Ägypten hat sich zu einem attraktiven Outsourcing-Standort entwickelt

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Outsourcing wächst – trotz oder gerade wegen der weltweiten Rezession. Der Wert des weltweiten Marktes für die Auslagerung von Dienstleistungen betrug im Jahre 2006 930 Milliarden US-Dollar und wird laut einer aktuellen Studie der weltweit agierenden Beratung Frost & Sullivan bis Ende 2009 auf 1.430 Milliarden US-Dollar steigen. Diese Einschätzung teilt auch Equa Terra, ein international tätiger Sourcing-Spezialist. Demnach wachse die Nachfrage nach der Auslagerung von IT-Dienstleistungen sowie ganzer Geschäftsprozesse (Business Process Outsourcing, BPO) und sei besonders stark im EMEA-Wirtschaftsraum, also Europa, Nahost und Asien.Etablierte Outsourcing-Anbieter wie Indien und China sowie etliche Akteure im Second Level Support, darunter Russland, Irland, die Philippinen, Malaysia und Israel, ziehen sich aus dem von der Rezession geschwächten nordamerikanischen Markt zurück und suchen Geschäftsmöglichkeiten in Europa und Nahost.

Ägypten etabliert sich dabei rasch als Tor zu den Absatzgebieten in Nahost und Kontinentaleuropa. Es zeichnet sich durch seine wachsende Infrastruktur für Informations- und Kommunikationstechnik aus (ITK); desweiteren durch kostengünstige Dienstleistungen, qualifizierte Arbeitskräfte und ein offenes Geschäftsumfeld. Ägyptens Attraktivität als Outsourcing-Standort ist in den letzten Jahren parallel zur Entwicklung seiner ITK-Infrastruktur kontinuierlich gestiegen.

Das ägyptische ITK-Segment hat über die letzten drei Jahre eine Wachstumsrate von 20 Prozent aufrecht erhalten und mehr als 8 Milliarden US-Dollar an Investitionen aus dem In- und Ausland angelockt.

Laut A.T. Kearney rangiert Ägypten damit als Anbieter von IT-Offshore-Leistungen weltweit an 13. Stelle. Auch in einer vom Martkforschungsunternehmen Gartner verfassten Studie über weltweite Outsourcing-Standorte wurde das Land kürzlich in die Liste der Top 30 aufgenommen. Die National Outsourcing Association (NOA) verlieh Ägyptens wachsendem Status als Outsourcing-Markt 2008 mit dem Titel “Offshoring Destination of the Year” weitere Anerkennung.

Die ägyptische Regierung erklärte die Entwicklung der Outsourcing-Industrie zur obersten Priorität und schuf mit der Information Technology Industry Development Agency (ITIDA) eigens eine Behörde, um in Ägypten die Infrastruktur für Informations- und Kommunikationstechnik mit dem Schwerpunkt Outsourcing zu fördern.

Vertreter der ITIDA haben mehrfach darauf hingewiesen, dass Ägypten sich für die Entwicklung seiner ITK-Branche das Wachstum der indischen Outsourcing-Industrie zum Vorbild nimmt. Es macht sich dabei die Gemeinsamkeiten beider Länder hinsichtlich ihrer Demographie, ihres Bildungswesens und ihres Unternehmertums zunutze. Ägypten hat sich strategisch als ernsthafter Outsourcing-Partner ausgerichtet, um etablierten Akteuren wie Indien dabei zu helfen, die schnell wachsende Nachfrage nach Outsourcing-Leistungen in Europa und Nahost anzuzapfen.

ITIDA arbeitet kontinuierlich an einer Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Indien und Ägypten. Eine Verständigungsvereinbarung mit NASSCOM (indische Handelskammer für Software) wurde unterzeichnet, um die bilateralen ITK-Beziehungen der Länder zu festigen. Ebenso schloss man Absichtserklärungen mit drei von fünf führenden indischen Unternehmen im Bereich IT/BPO ab, was Ägyptens ausgeprägtes Interesse an einer Partnerschaft mit Indien demonstriert. In gewisser Hinsicht wird damit eine bereits lange bestehende Wirtschaftsbeziehung der beiden Nationen fortgeführt. Indische Direktinvestitionen in Ägypten belaufen sich auf 800 Millionen US-Dollar und sind auf 200 ägyptische Unternehmen verteilt.

Ägyptens ICT-Industrie wird weithin für ihre deregulierte und privatisierte Struktur geschätzt. Ermöglicht wurde dies durch visionäre politische Grundsatzentscheidungen und eine der Branche gegenüber prinzipiell sehr wohlgesonnene Regierung. Laut einer offiziellen Zielvorgabe für Ägyptens Outsourcing-Markt möchte man bis 2019 Umsätze in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar erreichen, was mehr als einer Vervierfachung der Zahlen von 2005 entspricht. Die Regierung hat hierfür systematisch an der Entwicklung einer Outsourcing-freundlichen Infrastruktur gearbeitet.

Ägypten verfügt heute über einen relativ groß;en und schnell wachsenden Pool von IT-Spezialisten, deren Mehrsprachigkeit bei der Geschäftsabwicklung mit internationalen Kunden einen klaren Vorteil darstellt. Das Land kann jährlich auf 330.000 Absolventen zurückgreifen; 20.000 davon haben sich in den Bereichen IT und Ingenieurwesen spezialisiert. Viele der Experten sprechen zudem nicht nur fließ;end englisch und arabisch, sondern auch deutsch, französisch, italienisch und spanisch.

