Klarna im Interview: "Zahlungsausfall? Das ist passé!"

ECM:  Seit 2010 ist Klarna auf dem deutschen Markt als Rechnungskaufanbieter tätig. Im Februar 2014 hat Klarna grünes Licht von der schwedischen Finanzaufsichtsbehörde zur Übernahme der SOFORT AG bekommen. Welches Ziel verfolgt Klarna hiermit und welche Rolle spielt dabei der neue Klarna Checkout?

Lena Hackelöer: Wir von Klarna wollen das Einkaufen im Internet vereinfachen. Nicht mehr, aber auch auch nicht weniger. Bisher hieß dies für uns, den Online-Shoppern die Möglichkeit des Rechnungs- und Ratenkauf zu ermöglichen. Damit sind wir in Deutschland erfolgreich und klarer Marktführer.

Unser Anspruch ist jedoch, dem Verbraucher ein bestmögliches Einkaufserlebnis zu bieten ‒ ganz unabhängig davon, für welche Zahlungsart er sich letztlich entscheidet. Genau dies bietet nun unser neuer Service, die Zahlungslösung Klarna Checkout, der die meisten der beliebtesten Zahlungsarten in Deutschland umfasst. Natürlich auch die SOFORT Überweisung. SOFORT bietet das in ihrem Segment beste Produkt an. Folglich halten wir es für äußerst sinnvoll, hier unsere Kräfte zu bündeln und auf bereits vorhandenes Know-how zu setzen anstatt ein eigenes Produkt zu entwickeln.

ECM: Wie läuft es denn mit SOFORT? Sind Sie miteinander warm geworden?

Lena Hackelöer: Ja, es läuft sehr gut. Weil wir uns - gerade in Deutschland - perfekt ergänzen ‒ auch, weil Klarna und SOFORT über eine ähnliche Unternehmenskultur verfügen. Obwohl es sich bei Klarna um ein schwedisches und bei SOFORT um ein deutsches Unternehmen handelt, teilen wir dieselbe Auffassung davon, was wir für unsere Mitarbeiter, unsere Händler und Verbraucher erreichen wollen. Zudem können wir gemeinsam mit SOFORT unser Wachstum beschleunigen. Als zwei zukunftsorientierte Unternehmen möchten wir gemeinsam mit Händlern neue Geschäftsmöglichkeiten entdecken und Verbrauchern sichere und einfache Bezahlmethoden anbieten.

ECM: Den Klarna Checkout bietet Klarna seit April 2014 in Deutschland an. Welche Hoffnungen verbinden Sie mit der Markteinführung in Deutschland?

Lena Hackelöer: Der Klarna Checkout ist bereits in drei europäischen Ländern ‒ Schweden, Norwegen und Finnland ‒ mit großem Erfolg seit über einem Jahr live. Daher verbinden wir mit dem Start in Deutschland natürlich auch sehr große Erwartungen. Gerade auch unter dem Aspekt, dass es beim Thema Checkout-Optimierung im deutschen E-Commerce noch Verbesserungspotenzial gibt. Spannend wird für uns, wie der deutsche Markt auf die doch sehr große Innovation reagieren wird, dass der Klarna Checkout das Kaufen vom Bezahlen so deutlich trennt. Bisher war das Feedback der Händler ausschließlich positiv, und natürlich warten alle mit großer Neugierde auf die Erfahrungen der “First Mover” auf Händlerseite - Hitmeister.de, Apotheke.de und Stylepit.de, um einige davon zu nennen.

ECM: Das Thema Datenschutz und Sicherheit ist in Deutschland ständig präsent. Wie sicher ist der Klarna Checkout für Händler und Verbraucher?

Lena Hackelöer: Sehr sicher. Klarna übernimmt grundsätzlich das Risiko bei jeder getätigten Transaktion ‒ sowohl für die Händler als auch für die Verbraucher. Für Händler bedeutet dies, dass wir eine vollständige Zahlungsgarantie bieten, egal welche Zahlungsart der Kunde wählt. Rückbuchungen bei Lastschrift oder Zahlungsausfälle durch Kreditkartenbetrug sind damit komplett passé. Der Service bietet ein so noch nie da gewesenes Risikomanagement, das sich in den Ländern, in denen der Klarna Checkout bereits etabliert ist, als sehr wirkungsvoll bewiesen hat. Verbraucher müssen zudem nur ein absolutes Minimum an Daten angeben um den Kauf abzuschließen. Das hat nicht zuletzt auch Trusted Shops überzeugt, mit deren Richtlinien Klarna Checkout, gerade auch im Bereich Datenschutz, in jeder Hinsicht konform ist.

