Mehr Senioren als Kinder: Lebensmittel-Konsumenten der Zukunft

Der demographische Wandel in Deutschland zieht unweigerlich Veränderungen des Konsum- und Ernährungsverhaltens nach sich. Darauf muss sich der Lebensmittelhandel einstellen, wenn es um Handelskonzepte, Sortimentszusammenstellung, werbliche Ansprache oder auch Personalpolitik geht. Verlässliche Kennzahlen, Analysen und Trendprognosen für erfolgreiche Unternehmensentscheidungen liefert das „Factbook Lebensmitteleinzelhandel 2016“, das LPV-Media nun in Zusammenarbeit mit dem EHI, der Anuga und dem BVL veröffentlicht.

Mehr Senioren als Kinder

Lebensmittelhandel und -industrie sind noch nicht genügend auf ältere Kunden eingestellt. Lag der Anteil der Senioren an der deutschen Gesamtbevölkerung im Jahr 2000 noch unter 25 Prozent, wird dieser bis 2020 auf fast ein Drittel, langfristig sogar auf 40 Prozent ansteigen. Händler und Hersteller sollten bedenken, dass sich die ältere Generation in ihrem Kaufverhalten deutlich von den Jüngeren und Middle Agern unterscheidet und damit andere Erwartungen an Sortimente, Ladengestaltung und Service im Lebensmittelhandel stellt. So wünschen sich ältere Konsumenten laut Nielsen Global Aging Report u.a. besser lesbare Produktbeschreibungen, kleinere Portionen, Hilfe beim Einpacken der Lebensmittel und barrierefreie Kassen. Zu diesen Wünschen sagt zurzeit fast die Hälfte der Verbraucher, dass deren Umsetzung im Handel „schwierig zu finden“ ist.

Mit dem Älterwerden der deutschen Bevölkerung sind zudem deutliche Veränderungen hinsichtlich der Haushaltsstrukturen zu beobachten. Alleine in den vergangenen zehn Jahren hat sich der Anteil der Einpersonenhaushalte an allen Haushalten von 15,6 auf 19,6 Prozent erhöht. Industrie und Handel sind somit gefordert, immer individuellere Ansprüche ihrer Kunden zu erfüllen und die Konzepte u.a. hinsichtlich Verpackungsgrößen, Convenience-Produkten, Standortwahl und Einkaufszeiten zu überdenken.

Trendthemen: Bio, vegetarisch und vegan

Dank hohem Beschäftigungsniveau, niedrigen Zinsen geringer Inflationsrate und steigendem Realeinkommen ist die Kauflaune unter den deutschen Verbrauchern sehr gut. Für das Jahr 2015 erwartet das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) ein Wachstum von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, 2016 sollen es 1,2 Prozent sein. Folge ist, dass die Relevanz günstiger Preise sinkt, während die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Lebensmitteln steigt. Der Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel an Bio-Lebensmitteln stieg damit zwischen 2013 und 2014 um 3,6 Prozent auf 4,21 Mrd. Euro.

Die Nachfrage nach vegetarischen und veganen Lebensmitteln steigt ebenfalls von Jahr zu Jahr. Im Zeitraum zwischen 2010 bis 2014 stieg laut GfK der Umsatz um 73 Prozent von 123 Mio. Euro auf 213 Mio. Euro. Und auch hier darf es ruhig ein wenig teurer sein – bei einer Befragung der Fachzeitschrift Lebensmittel Praxis antworteten knapp 60 Prozent der Lebensmittelhändler, dass die Kunden Preisaufschläge von bis zu 10 Prozent akzeptieren.

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