Payment-Experten antworten auf aktuelle Fragen

ECM: Risikomanagement ist im Bereich Payment für Onlineshops eine „Pflichtveranstaltung“. Wie sieht es damit im Bereich Mobile Payment aus? Lassen sich auch hier ähnlich Standards schaffen wie im „normalen“ Online-Payment? Auf was müssen Händler hier besonders achten?

Dr. Alexander Ey, Gründer & Geschäftsführer  BillSafe: „Mobile ist kein künftiger Trend mehr, sondern bereits in unserem Alltag angekommen. Um Wachstumschancen zu nutzen und sich zudem gegen den ebenso innovativen Mitbewerb durchzusetzen, müssen Händler den mobilen Kanal und damit auch mobile Zahlungen anbieten. Die Anforderungen an das Risikomanagement stellen sich beim M-Commerce rein technisch gesehen schon etwas anders dar, auch die Tracking-Möglichkeiten sind im Bereich Mobile etwas eingeschränkter. Insgesamt sind es aber mit dem E-Commerce vergleichbare Bausteine für das Risikomanagement. Wir gehen davon aus, dass sich eine Outsourcing-Lösung für den Rechnungskauf – sowohl als Bezahloption für den stationären als auch den mobilen Einkauf – bei vielen Händlern durchsetzen wird: Vor allem bei einer großen Marktverbreitung ist diese Lösung, was externe Prüfkosten, Betrugsprävention und Economy-of-Scale-Effekte angeht, im Vergleich zu einer internen Lösung klar im Vorteil. Standards sind also auch beim M-Commerce möglich – und wichtig!“

 Michael Hülsiggensen, Managing Director EOS Payment Solution: „Elementar für den Bereich Mobile Payments ist ein gutes und klar strukturiertes Risikomanagement. Dieses muss im Einklang mit der Risikobewertung für den Onlineshop stehen. Der Konsument erwartet die gleichen Voraussetzungen im mobilen Shopping. Für den Händler ist es wichtig, die Harmonisierung der einzelnen Verkaufswege zu schaffen, um den Konsumenten vertrauensvoll und seriös entgegenzutreten.

ECM: Payment Service Provider leisten für Ihre Kunden, die Online-Händler, immer umfangreichere Dienste. Was sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten fünf Punkte, die ein PSP unbedingt abdecken sollte?

Christian Reindl, Executive VP Sales Consumer Goods, Wirecard:  „Bei der Entscheidung für einen Payment Service Provider sind Onlinehändler gut beraten, wenn Sie auf ein transparentes Preismodell achten. Außerdem müssen klare Schnittstellen gewährleistet sein, die dem Online-Händler jederzeit eine gute Performance ermöglichen –  ein hohes Support- und Servicelevel (24/7) ist daher unabdingbar. Vor allem für international tätige Shopbetreiber, die neben klassischen Bezahlverfahren wie Lastschrift oder Rechnung weitere alternative oder lokale Systeme anbieten wollen, sind Dienstleister zu empfehlen, die über nur eine Schnittstelle sämtliche Zahlarten zur Verfügung stellen. Mit Blick auf das Risikomanagement bilden die PCI Compliance sowie die Betrugsprävention ein entscheidendes Auswahlkriterium. Und nicht zuletzt sind es die von einem Payment Service Provider angebotenen standardisierten oder individuellen Reportings, die bei einer Entscheidung berücksichtigt werden sollten.“

Manfred Krüger, Vorsitzender der Geschäftsführung ConCardis: „Wichtig ist ein breites Angebot von Bezahlverfahren, die einfach in die E-Payment-Lösung zu integrieren sind. Händler können so leichter in internationalen Märkten aktiv werden und weitere Kundensegmente über die Grenzen hinaus erschließen. Natürlich ist auch die Sicherheit im Online-Handel ein sensibles Thema: Das fängt mit der Speicherung von Kartendaten an und hört bei der Betrugsprävention auf. Webshop-Betreiber sollten darauf achten, dass die Bezahlplattform PCI-zertifiziert ist und dass es umfangreiche Sicherheitsmechanismen gibt, um Transaktionen vor Diebstahl und Missbrauch zu schützen. Selbstverständlich sollte der PSP über ausfallsichere und hochleistungsfähige Systeme verfügen – denn nichts ist für einen Online-Shop schlimmer, als dass der Kunde seinen Kauf abschließen will, dies aber aus technischen Gründen nicht kann. Zu guter Letzt sind technischer Support, kompetente Ansprechpartner und eine kontinuierliche Projektbetreuung unverzichtbare Serviceleistungen.“

