Offline kaufen ohne Ladenschluss

Einkaufen ist ganz einfach: Man geht in ein Geschäft, sucht sich die Ware aus und bezahlt sie, bar oder mit Karte. Oder man geht ins Internet, sucht sich die Ware aus und bezahlt sie. Per Kreditkarte oder – besser noch – mit einem Bezahldienstleister wie PayPal. Denn der macht gerade das Online-Bezahlen sicher und bequem.

Beide Möglichkeiten haben Vorteile: Wer unterwegs ist und an den Schaufenstern entlangflaniert, kann die Ware sehen, sich inspirieren lassen und auch mal spontan „zuschlagen“. Wer im Internet kauft, braucht keine Ladenöffnungszeiten und keine Fußgängerzonen. Warum also nicht das eine mit dem anderen verbinden? Warum nicht vor Ort schauen, sich inspirieren lassen – und dann völlig unabhängig von den jeweiligen Umständen per Smartphone kaufen und bezahlen?

Die Verbindung der physischen mit der virtuellen Welt bietet dabei nicht nur den potenziellen Kunden zahlreiche Vorteile. Auch die Anbieter können ihre Fläche (und Reichweite) virtuell vergrößern und dem Kunden das absolute Maximum an Flexibilität und Wahlfreiheit zur Verfügung stellen.

Versuch macht klug

Aber funktioniert das? Ist das sinnvoll? Braucht der Verbraucher wirklich noch eine Möglichkeit, sein Geld gegen Waren einzutauschen?

Eine aussagekräftige Antwort kann nur geben, wer es ausprobiert hat. PayPal hat in Zusammenarbeit mit dem stationären Handel einen großen Feldversuch gestartet. Ort des Geschehens ist das niedersächsische Oldenburg, eine Stadt mit etwa 160.000 Einwohnern, einer renommierten Universität, einem großen Einzugsgebiet – und Deutschlands ältester flächendeckender Fußgängerzone. Was den Zeitpunkt betrifft, entschied man sich für die Vorweihnachtszeit, in der gewöhnlich besonders hohe Umsätze im Einzelhandel erzielt werden.

Die Idee: In Kooperation mit den Händlern der Oldenburger Innenstadt und mit aktiver Unterstützung des City Managements Oldenburg sollte das Angebot in den Schaufenstern um QR-Codes erweitert werden. Die Passanten sehen neben der ausgestellten Ware und den Preisauszeichnungen auch die Codes. Wenn sie über die PayPal QRShopping App verfügen und den Code mit ihrem Smartphone einscannen, können sie die betreffende Ware sofort über ihr PayPal-Konto kaufen, nachdem sie gegebenenfalls noch, beispielsweise bei Kleidung und Schuhen, Größe und Farbe ausgewählt haben. Mit wenigen Schritten ist der Kauf perfekt. Die Kunden können dabei entweder mit ihrem Guthaben, per Lastschrift oder auch mit Kreditkarte bezahlen. Der Händler erhält die Bestellung samt der im Kunden-Konto hinterlegten Lieferanschrift, der bezahlte Betrag wird auf seinem Konto gutgeschrieben. Der Kauf per Smartphone funktioniert dabei auch mit jeder anderen QR-Code Scanner App.

Ladenöffnungszeiten sind somit weitgehend bedeutungslos geworden. Aber auch dann, wenn das Geschäft geöffnet hat, kann der Käufer entscheiden, ob er hineingehen, sich an der Kasse anstellen und anschließend die Ware in der Tüte mit sich herumtragen möchte – oder ob er sie sich nicht lieber ganz bequem per Post nach Hause liefern lassen will, denn auch das ist im PayPal QRShopping inbegriffen.

