Interview mit Thimm Consulting: „Unter hoher Effizienz eingesetzt“

Verpackungen entwickeln, optimieren, designen im Zeichen von Effizienz und bester Markenpräsentation, das ist das Tagesgeschäft von Thimm Consulting. Das E-Commerce Magazin sprach mit Thimm-Geschäftsführer Michael Bodemer (im Bild) über das weite Feld des optimalen Verpackens.

 


ECM: Thimm Consulting hat kürzlich eine Studie unter dem Titel „Praxistest Versandhandel“ durchgeführt. In einem Teilbereich der Studie haben Sie auch den Nutzungsgrad des Versandvolumens unter die Lupe genommen. Dieser beschreibt die prozentuale Auslastung der Verpackung mit dem eigentlichen Produkt. Durchschnittlich 65 Prozent (in Einzelfällen bis zu 97 Prozent!) Luft in den Verpackungen, bis zu 24 Tage Lieferzeit für Lagerartikel mit Versandkosten von null bis knapp 35 Euro und 438 E-Mails rund um die Auftragsabwicklung sind die markantesten Kennzahlen im Rahmen des Praxistests. Es wird also viel leerer Raum gelagert, versandt und damit auch bezahlt. Warum widmen sich Händler diesem Thema nicht intensiver?

Michael Bodemer: Insgesamt gibt es unterschiedlichste Stellschrauben zur Optimierung. Das Ziel bei der Durchführung unseres Praxistests war, diese Ansatzpunkte im Rahmen einer ganzheitlichen Analyse zur Prozess- und Kostenoptimierung aufzudecken. Der Test hat durchaus gezeigt, dass viele Bereiche noch intensiver behandelt werden sollten.

Im Versandhandel haben wir eine hohe Komplexität, die vor allem dadurch entsteht, dass verschiedenste Produkte je Auftrag konfektioniert werden müssen, denn wie die jeweilige konkrete Kundenbestellung aussehen wird, ist vorab nicht planbar. Häufig liegt ein hoher Standardisierungsgrad der Verpackungen vor. Teilweise wird lediglich eine Kartonagengröße genutzt. Das kann zwar vordergründig die Prozesse vereinfachen. Die Lösung liegt aber vielmehr in abgestimmten Verpackungskonzepten. Es sollten strukturierte Verpackungscluster gebildet werden, in denen optimale Modul- und Sondergrößen entwickelt und kontinuierlich analysiert und weiterentwickelt werden.

Damit lassen sich nicht nur Prozesszeiten, sondern auch Material- und Logistikkosten einsparen. In der Logistik gibt es aber vorwiegend noch Kostenmodelle, bei denen die Anzahl der Packstücke und nicht das Volumen oder Gewicht bezahlt wird. Das heißt zum Beispiel, die Einsparung von Volumen zahlt sich in den Logistikkosten nicht aus. Es ist aber gut vorstellbar, dass sich diese Kostenmodelle künftig ändern werden. Unsere klare Empfehlung lautet daher, sich mit diesem Thema stärker auseinanderzusetzen.
 
ECM: Was sind Ihrer Auffassung nach die wichtigsten verpackungsrelevanten Kosten?

Michael Bodemer: Die Total Cost of Ownership einer Verpackung setzen sich zu je einem Drittel aus den Blöcken Einkauf, Prozess und Logistik zusammen. Oft wird nur an der Preisschraube beim Verpackungslieferanten gedreht. Das hat leider keinen Effekt auf die beiden anderen Kostenblöcke. Die Verpackungen müssen über die komplette Wertschöpfungskette hinweg betrachtet werden. Bei Thimm Consulting setzen wir auf einen ganzheitlichen Ansatz, der interne und externe Bereiche beinhaltet und analysieren Verpackungsmaterialien, Lieferanten und Hersteller.
 
ECM: Wenn Sie die Ergebnisse der Studie betrachten – was raten Sie Händlern? Wo sollten Händler als erstes nachbessern?

Michael Bodemer: Die Lieferkette muss ganzheitlich betrachtet werden, um die richtigen Optimierungspotenziale zu identifizieren. Angefangen bei der Bestellung, müssen Warenwert und Versandkosten stimmen. Verbraucher, die online kaufen, sind meist sehr preisbewusst. Die Lieferzeit der Produkte sollte möglichst kurz, bestenfalls nicht länger als drei Werktage sein. Auf jeden Fall sollte der Liefertermin realistisch angegeben werden oder zumindest eine Information über eine Verspätung erfolgen.  

Darüber hinaus ist die Verpackung an sich maßgeblich: Sie ist nicht nur Informationsträger, sondern auch Markenbotschafter! Ein einheitliches Verpackungsdesign stärkt die positive Wahrnehmung der Marke beim Kunden. Laut unseres Tests nutzen dies mehr als die Hälfte der Online-Shops. Das äußere Erscheinungsbild bei Übergabe an den Kunden ist aber teilweise verbesserungswürdig. Ebenso ist das Öffnen häufig zu schwierig. Und der Blick in die geöffnete Verpackung ist nicht immer ein erfreuliches Erlebnis: Verpackungsgröße und Größe des Produkts müssen stimmig sein; es sollte so wenig Füllmaterial wie nötig eingesetzt werden.

Paketbeilagen können sinnvoll sein, vor allem, wenn sie Mehrwert bieten und in gesunder Relation zum Produkt stehen. Insgesamt gibt es noch viel Potenzial für eine stärkere Markenpräsentation.

