Gründerportrait: Facebook für Best Ager

ECM: Seniorbook, Facebook – Sie werden wahrscheinlich öfter gefragt, ob Sie sich hier inspirieren ließen und was Sie unterscheidet? Was sind Ihre Ziele und Zielgruppen? 

Thomas Bily: Inspiriert hat uns die Tatsache, dass die Nutzung von sozialen Netzwerken ab einem Alter von rund 45 Jahren stark unterdurchschnittlich ausfällt. Dahinter stecken zwei Gründe: Erstens das mangelnde Vertrauen in Datenschutz, Sicherheit und Privatsphäre. Zweitens tut sich diese Generation schwer, einen Nutzen in sozialen Netzwerken zu finden. Genau daran haben wir gearbeitet: Seniorbook richtet sich konsequent nach deutschem Datenschutzgesetz und bildet das echte Leben der Menschen ab: mit Themen, Interessen, sozialem Engagement, regionalem Umfeld…

ECM: Wer steckt als Kapitalgeber dahinter?

Thomas Bily: Es ist ein niederbayerischer Bauunternehmer, der spezialisiert ist auf Wohnheime. Die Kundschaft der Firma Erl Bau ist 45+. Alois Erl senior hat fast täglich erlebt, dass die an diesem Geschäft beteiligten Personen – Käufer, Bewohner, Betreiber, Dienstleister, Politik und weitere Infrastruktur – kaum miteinander vernetzt sind. Die vorhandenen Netzwerke hielt er für ungeeignet für diese Klientel. Also beschloss er, ein spezielles Angebot für diese Menschen zu entwickeln. Das war der Startschuss für Seniorbook im Jahr 2010.

ECM: Sie fördern sehr die Kommunikation der so genannten Best Ager. Haben Sie hier auch das Problem von böswilligen Kommentaren wie auf vielen anderen Foren? Wie regeln Sie das Thema Moderation & Netikette?

Thomas Bily: Ziel war von Anfang an: Die Kommunikation darf  auf keinen Fall unterhalb der Gürtellinie stattfinden, wie das bei vielen anderen Netzwerken und Kommentar-Feeds Usus ist. Ein erwachsener, respektvoller Umgangston ist als Kernwert von Seniorbook deutlich formuliert.

Trotzdem geht es auf Seniorbook nicht immer zu wie beim Staatsempfang. Wie im richtigen Leben verliert mal der eine oder die andere die Contenance. In den meisten Fällen regeln das die Nutzer unter sich – wie erwachsene Menschen dies halt auch tun. Nur in Ausnahmefällen müssen unsere Community Manager eingreifen. Oft bleibt es bei einer Ermahnung, nur selten müssen wir Nutzer sperren. Viele merken selber, wenn sie noch nicht reif genug sind für Seniorbook.

ECM: In wieweit kann Seniorbook für werbetreibende Unternehmen interessant sein?

Thomas Bily: Wenn es nach der Nutzerschaft geht, ist Seniorbook selbsterklärend. Es gibt keine besser situierte Generation in Deutschland und viele Unternehmen wissen, dass dies ein wichtiger Absatz- und Wachstumsmarkt für sie ist. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, den Wandel in der Kommunikation zu vollziehen. Wir erleben laufend (nicht nur auf Seniorbook), dass soziale Netzwerke für viele Unternehmen Neuland sind. Aber der Trend in diese Richtung ist nicht aufzuhalten. Zumal soziale Netzwerke nicht nur eine neue Plattform sind, sondern vor allem viele neue Möglichkeiten der Kommunikation bieten.

Ich zitiere eine Gesprächspartnerin von der IHK: „Vor 15 Jahren haben viele Unternehmer gesagt: Eine Webseite braucht doch kein Mensch. Heute wird man schräg angeschaut, wenn man keine hat. Das wird mit den Auftritten in sozialen Netzwerken genauso kommen.“

ECM: Wo stehen Sie heute, wo wollen Sie in fünf Jahren sein?

Unser Unternehmen ist ziemlich genau zwei Jahre alt. Bis dato haben wir den Zeitplan eingehalten. Das Unternehmen funktioniert, wir haben ein – das wird uns von vielen Seiten bestätigt – anständiges Produkt hingestellt und nach zehn Monaten 50.000 registrierte Nutzer und 500.000 Besucher pro Monat erreicht. Wir wollen in fünf Jahren ein etabliertes Unternehmen sein, das Geld verdient. Wieviel? Wer kann das im Internet-Business schon vorhersagen.

Dieser Beitrag erschien ertsmals im e-commerce Magazin 07/2013, Gründerportrait.

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