SEO – Do it yourself

Wer auf dem Marktplatz des 21. Jahrhunderts, dem Internet, von Kunden entdeckt werden möchte, muss dafür sorgen, dass er gesehen wird. Die Rankings der Suchmaschinen von Google über Yahoo bis Lycos sind dabei das Maß aller Dinge.

Es gilt, prominent gelistet zu sein.

Nur wer in den „Hitparaden“ von Google & Co. mit wichtigen Suchbegriffen auf den ersten Plätzen gefunden wird, bekommt den wertvollen Traffic für große Umsätze. Viele Unternehmen leisten sich deshalb IT-Spezialisten, die sich auf Suchmaschinenoptimierung (SEO) verstehen. Für einige Shops und Dienstleister im Web kommt dieser Service aus Kostengründen nicht in Frage. Außerdem tummeln sich in der Branche so genannte Black-Hat-SEOs, die die Richtlinien der Suchmaschinen umgehen, um kurzfristig gute Listenplätze zu erzielen. Der Hamburger SEO-Experte Michael Dunker von Testroom verrät Tipps und Tricks, wie Unternehmen einfach prüfen können, ob ihre Seite fit fürs Web ist und wie sie ihr zu einem virtuellen Logenplatz verhelfen können.

Die gute Nachricht zuerst: SEO klingt zwar für viele Firmenlenker immer noch etwas mystisch, hat aber nichts mit Zauberei zu tun.

Nun die schlechte Nachricht: Eine Webseite in Eigenregie zu optimieren, ist eine Sisyphosarbeit, für die es viel Know-how auf mehreren Feldern braucht. Aber man kann es, wenn man weiß, wie es geht.

Es gibt drei wichtige Zutaten, um die Sichtbarkeit einer Seite zu erhöhen und so den Traffic zu steigern: Technik, Content und Backlinks.

Die richtige Mischung ergibt das perfekte Rezept. Michael Dunker: „Es beginnt mit der Programmierung der Seite (Technik), die Google-konform sein muss, um der Suchmaschine einen freien Zugang zu allen Informationen zu gewähren. Dazu kommen die interessanten Inhalte (Content), mit denen die Zielgruppe gewonnen wird und die den Suchmaschinen zeigen, worum es im Webauftritt überhaupt geht, was verkauft oder kommuniziert werden soll.“ Das dritte „Gewürz“ sei besonders kniffelig: Backlinks. Wenn eine Website auf eine andere verlinkt, „verstehen“ die Suchmaschinen das als eine Empfehlung. Dunker: „Für Google & Co. heißt das: Je mehr Backlinks eine Seite bekommt, desto wichtiger und interessanter muss sie sein. Und eine solche für ein bestimmtes Thema relevante Website wird im Ranking weit nach oben geschoben.“

So mancher Unternehmer weiß gar nicht, wie gut oder schlecht die Website seiner Firma ist. Er kann sich darüber bei freien Webdiensten informieren. Zwei Adressen seien genannt:

„Diese Dienste schauen in erster Linie auf die so genannte OnPage-Optimierung“, sagt der TestroomM-Chef. Dazu gehörten die Technik und der Content. Sie berücksichtigt alle Faktoren eines Internetauftritts, auf die der Betreiber direkten Einfluss hat. Nach der Optimierung kann Google eine Website leicht indizieren und erkennt, welches Thema hier behandelt wird. Dunker: „So fällt es Google leichter, einer Suchanfrage die passende Seite des Internetangebots zuzuordnen. Die OnPage-Optimierung führt in der Regel direkt zu einer Verbesserung im Ranking, einer Steigerung der Anzahl relevanter Keywords im Google-Index und der Positionen dieser Keywords in den Suchergebnissen. Neben dem positiven Effekt auf die elektronischen Suchmaschinen werden viele Onpage-Maßnahmen auch den Website-Besuchern aus Fleisch und Blut nützen – durch leichtere Navigation, erklärende Texte und übersichtlichere Strukturen.“

Zum zweiten „Gewürz“, den Inhalten. Der Inhalt einer Internet-Seite kann aus vielen Elementen bestehen – etwa aus Texten, Bildern, Videos, Formularen oder Spielen.