Die optimale Ausnutzung von Volumen und der sinnvolle Einsatz von Füllmaterialien sind große Herausforderungen für den Online-Handel. Sinnvolle Verpackungssortimente sparen Material-, Prozess- und Transportkosten. Der Aufbau sinnvoller Standards kann hier zu erheblichen Kapazitätssprüngen und Kosteneinsparungen führen und zudem die Kundenzufriedenheit immens steigern.

Der Einfluss eines guten Retouren-Managements auf die Kundenzufriedenheit sollte ebenfalls nicht unterschätzt werden. Der unproblematische Rückversand unter Nutzung der Originalverpackung sowie kundenfreundliche Prozesse sind hier gefordert.  
 
ECM:  In der Gesellschaft zeigt sich ein stärker werdendes Umweltbewusstsein. Was sollte dies für die Verpackung bedeuten?

Michael Bodemer: Verbraucher legen Wert darauf, dass Produkte unter fairen Bedingungen hergestellt werden, gesundheitlich unbedenklich sind, die Umwelt nicht negativ beeinträchtigen und einen geringen ökologischen Fußabdruck aufweisen. Das alles gilt auch für Verpackungen.
Für den Versandhandel bedeutet das konkret, Packstoffe zu verwenden, die umweltverträglich sind und unter hoher Effizienz eingesetzt werden. Zudem sollten gerade Einwegverpackungen recyclingfähig sein.

Die Größe der Verpackung und des verpackten Produkts müssen zusammenpassen, damit kein Volumen verschwendet wird. Beim Versand sollten Sendungen möglichst gebündelt werden, um zusätzliche Transportwege einzusparen. Generell werden künftig intelligente und innovative Logistikkonzepte vor dem Hintergrund enormer Belastungen durch den Güter- und Individualverkehr gebraucht.

Eine weitere Empfehlung: Füllmaterialien sollten sparsam eingesetzt oder bestenfalls vermieden werden, da sie beim Kunden nicht nur einen höheren Entsorgungsaufwand erzeugen, sondern auch das Gefühl vermitteln, die Umwelt zu belasten. Gleichzeitig muss natürlich der bestmögliche Produktschutz gewährleistet sein.

ECM: Paketbeilagen sind beliebt. In Ihrer Studie fanden Sie allerdings heraus, dass manche Pakete bis zu sechs Beilagen enthielten. Neben dem Liefer- und Retourenschein sowie der Rechnung waren teils Broschüren, Gutscheine, Rabattangebote, Produktproben und Gratisartikel beigefügt. Was ist für Sie die optimale Menge an Paketbeilagen?
 
Michael Bodemer: Bei den analysierten Paketen waren 41 Prozent der Pakete mit ein bis sechs Beilagen ausgestattet. Grundsätzlich ermöglichen Paketzugaben eine gute, zielgruppenorientierte Ansprache und Werbung, wenn sie einen Bezug zur Bestellung oder den Interessen des Kunden darstellen. Der Kunde freut sich auf das Produkt und interessiert sich in dieser positiven Grundstimmung eher für Produktergänzungen oder weiterführenden Themen als bei anderen elektronischen oder postalischen Anschreiben und Newslettern.

Eine pauschale Mengenempfehlung ist schwierig zu treffen, die bessere Empfehlung lautet: Die Menge der Beilagen sollte zum Umfang des gelieferten Produkts passen. In unserem Test konnten wir teilweise vor lauter Beilagen das Produkt nicht identifizieren. Und – wirkungsvoll sind die Paketbeilagen vor allem dann, wenn sie dem Kunden einen Mehrwert bieten.
 
ECM: Sie bieten unter anderem Verpackungsanalysen an. Was können diese leisten, für welche Händler sind sie geeignet und was ist Ihr USP?

 
Michael Bodemer: Mit unserer Verpackungsanalyse identifizieren wir alle ungenutzten Potenziale zur Prozess- und Kostenoptimierung. Um sämtliche Schnittstellen zu erfassen, beurteilen wir alle internen, verpackungsrelevanten Prozesse eines Unternehmens. Die Ist-Situation nehmen wir direkt am Produktionsstandort auf. Ziel ist es, Probleme zu erkennen, Ideen und Ansätze aufzunehmen und die Gegebenheiten mit unseren Erfahrungen und Best-Practice-Lösungen abzugleichen.

Unsere Experten erfassen dazu in der Standortanalyse alle Informationen zu internen Abläufen und dem jeweiligen Verpackungssortiment. Wir sprechen hier von einer sogenannten Voice of the Business (VOB), sprich Tiefeninterviews von unternehmensinternen Kunden. Jeder Unternehmensbereich setzt andere Schwerpunkte auf Verpackungen. Die Prozesse, Prozessdaten und -informationen werden dann in Verbindung mit den Verpackungsstammdaten strukturiert erfasst, analysiert und die   Verpackungskosten und Leistungen entsprechend bewertet.
 
Info Thimm Consulting
Thimm Consulting agiert seit über 20 Jahren als erfolgreiche Verpackungsberatung auf dem Markt. Verpackungen, Produkte und Prozesse stehen immer im Zusammenhang. Nur wenn alle Parameter aufeinander abgestimmt sind, können Verpackungs-, Prozess- und Logistikkosten eingespart werden. Erfahrene Projektteams aus Beratern, Verpackungsingenieuren, Automatisierungs- und Logistikexperten bieten eine ganzheitliche Beratung, die die Verpackungsprozesse und -sortimente optimal weiterentwickelt. Zum Kundenkreis zählen Unternehmen unterschiedlichster Bereiche: von der Konsumgüterbranche, zum Beispiel Lebensmittel, Kosmetik und Körperpflege, über die Industriegütersektoren wie Automobil oder Medizintechnik bis hin zu Logistik und Versandhandel.

(jm)

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