Kommentar: Social Media Monitoring und Datenschutz sind kein Widerspruch

Ohne eine fundierte Analyse der eigenen Social-Media-Aktivitäten können Unternehmen ihren Erfolg im Social Business nur erahnen. Eine Optimierung der Social-Strategie gerät zum Trial and Error. Gleichzeitig darf das Social Media Monitoring aber nicht zu weit gehen. Weder Beschäftigte noch Kunden oder Interessenten dürfen einem personalisierten Social Tracking ausgesetzt werden. Gute Tools für Social Media Monitoring bieten bereits im Standard eine Anonymisierung oder Pseudonymisierung der Tracking-Daten. Sie unterstützen ein erfolgreiches Social Business und vermeiden jeden Konflikt mit dem Datenschutz.

Als Anbieter von Social Media Monitoring ist man schnell versucht, Funktionen zu implementieren, die eine immer genauere Analyse der Nutzeraktivitäten in Social Media ermöglichen. Die Nutzer und der aktuelle Kontext der Nutzung werden immer transparenter. Der Datenschutz in Deutschland, ja in der ganzen EU, definiert jedoch klare Grenzen für personenbezogene Analysen. Werden diese Grenzen bereits im Standard der angebotenen Lösung beachtet, ist dies nicht etwa ein Wettbewerbsnachteil, da die Analysen ungenauer würden. Vielmehr ist es ein klarer Vorteil auf dem Markt, die Anwender und damit die eigenen Kunden bei der Umsetzung des Datenschutzes zu unterstützen.

Social Media wie Facebook und Twitter gehört nicht nur zum Alltag der meisten Internetnutzer, sondern auch zu den zentralen Tätigkeitsfeldern vieler Marketing-Abteilungen. Das gilt für die Konsumgüterindustrie ebenso wie für Banken und Versicherungen. Kundenwünsche und Markttrends zeigen sich frühzeitig in den sozialen Medien, denn dort tauschen sich die potenziellen Kunden ganz offen über ihre Vorlieben und Pläne aus. Ein reines Beobachten der Social-Media-Aktivitäten reicht nicht, hier sind leistungsstarke Analyse-Tools gefragt, um die Trends frühzeitig und korrekt zu erkennen.

Social-Media-Analysen und Social-Media-Monitoring sind wichtige Instrumente in den Händen der Marketing-Abteilungen, aber nicht nur dort. Auch Nachrichtendienste haben den Wert von Social Media als schier unerschöpfliche Informationsquelle längst erkannt. Das hat bereits mehrfach die Datenschützer auf den Plan gerufen. So haben sie unter anderem deutlich gemacht, dass das Telemediengesetz (TMG) im Hinblick auf Nutzungsdaten - soweit keine Einwilligung oder rechtliche Grundlage vorliegt - ein Verbot der personenbeziehbaren Profilbildung enthält. Die weitreichenden, nachrichtendienstlichen Analysen in sozialen Netzwerken entbehren nach Meinung vieler Rechtsexperten einer rechtlichen Legitimation. Entsprechend groß ist die Entrüstung auf Seiten des Datenschutzes und der Juristen.

Es steht außer Zweifel, dass die allermeisten Unternehmen kaum ein Social-Media-Monitoring durchführen wollen, das auch nur annährend den Aktivitäten eines Nachrichtendienstes gleichkommt. Die öffentlichen Reaktionen auf die Überwachungsaktivitäten von Geheimdiensten in sozialen Netzwerken zeigen, dass hier sensible Bereiche berührt und Grenzen deutlich überschritten werden.

Kein Unternehmen sollte es riskieren, mit Geheimdienst-Methoden verglichen zu werden, insbesondere nicht auf dem deutschen Markt. Es ist also im Interesse einer jeden Unternehmenskommunikation, das eigene Social-Media-Monitoring nur innerhalb der Vorgaben des  Datenschutzes stattfinden zu lassen, also die Monitoring-Daten aus sozialen Netzwerken zu anonymisieren oder zu pseudonymisieren. Hierzu bieten Monitoring-Tools, die den Datenschutz bereits im Standard berücksichtigen, die ideale Unterstützung. „Anwenderunternehmen sollten bei der Suche nach geeigneten Tools für ein Social-Media-Monitoring auf Anonymisierungs- und oder Pseudonymisierungsfunktionen achten. Dabei brauchen sie nicht zu fürchten, ungenaue oder gar unbrauchbare Werkzeuge zu bekommen. Social-Media-Trends werden nicht an einzelnen Personen, sondern an ganzen Zielgruppen festgemacht, ein direkter Personenbezug ist nicht erforderlich.“, sagt Oliver Schonschek, Research Fellow und Security Lead bei der Experton Group.

Anbieter von Social-Media-Monitoring sollten ihre Lösungen unbedingt mit entsprechenden Anonymisierungs- und oder Pseudonymisierungsfunktionen ausstatten. Damit unterstützen sie ihre Kunden im Datenschutz und kommen den Forderungen der nahenden EU-Datenschutz-Grundverordnung nach, bei der Privacy by Default und Privacy by Design eine zentrale Rolle spielt. Datenschutz als Standard ist also nicht nur eine Forderung vieler Kunden, sondern bald eine rechtliche Pflicht für den Anbieter. Die Experton Group unterstützt gerne bei der Untersuchung von IT-Lösungen, ob diese dem Datenschutz umfassend entsprechen, und führt derartige Datenschutzanalysen regelmäßig in ihren Benchmarks und Studien durch.

Autor (im Bild): Oliver Schonschek ist als Research Fellow bei Experton Group tätig. Parallel zu seiner Advisor-Tätigkeit arbeitet er als Herausgeber, Fachautor und Fachjournalist für verschiedene Fachverlage und Redaktionen. Die Schwerpunkte seiner Analysen und Publikationen liegen bei der Informationssicherheit und dem Datenschutz. Dabei behandelt er insbesondere die Schnittstellen zwischen IT, Business, Recht, Compliance, Datenschutz und Datensicherheit. So interessieren ihn Themen wie zum Beispiel sich Daten geschäftlich nutzen lassen, ohne den Datenschutz zu verletzen, und wie sich beispielweise IT-Infrastrukturen schützen lassen, ohne die Privatsphäre der Nutzer zu gefährden. Nach seinem Studium an der Universität Bonn mit dem Abschluss Diplom-Physiker begann Herr Schonschek 1997 seine Tätigkeit bei einem mittelständischen Softwareunternehmen, das zum Beispiel im Auftrag von Handelsunternehmen vertrauliche Daten verarbeitete. Bei den Kundenprojekten standen häufig Fragen zur Sicherheit und zum Schutz der Daten im Raum, so dass sich Herr Schonschek zunehmend auf diesen Bereich spezialisierte. Seit 2006 veröffentlicht Herr Schonschek Fachbücher, Fachartikel und Analysen zu Datenschutz und IT-Sicherheit in namhaften Publikationen und Verlagen. Bei der Experton Group ist er insbesondere an Analysen und Studien zu IT-Sicherheit und sicherheits- sowie datenschutzrelevanten Aspekten in anderen IT-Bereichen beteiligt.

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