ECM: Sie sagten soeben, dass der Klarna Checkout schon in anderen europäischen Ländern erfolgreich ist. Klarna ist ein schwedisches Unternehmen. Wodurch zeichnet sich denn der Erfolg von Klarna Checkout in Schweden aus?

Lena Hackelöer: Klarna Checkout hat den Onlinekauf in Schweden von Grund auf verändert, und mittlerweile werden über zehn Prozent des gesamten schwedischen E-Commerce-Volumens darüber abgewickelt. Beispielsweise arbeitet Adlibris, Schwedens größte Internet-Buchhandlung, seit einem Jahr mit diesem Service und hat seine Konversionsrate im mobilen Checkout um 80 Prozent steigern können. Das beweist, dass Kunden bereit sind, ihren Kauf auf dem Smartphone abzuschließen, solange es einfach zu erledigen ist. Der weit verbreitete Glaube, der Kunde schaue sich auf dem Smartphone das Produkt zwar an, würde dann aber erst zuhause kaufen, gehört damit der Vergangenheit an.

ECM: Und mit Blick auf Deutschland? Welche Erfolgsprognose wagen Sie in Bezug auf die Klarna Checkout-Markteinführung?

Lena Hackelöer: Innerhalb der neu gegründeten Klarna Group (Klarna AB und SOFORT AG) arbeiten wir mit mehr als 45.000 Online-Shops weltweit zusammen. Viele unserer deutschen Händler haben schon jetzt großes Interesse an Klarna Checkout gezeigt. Wir gehen davon aus, dass wir im deutschen Markt noch deutlich schneller wachsen werden als in Schweden, wo nach etwas mehr als einem Jahr nach Launch bereits 40 Prozent aller Klarna Transaktionen über Klarna Checkout laufen.

ECM: Warum ist das Thema Mobile im Bereich Payment überhaupt so relevant?

Lena Hackelöer: Laut einer aktuellen bvh-Studie nutzen heute bereits 40 Prozent aller Smartphone-Besitzer ihr Gerät auch zum Einkaufen. Und dennoch haben wir in unseren Gesprächen mit Händlern in den vergangenen Jahren immer wieder feststellen müssen, dass niemand das Thema des steigenden Mobile Traffic bisher wirklich zufriedenstellend gelöst hat. Das heißt, dass Händler speziell im Mobile Commerce noch viel Potenzial verschenken, wenn sie nicht die Zahlungslösungen anbieten, die sich die Kunden wünschen. So gibt zum Beispiel niemand gern lange Zahlenreihen auf dem Smartphone ein, wenn er mobil einkaufen möchte. Händler sollten daher auf Lösungen setzen, die auch auf mobilen Geräten einen einfachen, sicheren und schnellen Einkauf ermöglichen.

ECM: Welcher Herausforderung muss sich der deutsche Payment-Markt also Ihrer Meinung nach stellen?

Lena Hackelöer: Wenn der deutsche Payment-Markt die besten Ergebnisse für seine Händler erzielen möchte, sollte er auf Lösungen setzen, die unabhängig vom jeweiligen Endgerät die beste Performance liefern, ohne dabei einen großen Aufwand für die Händler zu erzeugen. “Insellösungen” für mobile Endgeräte, die zwar einerseits ein großes Potenzial besitzen, andererseits aber mit erheblichem Mehraufwand bei der Einbindung verbunden sind, können da nicht die richtige Antwort sein. Man muss bedenken, dass es sich beim Thema Payment nach wie vor um ein lokales Thema handelt, das ohnehin von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt werden muss. Wenn man dann noch für unterschiedliche Endgeräte separate Lösungen einbinden muss, ist das für Händler irgendwann kaum noch zu bewältigen.

 ECM: Mal den Blick in die Glaskugel: Was ist denn in nächster Zeit noch alles von Klarna zu erwarten?

Lena Hackelöer: Wir haben in den letzen Jahren - auch aufgrund der sehr großen Anzahl an Transaktionen - sehr viel Erfahrung hinzugewonnen. Als Ergebnis dessen steht nun der Klarna Checkout. Dieser ist aber auch eine Plattform, die wir stets weiterentwickeln, optimieren und erweitern werden. Die Online-Händler, die den Klarna Checkout einbinden, profitieren also stets von einem Checkout, der auf dem neusten Stand in Sachen Usability und Technik ist. Für uns als Unternehmen ebnet der Klarna Checkout auch den Weg in neue Märkte, so dass unser Fokus mittlerweile eindeutig auf der Internationalisierung liegt. Den Klarna Checkout werden wir daher nach und nach in weiteren Ländern anbieten. Unser Ziel: wir wollen die weltweit beliebteste Art zu bezahlen werden.

Der Beitrag erschien erstmals im Sonderheft Payment des e-commerce Magazins 2014

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