Zahlungsverkehr im E-Commerce: Bewährte Klassiker und neue Trends

Kunden legen Wert auf Komfort: maximale Verfügbarkeit, einfachste Nutzung und schnelle Abwicklung stehen hoch im Kurs. Und all das bei gewohnter Sicherheit, auch wenn neueste Technologielösungen auf Smartphones und Tablets beim Bezahlen zum Einsatz kommen. Zu den traditionellen Playern wie Banken und Kartenorganisationen (etwa Visa und MasterCard), die noch immer großes Vertrauen bei den Kunden genießen, drängen neue Wettbewerber auf den Markt. Diese stammen oft aus vormals bankenfremdem Umfeld, etwa der Mobilfunksektor oder auch Anbieter wie PayPal. Sie alle bieten innovative Bezahllösungen und konkurrieren mit den traditionellen Anbietern. Doch noch sind viele Kunden zurückhaltend, was die Sicherheit der neuen Methoden angeht.

Für Händler stellt sich die Frage, wie sie im E- und M-Commerce zügigen, kostengünstigen und reibungslosen Zahlungsablauf gewährleisten können, der unterschiedlichen Kundenbedürfnissen gerecht wird und gleichzeitig die eigene Wirtschaftlichkeit sicherstellt. Eines ist klar: Eine Vielzahl von Zahlungsmethoden reduziert die Kaufabbruchquote im Online-Shop deutlich. Denn wenn Kunden ihr bevorzugtes Zahlungsmittel im Shop nicht finden, ist die Konkurrenz nur einen Klick entfernt. Noch immer sind Klassiker wie Kauf auf Rechnung, Kreditkartenzahlung, elektronisches Lastschriftverfahren (ELV) und PayPal gängig und beliebt. Dabei rangiert die Kreditkarte mit weltweit mehr als drei Milliarden Inhabern an erster Stelle.

Beruhigend für Händler: Die großen Kreditkartenorganisationen haben mit MasterCard SecureCode und Verified by Visa Schutzvorkehrungen getroffen. Durch die erweiterte Haftungsumkehr ist im Falle des Zahlungsausfalls die kartenherausgebende Bank – und nicht der Händler – haftbar.

Im Gegensatz dazu birgt die Lastschrift, hierzulande nach wie vor beliebteste Online-Zahlungsart, das größte Risiko für den Händler: Das Ausfallsrisiko ist hier gleich hoch wie bei der Zahlung per Rechnung. Eine Nutzung von Adress- und Bonitätsprüfungssystemen kann das Zahlungsrisiko nachhaltig reduzieren, doch mehr als 30 Prozent der Online-Händler bearbeiten ihre Lastschriften manuell und verzichten auf diese Möglichkeit.

Händler bieten meist Vorkasse per Überweisung, an zweiter Stelle folgen PayPal sowie Zahlung bei Abholung. Erst danach kommen Rechnung oder Kreditkarte, Nachnahme oder Sofortüberweisung, wie eine Studie von ibi research gezeigt hat.

Doch neben klassischen Bezahlverfahren gibt es auch speziell für den E-Commerce entwickelte  Verfahren. Werden diese über mobile Endgeräte abgewickelt, werden sie auch als M-Payments bezeichnet. Der Vorteil für Händler: Diese wurden speziell auf den Online-Handel zugeschnitten und bieten je nach Anbieter auch eine Zahlungsgarantie für den Betreiber. 

Zu den nutzerkontounabhängigen E-Payment-Verfahren zählen etwa Zahlungen mit paysafecard: sie erfolgen ohne Vorab- Registrierung des Nutzers beim Zahlungssystemanbieter. Der Nutzer lädt ein Guthaben auf, erwirbt Codes oder Seriennummern und setzt diese zur Zahlung ein. PayPal, mpass oder die kontogebundene Prepaidkarte zählen dagegen zu den nutzerkontogebundenen Verfahren, bei denen bei Kontoeröffnung zahlungsrelevante Daten, etwa die Adresse, hinterlegt werden müssen. Bei Direktüberweisungen wie giropay wird das online-bankingfähige Bankkonto des Kunden genutzt.

Welche Vorteile bieten M-Payments für Händler?

Das Verhalten der Konsumenten hat sich verändert, anstelle des PCs werden mobile Geräte wie Smartphones und Tablets zum Surfen und Shoppen im Internet eingesetzt. M-Payment hat viele Gesichter: Mobiles Bezahlen ist in unterschiedlichen Varianten möglich. In der einfachsten Form wird über den Browser des  Smartphone oder Tablet im Online-Shop eingekauft; alle dort angebotenen Zahlungsverfahren lassen sich so nutzen.