Markus Solmsdorff, Geschäftsführer Expercash: 1) Flexibilität: E-Commerce ist immer noch einer der stärksten Wachstumsbereiche. Da ist es für Händler mit einem validen Businessmodell wichtig, dass n PSP in der Lage ist, sie auf ihrem Wachstumskurs zu begleiten. Denn auf die sich schnell ändernden Marktbedingungen reagieren kann nur, wer sich auf bestehende Dienstleister verlassen kann und nicht ständig neue suchen muss. 2) Expertise: E-Payment wird ein immer komplexeres Thema. So steigt die Anzahl an Zahlarten stetig, ebenso die Anforderungen an die Sicherheit und nicht zuletzt werden die Online-Käufer immer anspruchsvoller. Hatte im Jahr 2010 ein Händler im Durchschnitt noch 4,4 Zahlarten integriert, sind es 2012 schon 5,5 (laut IZH5, 2010 und IZH6, 2012). Online-Käufer nutzen durchschnittlich 4,8 verschiedene Zahlarten beim Online-Shopping (laut IZV 10, 2011). Für die Händler wird es also immer wichtiger, einen Partner zu haben, der sie dabei unterstützt, den passenden Zahlungsmix zu finden. Die genaue Abstimmung des Payment-Angebots auf die Präferenz des Zahlungsverhaltens der Zielgruppe sowie die Berechnung der Wirtschaftlichkeit für den Online-Shop sind die Grundlagen für die Zusammenstellung des optimalen Zahlungsangebots. 3) Ausgefeiltes Risikomanagement: Die Zahlungsausfälle im E-Commerce nehmen zu. Damit Händler auch bei ihren Käufern beliebte, aber risikobehaftete Zahlarten anbieten können, sollte ein PSP die unterschiedlichen Instrumente des Risikomanagements beherrschen und anbieten. 4) Internationalität: Zusätzliche Wachstumschancen bieten sich Online-Händlern, indem sie ihr Vertriebsgebiet ins Ausland ausdehnen. Im E-Commerce stellen Landesgrenzen kaum Grenzen für die Expansion dar. Insbesondere das deutschsprachige Ausland bietet sich zur einfachen Geschäftsausweitung an, da die Sprachbarriere entfällt. Daher sollte ein PSP natürlich auch internationale sowie länderspezifische Zahlarten im Portfolio haben. 5) Alles aus einer Hand: Für den Händler ist ein PSP nur dann wirklich wertvoll, wenn dieser die drei zum E-Payment gehörenden Module – Risikomanagement, E-Payment und Debitorenmanagement – aus einer Hand offeriert. Denn nur, wenn diese drei Säulen eng miteinander verzahnt sind, kann ein Onlineshop im Bereich E-Payment effizient agieren.

Mirko Hüllemann, Geschäftsführer von Heidelberger Payment: „Die wichtigsten Aspekte, die ein Payment Service Provider (PSP) abdecken sollte, sind BaFin-Zertifizierung, internationale Kontoführung und Bezahlverfahren, breites Angebot an Bezahlverfahren, Mobile Payment und ganzheitliches Servicekonzept. Die absolute Sicherheit dafür, dass ihr Geld in guten Händen ist, erhalten Online-Händler nur von einem bankenunabhängigen Payment Service Provider, den die BaFin als Zahlungsinstitut zertifiziert hat. Nur so kann ein PSP für den Zahlungsverkehr von Online-Händlern europaweit Treuhandkonten einrichten und internationale Transaktionen abwickeln. Der Vorteil: auf Treuhandkonten ist das Geld auch beim Zahlungsausfall des Providers absolut sicher. Daneben sollte es sich von selbst verstehen, dass ein PSP seinen Kunden ein möglichst breites Angebot an Payment-Verfahren bietet: Zahlungen per Kreditkarte, Lastschrift, Debitkarte, giropay, sofortüberweisung.de usw. Was zunehmend wichtiger wird, ist die Möglichkeit, mobil zu bezahlen, zum Beispiel über eine App, die Smartphones und Touch Devices in ein mobiles Payment-Terminal verwandelt. Und nicht zuletzt sollten faire Preise, guter und schneller Support sowie ein ganzheitliches Konzept, das alle Leistungen aus einer Hand – einschließlich Verträge und Technik – umfasst, das Leistungs- und Serviceportfolio eines professionellen PSP vervollständigen.“

ECM: Welche Fragen stellt Ihnen ein (potenzieller) Kunde am häufigsten und warum? 

