Umfrage: Die Tücken der Verpackung

Das e-commerce Magazin hat Logistik-Experten gefragt, wie Onlinehändler mit dem durchaus diffizielen Thema Verpackung umgehen sollen.

ECM: Welchen häufigsten Fehler begehen Händler bei der Auswahl ihrer Verpackungen?

Karsten Tannhäuser (G3 Worldwide Mail): Unsere Erfahrungen sind überwiegend, dass unsere Kunden selten wirkliche Fehler begehen. In der Regel sind Sie bestens informiert und haben auf Grund jahrelanger Erfahrung im Versandhandel adäquate Verpackungen.  Selbstverständlich prüfen und informieren wir vorab, welche Verpackungen geeignet sind und welche nicht und stehen dem Händler immer beratend zur Seite.

Andreas Reß ist Geschäftsführer Sales & Costumer Service bei DPD Deutschland. DPD ist ein internationaler Paket- und Expressdienstleister und bietet einen bequemen und flexiblen Service beim B2B- und B2C-Paketversand.

Steven Marks( eBay Germany): Bei der Vielzahl an gewerblichen eBay-Händlern aus ganz unterschiedlichen Branchen können Verpackungsfehler jeglicher Art auftreten. Der häufigste Fehler ist die Wahl der falschen Verpackung hinsichtlich Größe und Kartonstärke für das jeweilige Produkt. Die Wahl einer zu großen Verpackung führt in der Regel zu einem weiteren Problem: Der entstehende Hohlraum wird durch Mengen von Füllmaterial ausgeglichen.

So entstehen nicht nur unnötige Kosten für den Händler, das sorgt unter Umständen auch für Unmut bei den zunehmend umweltbewussten Kunden. Wird hingegen eine zu geringe Kartonstärke genutzt, riskiert der Händler, dass das Produkt beschädigt oder evtl. sogar Teile verloren gehen. Selbst wenn dieser Worst-Case nicht eintritt, so hinterlässt eine beschädigte Verpackung tendenziell einen negativen Eindruck beim Kunden. Vergessen sollte man hierbei auch nicht, dass eine Kartonage unter Umständen auch noch als Retouren-Sendung genutzt werden sollte.      

Dorothe Eickholt (Asendia Germany): Innovative Verpackungen, die ihren Inhalt wirkungsvoll schützen und gleichzeitig eine hohe Werbewirkung haben, sind besonders im E-Commerce begehrt. Oft wird nicht genügend Polstermaterial verwendet, sodass die Ware verrutscht. Der größte Fehler ist, empfindliche und zerbrechliche Waren ohne Umverpackung zu versenden. Denn die von den Herstellern verwendeten Verkaufsverpackungen reichen alleine nicht aus, um die Ware beim Versand zu schützen.

Andreas Reß (DPD): Die Verpackung ist ein ganz wichtiger Aspekt beim Paketversand. Sie trägt ganz entscheidend dazu bei, dass die transportierte Ware auch heil und sicher beim Empfänger ankommt. Der größte Fehler ist daher, der Verpackung nicht die gebührende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

ECM: Was raten Sie daher Händlern?

Steven Marks( eBay Germany):     Kostenoptimierung beim Versand ist möglich, sollte aber   die Sicherheit der Ware und das Auspackerlebnis des Kunden nicht gefährden. Zudem sollte der jeweilige Branchenstandard beachtet werden. Verpackung ist keine Rocket Science, aber unterschätzen sollten Händler das Thema nicht. Sind Verpackung oder Artikel beschädigt, mindert das die Chance auf Wiederkäufe und führt zu vermeidbaren Retouren.   Die Verpackung kann aber zu einem Gewinner-Thema werden: durch Brand-Building.

Hier muss ich neidlos anerkennen, dass zum Beispiel Zalando einen super Job macht. Aber auch ein pfiffiger eBay-Händler hat mich letztens begeistert. Er verwendet grundsätzlich gebrauchte, aber natürlich unbeschädigte Kartonagen und klebt „Der Umwelt zuliebe 100% recycelt“-Sticker auf die Verpackung. So spart er Kosten und gibt dem Kunden ein gutes Gefühl beim Auspacken. Vielen, insbesondere kleinen Händler fällt Brand-Building sichtlich schwer, auch deshalb bieten wir seit vergangenem Jahr preiswertes, aber hochwertiges eBay-Versandmaterial auf paketshop.ebay.de an.

Dorothe Eickholt (Asendia Germany): Grundsätzlich sollte die Größe der Verpackung auf die Ware abgestimmt werden. Denn ein zu großer Karton benötigt zu viel Polstermaterial, das die Verpackungskosten unnötig in die Höhe treibt. Durch zu große Verpackungen kann es sein, dass sich in Einzelfällen das Gewicht erhöht und das Porto teurer wird. Ein zu kleiner Karton schützt die Ware nicht ausreichend vor Beschädigungen und führt zu unnötigen Reklamationen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte das Fulfillment an einen professionellen Dienstleister outsourcen, der sich auf Verpackungslösungen spezialisiert hat.

Dorothe Eickholt ist Geschäftsführerin Asendia Germany und Asendia Austria.