Wer viel Content mit Nutzwert bietet, hat die Nase im Rennen um die besten Plätze im Ranking vorn. Dunker: „Der Schwerpunkt der Suchmaschinenoptimierung liegt in den meisten Fällen auf Texten und Bildern. Um bei Google und anderen Suchmaschinen positiv aufzufallen, sollte ein Text auf einer Unterseite mindestens 300 Worte, besser aber 500 oder deutlich mehr haben.“ Warum? Stichwort: Relevanz. Kurze Texte haben für die Suchmaschinen kaum Bedeutung. Deswegen gilt es, Texte semantisch zu optimieren. Das aber ist gar nicht so einfach. Es reicht nicht, den Begriff „Ferrari“ in einem Text mit hoher Dichte zu verwenden, denn Google nutzt seit einigen Jahren die Technik der semantischen Indexierung (LSI). Und die verlangt eine relevante Wortwolke – auch „semantischer Raum“ genannt – um  den Begriff herum. Bei „Ferrari“ also beispielsweise Worte wie „Rennwagen“, „Italien“, „Rennstrecke“, „Enzo“, „Modena“, „rot“, „Bella Macchina“ usw.

Für eine optimale Listung bei Google ist es nach Überzeugung von Michael Dunker von zentraler Bedeutung, dass die wichtigsten Keywords möglichst weit vorn im Text vorkommen und sich dann nochmals im mittleren und unteren Teil wiederholen: „Außerdem sollten die Schlüsselworte in Zwischenüberschriften und im gefetteten Text stehen. Wichtig bei jeder Optimierung: Die Texte müssen sich auch nach intensiver Bearbeitung gut lesen lassen und die Botschaft des Unternehmens vermitteln. Was themenrelevant ist und einen Nutzwert besitzt, hat die größte Wirkung bei den Suchmaschinen. Wichtig: Die Zwischenüberschriften nützen nicht nur der Suchmaschinenoptimierung, sondern erlauben auch ein schnelleres Auffinden der gesuchten Informationen für die Besucher der Seite.“ Und die Bilder und Grafiken? Dunker: „Bilder lockern einen Text auf, unterstreichen und verbildlichen eine textliche Aussage. Studien zeigen: Websites mit Fotos von Menschen werden besonders lange betrachtet. Damit lässt sich also die Verweildauer der Besucher auf der Website erhöhen.“

Bilder sind grundsätzlich ein sehr wichtiges Mittel, um Seiten aufzuwerten. Das Problem: Google kann nur Texte einlesen, Bilder nicht. Die Suchmaschine „bemerkt“ zwar, dass in den Text ein Bild oder eine Grafik eingebunden ist, den Inhalt kann sie aber nicht interpretieren. Um Bilder für Google besser „lesbar“ zu machen, sollte nach Ansicht des Testroom-Chefs zunächst ein thematisch passender Dateiname gewählt werden. Ähnlich wie bei den „sprechenden URLs“ sollte man auch „sprechende Dateinamen“ benutzen. Der so genannte „Alt-Tag“ (ein Attribut in der Programmierung der Website), also der alternative Text zum Bild, sollte den Inhalt des Bildes beschreiben, aber auch ein relevantes Keyword für Google enthalten. Ein Beispiel: <img src="SEO.jpg" alt="SEO ist wichtig">. Dieser alternative Text erscheint auch, wenn sich aus technischen Gründen ein Bild nicht laden lässt. Zudem wird das Alt-Attribut etwa sehbehinderten Menschen automatisch vorgelesen. Das ist ein weiterer praktischer Nutzen. Neben dem „Alt-Tag“ kann noch ein „Title-Tag“ gesetzt werden – diese Fotoüberschrift lässt sich etwa anzeigen, wenn ein Nutzer mit der Maus über das Bild fährt. Und selbstverständlich ist auch eine gute Bildunterschrift für Mensch und Maschine sinnvoll.

Alles ist nichts ohne die richtige Prise Technik: Es gibt verschiedene Programmier-Codes, auf die Google und die anderen Suchmaschinen Wert legen.