Marcus W. Mosen, Chief Commercial Officer Ogone: „Typisch deutsch fragen viele Onlinehändler nach dem Preis der Processing-Leistung, vor allem diejenigen Händler, die noch nicht lange am Markt sind. Der Händler vergleicht oft den Einsatz der wichtigen Payment-Methoden im Onlinehandel mit den Kosten einer Lastschrift oder mit der Leistung eines POS-Terminals. Dies ist meines Erachtens zu kurz gedacht: Erstens überwindet der E-Commerce verstärkt die Granzen, das heißt, zahlreiche international tätige Onlinehändler entdecken Deutschland und bieten auch dort die internationalen Zahlungsmethoden Kreditkarte sowie Wallet-Lösungen an. Die Einfachheit der Nutzung dieser Zahlungsmethoden für den Konsumenten wird von vielen (deutschen) Händlern unterschätzt. Zweitens ist das (E- und M-) Payment in Deutschland ein Flickenteppich, was Zahlungsmethoden und Preismodelle betrifft. Der Händler muss die verschiedensten Integrationsansätze in seinem Shop umsetzen, mit zahlreichen Anbietern zusammenarbeiten und dadurch die unterschiedlichsten Backoffice-Prozesse unterstützen. Und wenn der Händler dann über die deutschen Grenzen hinaus expandieren will, sind viele Payment-Dienstleister überfordert oder stoßen an ihre Grenzen.“

Miriam Wohlfarth, Geschäftsführerin und Gründerin Ratepay: „Die häufigste Frage unserer (potenziellen) Kunden lautet: Was kostet das? Eine legitime Frage, der Beweggrund liegt auf der Hand, allerdings spiegelt sie häufig einen falschen Blickwinkel wider. Die richtige(n) Frage(n) eines Online-Händlers müsste(n) lauten: Was muss ich tun, damit der Rechnungskauf meinen Umsatz wirklich steigert und meine Kunden zufriedenstellt? Wie können Kosten und Nutzen bei den Zahlarten in Einklang gebracht werden? Wie kann ich meine Kunden am besten erreichen, und wie möchten und können sie überhaupt bei mir bezahlen? Denn die Kosten etwa unserer Dienstleistung der Einbindung von Kreditkarten gegenüberzustellen, heißt, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Für Online-Händler ist es elementar, einen guten Zahlungsmix anzubieten, denn wenn ich als Shopbetreiber nicht diejenigen Zahlverfahren anbiete, die der Kunde am liebsten mag und die er überhaupt besitzt (hier sei auf die geringe Verbreitung von Kreditkarten verwiesen), schließe ich von vorneherein einen erheblichen Prozentsatz potenzieller Käufer aus. Außerdem möchten viele Kunden ihre sensiblen Bankdaten nicht im Internet preisgeben. Man darf nicht vergessen: Im Gegensatz zum stationären Handel kann ein Online-Kunde den Kaufvorgang an der Kasse ganz einfach abbrechen. Das größte Problem im Bereich Payment ist aus unserer Sicht, dass das ganze Thema hierzulande einer „Black Box“ gleicht. Die meisten Händler wollen sich nicht mit diesem doch recht komplexen Thema auseinandersetzen, zumal der Dienstleistermarkt in Deutschland noch ziemlich zerfasert ist. Viele Händler stürzen sich zur Kundengewinnung auf übersichtlichere Faktoren wie Online-Marketing, Design, Suchfunktionen oder Produktdarstellung. Wenn es aber um den Bezahlprozess geht, also den Punkt, an dem ein Kauf auch wirklich vollzogen wird, sind viele Händler unzureichend vorbereitet und differenzieren zu wenig. Die geringe Fachkenntnis beim Thema Zahlverfahren führt dann auch dazu, dass Händler kaum durchsteigen, wenn sie verschiedene Preismodelle von Dienstleistern vergleichen müssen.“

ECM: Hat die wirtschaftlich angespannte Situation Veränderungen im Bereich Payment gebracht? Etwa in Sachen angebotene Zahlungsmöglichkeiten, Risiko-Scoring, Bonitätsprüfung oder Forderungsmanagement?

