"Mobile hat das Risikomanagement verändert"

ECM:GFKL kennt man vor allem bei den Themen Forderungsmanagement & Inkasso. Aber Sie bieten auch E-Commerce-Dienstleistungen an. Was können Kunden hier erwarten?

Jörg Abrolat: Die GFKL – mit mehr als 50 Jahren Branchenerfahrung – hat das Leistungsangebot aus dem Kerngeschäft Forderungsmanagement an die modernen Geschäftsprozesse im Internet angepasst. So sprechen wir für Unternehmen, die ihre Geschäfte online via Handy oder im Internet durchführen, Zahlungsgarantien für ihre Rechnungen und Lastschriften aus. Außerdem führen wir für unsere Kunden während eines Online-Geschäftsprozesses (zum Beispiel einer Online-Registrierung oder Bestellung) umfangreiche Risikoprüfungen durch, die beispielsweise innerhalb von zwei bis drei Sekunden eine Entscheidung über die zulässigen Zahlungsarten ermöglichen. Die Produkte, die diese Services abdecken, heißen OrderCheck und PayProtect.

ECM: Sie bieten im Bereich E-Commerce auch ein umfassendes Risikomanagement an, etwa Adressverifizierung, Bonitätsprüfung usw. Was unterscheidet Ihre Lösung von der Konkurrenz?

Jörg Abrolat: Die GFKL lässt auch in ihre E-Commerce-Produkte OrderCheck und PayProtect sämtliche Erfahrungen und Mehrwerte des Gesamtgeschäftsvolumens der GFKL-Gruppe einfließen. Über 26.000 Kunden, weit über 5,2 Millionen Einzelforderungen, über 9 Millionen versendete Briefe und ein Forderungsvolumen von über 21 Milliarden Euro sind Kennzahlen, die ihresgleichen in Deutschland suchen. Darüber hinaus arbeiten wir für unsere Kunden im Hintergrund: OrderCheck und PayProtect sind ausschließlich White-Label-Produkte, das heißt, unsere Mandanten stehen immer im direkten Kontakt zu ihren Kunden – von der Bestellung über die Rechnung bis zur Übernahme einer offenen Forderung.

ECM: Was sind aktuell die größten Fragestellungen und Problembereiche im Risikomanagement?

Jörg Abrolat: Aus unserer Sicht sind regulatorische Anforderungen, Sicherheit und Datenschutz sowohl Selbstverständnis als auch Anforderungen, die ständig neu geprüft und erweitert werden müssen. Dafür folgen wir gesetzlichen und erweiterten internen Standards für IT-Landschaften und Sicherheitstechnologien und pflegen den Datenschutz durch eigene Datenschutzbeauftragte sowie externe Zertifizierungen in der Business Unit E-Commerce.

ECM: Haben sich die Anforderungen an ein Risikomanagement in den letzten Jahren gewandelt? Hat sich das Konsumentenprofil geändert?

Jörg Abrolat: Das Endkundenverhalten der Konsumenten weltweit hat sich in den letzten Jahren geändert. Mittlerweile werden mehr Tablets als Laptops verkauft, nahezu jedes neue Handy ist ein Smartphone und wir alle sind ständig und überall online. Das führt dazu, dass 80 Prozent des Versandhandels mittlerweile online abgewickelt wird, was das Risikomanagement maßgeblich verändert hat. Fraud-Prevention, Zahlartensteuerung und Haftungsübernahmen haben durch den wachsenden Online-Anteil erheblich an Bedeutung gewonnen.

ECM: Nach einer sorgfältigen Datenprüfung inklusive Adresschecks und Bonitätsprüfungen sprechen Sie  mittels eines so genannten OrderCheck konkrete Empfehlungen zu Zahlarten aus. Lassen sich bestimmte Bezahloptionen bestimmten Produktgruppen besonders zuordnen?

Jörg Abrolat: Selbstverständlich gibt es Produktgruppen beziehungsweise Branchen, in denen der Handel mit hohen Risiken verbunden ist, während andere mit geringeren Zahlungsausfallrisiken oder Missbrauchspotenzialen arbeiten können. Ein Schmuck- oder Elektrohändler sieht sich zum Beispiel anderen Herausforderungen gegenübergestellt als Anbieter von personalisierten Geschenkartikeln oder Kleinbetragsartikeln. Mit den Risiken stellt sich für die Händler aber auch immer die Frage der Haftung bei Zahlungsausfall oder Missbrauch. Ein Zahlungsmittel muss also nicht nur bequem für den Endkunden sein, sondern auch den Händler vor Verlust schützen. Insofern bestimmt die Qualität der Leistung eines Zahlungsanbieters auch die Bezahloptionen und den wirtschaftlichen Erfolg eines Händlers.

ECM: Außerdem bestehen bei Ihnen Schnittstellen zu allen namhaften Online-Shop-Systemen und eine eigene Online-Plattform, um alle erfolgten Prüfvorgänge transparent nachvollziehen zu können. Welches Online-Shop-System nutzen die meisten Ihrer Kunden und auf was ist bei einer solchen Anbindung besonders zu achten?

Jörg Abrolat: Da wir viele Shop-Systeme per Modul angebunden haben und eigene Programmierschnittstellen (API) für individuelle beziehungsweise proprietäre Shop- und Warenwirtschaftssysteme anbieten, sind die E-Commerce-Produkte OrderCheck und PayProtect systemunabhängig und flexibel aufgestellt. Eine präferierte Schnittstelle gibt es nicht und wir sind in der Lage, alle Systeme mit OrderCheck oder PayProtect zu verbinden. Jeder Kunde wird mit der gleichen Sorgfalt angeschlossen und ausgiebig getestet, deshalb spielt die Anzahl der Kunden mit dem einen oder anderen Shopsystem für die GFKL keine Rolle. Eindeutige Schnittstellenbeschreibungen, versionsunabhängige Anbindung und abgesicherte End-to-End-Tests sind dabei wichtig.

ECM: Wie kommunizieren Sie den Umfang und die Leistungen Ihrer Produkte sowie die Anzahl der Schnittstellen?

Jörg Abrolat: Wir nehmen als Aussteller an verschiedenen Messen teil (zum Beispiel an der Internet World in München oder der etailment Messe in Berlin) und sind Mitglied in den maßgeblichen Verbänden. Darüber hinaus pflegen wir eine sehr ausführliche Website (www.payprotect.de) und haben hervorragend ausgebildete und geschulte Mitarbeiter, die in persönlichen Gesprächen, aber auch in Vorträgen und Präsentationen ihr Wissen gern weitergeben.

Zum Interviewpartner: Jörg Abrolat, Head of E-Commerce der GFKL-Gruppe. Schon in den Jahren 1999 und 2000 entwickelte Jörg Abrolat als Geschäftsführer der COM.BOX in Berlin gemeinsam mit Banken B2B- und B2C-Produkte für den Onlinezahlungsverkehr im Internet. Anschließend arbeitete er über zehn Jahre in den Bereichen Business Development, Produktentwicklung und Standortentwicklung in verschiedenen Managementfunktionen. Schließlich war er im Bereich New Business Development von MasterCard Worldwide in Deutschland tätig und fokussierte sich in den vergangenen Jahren weiter auf den E-Commerce sowie das Mobile Payment. Er implementierte und entwickelte zudem E- und M-Payment-Strategien vornehmlich für Banken und Airlines.

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