Mobile Payment: QR-Code, NFC oder BLE?

Um herauszufinden, wie Online-Händler den neuen Mobile-Payment-Verfahren gegenüberstehen, führte das Forschungsinstitut ibi research mit dem E-Payment-Barometer eine Umfrage zum Thema Mobile Payment durch.

So stehen Online-Händler zu Mobile-Payment

Ohne Standards und obendrein der Qual der Wahl ausgesetzt, zögern viele Händler mit der Eingliederung des kontaktlosen Bezahlens in ihr Zahlungsverfahren-Portfolio. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen jedoch, dass die Bereitschaft dazu grundsätzlich vorhanden ist: 43 Prozent der Teilnehmer des E-Payment-Barometers können sich vorstellen, kontaktloses Bezahlen per Karte oder Mobiltelefon (M-Payment) einzusetzen. Für 32 Prozent ist dies zumindest eine denkbare Option. Nur 25 Prozent lehnen diese Praxis grundsätzlich ab. Was die Annahme aufseiten der Händler jedoch erschwert, sind oft ein unklarer Business Case, die Kosten des Verfahrens und die niedrigen Margen im Handel.

Darüber hinaus existieren weitere Hindernisse: Als größte Schwierigkeiten wurden von den Befragten die fehlende Akzeptanz bei den Kunden (52 Prozent), die Gefahr von Attacken Dritter (51 Prozent) und die Angst vor einer unklaren rechtlichen Lage bei Missbrauch (43 Prozent) genannt.

Nach Einschätzung von 54 Prozent der Studienteilnehmer werden die kontaktbehafteten Kartenzahlungen deswegen noch bis etwa 2020 dominieren, doch große Anbieter aus dem stationären Handel, Kreditkartenkartenunternehmen, Mobilfunkbetreiber und IT-Dienstleister versuchen mit verschiedensten Lösungen, das kontaktlose Bezahlen am Point of Sale (POS) durchzusetzen. Anreize für dessen Verwendung könnten etwa durch Gutscheine, Bonussysteme oder Rabatte geschaffen werden, wie es vor allem bei handelsgetriebenen Apps der Fall ist.

Die Händler wünschen sich dabei Lösungen von Banken oder Sparkassen. Diesen wird neben den Kreditkartenfirmen am meisten Vertrauen entgegengebracht. Im Onlinebereich haben sich Kunden zwar an das bequeme Zahlen mit PayPal, Amazon Payments und vergleichbaren Verfahren bereits gewöhnt und es zunehmend schätzen gelernt. Es erscheint naheliegend, die gleichen Verfahren auch am physischen POS – also an der Laden-, Supermarkt- und Tankstellenkasse – zu nutzen. Allerdings sind diese Anbieter für Lösungen von Händlerseite nicht so gewünscht.

Überblick über aktuelle Bezahllösungen

Um sich – unabhängig vom Lösungsanbieter – auf dem Markt durchzusetzen, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Sicherheit: Die Lösung muss technisch ausgereift und in der Wahrnehmung der Beteiligten sicher sein.
  • Komfort: Kunden und Händler müssen sie genauso komfortabel und schnell handhaben können wie die gängigen Verfahren.
  • Mehrwert: Zusatznutzen (etwa Bonusprogramme, sogenannte Location-based Services, also standortbezogene Dienste) muss vorhanden sein, um für Händler sowie Kunden attraktiv zu sein.
  • Vertrauen: Der oder die Anbieter und Betreiber müssen hohes Vertrauen seitens der Nutzer genießen.
  • Wirtschaftlichkeit: Die komplexe Gesamtkette muss sich geschäftlich rechnen, sodass der Business Case für alle Beteiligten aufgeht.

Viele der Lösungen scheinen diese Bedingungen derzeit nur zum Teil zu erfüllen, hätten aber das Potenzial, Bar- und Kartenzahlungen auf lange Sicht erfolgreich anzugreifen. Im Folgenden werden einige ausgewählte Bezahllösungen vorgestellt.

