Mobile Payment: Prüfen Sie, wie viel wirklich per mobile Devices gekauft werden wird“

„Verbraucher werden ihr Einkaufs- und Zahlungsverhalten noch stärker ändern“

Der gesamte Handel ist aktuell im Umbruch: So prognostiziert der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche Bitkom, dass noch in diesem Jahr mit 55 Prozent der Anteil an verkauften Smartphones erstmals größer sein wird als bei sonstigen Handys. Dem Branchenverband zufolge besitzt bereits heute jeder dritte Deutsche ein Smartphone. In der Gruppe der unter 30-Jährigen ist es sogar jeder zweite. Damit wird das mobile Internet zu DEM Treiber der revolutionären Wende. Aber auch stationäre Händler könnten dabei wieder in den Fokus der Konsumenten rücken, beispielsweise, wenn sie ihre Schaufenster mit entsprechenden QR-Codes ausstatten. So hätten die Kunden auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten die Möglichkeit, ihren Wunschartikel zu begutachten und bequem per Smartphone zu bezahlen. Und das ganz ohne Warteschlangen. (Dr. Alexander Ey, Geschäftsführer Billsafe)

„Bei M-Payment gibt es derzeit noch zu viele verschiedene Anbieter und Anbietergruppen“

In unseren Augen wird Onlinehändlern die Entscheidung für passende Payment-Methoden derzeit erschwert, da es noch zu viele unterschiedliche Initiativen von zu vielen verschiedenen Anbietern und Anbietergruppen gibt, die sich dringend auf gemeinsame Standards einigen müssen. Die einen Lösungen sind technisch getrieben, die anderen haben einen kreativen Ansatz, wieder andere fokussieren in der Produktentwicklung nur ganz spezifische Nutzergruppen oder Einsatzmöglichkeiten. Der Durchbruch, also die Massennutzung, kann nur dann erfolgen, wenn zum Beispiel ein gemeinsames Distributionsverständnis entsteht. Als Analogie sei hier das Girokonto mit der Girocard genannt: Diese Lösung ist flächendeckend verbreitet, obwohl verschiedene Player beteiligt sind.

Stichwort Massendistribution: Sie kann meiner Meinung nach nur von drei Dienstleistergruppen gewährleistet werden. Das sind zum einen die Banken, dann die Telekommunikationsanbieter, und zum dritten die global agierenden Internetriesen Google, Amazon oder Facebook. Neben den großen internationalen Softwarekonzernen könnten auch Kreditkartenorganisationen wie MasterCard oder Visa einen Rahmen für markttaugliche Lösungen schaffen, als Beispiel seien hier die neuen Walletservices dieser Anbieter, PayPass und V.me, genannt. Um mobiles Bezahlen zum Durchbruch zu führen, muss meiner Meinung nach ein global agierendes Unternehmen ein webbasiertes Geschäftsmodell entwickeln, am besten ein sehr leicht zu bedienendes und userfreundliches Wallet. Der Rollout wird weniger über die Hardware als über bestehende Zugänge zu großen Anbietern und Händlern gelingen, hier seien Lösungen wie etwa Amazon Payment genannt. Wenn ein ordentliches Wallet am Markt ist, das weltweit online und am POS funktioniert und dann auch noch richtig vermarktet wird, sind wir einen großen Schritt weiter. (Marcus W. Mosen, Chief Commercial Officer Ogone)

„Mobile Payment ist meist ‚nur’ NFC-basiertes kontaktloses Zahlverfahren“

Bei Verfahren, die momentan häufig als Mobile Payment bezeichnet werden, handelt es sich zumeist um NFC-basierte kontaktlose Zahlverfahren. Für die Funktionalität ist es unerheblich, ob der Funkchip in einer Zahlkarte integriert ist, auf dem Mobiltelefon klebt oder vom Hersteller bereits darin eingebaut wurde. Besonders schnell, einfach und komfortabel sind kontaktlose Zahlungen in jeder Variante – das überzeugt Käufer und Händler gleichermaßen. Hinzu kommt: Die Kreditkartenunternehmen gehen strategische Kooperationen mit Telekommunikationsfirmen ein, Banken geben vermehrt Karten mit Kontaktlos-Funktion aus und die Terminalhersteller statten alle neuen Geräte mit den entsprechenden Lesegeräten aus – all das trägt zum Ausbau einer flächendeckenden Infrastruktur bei. Aus unserer Sicht wird sich das kontaktlose Bezahlen in den nächsten drei Jahren etablieren und das Smartphone als ständiger Begleiter kann auch vermehrt für mobile Zahlungen genutzt werden. Bis das für die meisten Handynutzer selbstverständlich sein wird, vergehen aber sicherlich noch einige Jahre. (Manfred Krüger, Vorsitzender der Geschäftsführung ConCardis) 