Mit speziellen Apps wird das mobile Einkaufen noch einfacher und der Besuch des Online-Shops ist nicht mehr nötig. Die App bietet Konsumenten ein verbessertes Einkaufserlebnis, einfachere Bedienung und nützliche Zusatzfunktionen. Direkt über die App werden Bestellungen aufgegeben und Zahlungen angewiesen, meist per Kreditkarte, Lastschrift oder Rechnung.

Das mpass-Verfahren von O2, Vodafone und T-Mobile dagegen kombiniert Lastschriftverfahren mit zusätzlichen Sicherheitsprüfungen. Der Nutzer gibt Zahlungen mittels einer mTAN frei, die er per SMS erhalten hat. Dazu muss er sich mit seiner Handynummer bei mpass registriert haben. In Deutschland steht das Verfahren rund 70 Millionen Teilnehmern offen. Noch wenig verbreitet sind Mobile Wallets, die Verwendung des Smartphone als Geldbörse. Die notwendigen Angaben werden dabei entweder im Smartphone selbst (hier bietet die SIM-Karte den besten Schutz) oder zentral in der Cloud gespeichert. Denkbar ist auch der Einsatz von Apps als Mobile Wallet. Virtuelle Wallets sind in Deutschland noch recht unbekannte Dienste, die MasterCard (PayPass Wallet)  und Visa (V.me) anbieten. Der Vorteil soll in der erhöhten Sicherheit und der vereinfachten Zahlungsabwicklung durch One-Click Checkouts liegen.

Seit Einstellung des Zahlungsdienstes Google Checkout im Herbst 2011 arbeitet Google an der Einführung der „Google Wallet“ als M-Payment-System. Konsumenten speichern ihre Kreditkarten in der Google Wallet, aber auch Gutschein- oder Bonuspunktekarten sollen sich so verwenden lassen. Auch PayPal, das mit über 200 Millionen registrierten Anwendern attraktivste Online-Zahlungsverfahren für den E- und M-Commerce, bietet Möglichkeiten für das mobile Bezahlen. Mit E-Payment-Verfahren können Händler dem Bedeutungszuwachs mobilen Zahlens nachkommen. Bisher rein stationäre Händler wandeln sich zu Multi-Channel-Anbietern, weil sie die Vorteile für sich und die Kunden erkannt haben. Bei mpass sind etwa Sicherheit und Bequemlichkeit gegeben, denn Identität der Kunden und Existenz ihrer Bankverbindung werden in Echtzeit geprüft.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt, denn bis sich die neuen Zahlmethoden bei Händlern durchgesetzt haben und von Kunden allgemein akzeptiert werden, wird es dauern. Bis dahin können Kaufabbrüche die Folge sein, wenn ausschließlich E-Payments angeboten werden.

Das Ende der Lastschrift?

Die Verwirklichung der Single Euro Payments Area (SEPA) setzt neue Trends im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr innerhalb Europas. Ziel ist die Vereinheitlichung des Bezahlens. Das in Deutschland bislang gängige  Lastschriftverfahren soll dabei im Zuge neuer gesetzlicher Regelungen von 2014 bis 2016 durch die SEPA-Lastschrift ersetzt werden. Künftig ist eine nachweisliche schriftliche Einwilligung des Kunden erforderlich. Eine elektronische Lösung wird es hierfür laut Deutscher Bundesbank nicht geben, womit sich die SEPA-Lastschrift kaum als E-Commerce-taugliches Zahlungsmittel etablieren wird. Damit bieten die Kreditkartenzahlung, die Vorauskasse und PayPal auch künftig das größte Potenzial.

Wie Händler und Kunden bei neuen Modellen gemeinsame Präferenzen finden können

Wer seinen Kunden entgegenkommen und so seinen Umsatz steigern möchte, sollte neben klassischen Zahlungsmitteln auch innovative Verfahren anbieten.  Dabei müssen Händler die für ihre Kunden entscheidenden Kriterien kennen. Das Verfahren muss vom Kunden akzeptiert und tatsächlich genutzt werden – neue Smartphone-basierte Technologien werden beispielsweise eher von einem jüngeren Publikum genutzt. Auch eine Registrierungspflicht wie bei PayPal, Skrill oder ClickandBuy kann eine zusätzliche Hürde darstellen.

Verschiedene E-Payment-Verfahren im Online-Shop sorgen für mehr Zufriedenheit und mehr Umsatz. Vielfalt muss dabei nicht aufwändig sein, sofern ein Händler einen Payment Service Provider (PSP) oder einen Technologiepartner als qualifizierten Experten einsetzt. Mit einem so optimierten E-Payment-Angebot lassen sich durch zusätzliche Leistungen wie Risiko- oder Bonitätsprüfung mögliche Ursachen für Zahlungsausfälle bereits im Vorfeld erkennen und vermeiden.

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