Trends im E-Commerce 2016: Click & Collect

Das Konzept „Click and Collect“ wurde im letzten Weihnachtsgeschäft erstmals zum Thema für ein breiteres Publikum. Als stressfreier Weg, den Einkaufsrummel vor den Festtagen zu bewältigen, fand es viel Zuspruch unter den Konsumenten. Sie können online Geschenke aussuchen, statt sich in der Stadt mit hektischen Mitmenschen zu drängeln und dann die Einkäufe zeitnah in einer nahegelegenen Filiale abholen, statt angespannt zu warten, ob die überlasteten Paketdienste die Geschenke noch rechtzeitig liefern.

In Großbritannien hat sich dieses Angebot bereits etabliert. Die britische Kette John Lewis berichtete, dass Click-and-Collect-Bestellungen mehr als die Hälfte des Online-Weihnachtsgeschäfts ausmachten. Aber auch in immer mehr deutschen Geschäften haben Käufer in den letzten 12 Monaten Flyer und Informationen zu den kombinierten Online- und Filialeinkaufsmöglichkeiten erhalten, die nicht nur rund um Feiertage Vorteile bieten. Kunden schätzen besonders, dass sie sich nicht darauf einrichten müssen, für die Lieferung per Paketdienst zuhause zu sein. Laut einer Studie von Metapack nutzten 26 Prozent der deutschen Käufer im letzten Jahr Click & Collect, in Frankreich waren es bereits 43 Prozent, in Großbritannien 63 Prozent und für 2016 wird eine Fortsetzung dieses Trends erwartet.

„Ship from Store“

Auch das sogenannte „Ship from Store“, bei dem online bestellte Lieferungen statt nur aus den Hauptlagern auch aus Geschäftsfilialen an Kunden versendet werden, kommt stärker zum Einsatz. Zum einen macht es Lieferungen über regionale Gebiete hinweg schneller und effizienter. Darüber hinaus kann das Ship-from-Store-Konzept durch eine bessere Balance von Lagerbeständen auch die Umsätze von Händlern um bis zu 20 Prozent steigern. Das ergab eine Befragung unter Kunden von eBay Enterprise. Durch weniger Restposten, beispielsweise Saisonwaren, in Filialen wird auch die Notwendigkeit für Preisnachlässe und den Saisonabverkauf  in großen Mengen verringert.  Aber auch die Verfügbarkeit von Waren in Filialen wird durch die höhere Transparenz des gesamten Warenbestands verbessert.

In der Kombination eröffnen beide Konzepte viele Optionen, Wettbewerbsvorteile zu realisieren. Daher ist zu erwarten, dass sich diese Entwicklung im Jahr 2016 fortsetzen wird. Wichtig ist bei der Einführung der Konzepte das Einbeziehen der Filialmitarbeiter. Sie sollten gut geschult werden und die Vorteile der Programme erkennen – beispielsweise, indem ihre Kommissionen auch auf Omnichannel-Bestellungen ausgedehnt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie diese als Unterbrechung ihrer Arbeit ohne erkennbaren Mehrwert ansehen. Dies könnte zu Verzögerungen bei der Bearbeitung führen. Dabei ist es wichtig, dass Bestellungen pünktlich zur Abholung in den Filialen bereitstehen, um den Kunden einen optimalen Service zu bieten.

Der Omnichannel-Handel hat die Silos zwischen dem Verkauf und dem Fulfillment beseitigt und für mehr Transparenz gesorgt. Der gleiche Prozess beginnt nun auch bei der Aus- und Eingangslogistik. Viele Händler beklagen, dass das größere Omnichannel-Volumen zu mehr Retouren geführt hat. Dabei können diese Rückgaben oder der Umtausch auch zum Wettbewerbsvorteil ausgebaut werden. Der Einzelhandel sollte die Omnichannel-Philosophie auf seine Rückgabelogistik ausdehnen – nach dem Motto: „Überall kaufen und überall zurückgeben“. Eine schnelle Rückerstattung ist ebenfalls ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.

Händler, die an herkömmlichen Infrastrukturen festhalten, könnten eines Tages aufwachen und sich in einer völlig neuen Landschaft des Einzelhandels wiederfinden, die ihr Modell überholt hat.

Autor: Enda Breslin ist European Head of Sales & Business Development bei eBay Enterprise. eBay Enterprise ist der Anbieter von für den Handel optimierten E-Commerce- sowie Commerce-Lösungen und hilft renommierten Marken und Händlern dabei, ihr Potenzial auszuschöpfen.

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