Joerg Schwitalla, Geschäftsführer Giropay: „Händler achten mehr denn je auf die Kosten und die Sicherheit der im Online-Shop angebotenen E-Payment-Verfahren. Gefragt sind sichere und reibungslose Prozesse bei der Zahlungsabwicklung, und zwar nicht nur für den Nutzer, sondern gleichermaßen für den Händler. Das Zahlungsausfallrisiko zu minimieren bei vertretbaren Kosten ist hier die Herausforderung des Händlers bei der Zusammenstellung der angebotenen Zahlungsmöglichkeiten für seinen Online-Shop.“

Jan Riedel, Marketingreferent SAF Unternehmensverbund: „Es kommt darauf an, aus welcher Sicht man die Situation als angespannt betrachtet. Höhere Ausfälle durch Zunahme schlechter Zahlungsmoral oder –fähigkeit, wie während der Finanzkrise 2009, sind längst kein Thema mehr. Angespannt ist die wirtschaftliche Situation vieler Händler aber durch einen immer stärker werdenden Preisdruck, der vor allem durch immer transparentere Vergleichsmaschinen erzeugt wird. Da werden selbst Ausfälle im niedrigen einstelligen Prozentbereich – leider seit Jahrzehnten üblich im klassischen Versandhandel – schnell zum Problem. Wer auf der anderen Seite jedoch nur gegen Vorkasse liefert, vergrault zwangsläufig den größten Teil der zahlungsfähigen Kundschaft. Ein Teufelskreis, der momentan immer mehr in das Bewusstsein zahlreicher Händler rückt. Viele sind bereit, gewisse Ausfallrisiken in Kauf zu nehmen. Allerdings sollen diese gut kalkuliert sein. So rücken derzeit umfassende Risikomanagementlösungen immer mehr in den Focus der Shopverantwortlichen – aber eben nicht um jeden Preis. Die Branche verlangt nach Lösungen, die sowohl Bonitäts- als auch Betrugsrisiken aufdecken oder besser noch absichern und deren Aufwand dabei in das immer geringer werdende Margengefüge im Onlinehandel passt.“

Larisa Gejsman, Marketing & PR bei Billpay: „In wirtschaftlich angespannten Zeiten sehen wir eine schlechtere Zahlungsmoral der Konsumenten. Dies stellt Online-Händler vor die Herausforderung, die von ihnen eingesetzten Risiko- und Forderungsmanagement-Systeme an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, wenn sie ihren Kunden attraktive, aber ausfallgefährdete Bezahlmethoden wie Kauf auf Rechnung, Lastschriften oder Ratenfinanzierungen anbieten wollen. Derselben Herausforderung sehen sich Zahlungsanbieter wie Billpay gegenüber, die solche Bezahlmethoden für Online-Händler abwickeln und gegen Ausfall absichern. Billpay tut sich aufgrund der großen Zahl an Transaktionen und dem Know-how meist leichter als einzelne Händler, die Bonitätstrends frühzeitig zu erkennen, die Risikoprozesse zeitnah zu optimieren und insbesondere neue Mittel, zum Beispiel gegen Betrugserkennung, einzusetzen. Auf diese Weise können Online-Händler auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ihren Kunden weiter attraktive Zahlungsmöglichkeiten anbieten.“

 

 

 

 

 

 

  • Dr. Alexander Ey, Gründer & Geschäftsführer BillSafe.
  • Michael Hülsiggensen, Managing Director EOS Payment Solution.
  • Christian Reindl, Executive VP Sales Consumer Goods, Wirecard
  • Manfred Krüger, Vorsitzender der Geschäftsführung ConCardis
  • Markus Solmsdorff, Geschäftsführer Expercash
  • Mirko Hüllemann, Geschäftsführer von Heidelberger Payment
  • Marcus W. Mosen, Chief Commercial Officer Ogone
  • Joerg Schwitalla, Geschäftsführer Giropay
  • Jan Riedel, Marketingreferent SAF Unternehmensverbund
RSS Feed

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags