Vom Social Web überrollt?

„Unternehmer, die den Kunden bevormunden, verfehlen ihr Ziel. Erfolgreiches Social Media Marketing lässt den Kunden entscheiden, welche Unternehmensbotschaften er auf welchen Informationskanälen lesen möchte. Unternehmer, die den Kunden bevormunden, verfehlen ihr Ziel.“

(Autor: Der diplomierte Volkswirt Peter Schaar ist seit 2003 Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Peter Schaar (geb. 1954) hatte zuvor ein Datenschutzberatungsunternehmen gegründet und bis 2002 das Amt des stellvertretenden Dienststellenleiters beim Hamburgischen Beauftragten für den Datenschutz bekleidet. Für sein Buch „Das Ende der Privatsphäre“ erhielt Schaar 2008 den Preis der Friedrich-Ebert-Stiftung „Das politische Buch“. Zudem unterrichtet er als Lehrbeauftragter an der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften der Universität Hamburg.)

 „Relevante News finden immer den Weg zu uns“

Menschen lernen schnell, die vielfältigen Informationen zu filtern und den richtigen Content-Quellen auf Twitter, Google+ und Facebook zu folgen, die einen Mehrwert versprechen. Letztlich findet die wirklich relevante News immer den digitalen Wege zu uns. (Autor: Klaus Eck ist Gründer und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Eck Kommunikation. Der 48-jährige Kommunikationsprofi hat 2004 den PR-Blogger gestartet, in dem er frühzeitig auf die Themen Online-Kommunikation, Reputation Management sowie Social-Media-Strategie gesetzt hat. 2006 hat der Networker das Social Web Breakfast ins Leben gerufen und 2009 den Social Media Club München gegründet.)

„Es wird wichtiger, den richtigen Kanal zu finden“

Je mehr Informations- und Kommunikationskanäle zur Verfügung stehen, umso stärker filtern die Konsumenten. Neben der richtigen Botschaft wird es für das Marketing immer wichtiger, den richtigen Kanal zu finden. Hier haben die digitalen Kanäle den Vorteil, dass fast alles messbar und die Zielgruppe relativ exakt bestimmbar ist. (Autor: Robert Clara, Vice President Marketing bei Hybris Software, Anbieter einer E-Commerce-Komplettlösung)

„Was man mit Herzblut kommuniziert, kommt bei den Kunden an”

Ich habe festgestellt, dass für mich als Einzelunternehmerin nur das wirklich funktioniert, was ich mit Engagement und Herzblut tue. Dann kommt meine Botschaft bei meinen Kunden an! (Autor: Gaby Regler arbeitet nach vielen Jahren in der IT-Branche u. a. im Training, Marketing und Management heute als selbständige Karriereberaterin für Frauen. Sie unterstützt Frauen dabei, ihre Potenziale zu entdecken und neue Perspektiven im Beruf zu entwickeln.)

"Die Fülle der Nachrichten ist schon jetzt zu hoch"

Die Fülle der Nachrichten ist schon jetzt zu hoch, gerade Facebook und Twitter arbeiten aber an immer mehr Werbemitteln, um für Unternehmen eine gute Reichweite zu gewährleisten, etwa Sponsored Domain Posts. Es bleibt abzuwarten, wie die User auf den vermehrten Einsatz dieser Werkzeuge reagieren. Wir rechnen aber damit, dass es durchaus zu einer Abwanderungsbewegung kommen kann.“ (Autor: Michael Fritz ist SEO Consultant & Business Analyst bei Barketing in Berlin. Er beschäftigt sich seit Anfang 2007 mit Online-Marketing und zählt auch Magix und Searchmetrics zu seinen Stationen. Bei Searchmetrics war Michael Fritz als stellvertrendender Leiter des SEO-Consulting-Teams verantwortlich.)

"Viele Informationsquellen, technische Neuerungen und vernetzte Kommunikation führen zur Reizüberflutung“

Ich glaube nicht, dass es die sozialen Netze sind, die die Nutzer überfordern, vielmehr führen die Anzahl an Informationsquellen und technischen Neuerungen in Kombination mit der vernetzten Kommunikation zur Reizüberflutung. Jetzt obliegt es den Plattformen, die Informationen so zu filtern und zu strukturieren, dass diese wirklich relevant für den Nutzer sind und nicht nur einem Algorithmus oder Anzeigen-Plan folgen. Es gibt ja nicht wesentlich mehr Botschaften, sondern mehr Flächen und Dynamik. Früher hing ein 18/1 eine Woche oder länger. Heute dreht es sich alle paar Sekunden. (Autor: Curt Simon Harlinghausen entwickelt Strategien und Konzepte für Online- und digitale Kommunikationsprojekte in Europa, Asien und den USA rund um die Themen Social Media, Facebook, Google, SEO und E-Commerce, Multichannel- und Online-Marketing sowie Vertrieb, IT, CRM und ERP.)