Um diesen Talentpool weiter auszubauen, hat die Regierung verschiedene Initiativen ins Leben gerufen. Das Information Technology Institute (ITI) in Kairo wurde 1933 von der Regierung gegründet und bietet Hochschulabsolventen spezielle Trainingsprogramme in der Software-Entwicklung an. Auß;erdem organisiert das Institut IT-Kurse sowie berufliche Weiterbildung für die ägyptische Regierung, für Ministerien und für lokale Zentren der politischen Entscheidungshilfe.

Mit der Egyptian Education Initiative (EduEgypt) gibt es auch im privaten Sektor eine entsprechende Initiative, die sich für die Verbesserung der ITK-Ausbildung einsetzt. Sie wird von führenden IT-Unternehmen wie Cisco, HP, IBM, Intel und Microsoft unterstützt. Darüber hinaus wird in Ägypten allen Studenten vor ihrem ersten akademischen Grad IT-Wissen vermittelt, und zwar unabhängig davon, in welchem Fach der eigentliche Abschluss erfolgt.

Multinationale Unternehmen geben bei ihrer Suche nach Offshore-Standorten der Infrastruktur die höchste Priorität. Die ägyptische Regierung hat dementsprechend viel Geld investiert, um Anlagen auf Weltklasse-Niveau bieten zu können. So wurde zum Beispiel im Rahmen eines Public-Private-Partnership in Kairo das Smart Village gegründet: Ein spezialisiertes, modernes Gewerbegebiet, das sich über 600 Hektar erstreckt und über 100 Unternehmen mit berühmten Namen wie Ericsson, HSBC, HP, Orange, Teleperformance, SQS und Vodafone sowie zahlreiche ägyptische Unternehmen beherbergt. Das Gebiet ist mit einem Glasfasernetzwerk, multiplen Stromversorgungsquellen, Fernwärme und Klimaanlagen sowie modernen Gemeinschaftseinrichtungen und Wohnungen ausgestattet. Über 13.000 Experten sind hier untergebracht und die Zahl wird bis 2014 auf voraussichtlich 40.000 steigen. Kairos zweites Gewerbegebiet, der Maadi Contact Center Park, befindet sich im Bau und wird weiteren 45.000 Angestellten Platz bieten. Darüber hinaus zählt Ägypten zu den Ländern mit den niedrigsten Telekommunikationskosten weltweit. Betriebsbereite VoIP-Telefonie steht den Benutzern im globalen Vergleich zu konkurrenzfähigen Internettarifen zur Verfügung.

Groß;e Konzerne sind vorsichtig, wenn es darum geht vertrauliche und hoch sensible Daten freizugeben: Uneingeschränktes Vertrauen zu ihren Dienstleistern ist somit absolute Bedingung. Die ägyptische Regierung hat Gesetze ins Leben gerufen, die das Recht am geistigen Eigentum (IP) schützen und Piraterie verhindern sollen. Damit wird Unternehmen, die einzelne Geschäftsfunktionen nach Ägypten auslagern, ein sicheres Geschäftsumfeld gewährleistet.

So hat die Regierung in Ägypten bereits kurz nach der Jahrtausendwende Abkommen mit Software-Anbietern verabschiedet, um Regierungsbüros und Ausbildungsinstitutionen mit Zugangsberechtigungen für Computersoftware auszustatten. Im Zuge dessen sanken die Fälle von Software-Piraterie im Jahre 2007 um drei Punkte auf 60 Prozent, einen vollen Prozentpunkt unter den weltweiten Median, wie aus der fünften jährlichen BSA and IDC Global Software Policy-Studie hervorgeht. Diesen Erfolg verdankt das Land auch einigen groß;angelegten Aufklärungskampagnen der Regierung zu Themen wie Piraterie und Urheberrechte, über die landesweit in Seminaren und Workshops unterrichtet wurde.

Ägyptens Ministerium für Kommunikation und Informationstechnologie (MCIT) reformierte zudem das Urheberrechtsgesetz und führte im Juni 2002 ein neues Gesetz zum Schutz von geistigem Eigentum ein. Das neue Gesetz befasst sich mit grundlegenden Immaterialgüterrechten und behandelt Patente, den Aufbau integrierter Halbleiterschaltungen, Handelsgeheimnisse, Industriedesign, Markenzeichen und geographische Herkunftsangaben, den Schutz von Industriedesign sowie Urheberrechte und den Sortenschutz. Die ägyptische Gesetzgebung wurde damit in diesem Bereich auf den weltweit neusten Stand gebracht und folgt den Auflagen der Welthandelsorganisation WTO, wie sie im Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights (TRIPS) zusammengefasst sind.

Dieser Schritt hat Ägypten weltweit in ein äuß;erst positives Licht gerückt und zeigt die Bereitschaft des Landes zu modernisieren und mit dem Wandel der Zeit Schritt zu halten.

Auch wenn Ägypten in den Punkten Standort, geistiges Eigentum, Nachwuchskräfte und Infrastruktur an Marktbedeutung gewonnen hat, so gibt es dennoch Bereiche, in denen Gesetze rationalisiert und Systeme vereinfacht werden müssen. Dies gilt vor allem für einen vereinfachten Zugang zur Grundstückserschließ;ung, die Erleichterung der Kapitalbeschaffung für kleine und mittelständische Unternehmen sowie die Verminderung von bürokratischen Hindernissen – allesamt Themen, die engagierte politische Maß;nahmen notwendig machen.

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