Nachhaltig Geld verdienen? So klappt’s

Der E-Commerce ist wie keine andere Branche darauf ausgelegt, schnell und flexibel zu sein. Da sind grüne Gedanken zunächst nicht mit in Einklang zu bringen. Dafür bräuchte es eher lange Produktionszyklen und immer gleiche Prozesse, die im Vorfeld schon absehbar sind. Mitarbeiter schon lange einzuplanen ist also durchaus eine Herausforderung, genauso wie zu wissen, wie viel jetzt transportiert und hin und her geschickt werden muss. Also wie kann der Nachhaltigkeitsgedanke im E-Commerce überhaupt Platz finden? Mit diesen Beispielen und Maßnahmen klappt’s.  

Klimaneutral versenden

Der Transport ist eine der wichtigsten Angelegenheiten im E-Commerce. Wer nicht vor Ort seine Ware an den Kunden abgibt, muss schließlich versenden, damit die Ware zum Kunde kommt. Möglichst schnell versteht sich, dazu noch möglichst sicher. Dabei entstehen zwei Probleme:

  • Verpackung
  • Transport

Ersteres ist mit viel Produktion verbunden, die am Ende wieder im Müll landet. Für Karton heißt das, dass Papier und Rohstoffe aus Bäumen verwendet werden – suboptimal. Sich hier auf bereits recyceltes Papier zu verlegen, das möglichst lange weiter genutzt werden kann, verbessert die Lage jedoch und ist ohne nennenswerten qualitativen Unterschied zu bewerkstelligen.

Der Rest der Umverpackung sind zumeist aus Plastik gefertigt – noch schlimmer, denn die wenigsten Kunststoffe lassen sich sinnvoll verwerten oder recyceln und landen am Ende auf der Müllhalde, ein Großteil landet jedes Jahr sogar im Meer. Das zu unterbinden und stattdessen auf umweltfreundlichere Verpackungen zu setzen, macht Sinn und verbessert die Lage hingegen deutlich. Sowohl Umverpackungen als auch Füllmaterial und Polster lassen sich durch plastikfreie Varianten ersetzen, sind kompostierbar und landen so wieder im natürlichen Kreislauf. Verpackungschips einfach mal durch Holzwolle zu ersetzen, verleiht dem Verpackten auch noch den positiven Touch des Natürlichen. Das kommt auch bei den Kunden an, denen Nachhaltigkeit immer wichtiger wird.

Und auch beim Transport sind klimaneutrale Wege möglich. Sowohl DHL als auch UPS bieten inzwischen grüne Transporte an, in Hamburg wird jetzt der erste CO2 neutrale Versand entwickelt, der so die Stadtluft weit weniger belastet. Sich hier auf GoGreen zu verlegen, bedeutet also sowohl eine sofortige Verbesserung, als auch einen besseren Ausbau des klimaneutralen Versands für die Zukunft.

Upcycling

Ähnlich wie mit dem Versand, gibt es auch an anderen Stellen die Möglichkeit, auf neue Rohstoffe zu verzichten und stattdessen auf bereits bestehende Produkte zurück zu greifen. Das betrifft sowohl die eigene Fertigung, als auch das Weitergeben ausgedienter Stoffe und Produkte. Vor allem im Textilbereich gibt es dabei häufig die Möglichkeit, Altes wiederzuverwenden und damit auch noch etwas Schönes zu schaffen. So werden gebrauchte Banner zu neuen Taschen verarbeitet, die durch das robuste Material extrem widerstandsfähig sind und somit noch jahrelang gute Dienste erweisen. Anderswo werden Stoffe aus Meeres-Plastik-Fasern gewebt oder die alten Trolleys der Lufthansa in schicke Möbel verwandelt. Die Idee dahinter ist meist simpel, das Ergebnis aber überrascht die Kunden. Die Einzigartigkeit, die mit gebrauchten Materialien einhergeht, fungiert dann als Alleinstellungsmerkmal und macht das Produkt extra anziehend – ein deutlicher Pluspunkt und damit eine super Art, den persönlichen Absatz anzukurbeln.

Aber auch bei der eigenen Büroplanung ist Upcycling eine Möglichkeit. Ganze Co-Working Spaces setzen mittlerweile auf den Trend und bieten Start-Ups so die Möglichkeit, ihr Büro in einer urbanen, umweltfreundlichen Location aufzuschlagen. Auch für das eigene Büro ist der Paletten-Möbel-Trend durchführbar. Das Fertigen der eigenen Einrichtung fordert dabei vielleicht Kreativität, Handwerks-Geschick und Zeit, führt aber am Ende zu einer tollen Ausstattung, die am Ende meist auch noch kostengünstiger war. Hier ist auch wieder ein Werbe-Effekt zu holen: Auf der Webseite kann das Büro ins rechte Licht gerückt werden und führt dadurch bei den umweltbewussten Kunden sogar zu noch mehr Pluspunkten.

(Bildquelle: fotolia.de ©alho007 #81699944)

Nachhaltig ausgleichen

Manche Business-Modelle erlauben keine offensichtliche GoGreen Variante. Serverdienstleistungen beispielsweise gehen einfach mit einem hohen Stromverbrauch einher – hier auf den Strom zu verzichten ist praktisch nicht möglich. Aber: Es kann auf effizientere Systeme geachtet werden, die clever gekühlt werden und so zumindest ein Minimum einsparen. Des Weiteren kann der Stromanbieter so gewählt werden, dass nur Ökostrom bezogen wird. Auch hier gibt es dadurch gleich zwei Effekte: Die Abnahme von grünem Strom erhöht sich, so dass zum einen ein kleines bisschen weniger fossiler Strom genutzt wird und weiter auf den Ausbau von regenerativen Energien gesetzt werden kann. Ebenfalls möglich: Den Firmensitz mit Solaranlagen, Erdwärme und Windkraft autark zu gestalten, so dass von Haus aus genügend Strom produziert wird und zumindest nur ein kleiner Teil zugekauft werden muss.