„Kunden filtern mittlerweile sehr genau, welche Informationen sie zulassen“

Social Media erfährt gerade innerhalb der letzten 12 Monate eine neue und viel konkretere Ausrichtung der Unternehmen. Es geht den Händlern nicht mehr ausschließlich darum, in allen Netzwerken vertreten und für den Kunden kontinuierlich präsent zu sein. Vielmehr steht ein verbesserter Auftritt mit ausgeklügelten Strategien und Monitoring im Mittelpunkt, um den Kunden nicht mit zu vielen Informationen zu überfluten, aber trotzdem auf seine Bedürfnisse eingehen zu können. Ein wichtiger Faktor hierbei: Auch der Kunde hat innerhalb der vergangenen zwei Jahre massiv dazugelernt und filtert sehr genau, welche Informationen er für sich zulässt und welche an ihm vorbeiziehen sollen.“ (Autor: Christin Schmidt leitet seit Sommer 2010 die Presseabteilung des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels e.V. (bvh). Weiterhin verantwortet sie die Ressorts Wirtschaftspolitik und Statistik und betreut alle Studien des bvh.  Die studierte Politologin arbeitete vor ihrer Tätigkeit beim bvh in Berlin für den Deutschen Bundestag als Referentin für Verbraucherschutz und elektronische Medien.)

„Nicht ins Blaue hinein kommunizieren, sondern mit konkreten Personen ins Gespräch kommen“

Social Media als zusätzlicher Kanal mit zusätzlichen Möglichkeiten zur Kommunikation löst viele Begehrlichkeiten aus. Unsere Kunden, die vor allem aus dem B2B-Geschäft kommen, sehen natürlich auch diese Chancen. Gleichzeitig haben sie aber gelernt, das ihre Kunden an langfristigen Beziehungen interessiert sind, die viel Vertrauen und Wissen voraussetzen. Entsprechend strategischer bewegen sie sich auf diesem Feld. Spannend sind Ansätze, die den Austausch der Communities unterstützen und Emergenz erzeugen. Inbound ist hier ein wesentliches Tool, um nicht ins „Blaue“ in eine vage Zielgruppe zu sprechen, sondern mit ganz konkreten Personen ins Gespräch zu kommen. Denn darum geht es ja bei allen Social-Media-Ansätzen von Unternehmen. (Autor: Jacqueline Althaller ist Gründerin und Inhaberin von Communication Presse & PR, einer Münchner PR-Agentur. Davor war sie Pressereferentin bei Dyckerhoff & Widmann und  Digital Equipment. Jacqueline Althaller hat Kommunikationswissenschaften, Markt- und Werbepsychologie und Philosophie studiert.)

„Konsumenten profitieren von der steigenden Anzahl an Kommunikationskanälen“

@kt: Im Gegenteil: Konsumenten profitieren von der Herausforderung, der sich Marketer durch die steigende Anzahl an Kommunikationskanälen stellen müssen. Die zielgruppenorientierte Kombination aus Kanal und Botschaft ermöglicht eine noch individuellere Ansprache, die den richtigen Konsumenten zur richtigen Zeit am richtigen Ort erreicht.“ (Autor: Nico Müller, Teamleader Marketing & Communications bei Billsafe, einer PayPal-Tochter, die Payment auf Rechnung anbietet.)

„Social Media ist erst am Anfang, selektive Konzepte werden folgen“

@kt: Obwohl die derzeit vielfach aufgegriffenen rückläufigen Facebook-Nutzungszahlen in der Öffentlichkeit der Eindruck erwecken könnten, dass es sich bei Social Media nur um einen weiteren Online-Hype gehandelt hat, der nun vorübergeht, ist dies nicht der Fall. Erstens ist Social Media mehr als nur Facebook und zweitens sind die wirklich kreativen Konzepte gerade erst in der Entwicklung. Die bewusstere und selektivere Nutzung von Social-Media-Kanälen durch die Konsumenten wird dafür Sorge tragen, dass nachhaltige und effiziente Social-Media-Konzepte entwickelt werden, die besser in einen Cross-Channel-Kontext eingebunden sind als wahllose Facebook-Gewinnspiele. (Autor: Aline Eckstein ist seit April 2012 Bereichsleiterin des ECC Köln an der IFH Institut für Handelsforschung. Sie koordinierte bereits seit 2008 als Projektmanagerin Forschungsprojekte aus den Bereichen Multi-Channel-Management, Social- und Mobile Business sowie Zielgruppen- und Konsumentenverhalten.)

