Spektakel am Himmel, Debakel am Computer: Datenverlust durch Blitzeinschlag

Der Juli ist in Deutschland die Zeit mit den meisten Gewittern, ungefähr 40 Prozent aller Blitzeinschläge treten in dieser Zeit auf. So reinigend ein Sommergewitter sein kann, für Speichersysteme aller Art stellen sie eine große Gefahr dar. Überspannungsschäden, die infolge eines Blitzschlags über die Energieversorgung auf den Speichercontroller weitergeleitet werden, sind nicht selten. Ein dadurch eintretender Datenverlust ist meist die direkte Folge einer kurzzeitigen Überspannung. Kroll Ontrack, Spezialist für Datenrettung und Datenmanagement, gibt Tipps, wie man sich schützen kann und was im Schadensfall zu tun ist.

Weltweit existieren gleichzeitig 2.000 bis 3.000 Gewitter, was eine Gesamtzahl von 10 bis 30 Millionen Blitzen täglich ergibt. Das sind über 100 Blitze in jeder Sekunde, wobei nur 10 Prozent davon in den Boden einschlagen1. Die Blitzhäufigkeit in Deutschland liegt zwischen 0,5 und zehn Einschlägen pro Quadratkilometer und Jahr1. Dabei variieren die Blitzeinschläge je nach Region und Jahreszeit stark. Von Januar bis Juli 2014 wurden in Baden-Württemberg auf zehn Quadratkilometern durchschnittlich 37 Blitzeinschläge registriert, gefolgt von Hessen (34) und Bayern (30). Schlusslicht bilden Berlin mit fünf und Schleswig-Holstein mit vier Blitzeinschlägen im Durchschnitt auf einem Quadratkilometer2.

Um Schaden an Computern anzurichten, muss der Blitz nicht unbedingt die Stromleitung treffen. Auch das Telefonnetzwerk ist ein gern benutzter Leiter. Demzufolge können angeschlossene Netzwerk-Kabel, die den Computer, den Fernseher oder andere Geräte mit Netzwerk-Zugang versorgen, die Geräte durch Überspannungen zerstören. Die Experten des Datenrettungslabors von Kroll Ontrack geben einige Ratschläge, wie man sich schützen kann, wie ein Schaden erkannt wird und was dann zu tun ist:

Vorsorge ist besser als Nachsorge

  • Schlägt der Blitz direkt ins Gebäude ein, ist man praktisch machtlos. Doch bei Blitzeinschlägen in der Umgebung oder ins Stromnetz kann man einige sinnvolle Vorkehrungen treffen:
  • Überspannungsschutz durch Elektroinstallateur: Zieht man einen Fachmann zu Rate, kann dieser einen Überspannungsschutz in den zentralen Stromverteiler einbauen. Für Mehrfamilienhäuser gelten hier natürlich andere Richtlinien als für eine kleine Singlewohnung.
  • Blitzschutzleisten und Blitzschutzstecker: Diese Schutzmaßnahmen werden häufig günstig in Baumärkten angeboten, bieten aber nur einen geringen Schutz bei Stromschwankungen und Spannungsspitzen im 220-Volt-Netz. Gegen die gewaltige Energie eines Blitzes von durchschnittlich 20.000 Ampere helfen sie nicht. Hochwertigere Schutzstecker und -steckerleisten können Stromstärken von bis zu 120.000 Ampere abwehren und sind zusätzlich mit Stecker für Antennen-, Telefon- und DSL-Leitungen ausgerüstet. Kostenpunkt: ab 100 Euro aufwärts.
  • Stecker ziehen: Den Stecker zu ziehen, ist seit jeher ein probates Mittel, seine elektronischen Geräte zu schützen, doch in Unternehmen kann nicht bei jedem Gewitter der gesamte Betrieb lahmgelegt werden. Als Privatmann ist es daher ratsam, vor Urlaubsreisen vorsichtshalber den Stecker zu ziehen. Unternehmen mit eigenem Netzwerk-Server sollten auf eine Lösung zur unterbrechungsfreien Spannungsversorgung (USV) setzen.
  •  Hausratversicherung prüfen: Deckt die Hausratversicherung Blitz- und Überspannungsschäden ab, sind Schäden am Gerät versichert. Viele Versicherungen klammern diesen Bereich aber aus oder kommen nur für Schäden auf, wenn der Blitz direkt in das Haus einschlägt. Nicht abgedeckt ist ein Vermögensschaden, der durch den Verlust von Daten auf dem Computer entsteht. Man sollte seine Versicherungsleistungen besser prüfen – sollte es je zum Schadensfall kommen, sind diese Minuten bestens investiert.
  • Daten regelmäßig sichern: Zur Prävention des Schlimmsten, sollten auch Privatanwender daran denken, die eigenen Daten regelmäßig zu sichern. Unternehmen sollten besonderen Wert auf ihre Daten legen. Es ist daher ratsam, entweder die Daten extern auf Backup-Medien zu lagern oder auf einen Upload von Daten in der Cloud zurückzugreifen.

Symptome von Schäden nach Überspannung

  • Nach einem Blitzschlag lassen sich PCs, Laptops oder NAS-Server nicht mehr anschalten. Manchmal lassen sich auch Festplatten oder SSDs nicht mehr ansprechen. Folgende Symptome sind typisch für einen Überspannungsschaden:
  • Die Festplatte läuft nicht mehr, keine Geräusche der Schreib-/ Leseköpfe feststellbar.
  • Die SSD wird nicht mehr erkannt.
  • Einzelne Bauteile riechen verschmort.
  • Der NAS-Server startet nicht mehr.
  • Das RAID-System ist nicht mehr verfügbar.

Datenrettung nach dem Ernstfall

Liegt die Vermutung eines Schadens durch Überspannung nahe, muss ein Experte für die Datenrettung kontaktiert werden. Durch voreilige und unprofessionelle Schritte können weitere Probleme beispielsweise im Bereich der HDD-Firmware entstehen, was die Datenrettung erschwert und die Kosten in die Höhe treibt. Je weniger Lese- und Schreibvorgänge an einem fehlerhaften Datenträger durchgeführt werden, umso höher sind die Chancen einer einwandfreien Datenrettung.

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