Eine Gruppe heißt Metatags: Diese werden im Kopfbereich (Header) einer Webseite im HTML-Code gesetzt und geben Informationen über die Seite an die Suchmaschinen und den Besucher. „Die Metatags sind ein entscheidender Faktor in der OnPage-Optimierung“, sagt Dunker. Besonders zu berücksichtigen seien hier die Tags „Description“ und „Title“.

Die Experten der Hamburger Firma Testroom empfehlen, insgesamt sechs Metatags standardmäßig zu setzen. Der „Title“, also der Titel einer Internetseite, wird in der Kopfzeile eines Browsers angezeigt – oben links. Dieser so genannte Page-Title (bis zu 60 Zeichen) beschreibt den menschlichen Besuchern und den Suchmaschinen kurz und prägnant, wovon eine Website handelt. Generell sollte für jede Unterseite einer Website ein individueller Titel verwendet werden. „Dieser sollte genau erklären, um was es auf dieser Unterseite geht“, sagt Dunker. „Die wichtigsten Worte sollten ganz vorn platziert sein.“

Die „Description“ (bis zu 155 Zeichen), die Beschreibung des Inhalts einer Seite, gibt den menschlichen Besuchern und den Suchmaschinen Informationen, wovon eine Website handelt. Wie wichtig die Description auch für Google ist, lässt sich daran erkennen, dass Google sie als „Snippet“ verwendet. Das ist der kurze Textbaustein in den Google-Suchergebnissen. Eine gute Description ist also nicht nur für die Suchmaschine sinnvoll, sondern kann auch den Besucher zum Klicken anregen. Michael Dunker: „Generell sollte für jede Unterseite einer Website eine individuelle Description verwendet werden. Diese ist gut, wenn sie möglichst genau beschreibt, worum es auf der jeweiligen (Unter-) Seite geht. Nur wenn die Description zu dem tatsächlichen Inhalt der Seite passt, wird Google diese als Snippet verwenden und entsprechend in den Rankings berücksichtigen. Wie beim Titel müssen die wichtigsten Worte ganz vorn platziert sein. Sucht ein Google-Nutzer nach Worten, die auch in der Description der Website vorkommen, werden diese in den Google-Suchergebnissen fett gedruckt angezeigt. Das hilft den Google-Nutzern festzustellen, wie passend eine Website für ihre Anfrage ist. Das Primär-Keyword sollte auch hier ganz vorne stehen, gefolgt von einem ergänzendem Text und zwei bis drei sekundären Keywords.“ Ihre Verbindung zur Suchmaschine: die Google Webmastertools. In ihnen können verschiedene Einstellungen vorgenommen werden, die Google künftig beim Umgang mit der Seite berücksichtigt. Außerdem können Unternehmen die Leistung ihrer Seite messen und Probleme identifizieren und beheben. In Webmastertools lässt sich Folgendes erkennen/durchführen:

  • Wo hat der GoogleBot Probleme beim Einlesen der Website?
  • Eine XML-Sitemap (Inhaltsangabe der Website) erstellen und hochladen
  • Robots.txt-Dateien analysieren und generieren
  • URLs entfernen, die unerwünscht von Googlebot gecrawlt wurden
  • Die bevorzugte Domain (mit oder ohne www) spezifizieren
  • Probleme bei den Meta-Tags erkennen
  • Kennzahlen der Seite aus der Google-Sicht wie Ladezeiten überprüfen
  • Mitteilung erhalten, wenn gegen die Richtlinien für Webmaster verstoßen wurde.

Fazit: Um in den Rankings von Google & Co. ganz oben zu stehen, bedarf es nicht nur einer guten Technik, sondern vor allem vieler Verlinkungen und exzellenter Texte, die themenrelevant sind und einen möglichst hohen Nutzwert besitzen. Wer sich eines Dienstleisters wie Testroom bedient, bekommt eine Lösung, aber auch Hilfe zur Selbsthilfe.

Autor: Simon Mikuteit arbeitet als freier Wirtschaftsjournalist in Hamburg. Er schreibt für Publikationen wie die Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Financial Times Deutschland sowie verschiedene Fachzeitschriften. Themenschwerpunkte sind IT, Mittelstand, Finanzen, Energie und Karriere.

Dieser Beitrag erschien erstmals im Schwerpunkt SEO, e-commerce Magazin 03/2013

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