Kommentar zu Zustellungsoptionen

Die Zusammenführung von Online-Verkaufsprozessen mit Filialsystemen eröffnet Händlern neue Möglichkeiten der Verkaufslogistik, von Click&Collect bis Same-Day-Delivery. So können die Investitionen in Verkaufsfläche in Kombination mit intelligenten Lieferdiensten zu einem neuen Kundenerlebnis führen.

Die Zustelloptionen von heute basieren häufig immer noch auf den Modellen, die in der Vor-Internet-Ära durch den klassischen Katalogversandhandel aufgebaut worden sind. Der Kunde bestellt, geliefert wird aus zentralen Lägern mit DHL, Hermes & Co. Auch die Click&Collect-Modelle sind nichts anderes als die Fortführung der Otto- oder Quelleläden, die früher in jedem Dorf zu finden waren. Mit dem Unterschied, dass es diese Läden dort nicht mehr gibt, sondern man nun ins nächste, 20 Kilometer entfernte Einkaufszentrum fahren muss. Der Kundenservice ist also in diesem Fall sogar eher schlechter geworden.

 

(Bildquelle: Parcellab)

 

Neue Lieferkonzepte müssen genau das ändern: Nicht der Kunde muss zum gewünschten Produkt fahren, sondern der Anbieter kommt mit dem Produkt zum Kunden. Heute ist es technisch möglich, Lieferketten transparent zusammenzuschalten und die jeweils schnellste Lieferoption für den Kunden automatisch auszuwählen. Dabei wird jeder Beteiligte in Real-Time darüber informiert, was im Zuge des Prozesses von ihm erwartet wird. Und hier kommt der Händler ins Spiel: Denn was liegt näher, als die Warenbestände der lokalen Händler in die Lieferkette mit einzubeziehen und so wesentlich schneller – und mit hohem Kundenservice – zu liefern. Es kommt also nicht mehr der anonyme Hermes Fahrer, sondern der lokal ansässige Händler mit umfangreichen Services, Marktkenntnis und persönlichen Ansprechpartnern.

So lässt sich nicht nur Same-Day-Delivery sehr kostengünstig umsetzen. Händler haben vielmehr die Möglichkeit, einen enormen zusätzlichen ROI aus dem vorhandenen Filialsystem zu ziehen. Jede Händlermarke kann und muss sich daher überlegen, welche Transportart am besten zur eigenen Service- und Markenphilosophie passt: der Fahrradkurier, der Pizza-Bote, das eigene Lieferfahrzeug oder ein Taxiunternehmen. Darüber hinaus kann so auch die Rückwärtslogisitk, also Retouren oder Garantiefälle, wesentlich kundenfreundlicher gestaltet werden. Hier haben Händlernetze die Chance, ihre Vorteile gegenüber Amazon und Co. wirkungsvoll auszuspielen. Damit ist eben nicht Click&Collect gemeint, sondern die Abholung einer Retoure an jedem möglichen Ort, zu jeder möglichen Zeit, mit oder ohne Umtausch und Service.

Wenn wir über Logistik sprechen, gehört dazu jedoch nicht nur die Endkundenlogistik, sondern auch der Wareneingang. Hier muss jeder Händler verstehen, dass sein Warenregal nicht an der Ladentüre aufhört, sondern sich bestenfalls virtuell bis ins Wohnzimmer des Kunden verlängert. Das heißt, als Händler ist man nicht darauf angewiesen, jeden Artikel, den man verkaufen möchte, auch physisch vor Ort zu haben. Cleverer ist hier eine lokalisierte Anzeige des virtuellen Warenbestands.

Dieser Warenbestand setzt sich aus den verschiedenen Zentrallägern, dem Warenbestand in der Lieferkette, aber auch aus den Bevorratungen der Händler zusammen. Dazu muss die technische Infrastruktur angepasst werden, sodass Bestandsveränderungen und Bestandsstatus nahezu in Echtzeit kommuniziert werden können. Eine Standardlösung gibt es hier nicht, vielmehr muss – je nach vorhandenem Stand der Technik und der Lieferphilosphie – die richtige Strategie gewählt werden. Denn mit der richtigen Strategie lassen sich zusätzliche Kosten aus der oben genannten Same-Day-Delivery-Logistik durch Einsparungen beim Warenvorrat ausgleichen und der gesamte Warenprozess kann den neuen dezentralen Möglichkeiten kosteneffizient angepasst werden.

Autor: Sirko Schneppe (im Bild) ist Mitgründer und Geschäftsführer bei diva-e Digital Value Enterprise.

(jm)

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