Neue Möglichkeiten im Mobile-Payment-Markt identifizieren

Hinter dem Pilotprojekt steht eine ganz konkrete Absicht: PayPal möchte herausfinden, welche Möglichkeiten der noch junge Markt für Mobile Payment bietet und welche Technologien sich langfristig durchsetzen können. Das PayPal QRShopping in Oldenburg ist zunächst auf ein halbes Jahr angelegt – und damit eines jener Pilotprojekte, mit denen PayPal neue Potenziale identifizieren und letztlich natürlich auch erschließen möchte. Es geht um nicht weniger als um die Zukunft des mobilen Bezahlens, und die wird aller Voraussicht nach vielgestaltig sein. Umso wichtiger ist es, spezifische Modelle für einzelne Märkte und Zielgruppen zu testen und zu analysieren – wie eben aktuell in Oldenburg. 

Die entscheidende Frage dabei lautet: Wie nehmen Handel und Verbraucher das Angebot auf? Besteht beiderseitig ein Bedarf nach solchen zusätzlichen Einkaufs- und Bezahloptionen? Können durch die „Erweiterung“ der Verkaufsfläche zusätzliche Umsätze generiert werden?

Die bisherigen Ergebnisse des Projekts in der Oldenburger City sprechen eine klare Sprache: Innerhalb von drei Monaten stieg die Zahl der teilnehmenden Händler um satte 40 Prozent auf knapp 50, darunter namhafte Anbieter wie Gina Laura, Ulla Popken, Start Music, Leffers oder Marc O’Polo. Auch lokal verwurzelte Händler mit entsprechendem Renommee wie etwa finnishDesign, Kuhnt Elektronik, Hörgeräte Hahm oder das Bekleidungshaus Bruns sind mit von der Partie.

Stationärer Handel kann unterschiedliche Kanäle einbinden und nutzen

Viele Händler nutzen QRShopping als willkommene Ergänzung in ihrem Verkaufskanal-Mix und binden ihn in ihr Gesamtvertriebs- und Marketingkonzept ein – und wagen so den ersten Schritt zu einem echten Omni-Kanal-Business. Dazu gehören unter anderem Social-Media-Kanäle zur Bewerbung der QRShopping-Produkte, die Integration von Druckerzeugnissen und Einkaufstaschen oder spezielle Flyer mit einem Probeprodukt. Es hat sich gezeigt, dass der Weg vom Print zu Mobile tatsächlich gut funktioniert – die Artikel, die über Printmedien beworben wurden, erfreuten sich bei QRShoppern erstaunlicher Beliebtheit. Dabei können Händler über die Scans eruieren, wie viele potenzielle sowie tatsächliche Kunden (Käufer) aus der Printwerbung entsprungen sind; sie sind somit in der Lage auszuwerten, wie das beworbene Produkt beim Kunden angekommen ist. Damit wird Printwerbung erstmals konkret messbar.

Und davon gab es viele: Über 6.000 Downloads der PayPal QRShopping App konnten die Verantwortlichen verzeichnen – und das nicht nur in der Stadt Oldenburg, sondern auch im angrenzenden Umland. Die Sicherheit bei Kauf und Bezahlung war dabei für niemanden ein Thema: Die QR-Codes wurden ursprünglich nur über die PayPal-App erkannt. Ab sofort sind sie aber mit jedem Scanner abrufbar.

Das Projekt QRShopping läuft auch nach den konsumstarken Wochen vor Weihnachten mit ungebremster Kraft noch bis Februar 2014 weiter. Interessierte Händler können ORShopping über den Zeitraum hinaus auch weiter anbieten.

Die bisherigen Resultate sind mehr als ermutigend und zeigen, dass eine sinnvolle Verknüpfung von Online-Geschäft und stationärem Handel echten Mehrwert bringt. Dem Handel gibt das Experiment eine gute Gelegenheit, konkrete Erfahrungen mit dem Online-Geschäft zu machen, ohne dafür einen eigenen Shop aufbauen zu müssen. Die Käufer machen eine ganz neue Einkaufserfahrung, die ihnen so viel Bewegungsfreiheit wie irgend möglich erlaubt. PayPal schließlich kann detailliert ausloten, wie sich das Internet-Geschäft über den stationären Handel ausweiten lässt.

Einfacher geht’s kaum – ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie die Zukunft des mobilen Bezahlens aussehen könnte.

Autor: Holger Spielberg, Head of Mobile Payments & Retail Services bei PayPal Deutschland.

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