„Sicherheit ist derzeit noch ein großes Thema beim M-Payment“

Im Vergleich zu klassischen, etablierten Bezahlmethoden im E-Commerce, zum Beispiel dem Rechnungskauf, steht M-Payment noch am Anfang der Entwicklung. Online-Händler müssen zunächst festlegen, ob eine App gebaut oder die mobile Website optimiert werden soll. Beides hat Vor- und Nachteile: eine App ist für den Nutzer einfach und bequem, muss jedoch für jedes Endgerät aufwendig programmiert werden. Laut der aktuellen ECC-Studie über M-Commerce in Deutschland bevorzugen 41 Prozent der Internetkäufer die optimierte Browser-Seite, da sie sich dort beim Bezahlen sicherer fühlen – 84,4 Prozent geben die sichere Verschlüsselung der Daten als Begründung an. „Online-Shopper genießen die Freiheit, alles von unterwegs aus erledigen zu können, sind beim Bezahlen aber skeptisch und auf Sicherheit bedacht. Daher bevorzugen sie nach wie vor die ihnen bekannten, abgesicherten Bezahlmethoden wie den Rechnungskauf. Obwohl die Nutzung von mobilen Geräten dynamisch zunimmt, stehen Entwickler und Händler vor der großen Herausforderung, M-Payment-Lösungen genauso sicher zu gestalten wie die klassischen Zahlarten. (Dr. Nelson Holzner, Geschäftsführer und Gründer von Billpay)

„Vermeintliche bahnbrechende Entwicklungen sind oftmals nur eine Nischenlösung“

Zunächst sollte geklärt werden, was man überhaupt unter mobiler Bezahlung versteht. Ist eine kontaktlose Zahlung, bei der keine Daten abgetippt werden müssen, auch gleichzeitig eine mobile Zahlung, etwa eine NFC-Kartenzahlung am POS? Sind andere herkömmliche Zahlungsarten oder Wallets, die per Browser oder App auf einem mobilen Endgerät genutzt werden, mobile Zahlungen oder sind eigenständige Zahlungsarten erforderlich, die gegebenenfalls von Dritten wie den Mobilfunkunternehmen angeboten werden? Oder macht allein die generelle Nutzung eines mobilen Endgeräts, um Zahlungen zu veranlassen, schone eine mobile Zahlung aus? Je nachdem, wie man mobile Zahlungen definiert, sind diese also entweder schon weit gedrungen oder stecken noch in den Kinderschuhen. Nach der letzten Definition wären mobile Zahlungen heute schon weit vorangekommen, etwa über Checkout-Seiten im Online-Shop und Zahlseiten wie bei unserer Schnittstelle „Smart Pay GUI“, die für mobile Endgeräte optimiert sind. Mobile Zahlungen sind ein spannendes Feld, aber auch ein Hype – zumindest in Europa. Der heterogene Markt mit etablierten Infrastrukturen, der regulatorische Rahmen und die Sicherheitsanforderungen sind nicht mit den USA zu vergleichen und lassen nicht davon auszugehen, dass wir in Europa kurzfristig einen massiven Umschwung zu erwarten hätten. Kontaktloses Bezahlen am POS ist grundsätzlich schon heute möglich und sofern ein Händler über die notwendige Terminaltechnik verfügt, ist es nahezu egal, was für ein NFC-Gegenstück der Endkunde nutzt. Der Vorteil eines NFC-Stickers oder eines NFC-fähigen Mobiltelefons ist rein auf der Kundenseite zu suchen, da er es gegebenenfalls begrüßt, nicht zusätzlich noch eine NFC-fähige Karte mit sich führen zu müssen. Im mobilen E-Commerce gibt es eine Vielzahl an vermeintlich bahnbrechenden neuen Möglichkeiten. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass es sich um Nischenlösungen handelt, die auf einzelne Geräte, Anbieter, Regionen oder Verwendungszwecke beschränkt sind. Wirklich neue Lösungen oder gar neue Zahlverfahren gibt es bis dato nicht. Die bisherigen Angebote basieren alle auf herkömmlichen Zahlarten, in der Regel nach dem aus dem klassischen E-Commerce bekannten Wallet-Prinzip. Der Rat für den Online-Händler wäre somit: abwarten und sich nicht verrückt machen lassen. Die allgemeine Benutzerführung zu verbessern und auf mobile Endgeräte hin abzustimmen, dürfte in den kommenden zwölf Monaten sinnvoller sein als mit Nischenlösungen zu experimentieren. (Dr. John J. Delaney, Head of Market Management Deutsche Card Services)

