ICANN - Zahl der nTLD-Bewerber steigt auf 144

Am 12. April 2012 ist Schicht im Schacht: nur wer bis dahin alle Unterlagen bei ICANN abgegeben und sämtliche Gebühren einbezahlt hat, darf sich um seine eigene Domain-Endung bewerben. Genauer gesagt eilt es noch mehr, denn schon am 29. März 2012 schließt das TLD Application System (TAS); wer sich bis dahin nicht akkreditiert hat, kann sich nicht weiter bewerben. Über den bisherigen Stand des Verfahrens verrät ICANN wenig; es ist lediglich gesichert, dass Ende Februar mindestens 144 Organisationen im TAS vermerkt waren, wobei sich jeder von ihnen um bis zu 50 Domain-Endungen bewerben kann. Bestätigt ist weiter, dass allein der australische Registrar Melbourne IT mindestens 120 Bewerbungen plant; bis zum Ende des Bewerbungsfenster sollen es sogar 150 sein. Auch die Top Level Domain Holdings Ltd., Mutterunternehmen von Mind+Machines, spricht von aktuell 40 Bewerbungen, die man einreichen wird. Die Gesamtzahl aller Bewerbungen bleibt aber weiter unklar; Melbourne IT geht unverändert von 1.000 bis 1.500 Domain-Endungen aus. Obwohl die Zeit drängt, scheinen viele Bewerber noch unsicher; so hat etwa der australische Internet Service Provider iiNet öffentlich bestätigt, dass man derzeit noch in der frühen Phase sei, über eine Bewerbung nachzudenken.

Australien dürfte ohnehin vom TLD-Virus infiziert sein: nachdem erst letzte Woche die Australian Football League (AFL) offiziell bestätigt hat, sich um die Top Level Domain .afl beworben zu haben, hat nun ARI Registry Services, vormals bekannt als AusRegistry International, mitgeteilt, dass man sich in der Ausschreibung um den Betrieb der geo-TLDs .melbourne, .sydney und .victoria durchgesetzt hat. Zusammen mit Ernst & Young und Melbourne IT will man ab sofort daran arbeiten, dass die ersten Domains in der ersten Hälfte des Jahres 2013 registriert werden können. Auch die walisische geoTLD feiert ein überraschendes Comeback: zwar hatte sich DotCYM Ltd. aus dem Rennen um den Zuschlag für das Kürzel .cym verabschiedet, dafür kontert die britische Registry Nominet jetzt mit der Mitteilung, dass man den Zuschlag der walisischen Regierung erhalten habe und aktuell im Interesse der walisischen Unternehmer und Verbraucher die Bewerbung sowohl für .cymru als auch .wales vorbereite, wobei die Erlöse den Walisern zufliessen sollen. Mit einer Bewerbung um beide Kürzel will man offenbar das Problem lösen, dass die zunächst bevorzugte Endung .cym gesperrt ist, nachdem sie auf der ISO 3166 Standardliste für Länderkürzel offiziell für die Cayman-Islands reserviert worden war; Cymru bedeutet dabei "Wales" auf walisisch.

Doch nicht überall ist man über die Erweiterung des Namensraumes glücklich. So warnt die European Banking Authority (EBA) ausdrücklich vor der Einführung von Banken-Domains wie .bank oder .fin und fordert ICANN auf, sie zu sperren. So fehle es an einer Verbindung zu und damit einer Aufsicht durch die Finanzbehörden. Zudem beklagt die EBA die Kosten defensiver Domain-Registrierungen und fehlenden Schutz gegen Missbrauch und Phishing, ohne dass man einen Vorteil in solchen neuen Endungen sieht. Ob das allerdings die American Bankers Association auch so sieht, die sich um .bank bewerben will, bleibt abzuwarten; möglicherweise könnte sich dies zum Zankapfel zwischen Europa und den USA entwickeln.

Autoren: Daniel Dingeldey, Rechtsanwalt Berlin; Florian Hitzelberger, Rechtsanwalt Holzkirchen; Florian Huber, Wirtschaftsjurist (Univ. Bayreuth) 

 

 

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