Analyse: Apple steigt ins Mobile Payment ein

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Nach übereinstimmenden Meldungen soll Apple mit dem iPhone 6 eine umfassende Mobile-Payment-Lösung für den stationären Handel auf Basis von Kreditkartentransaktionen anbieten. Was ist der Hintergrund und was bedeutet das? Fünf Fragen hierzu an PD Dr. Key Pousttchi, Leiter Forschungsgruppe wi-mobile der Universität Augsburg.

ecm: Wie wird das Bezahlen für den Kunden ablaufen?

Pousttchi: Es ist davon auszugehen, dass Apple sowohl iBeacons (auf Bluetooth-Basis) als auch NFC (Near Field Communication) unterstützen wird. Zwar verwendet Apple in seinen eigenen Stores in den USA bereits reine Bluetooth-Lösungen, kommt aber im stationären Handel derzeit noch nicht an den existierenden Geschäftsprozessen der Händler und Payment Service Provider vorbei, das heißt es wird eine NFC-Transaktion an der Kasse geben: Der Kunde hält sein Mobiltelefon zum Bezahlen an das Kartenterminal an der Kasse und bestätigt dann auf dem Telefon die Zahlung, zum Beispiel durch Fingerabdruck.

ecm: Wo wird man damit bezahlen können?

Pousttchi: Theoretisch überall, wo man bereits jetzt mit einer Kreditkarte von Mastercard, VISA oder American Express bezahlen kann. Praktisch allerdings nur dort, wo die Terminals für kontaktlose Transaktionen ausgerüstet sind. Das sind hierzulande nur etwa fünf Prozent, damit liegt Deutschland weit unter dem europäischen und internationalen Durchschnitt. Dies wird sich allerdings schnell ändern, sowohl durch die kommende kontaktlose ec-Karte als auch durch die Vorgabe von Mastercard, dass alle neuen Terminals künftig NFC-fähig sein müssen.

ecm: Was ändert sich für den Händler?

Pousttchi: Zunächst einmal nichts, für ihn ist es eine normale Kreditkartentransaktion – das Telefon verhält sich nicht anders als eine kontaktlose Kreditkarte. Der Händler hat auch weder eine Kontrolle darüber, ob Kunden mit dem iPhone zahlen können, noch bekommt er mehr Daten als zuvor. Auf mittlere Sicht wird Apple den Händlern aber entsprechende Angebote für Zusatzdienste machen.

ecm: Bisher sind alle M-Payment-Verfahren in Europa und Nordamerika gescheitert. Welche Aussichten hat das Verfahren auf einen Marktdurchbruch?

Pousttchi: Bei der Usability kann man kann davon ausgehen, dass Apple keine Fehler macht. Dabei profitieren sie davon, dass sie als einziger Player das Endgerät, das Betriebssystem und das Secure Element selbst beherrschen, sodass sie hier keine faulen Kompromisse machen müssen. Beim Wertschöpfungsnetz hängen sie sich einfach an das bestehende Ökosystem der Kreditkarten an. Zwar hat iOS deutlich weniger Nutzer als Android, aber erstens sollte der Anteil der Kreditkartenbesitzer dabei weit überdurchschnittlich sein und zweitens stellen diese Nutzer für viele Händler eine sehr interessante Zielgruppe dar. Es ist eine Nischenlösung, aber sie ist querschnittlich und problemlos – wenn keine groben Schnitzer mehr auftauchen, sind die Aussichten sehr gut.

ecm: Warum tut Apple das und was wird sich im Markt verändern?

Pousttchi: Auf kurze Sicht wird sich nichts verändern, außer dass Apple vermutlich etwas Kleingeld aus den Transaktionsgebühren verdient. Aber in Wirklichkeit geht es um die Kundendaten – hier liegt der Markt der Zukunft. Und Bezahldaten sind dabei die spannendsten Daten überhaupt: In den USA kann Mastercard bereits heute sehr viel besser vorhersagen, wer sich in fünf Jahren scheiden lassen wird, als es die Leute selbst können. Auf mittlere Sicht wird sich im Markt also sehr viel verändern. Das Marketing für Endkunden wird sich in den nächsten fünf Jahren mehr verändern als in den 40 Jahren davor. Dazu hat Apple jetzt den Startschuss gegeben.

Zur Person: PD Dr. Key Pousttchi gründete 2001 die Forschungsgruppe wi-mobile. Der Augsburger Mobile-Business-Pionier forscht seit mehr als 12 Jahren über mobile Bezahlverfahren und ist international einer der führenden Forscher in diesem Bereich, unter anderem entwickelte er das Mobile-Payment-Referenzmodell und leitete das National Roundtable Mobile Payment der deutschen Banken und Mobilfunkanbieter für das Bundeswirtschaftsministerium. Sein neues Buch “Megatrend Mobile – wie Smartphones uns und unsere Welt wirklich verändern werden” erscheint 2015.

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