„Mobile Devices werden das mobile Kaufverhalten entscheidend mitprägen“

M-Payment gewinnt immer mehr an Bedeutung. Mit der massenhaften Verbreitung von mobilen internetfähigen Endgeräten wie Tablet-PCs und Smartphones wird das Kaufverhalten der Konsumenten über das Internet in Richtung M-Commerce und somit auch M-Payment entscheidend mitgeprägt. Diese Entwicklung im mobilen Bereich, die mittelfristig durch Technologien wie Near Field Communication (NFC), einem kontaktlosen Datenaustausch über kurze Strecken, erheblich unterstützt wird, wird zu einer steigenden Nachfrage des Marktes nach M-Payment-Lösungen führen. Neben den im europäischen Markt etablierten Zahlverfahren von Visa und MasterCard, die bereits für die kontaktlose Zahlungsabwicklung mit Visa payWave und MasterCard PayPass bereitstehen, werden aber auch Verfahren wie girogo, die neue kontaktlose Bezahlfunktion der Deutschen Kreditwirtschaft, im M-Payment ihren Platz einnehmen. (Alexander Brunn, Produktmanagement, B+S Card Service)

„M-Commerce ist eine Chance für E-Commerce-Händler“

Die positive Entwicklung im Bereich Mobile Payment bietet hervorragende Chancen, den E-Commerce weiter auszubauen und es Verbrauchern zu ermöglichen, jederzeit und an jedem Ort online einzukaufen. Diese Möglichkeiten sollten von den Händlern und Zahlungsverkehrsdienstleistern aufgegriffen werden. So fordern Gesetzgeber und Regulierungsbehörden bereits sichere paneuropäische Mobile-Payment-Lösungen, die optimalerweise auch miteinander kompatibel sein sollten. Die Nachfrage nach einem sicheren Autorisierungsprozess in Echtzeit nimmt im schnellwachsenden Mobile-Payment-Markt ebenfalls zu. (John Broxis, Director, STEP2 Services bei EBA Clearing)

„Das Handy wird die Geldbörse ersetzen“

Wir rechnen in Deutschland ab der Jahreswende mit einer steigenden Durchdringung des kommerziellen Mobile-Payment-Marktes. Aus meiner Sicht werden sich dabei maßgeblich zwei Trends entwickeln: Zum einen gehen wir von einem deutlichen Umsatzanstieg im Mobile Commerce aus. Das bedeutet, die User werden – dank steigender Nutzerzahlen von internetfähigen Handys, größeren Touchscreens und optimierten Bezahlseiten – immer häufiger mobil per Smartphone oder Tablet-PC einkaufen. Aber auch die mobilen Bezahldienste werden aufholen: Erste NFC-fähige Handys, die Kreditkarten über die SIM-Card integriert haben, werden auf den Markt kommen und somit kontaktloses Bezahlen am Point of Sale ermöglichen. Das Handy wird die Geldbörse ersetzen. Für beide Ansätze gilt: Es findet keine Revolution des Marktes statt, Mobile Payment ist eine Evolution. (Christian von Hammel-Bonten, EVP Telecommunications Wirecard)

„In den kommenden zwölf Monaten werden die Global Player vor allem Erfahrungen sammeln“

NFC-Chips zum Aufkleben aufs Handy, Kooperationen von Kreditkartenorganisationen mit Telekommunikationsunternehmen, Google-Wallet, Mobile Payment Apps von Starbucks oder PayPal usw. Kaum eine Branche, kaum ein Global Player, die oder der nicht ins Mobile Payment einsteigt. So unterschiedlich wie die Player sind die Technologien, die hinter den einzelnen Lösungen stecken. Keine, die sich nicht noch permanent weiterentwickelt, keine so sicher, dass das Gros der Verbraucher sich ihr vorbehaltlos anvertraut. Oftmals nichts anderes als ein mobiler Zugriff auf eine andere Zahlungsart wie beispielsweise Kreditkarte oder PayPal-Konto. In den nächsten zwölf Monaten wird sich viel tun: Die Player werden Erfahrungen sammeln und genau beobachten, wie der Konsument auf die verschiedenen Angebote reagiert. Die Technik wird ausgereifter und die ersten wirklich Mobile-Payment-fähigen Smartphones werden auf den Markt kommen. Beim Mobile Payment werden die gleichen Anforderungen gelten wie beim Bezahlen im Internet: Der Käufer wünscht sich Sicherheit und Komfort, der Händler Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz. Es gibt noch viele offene Fragen: Wie werden die Sicherheitsprobleme gelöst? Welche Technologie wird sich durchsetzen? Welche Zahlart werden die Käufer bevorzugen? Welches Mobile-Payment-Verfahren für welchen Händler die Anforderungen seines Shops erfüllt, ist derzeit noch nicht absehbar. Daher raten wir unseren Kunden: Den Markt genau beobachten und nicht zu früh investieren. (Markus Solmsdorff, Geschäftsführer Expercash)

