neuerungen?

Stefan Weitz: Bing bietet ausgefeilte Targeting Möglichkeiten, insbesondere nach Location, Demografie sowie Device Targeting (Desktop and Laptops, Smartphones, Tabletdevices, individuell nach Betriebssystem e.g. Android, Windows, iOS, BlackBerry). Bing/adCenter bietet außerdem ein verbessertes Benutzerinterface, das mit den Marktstandards harmonisiert und es dem Benutzer erlaubt von anderen Marktbegleitern (Google) gewohnte Kampagnenstrukturen und Steuerungsmechanismen zu nutzen.

ECM: Was ist Bings USP? Worin unterscheidet sich das Ad Center von vergleichbaren Tools?

Stefan Weitz: Das Bing/Yahoo Netzwerk bietet zusätzliche Reichweite neben der Google Audience, ca. 1.4 Millionen Nutzer, die nicht Google benutzen. Toolseitige Verbesserungen: Umfangreiche Targetingmöglichkeiten – wie soziodemografisches Targeting, zusätzliche Tools für Werbetreibende wie MAI „Microsoft Advertising Intelligence“ (http://advertising.microsoft.com/small-business/adcenter-downloads/microsoft-advertising-intelligence) – ein Werkzeug (Excel Plugin) ideal zu Suchbegriffsanalyse und Kennzahloptimierung. (erlaubt umfangreiche Reichweiten-, Traffic- und Kostenabschätzungen bzw. Analysen auf Keyword und Verticalebene).

ECM: Nach Aussagen der Bing-Verantwortlichen stehen User, die Bing nutzen, finanziell solider da als die User der Mitbewerber. Das ist natürlich für Unternehmen, die Werbung auf Bing betreiben wollen, eine sehr spannende Information. Wie kommen Sie zu dieser Aussage und wie sind die Unterschiede zu sehen?

Stefan Weitz:  Bezug auf die Studie von Comscore qSearch (custom), Januar 2012. comScore zeigt hier, dass die Kaufkraft der Nutzer von Microsoft und Yahoo-Seiten (Wert 217) deutlich über dem durchschnittlichen Internet-Index (wert 100) liegt und sogar 76% höher ist als bei Google-Nutzern (Wert 124). Diese Zahlen sind global erfasst.

Dieser Beitrag erschien erstmals im e-commerce Magazin 03/2013 als Titelinterview.

  • Stefan Weitz, Senior Director bei Microsoft Bing.
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