App-basierte Lösungen des Handels

Der Lebensmittel-Discounter Netto bietet beispielsweise in allen seinen Filialen bargeldlose Bezahlung per Smartphone-App an. Auch dessen Mutterkonzern Edeka nutzt in einigen Großstädten ein ähnliches System. Bei beiden Lösungen ist im Hintergrund das Bezahlverfahren Postpay der Deutschen Post im Einsatz. Im Gegensatz zu anderen Lösungen nutzt die NettoApp weder QR-Codes noch Funktechnologien, sondern generiert nach der Authentifizierung des Nutzers über eine vom Nutzer eingegebene PIN in der App eine Transaktionsnummer, die dem Kassenpersonal mitgeteilt wird. Dies ist im Gegensatz zu anderen Lösungen weniger nutzerfreundlich und mit einem starken Medienbruch behaftet.

Bei der Edeka-App hingegen wird nach Eingabe der PIN in der App ein Strichcode generiert, der wie ein normaler Artikel gescannt wird. Bei beiden Anwendungen wird der Rechnungsbetrag anschließend per Lastschrift vom Konto eingezogen. Etwaige Gutscheinbeträge, die in der App hinterlegt sind, werden automatisch mit dem Rechnungsbetrag verrechnet. Nachteil dieser handelsgetriebenen Lösungen ist, dass derzeit neben Netto und Edeka kein weiterer Marktteilnehmer ein ähnliches System einsetzt. Für den Handel hätte ein solches Verfahren durchaus Vorteile gegenüber Lösungen Dritter, da er Daten über das Kundenverhalten „aus erster Hand“ erhält und bei sich speichert.

QR- und Strichcode-basierte Lösungen

Die quadratischen QR-Codes und Strichcodes sind vielfältig – sowohl on- als auch offline – einsetzbar. An der stationären Ladenkasse ist derzeit eine Vielzahl von Verfahren im Gespräch. Dabei gibt es zum einen die Möglichkeit, dass das Kassenterminal einen Code anzeigt, den der Kunde scannt. Die Zahlung wird dann mit den vorab hinterlegten Kontoinformationen vollzogen. Unter anderem bieten PayPal und die Otto Group mit Yapital sowie auch einige Start-Ups diese QR-Code-basierte Möglichkeit an. Die zweite Variante mit der Erzeugung eines Codes auf dem Kunden-Smartphone und dem Scan durch die Kasse wird von Unternehmen wie PayCash (auf Basis von QR-Codes) sowie Paymey (auf Basis von Strichcodes) offeriert.

NFC-basierte Lösungen

NFC (Near Field Communication) als Möglichkeit des kontaktlosen Austauschs von Daten per Funkchip über einige Zentimeter hinweg besitzt ebenfalls mehrere Einsatzwege. So kann sich der Chip etwa auf einer Karte, in einem Smartphone oder als Zwischenlösung auf einem auf dem Telefon aufgeklebten Sticker befinden. Über diesen Chip lassen sich – ähnlich wie bei einer Kartenzahlung – Daten zur Zahlungsabwicklung hinterlegen. Der Vorteil gegenüber der „normalen“ Karte besteht darin, dass der Datenaustausch über Funk geschieht. Somit entfällt das Einstecken der Karte in ein Terminal. Hier bieten mehrere Marktteilnehmer eigene Lösungen an, unter anderem die Kreditkartenfirmen MasterCard mit PayPass und Visa mit payWave, die Deutsche Telekom, Telefónica Germany sowie Vodafone mit dem Kooperationsprojekt mpass (wie ebenso mit jeweils eigenen Lösungen) wie auch Google mit seiner Wallet (noch nicht in Deutschland).

Auch die GeldKarte der deutschen Banken und Sparkassen wurde als neue „Girogo“-Variante kontaktlos gestaltet. Allerdings muss diese vor dem Benutzen – ähnlich einer „normalen“ Geldbörse – mit einem Geldbetrag aufgeladen werden (Prepaid-Lösung). Diese für Kunden eher unpraktische Handhabung soll durch eine kontaktlose Girocard-Zahlung ergänzt werden. Diese kontaktlose Debitkartenzahlung würde NFC-basierten Lösungen wie beispielsweise den Lösungen der Kreditkartenunternehmen MasterCard mit PayPass sowie Visa mit payWave vom Ablauf ähneln: Beträge bis 20 oder 25 Euro sollen ohne das Einstecken der Karte und ohne PIN-Eingabe kontaktlos sowie ohne Voraufladung ausgeführt werden (Postpaid-Lösung).