„Prüfen Sie, wie viel bei Ihnen tatsächlich über mobile Geräte eingekauft wird“

Ich wage, die These aufzustellen: Es gibt kein „Mobile Payment“. Schon der Begriff des „Mobile Commerce“ ist irreführend, da hiermit meist Geräte und keine Prozesse gemeint sind. Die wenigsten Menschen kaufen etwas, während sie im Wortsinne mobil, also in Bewegung, sind. Geht es um Bezahlprozesse über Mobile Devices, so muss man vor allem unterscheiden zwischen der Bezahlung per Handy beziehungsweise Smartphone und der Nutzung von „elektronischen Geldbörsen“, also Wallet-Services. Onlinehändler sollten sich mit den verschiedenen Varianten mobilen Bezahlens beschäftigen, da sie spätestens ab 2014 Relevanz haben werden, müssen sich aber nicht mit jeder Technologie im Detail vertraut machen. Man darf nicht vergessen, dass sich hinter jeder noch so innovativen Lösung klassische Bezahlarten wie Kreditkarte oder Lastschrift verbergen. Ein einfacher Tipp: Prüfen Sie, wie viel bei Ihnen tatsächlich über mobile Geräte eingekauft wird. Diese Richtgröße verrät, wie schnell das „mobile Bezahlen“ für Sie relevant wird. Als Onlinehändler müssen Sie künftig vor allem solche Angebote bereithalten, die einfach und sicher funktionieren. (Michael Hülsiggensen, Managing Director EOS Payment Solutions)

„Wer das Rennen machen will, muss jetzt investieren“

Noch ist das tägliche Bezahlen per Smartphone keine Realität. Die Vorhersagen aber sind riesig: Gartner erwartet für 2016 ein Volumen von 617 Milliarden US Dollar bei 448 Millionen Nutzern weltweit. Wer das Rennen machen will, muss jetzt investieren. Telecoms, Banken und Kreditkartenindustrie, Google, PayPal, Apple, Microsoft, Einzelhändler und Startups beackern das Feld. Wie sich aber der Markt entwickeln wird, ist ungewiss. Die Killer-Applikation fehlt, und deutsche Verbraucher ändern ihr Bezahlverhalten nur zögerlich. Ein Faktor ist eine flächendeckende Infrastruktur mit Bezahlmöglichkeiten per NFC (Near Field Communication), Barcode oder SMS. Entwicklungen wie ein iPhone 5 mit NFC Chip könnten hier den Durchbruch bedeuten. In jedem Fall müssen Point-of-Sale Terminals und PC-Schnittstellen aufgerüstet werden, was Zeit braucht. Konzepte, die dem Einzelhandel mehr Umsatz bringen, treiben die Entwicklung voran. Beispiel Starbucks: Eine App, die mobiles Bezahlen mit Punkten belohnt, verarbeitet heute schon eine Million Transaktionen pro Woche. Die Kombination von Zahlung und Kundenbindungsprogramm wird einer der Megatrends im Bereich Mobile Payment sein. (Matthias Mierisch, Chairman and CEO, arvato UK & Ireland)

  • Dr. Alexander Ey, Geschäftsführer Billsafe
  • Marcus W. Mosen, Chief Commercial Officer Ogone
  • Manfred Krüger, Vorsitzender der Geschäftsführung ConCardis
  • Dr. Nelson Holzner, Geschäftsführer und Gründer von Billpay
  • Dr. John J. Delaney, Head of Market Management Deutsche Card Services
  • Alexander Brunn, Produktmanagement, B+S Card Service
  • John Broxis, Director, STEP2 Services bei EBA Clearing
  • Christian von Hammel-Bonten, EVP Telecommunications Wirecard
  • Michael Hülsiggensen, Managing Director EOS Payment Solutions
  • Matthias Mierisch, Chairman and CEO, arvato UK & Ireland
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