Andreas Reß (DPD): Die ideale Verpackung unterscheidet sich je nach Ware enorm. Die Größe der Kartonage ist ein wichtiger Aspekt, denn die Ware darf innerhalb des Pakets keinen Spielraum haben. Die Kartonage muss außerdem dem Gewicht der Ware standhalten können. Schwere Waren benötigen zudem ein härteres Polster als leichte Waren. Als Händler sollte ich mir also genau anschauen: Welche Verpackung passt zu welcher Ware? Bei einem großen Sortiment mag diese Differenzierung aufwändig sein, aber sie zahlt sich in jedem Fall aus – vor allem in Form von zufriedenen Empfängern.

Karsten Tannhäuser (G3 Worldwide Mail): Man muss sich immer im Klaren darüber sein, egal welchen Distributionskanal und Dienstleister man nutzt (Brief- oder Paketlogistik / national oder international), ab der Übergabe an den Dienstleister werden die Sendungen an diversen Schnittstellen bis zur finalen Zustellung umgeschlagen. Auf eventuelle Gebrauchsspuren muss man sich immer einstellen und da in unserem Kerngeschäft die Sendungen i.d.R im Briefkasten zugestellt werden, sollten die Verpackungen entsprechend robust und flexibel sein. Ebenfalls sollte darauf geachtet werden, dass die Empfangsadressen sauber und ordentlich auf den Verpackungen sind und auch beim Transport oder Umschlag nicht beschädigt werden können.

ECM: Zustellung via Drohnen – was halten Sie davon?

Karsten Tannhäuser (G3 Worldwide Mail): Für den alltäglichen Versand in Ballungsgebieten recht wenig. Schaut man über den Tellerrand hinaus, ist es eine tolle und sehr sinnvolle Technik, die beispielsweise für die Zustellung von Medikamenten in Afrika zugute kommt, oder Inselzustellungen dadurch möglich sind wo sonst logistische Hindernisse bestehen . Unter ökologischen Aspekten, macht es auch Sinn wenn man Werksverkehre etc. durch Drohnen substituieren kann, um den CO2 Ausstoß zu reduzieren. Der Umwelt zu liebe ist es somit eine sehr gute Sache.

Andreas Reß (DPD): Drohnen können für Paketdienste in Zukunft von Bedeutung sein – allerdings nur in ganz speziellen Fällen, etwa bei dringenden Lieferungen kleiner Pakete in abgelegene oder schwer zugängliche Regionen. Für die übergroße Mehrheit der Pakete sehe ich allerdings auch auf lange Sicht keine Zustellung via Drohne. Viel relevanter sind zum Beispiel übergreifende Trends wie die Digitalisierung oder Zukunftstechnologien wie etwa das Autonome Fahren.

Dorothe Eickholt (Asendia Germany): Drohnen sind meiner Meinung nach bestenfalls in ländlichen Regionen eine alternative Transportmöglichkeit – oder, um eingeschneite Orte im Winter mit dem Nötigsten zu versorgen. Die spannenden Diskussionen um die letzte Meile bei der Paketzustellung zeigen allerdings, wie wichtig es ist, hierfür eine Lösung zu finden. Insbesondere im internationalen E-Commerce gefährdet jeder Tag, den die Sendung länger als geplant unterwegs ist, die Kundenzufriedenheit.

Steven Marks ist Head of Shipping & Local bei eBay Germany

Steven Marks( eBay Germany): Unter der Annahme des rasant steigenden Paketvolumens wird aus Wirtschaftlichkeitsgründen aus meiner Sicht kein Weg an autonomer Zustellung vorbeiführen. Ich denke, auch Drohen werden in der Zukunft ihren Platz finden. Nicht umsonst testen derzeit zahlreiche Logistiker wie auch DHL das Konzept. Der Anwendungsbereich wird sich meines Erachtens aber auf weniger dicht bevölkerte oder schwer zugänglich Gebiete beschränken. Denken Sie an Inseln oder an Zustellung in abgelegene Gegenden; Heerscharen von Drohnen, die in der Stadt den Himmel verdunkeln, sind für mich derzeit aber nur schwer vorstellbar. Zielführender finde ich da den Ansatz mit autonomen Zustell-Fahrzeugen. Hermes pilotiert hier zum Beispiel mit einem kleinen sympathischen Zustellroboter in Hamburg Ottensen. Sehr spannend aus ökonomischer und Kundensicht sind daher eher Konzepte mit autonom fahrenden Packstationen, die prinzipiell wie herkömmliche Packstationen funktionieren, aber eben mobil sind. Diese könnten, sofern die erste Zustellung beim Kunden nicht klappt, an zentralen Standorten parken und Kunden eine Abend- bzw. Nachtabholung ermöglichen. Auch Sonntags- oder Nachtzustellung könnte so wirtschaftlich abbildbar werden, ohne dem Paketzusteller den Feierabend oder Sonntag zu verderben. Der Zusteller wird meiner Meinung nach aber auch in einer Welt mit autonomen Zustellfahrzeugen unersetzlich bleiben. Hinterhaus, vierter Stock eines Berliner Altbaus…das schafft noch keine Drohne oder Roboter. Im Übrigen spreche ich auch mal ganz gerne ein paar Worte mit meinem Paketzusteller, der so auch schon mal das eine oder andere Einkaufserlebnis positiv abgerundet hat.    

(jm)    

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