Ist das nicht möglich, funktioniert auch die nachträgliche Klimaneutralität. Heißt, dass der eigene ökologische Fußabdruck durch „gute Taten“ geschmälert wird. Verschiedene Projekte widmen sich beispielsweise der Aufforstung, die den Menschen vor Ort sowohl Nahrung und Einkommen schenkt, als auch den ganzen Planeten grüner und damit die Luft sauberer macht. Das erhöht die Lebensqualität und bedeutet Engagement für die Umwelt, auch wenn es in diesem Fall direkt vor Ort nicht weiter ausgebaut werden kann.

Sozial agieren

Nicht nur der Umgang mit der Umwelt kann, muss und sollte nachhaltig sein: Auch im täglichen Leben kann nachhaltiger gehandelt werden. Das bedeutet beispielsweise mehr Freundlichkeit im Alltag. Für Unternehmen aber auch soziales Engagement und langfristige Mitarbeiter-Planung. Wer nämlich erst einstellt und dann entlässt, Lohndumping betreibt, keine fairen Arbeitsbedingungen schafft und die Mitarbeiter so ausbeutet, dass sie von ihrem Privatleben am Ende nichts mehr haben, der hat einen negativen Einfluss auf das Leben seiner Angestellten und Geschäftspartner. Besser ist es stattdessen, langfristig zu planen, Leute zum richtigen Zeitpunkt einzustellen und auf gesunde Arbeitsbedingen zu achten. Neben physisch guten Bedingungen gehört auch psychische Gesundheit dazu.

Dafür bieten sich vor allem der gute Umgang mit dem Personal an: Eine gute Führung, die ein angenehmes Verhältnis zu den Mitarbeitern führt, lässt nicht erzittern wenn Mitarbeitergespräche anstehen. Es entspannt das Arbeitsumfeld, wirkt sich positiv auf den Umgang der Kollegen untereinander aus und heißt somit auch, dass die Mitarbeiter vielleicht gerne zur Arbeit kommen. Das bedeutet weniger Stress und damit wiederum auch eine effizientere Arbeitsweise. Das führt dazu, dass die Mitarbeiter länger erhalten bleiben, sich wohl fühlen und so bereit sind, auch mal das ein oder andere Stündchen mehr zu investieren – weil sie sich geschätzt fühlen und wissen, dass ihre Leistung ankommt, gesehen wird und das Honorieren nicht lange auf sich warten lässt.

(Bildquelle: fotolia.de ©contrastwerkstatt #134583732

 

Noch besser und ebenfalls sehr nachhaltig: Das Einstellen von sozial Benachteiligten. Beispiel: Auticon – ein Consulting Unternehmen, das hauptsächlich auf Autisten als Mitarbeiter setzt. Ihre Idee: „Die Stärken von Autisten sind sehr individuell, umfassen häufig ein ausgeprägtes logisches Denkvermögen, eine hohe Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer auch bei Routineaufgaben, ein hohes Maß an Loyalität und Zuverlässigkeit, ein extrem gutes Auge für Details, Anomalien und mögliche Fehler, außergewöhnlich gründliche Soll/Ist-Abgleiche und ein hohes Bewusstsein für Qualität und eine starke Orientierung an Sachthemen, umfassendes Fachwissen.“ Das macht sie besonders geeignet für das Geschäftsfeld des IT-Consultings, da sie Fehler blitzschnell erfassen. Da Autisten aufgrund der speziellen Wahrnehmung und Interaktion auf der Begegnungsebene sonst eher selten eine Anstellung finden, hat das Engagement von Auticon einen direkten Effekt auf das Leben der Mitarbeiter – ein sehr nachhaltiger Ansatz. 

Recycling

Egal worum sich das eigene E-Business dreht – überall gibt es die Möglichkeit zu Recyceln. Beinahe jedes Büro verwendet beispielweise Drucker, die am Ende mit leeren Tonern und Patronen dastehen. Diese müssen von den Händlern anstandslos zurückgenommen und dem Recycling-Kreislauf zugeführt werden. Andere füllen dieselbe Kartusche wieder auf und benötigen so keine neuen Rohstoffe, was noch viel besser ist. An dieser Stelle und vielen kleinen anderen gibt es also für jedes Business die Möglichkeit, umweltfreundlich und nachhaltig zu agieren.

Ähnliches gilt für Papier und Kartons: Anstatt alles gleich durch den Schredder zu jagen, einfach paar Schmierblätter zum Block bündeln und als Notiz-Papier verwenden. Die Kartons können wiederum zu eigenen Versendungen weiter verwendet werden - sei es im privaten Bereich. Diese kleinen Ideen aus dem Bereich des Up- und Recyclings machen am Ende bereits einen großen Unterschied und verleihen zusätzlich noch das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben. Hier für das eigene Business aktiv zu werden und nachhaltig zu agieren, führt so Stück zu Stück zu einer besseren Welt und hat zudem auch noch einen direkten Effekt auf das eigene Unternehmen: Denn Nachhaltigkeit kommt sowohl bei den Geschäftspartner als auch beim Kunden an und machen attraktiv. Diese Vorteile nicht zu nutzen, wäre gleich doppelt schade.


   

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