BLE-basierte Lösungen

Die neueste Technik zum Bezahlen in einem stationären Geschäft ist die Kommunikation des Kunden mit dem Händler über die Funktechnologie BLE (Bluetooth Low Energy). Im Vergleich zu NFC besitzt BLE eine höhere Reichweite von etwa 10 Metern. Smartphones im Radius eines BLE-Senders, auch „Beacon“ genannt, können identifiziert und zum Bezahlen genutzt werden. PayPal sowie Apple verwenden diese Möglichkeit in ersten Feldversuchen, um Ladenbesucher die Rechnung per App begleichen zu lassen. PayPal plant in der ersten Jahreshälfte eine Kooperation mit großen und einigen kleineren Einzelhändlern, um den Bezahldienst Beacon auf dem deutschen Markt zu testen. Hat der Verkäufer das Bluetooth-Gerät im Einsatz und der Kunde die PayPal-App installiert, dann wird das Herumsuchen in Hand- oder Hosentasche nach dem Smartphone oder der Kreditkarte überflüssig. Der Kunde muss an der Kasse nur sagen, dass er mit PayPal bezahlen möchte und erhält eine Quittung per Mail: Weil sich die Handy-App beim Betreten des Ladens automatisch mit Beacon verbindet, wird der Vorgang ohne weiteres Zutun abgewickelt. Der Verkäufer bekommt automatisch bestimmte Informationen über den Käufer, zum Beispiel Nutzernamen und Foto.

Ein weiterer Vorteil dieser Technik ist, dass im Vergleich zu NFC keine gesonderte Sendeeinrichtung in mobile Geräte eingebaut werden muss. Zudem muss das Smartphone aufgrund der größeren Funkreichweite häufig nicht mehr in Richtung des Kartenlesers gehalten werden – der Kunde kann somit „freihändig“ bezahlen.

Dem kontaktlosen Bezahlen gehört die Zukunft – wenn der Handel mitspielt

Diese Beispiele, seien es nun App-, QR-, NFC- oder BLE-basierte Lösungen, zeigen, dass technische Innovationen zu neuen Möglichkeiten geführt haben oder führen können, Zahlungen am Point of Sale komfortabel, schnell und sicher abzuwickeln. Die Reifung weiterer Technologien für Smartphones in Zusammenhang mit Funktechnologien erlaubt es, die im Online-Bereich etablierten Verfahren auf den Offline-Handel zu übertragen. Die technische Entwicklung öffnet auch die Tür für neue Anbieter und Geschäftsmodelle, insbesondere für Zahlungsdienstleister, die im Online-Handel beheimatet sind. Wann sich mobile Bezahlsysteme am Markt durchsetzen werden und vor allem welche Verfahren das Rennen um die Gunst der Händler und Kunden machen, kann derzeit noch nicht beantwortet werden. Ohne einen konkreten Kundenmehrwert beziehungsweise ohne Kosteneinsparungen durch die neuen Verfahren für den Handel werden die bisherigen Lösungen aber nur ein Nischendasein fristen.

Die Autoren:  Robert Torunsky, Stefan Weinfurtner und Dr. Ernst Stahl von ibi research an der Universität Regensburg. Seit 1993 bildet ibi research eine Brücke zwischen Universität und Praxis. Das Institut forscht und berät zu Fragestellungen rund um das Thema „Finanzdienstleistungen in der Informationsgesellschaft“. ibi research ist Träger des E-Business-Lotsen Ostbayern als Teil der Förderinitiative „eKompetenz-Netzwerk für Unternehmen“, die im Rahmen des Förderschwerpunkts „Mittelstand-Digital – IKT-Anwendungen in der Wirtschaft“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird.

Weitere Infos

www.ebusiness-lotse-ostbayern.de

Mittelstand-Digital: www.mittelstand-digital.de

E-Payment-Barometer: www.epayment-barometer.de

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