„Nutzer werden künftig stärker selektieren“

Ich glaube, die Nutzer sozialer Netze werden mit zunehmender Informationsflut immer stärker selektieren, welche Nachricht zu ihnen durchdringen „darf“. Für Unternehmen heißt das, raus aus der Komfortzone, raus aus dem Einheitsbrei! Interpretieren Sie die Daten, die Ihnen Tracking- und Targeting-Technologien liefern, und nutzen Sie diese. Seien Sie kreativ und mutig. (Autor: Michael Hartwig (38) ist seit März 2013 Geschäftsführer der Hamburger Performance-Marketing-Agentur eprofessional. Zuvor war Hartwig Marketingchef bei Zanox und bei der General-Motors-Tochter Opel als Executive Director Brand Marketing für die Marken Opel und Vauxhall verantwortlich.)

„Inhalte müssen relevanter werden“

Die Fülle an Informationen in sozialen Netzwerken ist kein Problem, sondern eine Herausforderung. Mit Sicherheit gibt es Nutzer, die mit dieser Informationsflut überfordert sind. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen auf Facebook und Co. noch stärker darauf achten, wirklich gute und relevante Inhalte mit Mehrwert zu schaffen, damit sie entsprechend Beachtung finden. (Autor: Björn Tantau verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung im Online-Marketing und hat sich auf die Themen Social Media und Suchmaschinenoptimierung spezialisiert. Bei TRG – The Reach Group, einem Beratungsunternehmen für strategisches Online-Marketing, ist er Head of Social Media und Senior Consultant SEO. Im August 2012 wurde sein Buch „Google+: Einstieg und Strategien für erfolgreiches Marketing und mehr Reichweite“ veröffentlicht. Zu seinen früheren Stationen gehören die Hamburg-Mannheimer Versicherungen und Tameco Onlinemarketing.)

Ich glaube nicht, dass eine Überforderung droht

Ich glaube nicht, dass eine Überforderung droht, denn nur die wenigsten Kunden nutzen alle Dialog- und Informationsangebote gleichermaßen. Ich denke vielmehr, dass Unternehmen gut beraten sind, eine Vielzahl von Kanälen anzubieten, über die Kunden sich über das Unternehmen informieren und in einen Dialog treten können. Nur so gelingt es, den veränderten Kommunikationsgewohnheiten der Kunden Rechnung zu tragen und ihnen genau da ein authentisches, individuelles Gesprächsangebot zu machen, wo sie kommunizieren wollen. (Autor: Philipp Pudelko, 35, ist PR Manager Continental Europe bei Klarna, einem Anbieter von rechnungsbasierten Zahlungslösungen für den Online-Handel. Zuvor war er als Berater bei der Kommunikationsberatung ergo Kommunikation in Köln tätig.)

„Kunden nehmen nicht nur die Botschaften von Unternehmen, sondern auch die Bewertungen und Kommentare anderer Teilnehmer im Social-Media-Netz wahr“

Kunden informieren sich zunehmend auch mithilfe neuerer Informationskanäle wie Social Media und nehmen nicht nur die Botschaften von Unternehmen, sondern auch die Bewertungen und Kommentare anderer Teilnehmer im Social-Media-Netz wahr. Eine Überforderung von Konsumenten stellt sich zumeist dann ein, wenn ein Unternehmen sein Social-Media-Engagement halbherzig betreibt und dadurch ein hoher Fragmentierungsgrad der Botschaften entsteht und viele unklare Informationen dominieren. Image oder Kaufanreize lassen sich nur durch ein kanalgerechtes und intensives Betreiben von Social Media vermitteln. (Autor: Thilo Christ, PR-Fachwirt BAW, startete seine PR-Laufbahn im Jahr 1993 bei der PR-Agentur Hiller, Wüst und Partner und wechselte 1995 zur internationalen PR-Agentur Text 100, wo er 1999 die Leitung der deutschen Geschäftsstelle mit über 30 Mitarbeitern übernahm. 2001 gründete der gebürtige Stuttgarter TC Communications und betreut heute mit einem vierköpfigen PR-Expertenteam kleine und große Unternehmen, hauptsächlich aus dem B2B- und Technologieumfeld.)

 Dieser Beitrag erschien erstmals im Schwerpunkt "Social Media Marketing", e-commerce Magazin 05/2013  

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