Woher nur kommt das Geld?

Der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) ist die Interessenvertretung der Private Equity-Branche in Deutschland. Geschäftsführerin Ulrike Hinrichs (im Bild) erklärt im Interview, wie sie den derzeitigen Gründerboom in Deutschland beurteilt.

ECM: Im Moment wird teilweise von einer Gründerblase gewarnt. So berichtete jüngst ein Anleger, der anonym bleiben wollte und von 2010 bis 2012 in Start-ups investiert hat im „Wharton Blog“, dass er Anteile komplett abstoßen wolle: „Wir verkaufen alles, wir sehen genau die gleichen Warnsignale wie vor dem Crash der Dotcom-Blase“. Sehen Sie das auch so? Oder ist das nur Panikmache? Was steckt dahinter?

Ulriche Hinrichs: Es ist richtig, dass die Bewertungen in der jüngeren Vergangenheit angezogen haben. Aber gute Unternehmen mit besonders erfolgversprechenden Geschäftsmodellen und guten Teams rechtfertigen auch hohe Bewertungen.

ECM: Hat sich die Mentalität der Gründer seit dem Dotcom-Boom verändert und wenn ja, inwiefern?

Ulrike Hinrichs: Investoren haben aus den Fehlern der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende gelernt. Sie unterscheiden inzwischen sehr kritisch zwischen qualifizierten Gründungen mit Substanz und offensichtlichen Luftschlössern. Das wissen die Gründer auch. Zudem sehen sie, welche Unternehmen erfolgreich sind und Kapital erhalten und orientieren sich daran.

ECM: In welchen Bereichen des e-commerce sehen Sie derzeit die spannendsten Neuentwicklungen?

Ulrike Hinrichs: Ein Blick auf die Finanzierungen der letzten Monate zeigt, dass verschiedenste Geschäftsmodelle Investoren überzeugen konnten. Darunter sind Abo-Modelle und Lieferdienste genauso wie Shops für diverse Lebensmittel oder Bekleidung.

ECM:Was ist für Sie das wichtigste Kriterium eines Startups? Gibt es einen „Garanten“ – soweit man das sagen kann – für Erfolg?

Ulrike Hinrichs: Aus Sicht der Investoren wird immer wieder auf das Team als entscheidender Faktor hingewiesen. Dieses sollte Erfahrung, Expertise und Motivation bzw. eine gute Mischung dieser Faktoren mitbringen. Zudem sollte das Geschäftskonzept überzeugen und Wachstumspotentiale haben.

ECM: Gibt es Unterscheide zwischen deutschen Gründern und anderen europäischen/internationalen Gründern?

Ulrike Hinrichs: Ambitionierte Gründer verfügen heute meist über internationale Erfahrungen aus der Ausbildung oder früheren Tätigkeiten. Insofern kann man hier keine pauschalen Unterschiede finden. Und für den Erfolg des Unternehmens und bei der Kapitalsuche zählen – unabhängig davon ob in Deutschland oder in anderen Ländern gegründet wird - die gleichen Erfolgsfaktoren.

Ulrike Hinrichs studierte Germanistik, Chemie und Politikwissenschaften in Göttingen und Wien. Neben ihrer mehrjährigen Tätigkeit als freie Autorin für diverse Tageszeitungen war sie seit 1999 Redakteurin der ARD und des ZDF, wo sie unter anderem bei den Sendungen „Kennzeichen D“ und „Frontal 21“ arbeitete.  2005 wurde sie Leiterin der Presse- und Kommunikationsabteilung des Bundeslandwirtschafts- und Verbraucherschutzministeriums unter Horst Seehofer. Anschließend übernahm Frau Hinrichs die Leitung des Büros der Staatsministerin Cornelia Pieper im Auswärtigen Amt, bevor sie 2011 Geschäftsführerin des BVK wurde. Seit 2014 fungiert Hinrichs als geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim  Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Der BVK  ist die Interessenvertretung der Private Equity-Branche in Deutschlan, die Private Equity-Gesellschaften – von Venture Capital über Wachstumsfinanzierung bis zum Buy-Out-Bereich – umfasst sowie institutionelle Investoren, die in Private Equity investieren. Der BVK vertritt rund 300 Mitglieder, davon 185 Beteiligungsgesellschaften.

Dieser Beitrag erschien erstmals im e-commerce Magazin 08/2015.

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