Umfrage: Einsparpotenziale, Einkaufstrategien und Beschaffungsmärkte

Bevorzugt wird zudem die Kombination aus gutem Preis bei gleichzeitig guter Qualität: Drei Viertel der Einkäufer finden diese Kombination in Deutschland – nur drei Prozent in Asien. Welche Einsparpotenziale deutsche Einkäufer sehen, wie sie ihre Geschäfte strategisch angehen und welche Kriterien für sie im Beschaffungsprozess am wichtigsten sind – dies und weitere spannende Antworten hat die professionelle Anbietersuche „Wer liefert was“ in einer Umfrage unter rund 2.000 Einkäufern herausgefunden.

Top 5-Kriterien in der Anbieterbewertung

„Anhand welcher Kriterien Einkäufer ihre Anbieter bewerten, spiegelt sowohl die Strategie des Einkaufs als auch den Erfolg des gesamten Unternehmens wider“, sagt Peter F. Schmid, CEO von „Wer liefert was“. So ergab die Umfrage fünf unverzichtbare Kriterien für Anbieter und Dienstleister. Demnach an erster Stelle: die Qualität ihrer Produkte oder Dienstleistungen – 80 Prozent der befragten Einkäufer wählten dieses Kriterium als Antwort auf die Frage „Wie bewerten Sie Ihre Anbieter/Dienstleister?“.

Mit 64 Prozent stehen Lieferzeiten und Liefertreue an zweiter Stelle. Preise und Zahlungsbedingungen kommen erst an dritter Stelle (60 Prozent). Ein interessanter Punkt, denn vergleicht man diese Aussage mit der Antwort zur Frage, welche Optimierungshebel die Befragten im Einkauf nutzen, steht dort der günstigste Anbieter, also der Preis, an erster Stelle. Für Peter F. Schmid ein deutlicher Hinweis: „Schlechte Qualität bedeutet zumeist hohe Kosten für Reklamationen oder Ersatzbeschaffungen und kann im schlimmsten Fall Kunden kosten. Der Preis sollte deshalb nicht alles entscheidend sein.“ Als Optimierungshebel im Nachhinein eigne sich der Preis, zum Beispiel infolge von Verhandlungen mit dem Lieferanten, führt Schmid fort. An vierter und fünfter Stelle der wichtigsten Kriterien für Anbieter stehen ihre Fachkompetenz und der Umgang mit Reklamationen sowie Serviceanfragen, was jeweils rund die Hälfte der Befragten angab.

Sourcing-Konzept: Mehrquellenbeschaffung top – unmittelbare Nähe der Anbieter bevorzugt

Knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) nutzen die Mehrquellenbeschaffung, also die Beschaffung über mehrere Anbieter. Es zählt zudem die unmittelbare geografische Nähe der Anbieter, dies gaben 43 Prozent der Einkäufer an. Das erklärt auch, weshalb die internationale Beschaffung nicht dominiert. So nutzen nur 27 Prozent der Befragten internationale Märkte. Dieser Faden zieht sich auch durch die weiteren Fragestellungen. Zur Frage nach guten Preisen bei gleichzeitig guter Qualität und wo die befragten Einkäufer diese Produkte/Dienstleistungen finden, gab die große Mehrheit der Befragten mit 74 Prozent an, dass Produkte/Dienstleistungen aus Deutschland diesen Kriterien entsprächen. 20 Prozent der Befragten finden diese Kombination in der gesamten EU und nur 3 Prozent in Asien. „Diese Zahlen sprechen klare Worte. Deutschland ist nach wie vor Qualitätsaushängeschild, wir entwickeln uns jedoch weiter in Richtung Europa, was ich sehr positiv sehe“, kommentiert Schmid die Antworten zur Frage, welches Sourcing-Konzept genutzt würde.

Vorauswahl an potenziellen Anbietern über das Internet und persönliche Empfehlungen

Weiterer strategischer Punkt ist, wie die Befragten die Vorauswahl potenzieller Anbieter treffen. Auf Platz 1: durch Google (64 Prozent), dicht gefolgt von speziellen Business-Suchmaschinen, zum Beispiel wlw (61 Prozent) auf Platz 2. Eine weitere wichtige Quelle bei der Vorauswahl sind die persönlichen Empfehlungen, zum Beispiel durch Kollegen oder Kontakte zu Einkäufern – mit 51 Prozent auf Platz 3. Eigene Anbieter-Datenbanken belegen mit 28 Prozent Rang 4.

Die Top-Kriterien in der Einkaufsstrategie

  • In die Entwicklung der Einkaufsstrategie fließen insbesondere zwei Punkte mit ein: 37 Prozent sagen, dass ihnen die langjährige Zusammenarbeit mit Anbietern besonders wichtig sei, weshalb sie auf bestehende Anbieter zurückgreifen.
  • Die Eingrenzung der Anbieterzahl durch verschiedene Kriterien fließt ebenfalls bei 37 Prozent der Befragten mit ein, gefolgt von der Erarbeitung von Kriterien für die Auftragsvergabe, zum Beispiel für Qualität oder Preise (32 Prozent).
  • Als Überraschung sind die 27 Prozent zu sehen, die angaben, dass sie ohne konkrete Strategie arbeiten und nach Bedarf bei attraktiven Anbietern bzw. Dienstleistern einkaufen. „Viele kleine und mittelständische Unternehmen besitzen keinen strategischen Einkauf, da sie schlicht keinen Bedarf sehen. Heute gibt es allerdings Mittel wie spezielle Suchmaschinen, die eine Professionalisierung des Lieferantenmanagements für jeden leichter und vor allem effektiver machen“, erläutert Schmid. Weiterhin führt jeder Vierte eine Bedarfsanalyse durch und jeder Fünfte arbeitet nach dem klassischen TCO-Prinzip, also die Einbeziehung aller Investitionskosten inklusive der Einführungskosten, Kosten der Betriebsphase sowie die für die Entsorgung anfallenden Aufwendungen, und wählt danach die für ihn besten Anbieter aus.

Preis als Optimierungshebel – Preisprognosen floppen

Mehrheitlich gaben die Befragten (37 Prozent) an, dass sie in regelmäßigen Abständen Anbietersuchen durchführen, um so immer den günstigsten Anbieter zu beauftragen. Den Einkaufspreis reduzieren sie über ein Preis-Benchmarking (35 Prozent). Preisprognosen des Marktes sind allerdings für die befragten Einkäufer für die Optimierung weniger wichtig. So gaben nur 15 Prozent an, dass sie nach solchen agieren. Jeder Vierte optimiert die Lieferkette, knapp jeder Fünfte führt Verbrauchsanalysen durch, um gegebenenfalls die Mengen anzupassen.

Die drei wichtigsten Aspekte im Beschaffungsprozess

Die dauerhafte Zusammenarbeit mit zuverlässigen Anbietern sei hier das wichtigste Kriterium – so 60 Prozent der befragten Einkäufer. Danach folgen mit jeweils rund 38 Prozent die Erfüllung der Wünsche und Forderungen der (End)-Kunden sowie die regelmäßige Zeit-, Kosten-, Qualitäts- und Mengen-Optimierung. Kurz dahinter liegt mit 35 Prozent die Klassifizierung von Produkten und Dienstleistungen, zum Beispiel nach Wert, Menge etc. Nur knapp 15 Prozent gaben an, dass die Abwendung von Preiserhöhungen bei den Anbietern/Dienstleistern ein wichtiges Kriterium sei.

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